Völkerverständigung

Hohenlimburg Bahnhof, so gegen 20:00 Uhr. Zwei extrem betrunkene Männer telefonieren freisprechend mit einer Frau und versuchen, ihr ,,Hohenlimburg” zu diktieren. Sie sprechen kein deutsch. Ich meine, es sind Russen, Mama hingegen sagt: ,,Das sind Polen!”

Der eine von beiden sitzt apathisch da, während der andere Passanten anspricht und etwas fragt. Niemand versteht ihn. Dann bin ich an der Reihe.

Ich kann ihn soweit verstehen, dass die beiden irgendwo hin wollen und nicht wissen, wie. Er sagt den Namen des Ortes immer wieder, aber ich kenne nichts in der Gegend, was sich ähnlich anhört. Da er wahrscheinlich nicht weiß, wie man den Namen der Stadt ausspricht, führe ich ihn zu einem Streckenplan.

,,Hier!” zeige ich ,,Hohenlimburg!”. Er nickt und sagt ,,Si! Si!”
Dann zeige ich auf andere Städte. Wo wollt Ihr hin?

Er zeigt nach außerhalb der Karte, sagt so etwas wie ,,Polland” und legt die rechte Hand auf das Herz.

,,Polen?” frage ich ,,Polski?” Er nickt heftig.

Mama hatte doch Recht!

,,Si! Si!”
Ich zeige erst auf ihn, dann fahre ich mit dem Finger über die Strecken bis zum östlichen Ende der Karte.
,,Ihr wollt nach Polen?”

Wieder heftiges Nicken. Ich versuche, ihm zu erklären, dass die beiden erst nach Hagen und dann nach Dortmund müssen (,,Biiiiiig Station!”) und dort weiter fragen (,,Informatie!”).

Er bedankt sich (,,Merci! Merci!”) und torkelt zu seinem Kameraden zurück.

Heimat. Heimweh

Ich muss fort aus der Heimat und zurück nach Hause.
Das Land liegt still und neblig. Wie verzaubert sieht es aus.
Der Wald rauscht leise. Ab und an pustet der Wind eine Walnuss auf das Dach.
Ich bin noch da und habe schon jetzt Heimweh.
Am liebsten würde ich mich Teilen und der eine Teil würde nach Hause fahren und der andere Teil bliebe hier.
Würde Aufpassen.
Nach dem Rechten sehen.
Aber ich muss im Ganzen gehen.

Digital Detox

Ich beschäftige mich zur Zeit sehr mit dem Thema ,,Digital Detox”, denn ich habe festgestellt, dass das ständige Online-Sein, die ständige Ablenkung durch elektronische Medien mir nicht gut tut.
Um mich richtig zu informieren, habe ich zum Thema schon fünf Blogs und sieben Podcasts abonniert. Ich folge auf Instagram, Twitter und Facebook so ziemlich allen, die über Digital Detox berichten.
Sobald sich im Netz irgendetwas in der Richtung tut, bekomme ich eine Pushnachricht!!!

Ganz kurz über die Zeit nachdenken

Im Café sitzen und über das Wesen der verschiedenen Zeiten nachdenken:
Es gibt zum Beispiel die ,,Freizeit”, die zwar frei, aber doch nicht frei ist. Wenn man nämlich bis zum Termin noch zwei Stunden Zeit hat, dann kann man vielleicht im Café sitzen und über das Wesen der Zeiten nachdenken, man kann aber wegen des Termins nachher keinen Schnaps trinken – ist also doch unfrei.

Umbruchstimmung

Die Augen werden schlechter und draußen wird es dunkel. Vielleicht haben sich meine Augen auch zu sehr an das grelle Licht des Sommers gewöhnt sodass mir der Tag nun wie ein Abend vorkommt.
Durch die Gänge der Bibliothek werden Möbel gerollt.
Umbruchstimmung, Aufbruch, Abbruch.
Ich bin einfach nur traurig und der Kopf tut wie immer weh.

Europa

Ich sitze im Biergarten und warte auf mein Helles. Die vier Euro dafür liegen schon vor mir auf dem Tisch.
Ich schaue in der Gegend herum (“Spitfire Lager – the Lager of Britain is ready to take off”) und da entdecke ich, dass von den beiden 2-Euro-Münzen die eine aus Frankreich kommt und die andere aus Griechenland.
In diesem Moment wünsche ich Europa gute Genesung.

,,Die Fahrkarten bitte!”

Sie hocken zu dritt auf einem Vierer: Die Quatschtanten in der Eurobahn.
Wie die Nornen sitzen sie zusammen und betratschen das Schicksal von Tausenden. Arbeitskollegen, Nachbarn, Schwestern und Promis – alle diese durchgekaut in faltigen Mündern. Die bemalten Lippen sind gespitzt und man goutiert ein besonders erlesenes Gerücht:
,,Haste? Weißte? Kennste?”
Die Wangen rosig, die Hintern breit.
Sie ruckeln durch das Land, frönen ihrer Leidenschaft:
Schwatzfahren.