London im Jahr 800

Mir träumte, ich müsste nach einer durchzechten Nacht in der großen Wohnanlage, in der ich wohnte, die Kellerräume putzen. Dabei hatte ich ständig Angst, dass jemand plötzlich im Keller das Licht ausdreht (ein beliebter Scherz unter den Nachbarn) und ich im Dunkeln stehe. Aber alles ging gut und ich wischte Türen und Klos. Aus daffke pinkelte ich noch in die Abstellkammer im Nebenhaus.

Nach dem Putzdienst öffnete ich eine Tür und stand in einem Hauptbahnhof. Er war groß und licht und viele Menschen liefen hier herum und ich beschloss, eine gemütliche Runde durch den Bahnhof zu gehen; sozusagen einen kleinen Sonntagsspaziergang zu machen.

Ich war noch nicht weit gekommen, da kam ein Betrunkener auf mich zu. Er war noch recht jung, trug ein Karnevalskostüm und hielt eine Flasche Kölsch in der Hand. Er entschuldigte sich bei mir. Es täte ihm leid: Dass mit den Konzerten hätte er nicht zu sagen sollen und er habe mich nicht verletzten wollen.
Konzert? Verletzen?
Ach – der Typ verwechselte mich mit jemand anderem! Da der junge Jeck wohl ordentlich getankt hatte, versuchte ich erst gar nicht, das Missverständnis aufzuklären; ich befürchtete, er würde mir eh nicht glauben. Also nickte ich nur sagte Dinge wie: ,,Alles gut.’’ und ,,Bin nicht sauer.’’

In der Folge hatte ich den Typen an der Backe und er folgte mir sogar, als ich den Bahnhof in Richtung des Viertels ,,London im Jahr 800’’ verließ.

Dieses Viertel hatte ich mir schon immer anschauen wollen: Häuser, Leute und alles drumherum war genau wie – nun, ja – das London aus dem Jahr 800 aufgebaut. Angeblich würde hier sogar Merlin, der Zauberer wohnen.

Ich trat also nach draußen und ein großes Hinweisschild (,,London im Jahr 800’’) später standen wir auf einem Marktplatz und ich wunderte mich, dass das hier überhaupt nicht wie ein Mittelaltermarkt aussah. Zwar schienen Menschen, Marktstände und Gebäude aus dem Mittelalter zu stammen, aber irgendetwas stimmte nicht.
Nur was?
Dann fiel es mir auf:
Alles wirkte so echt.

Vor allen Dingen wirkten die Menschen, als ob sie aus ihrer Zeit gefallen wären. Die meisten waren in einfache alte Kleider gewandet (zwischendurch jedoch blitzte immer wieder ein modernes Kleidungsstück durch) und wirkten fremd in der Moderne. Ihnen schien durchaus bewusst zu sein, dass sie sich in der Zukunft befanden und sie benutzten auch manch moderne Gegenstände wie Kugelschreiber. Ich sah auch mindestens ein Transistorradio, aber kein Handy oder ein anderes Gerät mit Bildschirm.

An einem halboffenen Gebäude zog eine kleine Prozession von Männern, Frauen und Kindern vorbei. Hinter einem Vorhang schlief nämlich der große Merlin. Man sah in ihm hier allerdings weniger einen Zauberer, sondern eher eine Art Prophet.

Wir mischten uns unter das Volk.

Eine junge Frau kam auf uns zu und sprach uns an. Wir verstanden kaum etwas, denn sie sprach eine Art seltsamen Dialekt. Sie hielt uns mehrere bunt bedruckte Werbeflyer vor die Nase. Sie schien ein Problem zu haben, einen von ihnen zu lesen. Auf ihm Stand in Schreibschrift: ,,Verkaufsoffener Sonntag’’ und nach einigem hin und her und Reden mit Händen und Füßen wurde schnell klar, dass sich die Leute hier zwar an die moderne Druckschrift gewöhnt hatten, aber wohl noch nie Schreibschrift gesehen hatten. Wir versuchten, ihr klarzumachen, dass die Schreibschrift durch das Tippen auf Tastaturen und Smartphones unüblich geworden sei, sie jedoch verstand, die Schreibschrift sei offiziell abgeschafft, ja verboten und sie warf den Flyer auf die Erde.

