KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2021 KW 10

Montag

Der Satz des Tages fiel schon beim Warten vor dem Speisesaal auf das Frühstück:

,,Ich war ja sogar einmal Stewart auf einer Katzenausstellung!''

Es ist doch wundervoll, wenn man es im Leben zu etwas gebracht hat!

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Schöne Erkenntnis: Ich schaffe es immer wieder, positive Schlüsse aus negativen Erlebnissen zu ziehen und den Fokus in die Zukunft zu richten.

Ich lerne gerade mit meinem schwersten dysfunktionalen Muster umzugehen und das ist wie zu erwarten war, sehr, sehr schwer. Es überlagert sogar das Thema Essen (wozu ist Essen nochmal gut? Hat jemand eine Idee? Mir fällt nichts ein …).

Auf meinem Whiteboard steht: ,,4W3'', also noch vier Wochen und drei Tage, bis ich nach Hause kann/darf/muss. Bis dahin kann ich mich also noch ganz bequem (haha!) mit meinem ,,Muster'' befassen und ich bekomme ein ganz klein wenig Riesenangst davor.

Dienstag

Nicht ganz so gut geschlafen. Zum ersten Mal seit Tagen (Nächten) sind die Träume nicht mehr erinnerlich. Kann auch mal passieren.

Träume erinnern ist übrigens reine Übungssache, wie ich finde!

Da ich jedoch keinen Traum aufschreiben kann und der Feedreader leer gelesen ist, bin ich über die frühmorgendliche Tagesgestaltung ein wenig verunsichert: Soll ich im Buch weiterlesen oder lieber die ,,Später-Lesen!''-Liste durchgehen?

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Auf leisen Sohlen um sechs Uhr runter in den Patientenwaschkeller geschlichen und eine der Waschmaschinen gefüttert. Nach dem Frühstück ist die Wäsche dann fertig. Ich bilde mir viel darauf ein, dass ich im Gegensatz zu den anderen hier früh aufstehen kann.

Da ich mit vier Wochen Klinikaufenthalt ja schon ein alter Hase bin, ziehe ich nachher zur Einzeltherapie (wir alten Hasen sagen dazu nur kurz ,,Einzel''!) schon die Treckingschuhe an, weil ich nach dem Termin sicher spazieren gehen muss.

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,,Einzel'' und die darauf folgende Therapie waren extrem anstrengend. Durstig lief ich in mein Zimmer, um meine Klean Kanteen aufzufüllen, doch das Wasser war abgestellt. Schlecht gelaunt und von großem Durst gequält marschierte ich zum Discounter, um Wasser zu kaufen. Danach Spaziergang den Ohbach entlang bis fast zur Kapelle in seltsamer Stimmung.

Abends wurde mir kalt und ich bekam eine kleine Fressattacke. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mein Körper nach Energiezufuhr schrie. Danach bin ich unter die warme Bettdecke geschlüpft und habe noch ein wenig gelesen.

Mittwoch

Fast zwölf Stunden geschlafen und zermatscht, aber auch irgendwie erquickt aufgewacht. Eigentlich hatte ich vorgehabt, wegen der Fressattacke am Abend zuvor das Frühstück ausfallen zu lassen, aber da hier Struktur alles ist, bin ich doch ganz normal morgens runter in den Speisesaal gegangen und das fühlte sich gut an.

Am Nachmittag lief ich wie geplant über den Ohbach zur Kapelle und von dort aus über das Schmelztal zurück. Ein schöner, nicht zu ausführlicher Spaziergang!

Den Abend verbrachte ich ruhig auf dem Zimmer.

Donnerstag

Der Tag begann mit einer guten Nachricht: Die Gorch Fock schwimmt wieder!

Endlich sind die Weltmeere wieder sicher und Captain Jack Sparrow hängt das Seeräuberhandwerk entgültig an den Nagel! Die Bundesmarine gilt ja gerade wegen ihrer Offiziersausbildung auf einem Segelschiff nicht umsonst als die beste der Welt (,,Die Besten der Besten der Besten der Besten!'')! Genau wie die Panzeroffiziere des Heeres erst einmal Reiten lernen (die Panzertruppe ist ja aus der Kavallerie entstanden) und die Piloten der Luftwaffe mit Heissluftballonen aufsteigen, bevor sie auch nur in die Nähe eines Flugzeugs gelassen werden, müssen eben auch Offizierinnen und Offiziere der Marine erst einmal in die Wanten!

Das ist uns Steuerzahlern gerne die eine oder andere Million Euro wert! Besser, der Staat gibt das Geld für ein altes Segelschiff aus (und es ist ja soooo schön!), als das er es nachher noch irgendwelchen Altenpflegern hinterherwirft …

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Ich denke, ich werde die Kategorie ,,Gedankensalat'' auflösen und hier in den Wochenüberblick integrieren. Das macht es irgendwie übersichtlicher.

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Gebäckwagen

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Indertagungsstätte

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Vögelstimmen

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Gefühle sind wichtig, aber auch sehr anstrengend!

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Das Gewicht ist um 500 Gramm gestiegen und obwohl das wahrscheinlich nur Wasser usw. ist, frustriert mich das sehr. Der Ärger kumuliert weiter, angestachelt durch Baulärm und einem Test der Signalanlage während der Gruppentherapie.

Aus dem Gefühl einer großen Ungerechtigkeit erwächst Trotz und daraus die Kraft, weiter zu machen. Manchmal braucht es dazu nur einen Bach, einen Baum und ein paar singende Vögel.

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Ein Freund hat mir angeboten, mich am Entlassungstag aus der Klinik mit dem Auto abzuholen und das macht mir große Freude. Hoffentlich kann ich in seinem Wagen meine Playlist ,,Abflug'' anhören!

Freitag

Zwischen den Therapien immer auf Achse gewesen. Die Einzeltherapie hat mir wieder so einiges abverlangt, aber ich bekam ein kleines (sehr kleines) Büchlein mit, dass mir für mein Problem ein Lichtblick ist. Die Muster (,,das Monster'') sind jedoch äußerst stark in mir.

Eine Mitpatientin sprach mich an und zeigte sich besorgt, weil ich in den letzten Tagen so in mich gekehrt sei. Ich beruhigte sie und erklärte, dass in mir gerade viel arbeitet. Schon interessant: Wenn der Clown mal stiller ist, fällt es immerhin auf.

Samstag

Es ist schon schade, dass die Fuckinggasse in Bad Honnef gar kein Straßenschild hat.

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Vormittag ,,Shopping'' im Hit (eine Kette, die ich bis dato noch nicht kannte), im Drogeriemarkt und (da es gerade eh regnete) im Elektrofachmarkt. Eine höhere Macht befahl mir den Kauf eines Bluetooth-Lautsprechers mit Karabinerhaken und wer bin ich, dass ich höheren Mächten widersprechen darf?

