Eine Party geht irgendwie schief

Gestern Nacht wieder: Ich träumte, dass ich mit vielen Leuten abends unterwegs war. Vielleicht war es mein Geburtstag, denn ich fühlte mich für den Abend verantwortlich. J. war dabei und A. und P. und viele andere. In Düsseldorf war jedoch das Wetter schlecht und für eine Kneipe waren wir viel zu viele Leute.
Also gingen wir an meine alte Arbeitsstätte, weil ich ja noch meinen Schlüssel hatte.
In den leeren Bibliotheksräumen feierten wir dann weiter, obwohl ich große Angst hatte, dass man uns erwischen würde.
Einmal fuhr ein Auto über den Innenhof und als die Scheinwerfer durch die Fenster strichen, warfen wir uns alle auf den Boden.
Dann jedoch brachen aus einem Container direkt nebenan grausige Gestalten aus und wir mussten fliehen. Einer von uns dachte wohl, er müssen den wankenden, verzerrten Restmenschen helfen, wurde von ihnen jedoch gefressen.
Bis wir zum großen See fliehen konnten, breiteten sich die Wesen wie eine Seuche über das ganze Land aus und wir bekämpfte sie, wo es nur ging.
Wir fanden heraus, dass ein Waffenproduzent, genannt, ,,Der Müller” hinter der ganzen Sache steckte und auf dem See kam es zum Showdown:
Auf Booten verfolgte ,,Der Müller” uns und als ich eine Handgranate auf seine Yacht warf, detonierte sie nicht.
Ein Blindgänger!
,,Typsch!” dachte ich, während ich meine Maschinenpistole durchlud ,,Die Granate wurde ja auch in seiner Fabrik gebaut!”

Zeitung

In der morgendlichen Pendlerbahn lesen doch noch viele Leute eine Zeitung aus Papier. Tabletwischer sind eindeutig in der Unterzahl.
Nachdem sich Deutschland wegen des Zwistes in den konservativen Parteien öffentlich erregt, habe ich wieder einmal beschlossen, weniger Nachrichten zu konsumieren.
Vielleicht statt Newsfeeds einfach ab und an eine Zeitung kaufen und sie den Tag über gemütlich lesen.
Die Vorstellung ist auf jeden Fall ziemlich attraktiv.

Der kleine Park

Im Goerdeler Park ist ein kleiner Verkehrsübungsplatz für Kinder. Es gibt dort alle möglichen Fahrbahnmarkierungen und Ampeln und eine bunt bemalte Hütte, in der die Verkehrsschilder eingeschlossen sind, damit sie keiner klaut.
Oft kommen hier Eltern mit ihren Kindern zum Fahrradfahrenüben hin.
Auf der Hütte sind Kritzeleien.
Eine davon besteht aus den Wörtern ,,Heil Satanas!”, geschrieben mit einem schwarzen Stift und in sorgsamer Schreibschrift.
Im Gebüsch schläft für immer eine Taube. Sie ist mit Rinde zugedeckt.

Reiseweh

Die Rückfahrt zieht und das Herz ist weh. Gestern noch zogen der alte Freund und ich noch durch die Altstadt mit ihren schönen und krückeligen Häusern und wir wichen den aufgedrehten Junggesellinnen aus, die ausstaffiert wie Weihnachtsgänse noch nichts wussten von ihrem Schicksal.

Wir haben graue Haare in den Bärten und reden über das Leben und die alte Zeit.

Es sind so viele Tage zerronnen und Freunde sind gegangen und die Zukunft mit ihren Reihenhäusern hatte sich für viele plötzlich als Gegenwart entpuppt.

Wir reden über den Schmerz und die Schwäche, aber auch über die Hoffnung.

Wir trauen uns nicht in die dunkle Kneipe und gingen dann doch hinein und der Wirt trank mit uns und überhaupt alle tranken, besonders der Wirt der Kneipe gegenüber, der irgendwann lachend vor dem Tresen saß.

Wir gingen irgendwann los in den Tag und in die Nacht und verwirrt schauten wir den Menschen zu, wie sie Deutschland jubelten.

Nun bin ich alleine mit dem wehen Herz und die kleinen Städte zeihen vorbei und überall sind Menschen in ihren Schützenheimen und Gemeindehäusern und überall haben sie ihre Leben und ihr Schicksal und die Kinder haben aufgeschürfte Knie und die Omas Falten um den Mund und der Mann in der Pommesbude guckt mürrisch, während er die Fritten auf die weißen Teller türmt.

Der Zug indessen fährt und die Sitze sind blau und die Menschen sind müde.

Über die Gehässigkeit

Was tun gegen Gehässigkeit?