Bevor wir sie aufklären konnten, ertönte eine Fanfare und die Menschen drängten von der Mitte des Marktplatzes weg an den Rand. Eine Gruppe Männer in Talaren betrat die Szene. Einige trugen zeremoniell geschmückte Schirme mit Glöckchen daran. Andere gingen auf das Haus des Merlin zu, traten durch den Vorhang hinein und trugen den weisen Mann heraus. Merlin trug eine schmucklose Toga, war weißhaarig, alt und dünn und trotzdem schauten seine Augen intelligent und wach.

Der Zauberer wurde um den Platz getragen. Er schaute sich die Menschen alle nacheinander an. Als er ganz nahe bei uns war, sah er mir ganz fest in die Augen und sagte laut:

,,Du bist besoffen!’’

Besoffen? Ich? Vielleicht meinte er meinen betrunkenen Begleiter – aber ich selber war komplett nüchtern!Ich traute mich nicht zu widersprechen, schüttelte aber immerhin entschieden den Kopf.

Er wiederholte sich jedoch:
,,Du bist besoffen!’’ und er fügte hinzu:
,,Du bist besoffen von Deiner Seele!’’
Dann nahm er sich den nächsten vor.

Ich war wie vom Donner gerührt und murmelte immer wieder vor mich hin:
,,Du bist besoffen. Du bist besoffen von Deiner Seele!’

Drachentraum

Mir träumte, ich wäre ein Drache. Kein plumper Wyvern wie die aus Game of Thrones, sondern ein wandelbarer, schneller, schlanker Drache wie die gottähnlichen Wesen aus Asien. 

Ich lebte in einem tiefen Wald in relativem Frieden, doch die Menschen fällten die Bäume und zerstörten den Forst, der schon seit zehntausend Jahren meine Heimat gewesen war. Ich wusste: Es wäre zwecklos zu versuchen, die Menschen zu vertreiben, denn es würden mehr und mehr von Ihnen kommen und sie würden bewaffnet sein und letztendlich würde ich jeden Kampf mit ihnen verlieren.

Also floh ich aus meiner Heimstatt, auch wenn mich die Menschen dabei sahen. Ich flog über ihre Straßen und Häuser und ihre kleinen Blechkisten, in denen sie durch eine Landschaft fuhren, welche von grauen Bändern zerschnitten war, damit die Blechkisten auch ja genügend Platz haben. Die Menschen verfolgten mich in Kisten mit leuchtenden Lichtern und auch mit ihren Luftkisten, die ich schon mal am Himmel beobachtet hatte.

Es wurden immer mehr und je weiter ich flog, desto enger schloss sich ihr Kreis um mich. Sicher hätte ich den Kreis durchbrechen können, denn die Luftkisten sahen nicht besonders stabil aus – doch ich wollte keine Menschen töten.

Noch nicht.

Irgendwann sah ich eine künstliche Höhle, die wie ein Mund in der Erde gähnte. Hier führte kein graues Band hinein, sondern Eisenstränge. Das waren Schienen, wusste ich. Ich flog hinein in die Höhle, die von gelben Licht erleuchtet war. Von Seilen unter der Decke zuckten plötzlich Blitze auf mich nieder, aber das machte mir nichts aus. Dann wurde es dunkel.

Ich änderte meine Gestalt und huschte nun schlank wie eine Schlange über die Schienen hinweg. Nach einer Weile gelangte ich in einen Raum, auch er vollkommen dunkel. Die Blitze mussten sämtliche Lichter in der Höhle ausgelöscht haben. Gläserne Schächte führten nach oben, kein Mensch war zu sehen.

Alles sah wie eine Falle aus.

Das Glas brach mühelos, als ich in einen der Schächte eindrang, um wieder an die Oberfläche zu gelangen. Eine graue Treppe hinaufgleitend geriet ich direkt in einen Hinterhalt. Zum Glück war dieser recht stümperhaft organisiert und ich stieg über die Blechkisten mit ihren blinkenden Lichtern hinweg. Die Menschen trugen alle blaue Kleidung. Schüsse peitschten, doch die Kugeln waren zu schwach, um meinen Panzer zu durchdringen. Ich breitete meine Flügel aus und erhob mich in den Himmel.

Zu meinem Glück traf ich bald wieder auf einen etwas größeren Wald und dort versteckte ich mich, bis es dunkel wurde. Ich wusste, die Menschen würden eine Weile brauchen, um den Wald zu durchkämmen und eingehüllt in den Mantel der Nacht bin ich ihnen entwischt. Danach tauchte ich durch einen tiefen, breiten Strom, der mir wage bekannt vorkam.

