KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2021 KW 14

Montag

Erstaunlich gut geschlafen und fröhlich aufgewacht. Noch 3 Tage bis zur Heimfahrt!

Für den Tage hatte ich mir vorgenommen, mal in die Nachbarstadt zu wandern, doch mir kamen Zweifel: Ist das überhaupt erlaubt? Darf ich überhaupt zu Fuß in ein anderes Bundesland? Brauche ich einen Passierschein? Ein Visum?

Wenn ich das so richtig lese, sieht es ganz gut aus mit meiner Wanderung. Außerdem will ich ja nirgendwo einkehren, sondern einfach nur draußen im Grünen herumlaufen.

Leider war der Tag regnerisch. Ich bin trotzdem am Rhein entlang nach Unkel gelaufen, was erst ganz gut geklappt hat. Dann jedoch nahmen Wind und Regen zu und ich musste ich in einer Schutzhütte besagten Schutz suchen. Später lief ich weiter bis zur Burg Vilzelt. Die Burg ist nur der Rest einer kleinen Dienstburg, aber trotzdem schön anzuschauen. Eigentlich wollte ich danach am Rheinufer entlang wieder zurück, aber der Regen und der Wind wurden immer stärker. Auch unter meiner Regenjacke wurde es langsam ungemütlich, so dass ich durch das Städtchen gegen Wind und Graupel zum Bahnhof Unkel lief und von dort den Zug nach Bad Honnef nahm. Zurück in der Klinik habe ich erst einmal die nassen Klamotten gegen trockene getauscht und mich für zwei Stunden hingelegt. Die Kälte und die Anstrengung (ich war sehr schnell gegangen) war zu viel gewesen.

Dienstag

Wieder ein Tag mit vielen ,,letzten Malen'': Letztes Mal Großgruppe, letztes Mal Einzeltherapie. Am Nachmittag Besuch von meinem besten Freund Flöte. Wir sind durch Bad Honnef gewandert (etwas anderes blieb uns ,,in diesen Zeiten'' auch nicht übrig ...) und wanderten durch Wind, Sonnenschein, Graupel und Schnee. Allerdings war es nicht so schlimm wie mein Wanderversuch tags zuvor. Es tat unendlich gut, meinen alten Freund wiederzusehen und mit ihm zu Quatschen (es war auch viel Unsinn darunter).

Am Abend war ich mal wieder schön platt und habe Kram eingepackt. Zur Entspannung habe ich die SD-Karte, die in meinem kleinen LTE-Router habe, als Laufwerk freigegeben und nun kann ich von den Clients aus via FTP (!) darauf zugreifen. Das brauche ich zwar nicht, aber wer weiß, wofür das gut sein kann...

Mittwoch

Die Nacht war voll von vielen kurzen Träumen, die aber alle eine gewisse positive Grundstimmung hatten.

Aufgestanden wie gewöhnlich um sechs Uhr morgens. Die Aufregung steigt langsam, aber stetig. Der Koffer ist schon fast fertig gepackt und ich bin froh, eine Reisetasche mit Wäsche bereits vorgeschickt zu haben.

Donnerstag

Smartphone und Notizbuch: Die Welt in der Tasche und das Herz in der Hand.

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Abfahrtstag. Aufgeregt und müde. Voller Melancholie von meinem Zimmer verabschiedet. Was für eine irre Zeit hier! Der Sessel in der Leseecke schaut traurig, der kleine Schreibtist beleidigt. Der Blick aus dem Fenster ist neutral wie eh und je. Die Schranktür klappert ein letztes Mal.

Abschniednehmen von den Geistern dieses Ortes. Die Gespenster, die ich von hier mitnehmen werde, sind keine Angstgestalten -- sie sind Schemen des Gefühls am Rande meiner Wahrnehmung.

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Am Lieblingsplatz am Ohbach sitzen und noch einmal dem Plätschern zuhören. Noch einmal Abschied nehmen. Der Bagger am Ufer gegenüber schweigt heute mir zuliebe.

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Daheim in Duisburg erst einmal vor Freude geweint.

Freitag

Gedanke: Vielleicht sind Smartphones nicht unbedingt nur deswegen so attraktiv für die Menschen, weil sie viele kleine ,,Belohnungen'' in unser Hirn triggern, sondern auch, weil sie uns helfen, uns von unseren eigenen Emotionen abzuschotten.

Samstag

Fuck All The Perfect People - Chip Taylor

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Mundgerechte Tierhaltung!

Sonntag

Man kann auch Sehnsucht nach der Sehnsucht haben.

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In mythischer Vorzeit trank der alte, bärtige Mann Unmengen von Bier und wurde vor dem PC transzendent. Dabei hörte er skandinavische Runenmusik.

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Hallenbäder: Eine Mischung aus Ekel und Geilheit.

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Abends gemütlich in die Pullerwanne und dabei ein wenig gelesen. Das Leben ist schön!