Ich nehme in der letzten Zeit eine wachsende Gehässigkeit in meiner Umgebung war. In Gesprächen mit Arbeitskollegen, Nachbarn und Bekannten fallen immer wieder hässliche Bemerkungen über Andere, besonders über Flüchtlinge und Migranten. Meist handelt es sich wohl um AfD-Meme, die - wie ich mitbekommen habe - gerne via WhatsApp geteilt werden.

Letztens war ich ziemlich schockiert, wie Ich sexistisch und brutal über Angela Merkel oder Claudia Roth geredet wurde. Ich stehe beiden Frauen politisch nicht nahe, ich kann sie tatsächlich nicht wirklich leiden - trotzdem ging diese Verachtung weit über politischen Dissens oder mangelnde Sympathie hinaus.

Ich fühle nun regelmäßig Gesprächsrunden zerstört von Gehässigkeit und vom Gift des Hasses.

Was dagegen tun?

Argumentieren funktioniert nicht, das habe ich schon herausgefunden: Es geht bei der Gehässigkeit um Emotionen und gegen Emotionen helfen keine Argumente.

Was also tun?

Sich zurückziehen?

Einsiedler werden?

Reizthemen meiden?

Befreiung

Mir träumte, ich saß in meiner alten Bibliothek. Die Bücher waren schon weg, die Regale abgebaut. Der Raum war leer, sah aus wie ein Tanzsaal ohne Tänzer.

Ich hockte auf einem Bürostuhl, noch eingepackt und bereitgestellt für die Nachnutzer.

Mir gegenüber saß die Zauberin.

Erinnerungen kamen in mir hoch. Erinnerungen an unsere erste Begegnung vor so vielen Jahren. An ihre Schönheit. Wie sich mich umgarnt hatte, wie sehr ich mich geschmeichelt gefühlt hatte, von einer solchen Göttin begehrt zu werden.

Erinnerungen an unsere gemeinsamen Abenteuer - und wie sie sich still und heimlich in mein Herz geschlichen und es mir dann gestohlen hatte.

Noch immer tat die Wunde in meiner Brust mir weh, die Ränder würden vielleicht niemals heilen. Am schlimmsten war aber das Gefühl der Leere, wo einst mein Herz geschlagen hatte.

Seitdem war ich kein richtiger Mensch mehr: Ein Zwischending, nicht lebendig und nicht tot.

Immerhin war ihr Zauber schon lange gebrochen. Der Fisch war vom Haken. Sein Maul war zerfetzt von den Widerhaken, aber der Fisch war frei.

Ja, sie war einst eine echte Schönheit gewesen: Schlank und geschmeidig, ein fein geschnittenes Gesicht, die Haut von einem Olivton, der einen Mann in den Wahnsinn treiben konnte.

Doch nun ihr Gesicht war zerfressen von der Seuche. Haut und Fleisch überzogen sich nach und nach mit einem feinen, weißen Gespinst. Danach würden sie abfallen. Dies würde so lange weitergehen, bis die Infektion das Hirn erreichte. Dann würden Wahnsinn und bald der Tod folgen.

Nichts würde die Krankheit aufhalten können: Es gab keine Medizin und selbst ihre mächtigen Zauber würden die Hexe nicht retten können.

Wegen der Entstellung trug sie einen Schleier, doch selbst dieser konnte nicht mehr verhüllen, dass die linke Hälfte des Gesichts nun schon fast ein Totenschädel war.

Sie wolle mit mir reden, sagte sie und ich schaute weg.

Es gab nichts mehr zu reden.

Was sollte ich auch sagen?

Ich wollte Ihr nichts mehr vorwerfen, auch wenn sie mir alles genommen hatte: Meinen Besitz, meine Ehre, meine Frau und die Kinder.

Nichts war mir gelieben bis auf die Leere in meiner Brust.

Was wollte sie mir also sagen?

Mich um Verzeihung bitten?

Mir noch mehr Schmerzen zufügen?

Mir etwa Vorwürfe machen, dass ich mich befreit hatte?

Dass ich ihr nicht mehr zu Füßen lag und ihre Demütungen dankbar ertrug?

Das Schweigen stieg zwischen uns auf und füllte den Raum.

Sie bewegte den Kopf hin und her und es wurde mir mit einem Mal klar, warum wir hier saßen:

Ein schlechtes Gewissen!

Die Hexe wollte selbst noch aus der Seuche Profit schlagen, wollte mir ein schlechtes Gewissen machen, mich mit ihrem Anblick quälen!

Mitleid sollte ich bekommen und dieses Mitleid wäre nur ein weiterer ihrer Dolche in meiner Seele.