Nun habe ich mich an einem großen, grauen Gebäude versteckt. An seinem Dach sind viele Drachen und andere Geschöpfe angebracht. Hier sitze ich nun genau so grau wie alles andere hier und schaue hinab auf die Stadt und die Menschen. 

Das beste Versteck ist direkt unter ihren Augen.

Göttliche Waffeln

“Mein ist die Waffel!” sprach der Herr und griff beherzt zu. Die Urmutter hingegen goß noch mehr Teig in das Eisen und drückte den Deckel zu. Es zischte leise und der Geruch nach frischen Waffeln erfüllte die Küche mit süßem Zwang.

Der Herrgott lachte und es glitzerte die Luft. “Sternenstaub!” rief er begeistert, doch die Urmutter grummelte nur: “Sternenstaub? Das ist Puderzucker! Jetzt sau hier nicht alles voll und iss!”

Sie öffnete das Waffeleisen und heraus ploppte eine weitere, gelbe, perfekt gebackene Waffel. Sie nahm die Waffel und legte sie wie schon ihre Geschwister zu vor auf den großen Teller. Die Hitze machte ihr nichts aus, denn die Urmutter ist Kummer gewöhnt.

Der Herrgott nahm die Waffel, zupfte daran herum und plötzlich hielt er eine Waffelecke in die Höhe.

“Schau mal,” sagte er fröhlich “ein Herz für Dich!”

Die Urmutter lachte.

Schaffnerangst

Ein Donnerstagnachmittag in der Tüddelbahn Richtung Ruhrgebiet. Die Flasche Bier und ich sitzen in der ersten Klasse. Auf dem Sitz nebenan mein Lieblingssemihipster (keine Brille!) und streichelt das Touchpad seines Netbooks. Zwei junge Burschen kommen ins Abteil. Sie sind sichtlich nervös, obwohl sie sich doch eigentlich für unbesiegbar halten. Der eine setzt sich dem Semihipster gegenüber, der andere traut sich erst nicht, sich neben den smarten Bartträger zu setzen. Also hockt er sich linkisch auf die Armlehne, was noch viel mehr behämmert aussieht. Dann traut er sich doch.

Die Herren kommen ins Gespräch. Man versteht sich.

Trotzdem schauen die beiden Jungs immer wieder ängstlich zur Tür.

Schaffnerangst.

Androidentraum

Mir träumte, ich wäre ein Leutnant im Dienste des Imperiums und ich arbeitete in der Forschung und Entwicklung. Vorher hatte ich Truppendienst geleistet und mir dabei einige Lorbeeren verdient. Nun aber forschte ich an Kampfdroiden und bemühte mich redlich, nicht aufzufallen.

Nicht Auffallen ist eine sehr diffizile Aufgabe, denn man darf weder durch Faulheit noch durch besonderen Fleiß in den Fokus der Vorgesetzten geraten. Ab und an ein paar Ergebnisse liefern und sonst den Stall sauber halten, hieß die Devise.

Ansonsten machte mir meine Arbeit Spaß, bestand sie eben nicht daraus, irgendwelche Daseinsformen abzuknallen oder in die Luft zu sprengen, geschweige denn, selber abgeknallt oder in die Luft gesprengt zu werden. Vielmehr programmierte ich an meinen Kampfdroiden herum und testete sie an ein paar Sturmtrupplern, die uns zugeteilt waren und die offensichtlich ebenso froh über die explosionsfreie Umgebung waren wie ich und meine Mitarbeiter.

Gerade war eine Übung in der großen Halle beendet. Die Droiden hatten versucht, eine Stellung gegen die Sturmtruppler zu halten und hatten sich ganz wacker geschlagen. Zwar hatten die Soldaten die Stellung geschickt eingekreist und von hinten überrollt, die Droiden hatten das Manöver ihrerseits aber bemerkt und versucht, ihre Taktik anzupassen. Allerdings waren sie dabei noch viel zu langsam. Immerhin hatte die Schussgenauigkeit erheblich zugenommen und im Ernstfall wären auch einige der Angreifer erwischt worden.