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Am Nachmittag eine kleine Wanderung nach Königswinter zum Kaufmannsladen. Dort gibt es den besten Kaffee der Gegend. Auf dem Rückweg von einem mordorhaften Unwetter überrascht worden, dass wir aber dank ordentlicher Ausrüstung (Regenjacke! Festes Schuhwerk!) nicht nur gut durchgekommen sind, sondern auch Spaß wie kleine Jungen hatten. Nach der Rückkehr in die Klinik schnell umgezogen und zum Yoga gehumpelt. Danach direkt Abendbrot, Dusche und mich zum Sterben Schlafen zurückgezogen.

Sonntag

Schlaftag. Zimmertag. Telefoniertag. Lesetag.

2021 KW 09

Montag

Gut geschlafen. Gerne schreibe ich ,,Gut geschlafen'' in mein Tagebuch. Fortschritte in der Therapie. Dinge (,,Skills'') gelernt. Ich bin übrigens ein Gefäß.

Momentanes Lieblingslied: Mládek von Russian Circles.

Dienstag

Träume von sich selbst röstendem Brot begleiteten mich durch die Nacht. Bei Klassik Radio Movie läuft die Filmmusik von Forrest Gump und den Film möchte ich auch mal wieder sehen.

Viel über Beziehungen gelernt.

Abendspaziergang hinter dem Residenzhotel zum Park Reitersdorf. Von dort aus weiter den Mühlenweg gefolgt und bevor dieser dann zur Röhndorfer Straße abbiegt, über eine Fußgängerbrücke zum Rheinufer rüber. Am Rhein entlang dann wieder zurück. Das ist meine fast tägliche ,,Patrouille'' mit ungefähr 5.500 Schritten.

Mittwoch

Ich mache einen Spaziergang zur Fuchshardt-Kapelle. Leider habe ich meine ,,Dauerbrenner''-Kerze in der Klinik vergessen. Da ich die Teelichter nicht sonderlich mag, werde ich mir wohl mal ein paar Tafelkerzen (so heißen die großen weißen Dinger doch, die auch Miss Sophie in ihren silbernen Kerzenständern hat, oder?) besorgen. Eine entsprechende brandsichere Vorrichtung gibt es ja noch.

Durch die viele Denkarbeit während und zwischen den Therapien bin ich andauernd müde, obwohl ich gut schlafe. Ich denke darüber nach, mich sicherheitshalber mal ärztlich durchchecken zu lassen.

Donnerstag

Unruhig geschlafen. Gefühlsaufwallungen kamen hoch, Gefühlsaufwallungen wurden verarbeitet. Totale Erschöpfung. Mittagsschlaf gehalten. Von Bohrarbeiten geweckt worden. Schlechtes Gewissen. Mittagsschlaf! Ich darf doch keinen Mittagsschlaf halten! Hitler hat Mittagsschlaf gehalten! Was kommt als nächstes? Drogen? In Bahnhofsbuchhandlungen herumlungern und in FKK-Magazinen blättern? Der Hartgeldstrich?

Abends einen Spaziergang durch Wind und Regen gemacht und sehr gefühlig gewesen (Anmerkung: Das ist positiv).

Freitag

Gut aus dem Bett gekommen. In der Teeküche Kaffee gekocht und meinen letzten Traum aufgeschrieben. Im Radio hörte ich von einer Änderung der Geschäftsordnung des Bundestages wegen ,,Vögeleien im Gebäude''. Es waren dann aber doch nur Pöbeleien.

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Die Einträge hier werden immer alberner, wie mir scheint. Aber so gut wie alles andere kann und mag ich hier nicht schreiben und außerdem ist ein wenig Albernheit ja auch mal eine nette Abwechslung, oder?

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Ich habe es ja eigentlich nicht so mit Sprachassistenten und würde mir niemals so eine Jeff-Bezos-Wanze in die Bude stellen. Dennoch bin ich ja ein Spielkind und ärgere mich lustvoll mit dem Google-Assistant herum. Das lenkt mich dann auch mal von meiner ständigen Nabelschau ab.

Samstag

Freundesbesuch! Weit durch die kalte Frühlingsluft (,,die Sonne beißt!'') gewandert und viel geredet und gelacht. Wir wollten unbedingt mal wieder hierhin zurück und uns ohne Klinik und ohne Corona treffen.

Zurück in der Klinik das Abendbrot nicht so gut hingekriegt: Momentan ist das Speisenangebot baustellenbedingt anders als sonst und wir essen auch von Papptellern und mit Plastikbesteck, was ich ziemlich doof finde (ab Morgen gibt es aber wohl wieder richtiges Besteck usw.). Ich war müde und erschöpft von der Wanderung und habe zu viel gegessen. Immerhin hatte ich über 32.000 Schritte auf der Uhr und da wird ein kleiner Ausrutscher wohl nicht so sehr ins ,,Gewicht'' fallen.

Abends nach dem Duschen im bequemen Stuhl gesessen und lange mit einem Freund telefoniert. Sehr früh zu Bett.

Sonntag

Mit der Fähre nach Rolandseck übergesetzt und dort bis zur Höhe Königswinter gewandert. Mit der nächsten Fähre rüber und in Königswinter einen leckeren Kaffee getrunken. Den kann man nämlich hervorragend im Kaufmannsladen kaufen. Da wir zu spät für das mittägliche Lunchpaket (Essenssituation siehe Freitag) kamen, aß ich auf dem Zimmer sogenannte Salamipeitschen (im Sexshop gäbe es die sicher in der _Special-Interest-_Ecke), die ich eigentlich mal als Wanderproviant gekauft hatte und die jetzt aber mal dringend weg mussten.

Nach dem Abendbrot noch meine abendliche ,,Patrouille'' gegangen und für den Tag auf insgesamt 37198 Schritte gekommen.

