Heimat. Heimweh

Ich muss fort aus der Heimat und zurück nach Hause.
Das Land liegt still und neblig. Wie verzaubert sieht es aus.
Der Wald rauscht leise. Ab und an pustet der Wind eine Walnuss auf das Dach.
Ich bin noch da und habe schon jetzt Heimweh.
Am liebsten würde ich mich Teilen und der eine Teil würde nach Hause fahren und der andere Teil bliebe hier.
Würde Aufpassen.
Nach dem Rechten sehen.
Aber ich muss im Ganzen gehen.

Faultier

Das Faultier stand auf und alle Tiere wunderten sich.
,,Das muss jetzt aufhören!” rief das Faultier und die Tier hörten auf zu Grasen und schauten auf ,,Ich will kein Opfer mehr sein!”.
Einige Tiere schüttelten den Kopf, andere nickten.
Das Faultier fuhr fort:
,,Von nun an hänge ich nicht mehr rum und lasse mich von Schicksal beuteln! Ich nehme meine Zukunft in die Hand! Nie wieder Opfer! Nie wieder ein Objekt!”
Es ballte die Faust und die Tiere applaudierten.
Dann sackte das Faultier weinend in sich zusammen und die Tiere nahmen ihre Futtersuche wieder auf.

Umbruchstimmung

Die Augen werden schlechter und draußen wird es dunkel. Vielleicht haben sich meine Augen auch zu sehr an das grelle Licht des Sommers gewöhnt sodass mir der Tag nun wie ein Abend vorkommt.
Durch die Gänge der Bibliothek werden Möbel gerollt.
Umbruchstimmung, Aufbruch, Abbruch.
Ich bin einfach nur traurig und der Kopf tut wie immer weh.

Sonntagswusel

Gestern die liebe Mama im Krankenhaus besucht, dann alleine nach Hause gefahren. Im Kühlschrank wartete noch eine Zucchini aus dem heimischen Garten.

Die Heimat habe ich dann zerschnippelt und zusammen mit Sucuk in der Pfanne gebraten und dann noch ein paar Eier darüber geschlagen.

Was für ein Bild:
Die Zucchini kommt aus Italien, wuchs aber daheim im Sauerland auf. Mein Vater schnitt sie ab und ich brachte sie ins Ruhrgebiet. Die Wurst jedoch kommt aus der Türkei und sie gab dem Gemüse eine leckere Würzigkeit.

Woher die Eier stammen, weiß ich nicht.

Nach dem Abendessen fiel ich müde ins Bett und heute war ich früh wach und fleißig: Der Bart ist gestutzt, die Spülmaschine läuft und das Brot wartet darauf, gebacken zu werden. Auch habe ich mich endlich wieder an mein großes Studienprojekt gewagt und die kleine Fleißarbeit ging gut von der Hand.

Nun will ich Kartoffelsalat machen.

Deutscher geht es ja kaum.

Adieu, WhatsApp!

Eine Rundmail an meine ehemaligen WhatsApp-Kontakte:
Liebe Leute,nachdem ich das Buch ,,10 Gründe, warum Du Deine Social Media Accounts löschen solltest” von Jaron Lanier gelesen habe, werde ich mich von meinem Twitter-Account aber auch von WhatsApp verabschieden und in den nächsten Tagen mein Konto dort löschen.

Die Gründe:
1.:
WhatsApp gehört ja zu Facebook und sämtliche Kommunikation wird von dieser Plattform analyisert und die Informationen werden dafür benutzt, die manipulativen Algorithmen zu verbessern – auch wenn man Facebook selber nicht nutzt.

2.:
In der letzten Zeit schwappt mehr und mehr Gehässigkeit durch WhatsApp-Gruppen in denen ich (noch) bin. Es handelt sich um Hass auf bestimmte Gruppen von Menschen und auch auf einzelne Personen. Dies geschieht mit Hilfe von ,,witzigen Bildchen” und Videos, welche m.E. nach gezielt von Rechtsradikalen verbreitet werden, um mit ihrer menschenverachtenden die Gesellschaft zu vergiften.
Ich muss mir diesen Mist nicht ansehen, diese Lügen und Gehässigkeiten brauche ich nicht.

Und nun?
Ihr könnt / Sie können mich problemlos unter meiner Handynummer
xxxxxxxxx (auch per SMS!)

meiner E-Mail-Adresse
xxxxxxx@xxxxx.xx (auch mobil)

und über den Messenger-Dienst Telegram (https://telegram.org/) erreichen. Dieser Dienst gehört noch keinem großen Konzern.

Liebe Grüße,
Euer / Ihr
Markus Becker

Reiseweh

Die Rückfahrt zieht und das Herz ist weh. Gestern noch zogen der alte Freund und ich noch durch die Altstadt mit ihren schönen und krückeligen Häusern und wir wichen den aufgedrehten Junggesellinnen aus, die ausstaffiert wie Weihnachtsgänse noch nichts wussten von ihrem Schicksal.

Wir haben graue Haare in den Bärten und reden über das Leben und die alte Zeit.

Es sind so viele Tage zerronnen und Freunde sind gegangen und die Zukunft mit ihren Reihenhäusern hatte sich für viele plötzlich als Gegenwart entpuppt.

Wir reden über den Schmerz und die Schwäche, aber auch über die Hoffnung.

Wir trauen uns nicht in die dunkle Kneipe und gingen dann doch hinein und der Wirt trank mit uns und überhaupt alle tranken, besonders der Wirt der Kneipe gegenüber, der irgendwann lachend vor dem Tresen saß.

Wir gingen irgendwann los in den Tag und in die Nacht und verwirrt schauten wir den Menschen zu, wie sie Deutschland jubelten.

Nun bin ich alleine mit dem wehen Herz und die kleinen Städte zeihen vorbei und überall sind Menschen in ihren Schützenheimen und Gemeindehäusern und überall haben sie ihre Leben und ihr Schicksal und die Kinder haben aufgeschürfte Knie und die Omas Falten um den Mund und der Mann in der Pommesbude guckt mürrisch, während er die Fritten auf die weißen Teller türmt.

Der Zug indessen fährt und die Sitze sind blau und die Menschen sind müde.