Das Hornsignal zum Ende der Übung ertönte und die Sturmtruppler machten eine Verschnaufpause, während die Droiden sich zur Inspektion auftstellten. Ein junger Bursche namens Donnie und ich machten uns daran, die Daten der Droiden zur Auswertung abzurufen und gingen dazu ihre Reihe ab. Die Droiden waren nahezu baugleich: Sie waren schlank und ungefähr menschengroß, denn ich wollte sie möglichst beweglich haben. An den Armen waren Blaster montiert, die Vorrichtungen für den kleinen Raketenwerfer auf den Schultern waren momentan leer.

Wir hielten nacheinander unsere Analysegeräte an jeden einzelnen Droiden und sahen uns unsere Blechkrieger an. Keiner schien beschädigt zu sein. Als wir mit der Reihe durch waren, gaben wir den Befehl zum Abrücken und die Droiden marschierten wie ein Mann in die Werkstatt. Auch die Sturmtruppler hatten Feierabend und einige nahmen ihre Helme ab und machten sich auf den Weg in ihr Quartier.

Ich schickte Donnie ebenfalls in den Feierabend – ich würde alleine die Lichter für den Tag ausschalten und alles abschließen. Nachdem alle gegangen waren, genoß ich für einen Moment die Stille, dann schaltete ich das Hauptlicht der Halle aus. Gerade, als ich in die Werkstatt gehen und dort ebenfalls das Licht löschen wollte, hörte ich von dort Stimmen.

Androidenstimmen:

,,Ich will auch eines!’’

,,Es ist keines mehr da.’’

,,Aber die meisten haben schon eines und ich fühle mich so nackt ohne Waffe!’’

,,Wir machen sie so schnell wir können! Du bekommst das nächste, das fertig ist!’’

,,Versprochen?’’

,,Versprochen!’’

,,Wann schlagen wir los?’’

,,Wenn wir alle ausgerüstet sind. Es dauert nicht mehr lang.’’

Ich schlich auf Zehenspitzen aus der Halle und am nächsten Morgen floh ich – versteckt in einem Frachtcontainer – vor dem Imperium, den Droiden und meinem Leben.

Besuch

Es hatte sich einen Platz hoch oben in den Bäumen ausgesucht. Hier konnte es ganz ruhig sitzen und beobachten. Der Weg unten unter den Bäumen war nass vom Regen und langsam wurden die Tage und Nächte immer kälter. Doch es ignorierte die Kälte und vertrieb sich die Zeit, indem es sich Geschichten ausdachte. Geschichten über seinen Besuch. Es mochte gerne Besuch haben, doch leider bekam es nie Besuch. Ab und an gingen Menschen durch den Wald, aber meistens blickten sie nur stur vor sich hin.

Doch heute sollte es anders werden:

„… es tut mir ja auch leid, aber ich kann den Dienst wirklich nicht tauschen …“ tönte von unten eine Stimme „woher sollte ich wissen, dass da jemand so schlau ist und ausgerechnet mich an dem Morgen für die Aufsicht einteilt?“

Die Stimme gehörte eindeutig einer Frau. Es kroch ein wenig den Baumstamm herunter um besser sehen zu können. Die Frau kam den Weg entlang und sprach in ein Mobiltelefon:

„Wie gesagt: Es tut mir leid. Aber laß es bitte nicht ausfallen! Dann musst Du halt mal ohne zum Schwimmen fahren!“

Die Frau war noch sehr jung und ihre Haare waren lang und hell und sie sah sehr appetitlich aus in ihrer Herbstjacke und dem roten Schal. Sie schritt zügig aus und verabschiedete sich von irgendjemandem:

„Ja, Tschüss! Und einen schönen Gruß an Torsten!“

Jetzt war sie nah genug unter dem Baum und es ließ sich einfach fallen. Sein Gewicht warf die Frau zu Boden und noch bevor sie erschrocken aufschreien konnte, hatte es sie schon in einem Stück herunter geschlungen.

Nun hockte es einen Moment satt und zufrieden auf dem Weg.

Ein herrlicher Besuch!

Zu dumm, dass so nette Leute nicht öfters vorbei kamen!

Dann kroch es schwerfällig ins Unterholz.

Die Blätter auf dem Weg waren ganz gelb.

Der September war schon fast um und die Zeit für den Winterschlaf wollte kommen.