Samstag, 13.02.2021 bis Freitag, 19.02.2021

Aus dem Leben

Samstag, 13.02.2021

Gut geschlafen. Mir träumte, Freund O. und ich wären auf einem Festival und wir wollten dort zelten. O. hat mich bei meinem Elternhaus mit dem Auto abgeholt. Meine Mutter wollte nicht, dass ich einen Schlafsack mitnehme, aber ich fand dennoch einen in der Garage in einem Holzhaufen. Auf dem Festival mochten mich die Leute nicht. Sie verdächtigten mich, in der Menschenmenge heimlich zu pupsen und ich würde meine wahre Identität verschleihern (,,So ein Name _muss _doch ausgedacht sein!''). Erst mein abgelaufener Personalausweis konnte sie überzeugen. Ein älterer Herr laberte mich voll: Die Jugend würde doch eh nur noch Drogen nehmen und sich dann prostituieren. Der heutigen Jugend würde da Militär fehlen! Schnell ging ich weg. Draußen hatte O. schon das Zelt aufgebaut und bereitete den Grill vor. Ich war gespannt, was der denn wohl veganes grillen würde (O. ist Veganer). Das Zelt war fein eingerichtet: Sogar ein Kissen hatte mir O. hingelegt, weil ich mein eigenes vergessen hatte. Das wärmte mein Herz. So schlecht fand ich Zelten eigentlich nicht mehr! Ich fragte O., ob ich was helfen könne und er bat mich, bei einer der Bands (deren Mitglieder er persönlich kannte) nach einem Trockentuch zu fragen. Da aber das Zelt eh im Garten meines Elternhauses stand, bin ich stattdessen einfach in den Keller gegangen und habe von dort eines geholt.

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Aufgestanden um 6 Uhr. Ich wollte Waschen gehen, doch hatte ich dummerweise vergessen, Kleingeld einzuwechseln. Sehr ärgerlich!

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Die Einzeltherapie war wieder sehr anstrengend, sie hat mich aber auch weiter gebracht. Viel über einen ganz speziellen ,,Tunnelblick'' nachgedacht.

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Lavendelölbaucheinreibung durch mich selbst zur Beruhigung. Erst fühlte ich mich wie ein dummer Teddybär, dann fühlte es sich unangenehm an (in meinem Bauch wohnen viele unangenehme Gefühle), dann wurde es warm und ich entspannte mich.

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Der neue Rucksack wurde geliefert, da mir der Wanderrucksack für meine kleinen Touren hier zu groß ist. Er gefällt mir gut und hat genau die richtige Größe! Große Freude über kleine Dinge.

Sonntag, 14.02.2021

Gut geschlafen und vom Homekneiping geträumt. Unaufgeregter, angenehmer Traum.

Aufgestanden um Viertel vor fünf aufgestanden und pünktlich zum Ende der Nachtruhe (Hausordnung) zwei Maschinen mit Wäsche gefüttert. Viel über den bereits erwähnten ,,Tunnelblick'' nachgedacht.

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Sehr anstrengende Wanderung durch das Siebengebirge. Zeitweise direkt am Tretschbach entlang gewandert. Das war sehr aufreibend, zum die Zeit bis zum Mittagessen langsam ablief (ich soll die Mahlzeiten hier ja unbedingt einhalten). Durch Bad Honnef lief ich im Eilmarsch und kam gerade pünktlich an. Statt der ausgewiesenen Spätzle konnte man auch gebratene Serviettenknödel wählen (die waren noch übrig). Alle wollten Spätzle, ich aber Serviettenknödel. Die Dame an der Ausgabe (,,Jetzt habe ich mir so viel Mühe mit dem braten gegeben!'') hat sich darüber so sehr gefreut, dass ich eine Extraportion bekam.

Nach dem Mittagessen geduscht und für eineinhalb Stunden hingelegt. Hat gut getan! Danach Telefonat mit Freund O. und meiner Mutter (also eigentlich zwei Telefonate …). Nach dem Abendbrot noch einen kleinen Rundgang gemacht und am Ende des Tages auf 25.000 Schritte gekommen. Abends mit ein paar Mitpatientinnen und Mitpatienten ,,Die Bücherdiebin'' auf DVD geguckt, aber ungefähr in der Mitte des (eigentlich recht gelungenen) Films so müde gewesen, dass ich gegen 21 Uhr ins Bett musste.

Montag, 15.02.2021

Gut und tief geschlafen. Mir träumte, ich wäre nach dem Klinikaufenthalt wieder in der Bibliothek und meine Kollegin mit dem Vertretungsvertrag hatte eine Verlängerung über 1,5 Jahre bekommen. Große Freude! Ein Kollege von der Personalstelle mit Namen ,,Runkel'' (so einen Namen kann man sich auch nur im Traum ausdenken …) hatte erst versucht, die Stelle seiner Frisörin zuzuschanzen, aber unsere Vorgesetzte hatte heftigt interveniert. Leider konnte ich mich nicht lange freuen, denn ich musste mich um Druckertreiber kümmern.

Später wurde ich zum Einsatz als Gangster-Geheimagent nach Russland abkommandiert. Mit meiner Truppe von Gangster-Geheimagenten bezogen wir ein einsames Haus. Ich saß draußen an einem Campingtisch, als ein Mann vorbeikam und mich aus Rache für den Mord an seiner gesamten Familie erschießen wollte. Mit der Mündung seiner Pistole an der Stirn bereitete ich mich auf den Tod vor, doch dann fragte ich den Mann, wann ich denn seine Familie umgebracht hätte (es waren so viele gewesen in den letzten Jahren!). Er nannte eine Jahreszahl, aber in dem genannten Jahr war ich überhaupt nicht in Russland gewesen! Weil er mir nicht so recht glauben wollte, musste ihn ihn überwältigen und dabei leider in den Arm schiessen. Seine große, silberne halbautomatische Pistole gefiel mir so sehr, dass ich sie behielt. Den Mann ließ ich laufen. Dann kam die Polizei und ich steckte meine und die neue Pistole in die Taschen meiner Jogginghose und rückte näher an den Campingtisch, um die Waffen zu verbergen. Die beiden Polizisten waren aber nicht wegen der Pistolen hier, sondern sie wollten uns die Abfalltrennung in der russischen Föderation erklären. Jemand von uns hatte nämlich in einem Einkaufszentrum ein leeres Trinkpäckchen in den falschen Abfalleimer geworfen. Wir hörten geduldig zu und als der Vortrag endlich beendet war, ließen meine Leute die Polizisten nicht einfach ziehen sondern stellten noch dumme Fragen, während ich mit den Waffen in der Joggingbuchse tausend Tode starb.

Es ging jedoch alles doch noch gut und ich bekam eine verschlüsselte Botschaft, die ich als Informatiker und Codeknacker (ich kann eigentlich nicht einmal Sudokus lösen …) dechiffrieren sollte. Sie bestand aus Zahlen, Buchstaben, Zeichen und aus Ausschnitten aus Comicheften und es sollte wohl um den neuen Arbeitsvertrag meiner Kollegin gehen. Nach einer Weile fand ich den Schlüssel zur Botschaft: Bei Teilen davon handelte es sich um Bibliothekssignaturen! Ich musste nur die dazu passenden Buchtitel recherchieren!