Doch die Seuche und der Tod und die Verwesung waren nun schon so lange Teil meines Lebens, als dass mich der Anblick verfaulenden Fleisches noch schrecken konnte.

Die Hexe hatte sich ihr Leid ganz alleine zuzuschreiben. Es gab nur eine einzige Möglichkeit, sich mit der Seuche anzustecken und sie musste um das Risiko gewusst haben.

Außerdem hatte ich eh kein Herz mehr, mit dem ich etwas hätte empfinden können.

Wortlos stand ich auf und ging hinaus.

 

Hinaus in mein Leben.

Geplatzt

So langsam scheinen meine Gewichtsprobleme in mein Unterbewusstsein zu sickern, denn gestern Nacht träumte mir, die lange Narbe an meiner linken Seite wäre aufgeplatzt.

Die Wunde war mindestens zwanzig Zentimeter lang und blutete nicht, dafür tat sich ganz schön weh. Sie klaffte offen und man konnte in mein Inneres sehen.

Ich lief zu meinem Bruder, um ihm die geplatzte Narbe zu zeigen, doch wir mussten eine Feier organisieren und er hatte dafür keine Zeit.

Droben am Himmel

Der Pickup raste über die schmale Straße hinweg und schüttelte uns durch. Ich saß mit zwei Soldaten auf der Ladefläche, während Teff das Gaspedal bis zur Wanne durchtrat. Der Motor heulte und alles klapperte und wackelte.

Die Kiefern, welche die Straße säumten, glitten an uns vorbei, doch keiner hatte mehr als einen kurzen Blick für sie übrig. Teff musste sich auf das Fahren konzentrieren und wir anderen starrten wie gebannt in den Himmel.

Dort oben flog etwas Großes herum. Es flog so hoch, dass man es kaum erkennen konnte, aber immerhin war zu erkennen, dass es Flügel hatte und einen langen Schwanz hinter sich herzog. Wieder einmal verfluchte ich die schlechten Augen dieses Körpers, denn der Rest des Wesens war nur ein Schemen. Das Ding schien sich nicht für uns zu interessieren, flog mal in diese, mal in eine andere Richtung, schien sich ab und an um die eigene Achse zu drehen.

Mein Herz klopfte vor Aufregung, obwohl ich genau wusste: Ein Drache konnte es nicht sein, denn der letzte Drache in dieser Welt saß hier auf der Ladefläche eines Pickups zwischen zwei Soldaten und schaute nach oben. Auch konnte ich keine Anwesenheit eines anderen Drachen spüren.

Was immer da oben seine Kreise zog: Es war groß, aber kein Drache.

Ich ließ den Blick sinken.

Die beiden Uniformierten neben mir hielten sich mit der jeweils einen Hand am Rand der Ladefläche fest, mit der anderen an ihren Sturmgewehren. Die Mündungen der Waffen reckten sie dem Himmel entgegen, so als währen die Gewehre Talismane zur Abwehr des Bösen.

Gerne hätte ich versucht, die Männer zu beruhigen. Hätte ihnen gesagt, dass ich sie vor dem Ding dort oben ganz bestimmt würde beschützen können.

Aber sie schienen so sehr auf ihre Waffen zu vertrauen - ich wollte sie nicht stören.

Traumfragment New York

Der gestrige Traum begann mit der Performance von ,,Everyone's coming to New York'', in welcher Cabbie zum ersten Mal auftaucht.

Ich habe ihn sogar kurz gesehen, doch da mich der Auftritt nicht sonderlich interressierte und ich auch nicht entdeckt werden wollte, ging ich nach draußen. Die Luft dort war frisch und kühl und ich glitt in den Schatten eines Baumes. Niemand beachtete mich - ich war eine dunkle Gestalt wie jede andere auch.

Das war mir recht.

Drinnen hörte die Musik auf und Männer kamen heraus. Mit dem Öffnen der Türen schwappte Applaus in die Nacht. Man hörte Cabbie laut reden: ,,Was? die Romano-Brüder sind einzeln gekommen? Seid Ihr wahnsinnig?'' oder auch: ,,Passt gut auf Euch auf, Kinder! Denkt daran, heute der neunten Straße nicht zu nahe zu kommen!''

Die Männer sammelten sich in Gruppen und verschwanden in der Dunkelheit und es wurde ruhig. Ich genoß die Stille, schaute mich um in dieser erstaunlich gut erhaltenen Gegend.

Angst hatte ich nicht.

Wovor auch?

Die Ruhe währte jedoch nicht lang:

Menschen kamen aus den Häusern rundherum und bewegten sich auf das Theater zu. Es waren Frauen darunter und viele trugen Kinder.