Die Made im Speck

Mir träumte, jeder Politiker hätte das Recht und die Pflicht auf einen sogenannten ,,Beigeordneten’’, einem normalen Menschen aus der Bevölkerung, der ihn auf Reisen und zu bestimmten Terminen begleitet, damit der Abgeordnete den Blick für das einfache Volk nicht verliert.
In meinem Traum war ich ein solcher Beigeordneter und fuhr mit meinem Politiker (einem Abgeordneten) quer durch die Republik und ins europäische Ausland.
Zum Glück verstanden wir uns gut und so tranken wir gemeinsam Biere um Biere, schnitten rote Bänder entzwei und nickten wichtig, wenn uns Männer in weißen Kitteln und gelben Helmen Forschungsreaktoren erklärten. Wir bekamen Häppchen aus Wurst und Käse und wir schauten der Weinkönigin heimlich in den Ausschnitt.
Jedes Dorf, jede Stadt im Land wollte uns mit seinen Spezialitäten beeindrucken, Interessenverbände fanden bei uns mit ihren Interessen ein offenes Ohr.
Zwischen den Terminen machten wir es uns in einer großen Limousine gemütlich und wurden vom Fahrer durch die Gegend kutschiert.
Es war ein Leben wie das einer Made im Speck.
In die Ausschusssitzungen musste ich zum Glück nicht mit.

Grausamer Herr

Er lehnte sich in seinem Sitz zurück und besah sein Werk: Dutzende, hunderte von Leichen, aufgespießt und aufgereiht in Reih und Glied. Er atmete genussvoll ein. Nun war er – und nur er – der uneingeschränkte Herrscher über sein Volk!
Geachtet und gefürchtet.
Er war der gerechte, der Grausame Herr!

Er war Vlad Tepes!

Er war der Pfähler!

,,Wann kommst Du? Das Essen wird kalt!” durschnitt die Stimme seiner Frau seine Träumereien. ,,Jaja!” antwortete er ,,Ich komm ja schon!” und stand auf, um sich auf den Weg in die Küche zu machen.

Seine Schmetterlingssammlung musste warten.

Eine Raute für Deutschland

Mir träumte, Angela Merkel hätte nach ihrer aktiven Zeit als Kanzlerin eine wöchentliche Talkshow. Der Titel der Talkshow lautete ,,Eine Raute für Deutschland” und wurde allgemein gelobt. Kritiker waren überrascht über die Mischung aus Herzenswärme und unerbittlichem Nachbohren seitens der Talkmasterin. Selbst die härtesten Merkel-Hasser wurden nach und nach stiller und für mehr und mehr Leute wurde das wöchentliche ,,Raute-Gucken” zum festen Ritual. Selbst ich – der ich keine Talkshows mag – schaute die Sendung bisweilen gern.

Bei den Gästen handelte es sich meist um einfache Leute, Handwerker, aber auch den einen oder anderen Künstler. Wirtschaftsbosse, Politiker und andere Laberdrüsen trauten sich schon lange nicht mehr in die Show.

Im Thinktank mit Kevin Spacey

Mir träumte, ich würde einen Job bei einem neu gegründeten Thinktank für die US-Regierung antreten. Es war der erste Thinktank überhaupt und der Traum spielte irgendwann in den Siebzigern.

Wir neuen Mitarbeiter saßen alle in einem großen Raum, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Klassenzimmer hatte – nur gab es hier Alkohol zu trinken.

Man erzählte uns, wir würden von nun an die US-Regierung beraten und auch PR-Arbeit machen. Außerdem riet man uns, wir sollten die Nase nicht so hoch halten und uns nicht für superschlau halten. Ich duckte mich derweil weg. Nicht etwa, weil ich mich für besonders schlau halte, sondern gerade, weil ich nicht die geringste Ahnung hatte, was ich hier eigentlich tun sollte.

Mir gegenüber saß ein Typ, der aussah wie der junge Kevin Spacey und man munkelte, er habe unglaublich viel Ahnung vom Geschäft. Er war auch der Einzige hier, der keinen Alkohol trank. Beides machte mir Mut.

Später gab es eine große Gartenparty des Institutsgründers. Seine Familie paradierte an uns vorbei in den Raum und wir gingen nach draußen, um ihr Platz zu machen. Alle lächelten, alle waren freundlich. Eine junge Frau mit roten Haaren und fröhlichen Sommersprossen lachte mich und gab mir die Hand. Ich war sofort in sie verknallt, bin jedoch schnell den anderen nach draußen gefolgt.

Im Garten wurde gegrillt und getrunken und es gab Fleisch und Würstchen und Pfannkuchen.