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Aufgestanden um Viertel vor sechs. Es war kein warmes Wasser vorhanden, da an der Warmwasseraufbereitung gewerkelt wurde. Zum Glück hatte ich am Mittag des Vortages noch geduscht. (Analoges) Tagebuch zu den Klängen von ,,Klassik Radio Movie'', meinem neuen Lieblingssender auf DAB+.

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Ein ruhiger Schluffie-Tag mit Schlaf und Ausruhen. Das hat gut getan! Weiter viel über den ,,Tunnel'' nachgedacht.

Abends mit Mitpatientinnen und Mitpatienten ,,The Kid'' mit Bruce Willis geguckt. Ein ganz netter Film.

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Wegen Internet und so (ehrlich gesagt: Natürlich nur wegen Internet!) habe ich mir einen LTE-Router und eine Datenkarte bestellt.

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Nach einem Einkauf bei Kodi und Netto einen Mittagsschlaf gemacht. Ich wollte danach im Aufenthaltsraum ein bisschen Schreiben, aber dann doch über eine Stunde mit einer Mitpatientin gequatscht. Das war nett. Später mit Freund J. telefoniert und gute Anregungen für den Roman erhalten.

Dienstag, 16.02.2021

Mir träumte, Freund O. und ich würden einen Eisbären aus seinem Gehege befreien (O. ist im Tierschutz aktiv). Das Tier war riesig und ging mir im Vierfüßerstand bis über die Schulter. Leider war der Bär auch unglaublich aggressiv und brüllte vor Wut. Bevor wir ihn befreien konnten, kletterte er von alleine über den Zaun und nun musste wir ebenfalls darüber klettern, um uns im Gehege vor ihm in Sicherheit zu bringen. Es begann eine wilde Verfolgungsjagd durch Treppenhäuser, an deren Ende wir mit allen Tricks um unser Überleben kämpften — inklusive Kitzeln (,,Killekillekille!'').

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Sehr erschöpft. Könnte nur noch Schlafen.

Mittwoch, 17.02.2021

Leider fallen wegen Krankheit einige Therapien aus, darunter auch die so wichtige Einzeltherapie. In der Gruppentherapie sehr bewegende Momente.

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16.000 Schritte gemacht. Ich versuche, nicht ganz so viel zu gehen, um meine Gelenke und die Muskeln nicht zu überanspruchen.

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Der LTE-Router ist angekommen. Die SIM-Karte leider noch nicht. Ich habe erst einmal die Zweitkarte aus dem Tastenhandy in den Router gesteckt und das funktioniert schon mal prima!

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Beim Schreiben weiter gekommen. Eine Szene mit dem dicken Bürgermeister geschrieben. Es läuft ganz gut zur Zeit.

Donnerstag, 18.02.2021

Recht gut geschlafen. Morgens um vier Uhr mit der Panik aufgewacht, die Beihilfe würde die Kosten für den Klinikaufenthalt nicht übernehmen. Um halb sechs aufgestanden und recherchiert. Das Ergebnis war das selbe wie vor einigen Monaten: Man muss vorher nichts beantragen und es reicht, wenn ich die Rechnung einfach einschicke. Ein Mitpatient (ebenfalls Beamter) hat mir das bestätigt, denn er hat deswegen extra mit seiner Sachbearbeiterin telefoniert. Die Angst verflog, die Nervosität blieb.

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Nach dem Mittagessen wieder zur Kapelle. Nach dem Gebet einige gute, mich weiterbringende Gedanken zu den Themen ,,Tunnel'' und ,,Innere Leere''.

Freitag, 19.02.2021

Schon wieder eine Woche rum! Nach der Beruhigung in Sachen Beihilfe fühlte ich mich dann doch wohler. Gut geschlafen, trotzdem war ich müde und erschöpft. Liegt das vielleicht daran, dass ich weniger Ablenkungen habe und mich mehr mit mir selbst und mit anderen Dingen aktiv beschäftige? Ich werde das beobachten.

Mir träumte, ich wäre in meinem Elternhaus. Meine Muter kam rein und erzählte mir, mein Vater habe im Garten etwas Altes gefunden und zwar ,,so Börsensachen. Alte Aktien oder so.''. Ich solle mir das mal ansehen. Mürrisch ging ich nach draupen. Bei den ,,Börsensachen'' handelte es sich um ein altes Telefonregister zum Aufklappen und um einen Brief meiner Eltern an die Zukunft aus dem Jahr 1976. Leider hatte ich kaum Gelegenheit, den Brief in Ruhe zu lesen, denn ständig plapperte jemand dazwischen oder zuppelte am Brief herum. Beim Brief war noch eine Faltbroschüre einer pornographischen Kunstperformance.

Da war ich dann doch einigermaßen überrascht.

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Aufgestanden um zwanzig vor sechs und die Waschmaschinen im Keller angeschmissen.

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Schon seit fast drei Wochen keine Podcasts mehr gehört. Heute habe ich damit begonnen, den Podcatcher auszumisten. Ich will mal wieder ab und an eine Episode hören — allerdings mit Augenmaß, weil ich festgestellt habe, dass ,,Anderen Leuten zuhören'' mich in bestimmten Situationen (z.B. Einkaufen) ziemlich stresst.

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Nach dem Abendbrot eine Runde um die Insel Grafenwerth gemacht. Später Homekneiping mit Freunden via Jitsi. Nette Unterhaltungen über Gott, die Welt und Musik.

Aus dem Netz

Wie man einen Büchertrödel perfekt in Szene setzt

Sehr organisch, das Ganze!

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Kurdistans Landwirtschaft neu starten

Der Blick nach Kurdistan ist für mich — ohne jegliche persönliche Verbindung dorthin — immer wieder faszinierend!

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Ein Rant von Fefe über die Bullshit-Livetickerbefüllung, den ich voll und ganz und ganz nachvollziehen kann.

Samstag, 06.02.2021 bis Freitag, 12.02.2021

Aus dem Leben

Samstag, 06.02.2021

Recht gut geschlafen. Mir träumte, ich hätte Besuch von einer Spezialeinheit. Die Männer trugen schöne, dunkelblaue Uniformen mit Pistolen vor der Brust. Der jüngste von ihnen stieg durch ein Fenster nach draußen, damit er nicht erschossen wird. Später spielte ich am Computer ein Panzerspiel. Ich hielt einen Spielzeugpanzer in den Händen und schoss damit auf die gegnerischen Panzer. Dann zog ich mich schnell zurück und feuerte aus einer anderen Richtung erneut. Danach ein Aufbauspiel: Mein kleines Volk landete an einer fremden Küste und ich musste einen Siedlungsplatz für die Menschlein suchen: Ich versuchte, einen von ihnen mit einer Kreisgeste zu markieren und ihn mit Strg + 1 als Gruppe abzuspeichern. Er sollte nämlich als Späher dienen. Das klappte aber nicht und ich hatte große Angst, ihn bei meinen Versuchen mit dem Finger zu erdrücken. Leider war das Land schon besiedelt. Da die Zeit drängte (wir mussten unsere Zivilisation schnell aufbauen, bevor die anderen Völker mit ihren Panzern angriffen!), pflanzte ich meinen Stamm kurzerhand in einen Blumenkübel.

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Ruhiger ,,Drinnen-Tag''. Bad Tinnef hat sich nämlich genussvoll eingenieselt. Wäsche gewaschen, was mit den Profi-Maschinen im Keller gut geklappt hat.

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Den Ortsnamen ,,Rottbitze'' entdeckt. Kannste Dir nicht ausdenken, sowas!

,,Hey! Wo kommst Du eigentlich her?''

,,Sach' ich nich'!''

Sonntag, 07.02.2021

Mittelgut geschlafen. Mir träumte, meine Eltern und ich wollten in den Urlaub fahren. Ich hatte das meiste meines Krams zusammengepackt und eigentlich sollte ich das Gepäck ins Auto räumen. Gleichzeitig sah ich aber nicht ein, warum ich diese Arbeit ganz alleine machen sollte und wollte weiter fernsehen. Meine Mutter war schlecht gelaunt und putzte hektisch das Haus. Da entschloss ich mich, diese eine Sendung noch zu Ende zu gucken und danach dann doch loszulegen — ich wollte nämlich endlich ans Meer. Dann fiel mir ein, dass ich ja überhaupt keine Unterhosen eingepackt hatte!

Im Fernsehen sah ich, wie der Papst Johannes Paul II. den Segen Orbi et Orbi sprach. Danach sangen er und ein Kardinal ein Kinderlied in der Art von ,,Ob schwarze Menschen, ob gelbe Menschen, ob braune Menschen, weiße Menschen: Alleeeeee Menschen sind Menschen …'' Dabei klopften sie in einer einstudierten Choreographie auf ihre Talare. Zwischendurch wurden immer wieder Sequenzen von schönen Menschen im Schwimmbad eingespielt.

Ich ging zu meinem alten Gymnasium, um mich mit alten Schulkameraden zu treffen. Das (im Traum) traditionelle Kastenfeuer auf dem mit einer Wiese bedeckten Schulhof kokelte so sehr vor sich hin, dass ich es mit Pappe und Karton anfachen wollte. Auf einmal brannte das Gras und ich trat die Flammen aus. T.M. kam hinzu und auch T.T. Ich fragte T.M. nach dem seltsamen Papst-Auftritt aus, aber wusste auch nichts darüber.

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Einen Mitpatienten ein Stück auf seiner Wanderung begleitet. Wir haben uns gut unterhalten. Wieder zurück in der Klinik habe ich weiter am Roman geschrieben.

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Sehr langes Telefonat mit Freund O.

Montag, 08.02.2021

Mittelgut geschlafen. Den Wecker spontan von halb sechs auf halb sieben gestellt. Mein Schlafbedürfnis hier ist riesig. Mir träumte, meine geschiedene Frau und ich wären noch verheiratet und wollten gemeinsam einen Gebrauchtwagen kaufen. Bei einem freundlichen, dicken Autohändler waren wir fündig geworden, hatten aber beide große Angst davor, von ,,Freunden'' und Verwandten dafür ausgeschimpft zu werden, dass wir zu viel Geld ausgeben würden. Schnell wollte ich noch einen Preisvergleich auf dem Smartphone machen (wir saßen schon im Büro des Autohauses für die Vertragsunterzeichnung), jedoch gehörte die Domain gebrauchtwagenpreisvergleich24.de jetzt einem Eiscremehersteller.

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Seitdem ich mit der Hand mein Tagebuch führe, funktioniert auch die Handschrifterkennung auf dem Smartphone besser. Ein seltsamer Zufall!

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Überall Schneekatastrophe und Winterwunderland — nur ist Bad Honnef nicht.

Hier ist Hochwasser.

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Von Terminproblemen auf meinem Therapieplan angenervt. Davon angenervt, dass bei mir alles so langsam geht. Angenervt davon, dass ich gerade so oft Pinkeln gehen muss. Angenervt vom Wetter. Angenervt von mir selber. Angenervt, dass ich noch nicht einmal in Ruhe angenervt sein kann, weil der Reinigungsdude mit dem Staubsauger hinter mir her ist.

Vor dem Staubsauger in den Aufenthaltsraum geflohen und eine Mitpatientin getroffen, die ebenfalls auf der Flucht ist. Da es hier keinen Teppichboden gibt, fühlen wir uns sicher und quatschen nett fast eine ganze Stunde lang.

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Abends einen ebenfalls schreibenden Freund mit der Schöpfungsgeschichte ,,meiner'' Welt beeindruckt.

Dienstag, 09.02.2021

Gut geschlafen. Mir träumte, ich wäre für eine Nacht zu Hause und würde abends in eine Kneipe gehen. Es war sehr gemütlich dort und ich saß in einem der hinteren Räume. Ich trank zwei Bier, dann ging ich mit meinem Deckel an die Theke um zu bezahlen. Kinder belagerten den Tresen, denn sie hatten Gutscheine für Freigetränke. Die Kneipe war gut gefüllt und erst viel zu spät bemerkte ich, dass ich meine Maske nicht aufgesetzt hatte. Das holte ich natürlich sofort nach. Beim Bezahlen fiel mir auf, dass doch wohl vier Bier getrunken hatte — und das, obwohl ich doch am nächsten Morgen ganz früh raus und zurück in die Klinik musste! Also nichts wie ab nach Hause und wacker ins Bett!

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Zur Kapelle gelaufen, dort gebetet und eine Kerze angezündet. Das war sehr schön. Danach bin ich durch das Tretschbachtal gewandert. Alles war kalt und gefroren und wunderschön. Abends hatte ich über 20.000 Schritte gemacht.

Mittwoch, 10.02.2021

Recht gut geschlafen. Mir träumte, ich wäre auf der Arbeit und würde mit einer Videokamera auf Regale und Schränke klettern, um einen Gottesdienst abzufilmen. In der Pause musste ich aufs Klo. Das hatte aber jemand nach Strich und Faden vollgeschissen und noch nicht einmal abgespült. Als ich das nachholen wollte, lief das Klo über. Mir wurde schlecht und ich musste Weinen.

Später saß ich in meinem Büro und aß Kekse aus der Packung. Als die kalorienarmen Kekse alle waren, hörte ich auf, denn ich wollte nicht an die fetten Doppelkekse ran.

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Nach dem ,,Feierabend'' bin ich wieder zur Kapelle. Nach dem Beten öffnete sich plötzlich die Tür und eine ältere Dame kam herein. Sie stellte sich neben den Eingang und schien darauf zu warten, dass ich fertig bin. Da ich mein Zwiegespräch bereits beendet hatte, habe ich noch schnell meine Kerze angezündet und habe mich auf den Weg nach draußen gemacht. Beim Rausgehen haben wir uns stumm und freundlich gegrüßt. Als ich mich an der frischen Luft für den weiteren Weg bereit machte, hörte ich, wie die Frau drinnen ein Kirchenlied anstimmte. Sie hatte eine sehr einfache, aber klare und schöne Stimme. Ich wollte nicht lauschen und ging weiter in den Wald hinein. ,,Jeder auf seine Weise!'' dachte ich.

Donnerstag, 11.02.2021

Unruhig geschlafen. Mir träumte, ich läge im Bett und hätte panische Angst vor Hexen. Gegen Hexen helfen aber Kaffeebohnen, denn die können sie nicht leiden und der Geruch von Kaffeebohnen ekelt sie an. Auf einem Bord über meinem Bett stand die rettende Kaffeedose, doch ich hatte solche Angst, dass ich mich kaum bewegen konnte. Mit eiserner Willenskraft schaffte ich es mit dem Fuß, die Kaffeedose vom Bord zu schubsen und sie zu greifen.

Endlich sicher!

Später wachte ich in meinem Jugendzimmer auf. Es war Sonntagmorgen gegen sechs Uhr und es hatte geschneit. Ich schaute aus dem Dachfenster und beschloss, meinem Vater beim Schneefegen zu helfen.

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Mit schwerem Herzen aufgewacht. Gefühle sind sehr anstrengend.

Momentan mache ich das, was ,,Emotions-Safari'' nenne.

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Das Wiegen heute brachte Erfreuliches: Ich habe weiter abgenommen!

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Ein Satz kam mir in den Sinn, welcher der Beginn einer Kurzgeschichte sein könnte. Mal schauen, ob das noch klappt mit dem Schreiben.

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Nachmittags den Rhein entlang nach Königswinter und zurück gewandert. Eine schöne Bewegung an frischer, klarer Luft. Ich habe viel nachgedacht und Eiszapfen fotografiert.

Abends weiter am Roman geschrieben (der Tod der Roggenmuhme). Die Szene schrieb sich fast wie von selbst.

Freitag, 12.02.2021

Gut, aber mit Unterbrechungen geschlafen. Mir träumte, mein Aufenthalt in der Klinik wäre fast vorüber und mir fiel ein, dass ich ja mit Freund O. in die Niederlande reisen wollte. Er hatte dort ein Ferienhaus und bald, bald würden wir gemeinsam am Hafen sitzen und Bier trinken!

Aus dem Netz

Blogstuff 555

Mal wieder gute Sachen dabei. Z.B.:

  1. Januar 2021. Heute haben wir genau einhundert Corona-Tote in unserem Landkreis. Sieben in der ersten Welle April/Mai, 93 seit Oktober 2020. Nachmittag Schwimmschule.

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Hotline für Berufsempörte

Tja, Twitter halt! ;-)

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Corona in Kurdistan

Noch ein Eintrag von Enno. Money-Quote:

Irgendwie käme in Kurdistan niemand auf die Idee, dort ohne Maske demonstrieren zu gehen. „So blöd können nur Deutsche sein“, lacht der Beamte und ergänzt: „Aber wart ihr nicht mal die klugen Leute? Was ist daraus geworden?“

Auch die Sache mit den Lebensmittelpaketen ist beeindruckend.

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OHNE TONIC IST ALLES GINLOS

Via jawl

Dienstag, 02.02.2021 bis Freitag, 05.02.2021

Aus dem Leben

Dienstag, 02.02.2021

Der Schlaf hat sich nun die zweite Nacht in Folge verbessert. Entweder gewöhne ich mich langsam an die Umgebung und die Matratze oder ich war gesten einfach so dermaßen kaputt, dass es zu einem tiefen Schlaf keine Alternative gibt. Vielleicht gilt auch einfach beides.

Mir träumte, mein alter Freund A. hätte von seinen Eltern einen Kiosk übernommen. Wir gingen betrunken dort hin. Der Kiosk hatte einen kleinen, gemütlichen Vorraum für die Kunden. Alles war mit dunklem Holz vertäfelt und überall hingen Reklametafeln und Ähnliches. A. schaute aus dem Verkaufsfensterchen hinaus. Wir tranken Bier. Dann kam ein Pärchen in den Kiosk, das wohl mit A. bekannt war. Sie waren ebenfalls betrunken und wollten gemeinsam mit A. Sex haben. Mir war das furchtbar peinlich und als A. plötzlich hinter seinem Verkaufstresen herkam und alle anfangen, miteinander zu Fummeln, rannte ich zur Eingangstür und schloss diese schnell ab, damit nicht plötzlich Leute hereinkommen konnten. Dann erst bemerkte ich, dass ich mich selber in dieser unangenehmen Situation eingesperrt hatte. Um mich herum lagen Kleidungsstücke auf dem Boden. Nach einigen Momenten voller Schrecken hatte ich die Tür wieder geöffnet und floh ins Freie.

Im Wald sah ich die Elfe und mein Herz pochte voller Aufregung und Schmerz. Sie war mir so fern und ich konnte sie nicht erreichen. Ich wollte das so sehr, denn die Elfe sah so unendlich traurig aus und ich wollte sie trösten. Hilflos streckte ich meine Arme nach ihr aus, aber sie war zu weit weg und meine Hände. Vielleicht war das aber auch gut so, denn die Elfe war so unendlich traurig und man konnte den Schmerz in ihren Augen blitzen sehen.

Es war unmöglich. Ich konnte sie nicht erreichen. Vielleicht war das auch ganz gut so, denn ich hätte sie wahrscheinlich sowieso mit meinen groben Händen zerbrochen.

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Nach dem Nachtschlaf im Speisesaal mit Leuten von meiner Station ein wenig herumgelabert. So langsam komme ich an. Ich muss nur aufpassen, denn wenn ich mal so richtig ausgeschlafen bin, kann ich auch ein wenig anstrengend werden. Hauptsächlich bin ich aber froh, wieder mehr auf Spur zu sein.

Die Termine heute halten sich in Grenzen und ich habe Zeit für mich. Diese Zeit will ich nutzen, mich auch mal mit Dingen außerhalb meines Kopfes zu beschäftigen.

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Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich wieder einen Sauerteig ansetzen und selber Brot backen. Die Kaltmamsell ist schuld. ;-)

Mittwoch, 03.02.2021

Gut, aber auch zu kurz geschlafen. Mir träumte, ich wäre auf einer Feier anlässlich des 100jährigen Jubiläums ,,Ruhr-Pakt Kultur''. Das Ganze war groß aufgezogen mit kostümierten Künstlern und Prominenten. Auch Karl Lauterbach (SPD) war da. Ich saß mit meinem Sohn und einem Masterstudenten an einem Tisch. Der Student hatte für seinen Laptop und die Lernunterlagen meine Alphasmart-Tasche ausgeliehen. Karl Lauterbach (SPD) setzte sich zu uns und freute sich sehr über den jungen Studenten. Er tippte lachend auf die Laptop-Tasche und trug ein humoriges Gedicht vor. Es ging darin um einen jungen Mann, der fleißig lernt und arbeitet, um eine Familie gründen zu können. Nachdem Ehe und Kinder da sind, schließt sich für ihn die Käfigtür und er arbeitet und ärgert sich zu Tode. Der Student lachte ein wenig gekünstelt mit, mein Sohn aber wurde traurig. Ich nahm ihn in den Arm und tröstete ihn.

Später war ich auf der Arbeit im Keller und habe zusammen mit meiner geschiedenen Ehefrau aufgeräumt. Wir schoben Rollwägen mit metallenen Regalteilen hin und her. Meine Ex-Frau erzählte mir, dass uns die Haustechnik aufgefordert habe, Wände zu melden, an denen ,,Peeling'' sei. Ich regte mich sehr über diesen Auftrag auf: Dafür sei ich nicht zuständig und ich wüsste nicht einmal, woran ich ,,Peeling'' erkennen könne!

Die Teile brachten wir in einen Raum im Keller, wo ein Arbeitsplatz für Masterstudenten eingerichtet worden war.

Eine Masterstudentin schaute uns freundlich, aber auch ein bisschen dümmlich an.

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Idee für eine Geschichte gehabt: Zwei Länder sind durch einen Grenzzaun und einen Grenzstreifen (,,Betreten verboten!'') getrennt. Beiderseits der Grenze wohnen Herr X auf der einen und Frau Y auf der anderen Seite. Sie kennen sich nur vom Sehen aus der Ferne. Irgendwann haben sie damit begonnen, sich freundlich zuzuwinken. Irgendwann kommen beide unabhängig auf die Idee, dass man sich doch mal am Zaun unterhalten könne (,,Die Dame hat so schöne blaue Fensterläden an ihrem Haus. Wo sie wohl die Farbe herbekommt?''). Also beantragen beide bei ihren jeweiligen Bürgermeistern/Behörden eine Ausnahmegenehmigung, um das Niemandsland betreten zu dürfen. Die Anfragen gehen dann ihren lange, bürokratischen Weg. Sie wandern über die Provinzverwaltungen in die Hauptstädte. Botschafter, Diplomaten und Außenministerien werden beschäftigt bis irgendwann man die zwei Staatschefs (natürlich zwei alte, weiße, dicke Herren) beieinander sitzen und sich wundern, was der ganze Aufstand eigentlich soll und warum es überhaupt verboten ist, an den Grenzzaun zu gehen. Folglich bekommen Herr X und Frau Y ihre Genehmigung und treffen sich irgendwann am Zaun. Sie führen dort ein freundliches, nachbarschaftliches Gespräch.

Mir gefällt an der Idee besonders, dass es eben keine ,,Romeo-und-Julia-Geschichte'' ist, sondern es schlicht und ergreifend um einen freundschaftlichen Austausch geht (,,Ihre Gummistiefel leuchten immer so gelb! Das finde ich nett!''), der durch irgendwelche überkommenden Vorschriften vorerst unmöglich gemacht wurde.

Donnerstag, 04.02.2021

Guter Nachtschlaf. Mir träumte, ich müsste ein riesiges, geliehenes Wohnmobil nach Hause fahren. Das Teil war so eine Art Nightliner (diese Wohnbusse, die auch Bands auf ihrer Tour benutzen), groß wie ein Reisebus. Eigentlich ließ es sich ganz gut fahren und ich hatte vom Fahrersitz aus einen guten Blick. Doch irgendwie hatte ich vergessen, auf die Strecke zu achten und ich fuhr über die Autobahn in Gegenden, die mir vollkommen fremd waren. Ich verließ die Autobahn und hielt in einer kleinen Ortschaft, um das Navigationssystem zu programmieren und das Wohnmobil mit ein paar Flaschen Sonnenblumenöl aufzutanken. Eine Gruppe Jugendliche kam hinzu und die jungen Leute dachten, das Öl wäre ein alkoholisches Getränk. Ich gab ihnen das Öl zu trinken und war schadenfroh, als sie angewidert wieder ausspuckten.

Ein Kioskbesitzer, der aussah wie Fips Asmussen, bemerkte, dass ich im Halteverbot stand und verpetzte mich an die Verkehrswacht. Total sauer über den Strafzettel stapfte ich in seinen Laden und wies ihn wütend auf das Gerümpel im Eingangsbereich hin (Brandschutzvorschriften! Fluchtwege!) und auch darauf, dass in seinem Lokal überhaupts nichts corona-konform sei. Daraufhin entschuldigte er sich bei mir und stahl dem Mann von der Verkehrswacht den Strafzettel.

Auf der Rückfahrt überfuhr ich auf der Autobahn eine rote Ampel blockierte die Kreuzung.

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Es kommt selten vor, dass ich mal so richtig ausgeschlafen bin. Wenn das passiert, kann ich auch ganz schön anstrengend für meine Umgebung werden, weil ich mich dann in so eine Art Alleinunterhalter verwandeln kann. In der Gruppensitzung habe ich dann eine Rolle in einem Rollenspiel übernommen und mit meiner (recht guten, wie ich finde) Performance die Gruppe gesprengt. Über die Inhalte der Sitzung darf ich natürlich nicht berichten.

Nach der Visite bin ich zur Fuchshardtkapelle gewandert und habe dort gebetet. Ich habe ihn für bestimmte, mich belastende Dinge (wegen der ich auch hier in der Klinik bin …) um Hilfe und Unterstützung gebeten. Nach einem Moment der geistigen Ruhe kamen mir dann plötzlich die Klinik, die Therapeutinnen und Therapeuten, die Pflegerinnen und Pfleger, aber auch meine Mitpatienten in den Sinn. Das war in etwas so, als Gott zu mir gesagt hätte: ,,Ich helfe Dir doch schon!''

Abends habe ich dann für die Welt, in der mein Roman spielt, die Wochentage festgelegt. Über einen kleinen Einfall dazu musste ich selber Lachen.

Freitag, 05.02.2021

Recht gut geschlafen. Allerdings habe ich in der Nacht irgendwie falsch gelegen, denn mir tat die Schulter weh. Ich hatte so viele Träume, dass ich mich nicht mehr richtig an sie erinnern konnte.

Viel Beschäftigung mit meinen Emotionen.

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Wieder zur Fuchshardtkapelle zur Zwiesprache. Ich mag diesen wundervollen, friedlichen, ruhigen und schlichten Ort im Wald wirklich sehr.

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Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Sie ist aber so von sich selber eingenommen, dass sie aufgeblasen und intolerant geworden ist.

Aus dem Netz

Zurück nach Shingal

Über ein tolles Hilfsprojekt in Kurdistan.

Montag, 01.02.2021

Der Schlaf war relativ gut, jedoch war ich ab vier Uhr morgens wach. Danach eine weitere Einweisung. Mir wird mehr und mehr bewusst, wie sehr man hier umhegt ist. Das fühlt sich fühlt sich beruhigend an.

Am frühen Nachmittag einen langen Spaziergang am Rhein gemacht. Den Fähranleger ,,Rolandseck'' passiert, als gerade eine Fähre abglegte. Gedankenrasen.

Später zum ersten Mal ,,Tanz- und Bewegungstherapie''. Ich lasse diesen Begriff jetzt mal für einen Moment hier so stehen, damit meine Lesefröschlein sich eine Vorstellung davon machen können, wie das so aussieht.

Die Vorstellung ist falsch: Wir tanzen da nicht im Kreis oder so, sondern es geht um die Verbindung von Emotionen und Bewegung. Da Emotionen bei mir so eine Sache sind, hat mich das TBT erstaunlich angesprochen.

Da ich den Tag wegen der kreiselnden Gedanken immer noch nicht richtig beenden konnte, habe ich kurz mit meinem Bezugspfleger gesprochen. Er hat mich mit einfachen Worten und einer freundlichen, aber auch direkten Ansprache beruhigt (,,Versuchen Sie mal, sich abzulenken! Ja, das darf man!'').

Der nächste Absatz wird jetzt leider ziemlich kryptisch, weil der Kern der Sache nicht hier ins Blog gehört. Ich möchte ihn aber trotzdem hier aufschreiben. Bitte seht mir das nach.

Nach dem Abendessen standen mir auf dem Rückweg vom Speisesaal zwei dumme Puten bräsig im Weg herum, sodass etwas nicht geklappt hat. Nachdem mein (leichter) Ärger verflogen war, kam mir der Gedanke, dass die Begebenheit möglicherweise aber genau das Richtige war.

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Die Aufzeichnungen in meinem Tagebuch verschieben sich mehr und mehr zu Themen, die ich hier nicht veröffentlichen kann. Deswegen wird es hier vielleicht auch mal ein paar Tage Pause geben. Vielleicht fasse ich auch mehrere Tage in einem Blogeintrag zusammen. Da die Therapien jetzt anlaufen, wird alles ganz schön anstrengend und da muss das Bloggen zurücktreten.

Sonntag, 31.12.2021

Wieder konnte ich erst nicht Einschlafen, denn mein Kopf musste weiter einige Dinge bearbeiten, die ich akut mit in den Klinik mitgebracht hatte, bearbeiten. Irgendwann sank ich dann doch in den Schlaf. Träume nicht erinnerlich.

Total aufgekratzt durch das Siebengebirge (bzw. dessen Ausläufer) gewandert. Verschneiter Wald und kalte, klare Luft. Die Anstrengung tat gut. In meinem Kopf ging ich viele Dinge durch.

Abends Baldrian und Nerventee gegen die innere Unruhe. Zum Glück helfen solch einfache pflanzliche Mittel mir ganz gut. Es tut gut, dass man hier in der Klinik jederzeit Hilfe bekommt.

Samstag, 30.01.2021

Aus dem Leben

Die letzte Nacht war besser als die vorangegangene. In den frühen Morgenstunden hatte ich einen Alptraum: Ich hatte es verpennt, früh genug zum Frühstück zu gehen. Schnell rannte ich los, doch ich hatte noch meinen Schlafanzug an und lief ins Zimmer zurück, um mich umzuziehen. Während ich in meinem Schrank in den T-Shirts wühlte (die waren alle viel zu klein!), kam ein Typ in den Raum gestürmt, von dem ich mir einen Fantasyroman ausgeliehen hatte (es darin um Dämonen). Ich entschuldigte mich sofort bei ihm, dass ich das Buch bisher noch nicht zurückgegeben hatte, doch er meinte nur, er würde sich über jemand anderen ärgern und er wolle nur schnell etwas nachschlagen. Ein anderer Typ laberte mich zu, während ich mich in ein T-Shirt der Größe M zwängte. Als ich umgezogen war, kam meine Mutter vorbei und hielt mir wortlos einen Spiegel vor das Gesicht. Ich erschrak: Es war voller dicker Eiterpickel und aus zahlreichen Wunden troff Blut. Mein ganzes Gesicht war blutverschmiert. Außerdem waren mir meine Haare schon zum großen Teil ausgefallen. So konnte ich doch nicht unter die Leute gehen!

Das Frühstück musste wohl oder übel ausfallen.

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Klinikmäßig war nicht viel los außer Temperaturmessen usw. Ich ging zum nahen Netto (dieser Discounter und ich werden wohl mehr warm miteinander: Bisher war ich noch nie in einem jener Läden, der nicht total klunterig war) und kaufte Waschmittel und löslichen Kaffee. Später eine schöne Spazierrunde über die Insel Grafenwerth nach Rhöndorf und von dort aus über Rommersdorf zurück in die Stadt. Leider stampfte ich gegen einen ziemlichen Schneeregen an, aber dafür hatte ich extra eine Regen-/Windjacke angezogen. Pünktlich zum Abendessen war ich wieder zurück in der Klinik.

Die Abendgestaltung bestand aus einem netten Homekneiping per Video über das Smartphone (für mich mit Tee und Wasser).

Gegen 21:30 Uhr ins Bett.

Aus dem Netz

Mit ein paar tausend Mann

(Zitat) ,,Och, was machst du denn hier? Gehste auch zur Union? Bist du allein hier? Wenn du willst, kann ich dich später mitnehmen, nach dem Spiel, kein Thema. Kannst du dir den Bus sparen.'' Er hat in einen Satz alles reingepackt, wofür andere Leute den halben Abend brauchen. Er ist mit zwei Bekannten unterwegs, von denen mir einer bekannt vorkommt, allerdings dachte ich, der wäre längst tot. Na, war wohl ein anderer. Irgendjemand ist ja immer tot. (/Zitat)