Alte Liebe

Mir träumte, ich müsste zu einer Weiterbildungsveranstaltung an einem fernen Ort. Mich erinnerte das alles sehr an den Campus der TH Wildau, aber es nicht dort. Einige meiner Mitschüler aus dem Abitur waren auch mit dabei und wäre schön gewesen, sie wieder zu sehen – wäre es dort nicht immer so stressig gewesen mit den vielen Terminen und Kursen.

Zu allem Überfluss befand ich mich zwischendurch auch noch in einem Nachbarort und musste mit dem Linienbus zurück zur Weiterbildung fahren und würde zu spät kommen!

Zu spät zu diesem Workshop zur Persönlichkeitsbildung!

Dazu sollte ich eigentlich noch ein Selfie von mir machen, es ausdrucken und mit einer persönlichen Widmung einem alten Freund oder einer alten Freundin überreichen – wann sollte ich das denn auch noch schaffen?!

Aber ich war nicht alleine:
C., das Mädchen, in das ich in jungen Jahren so unsterblich verliebt gewesen war, war auch dabei.

Ihr wisst schon: Das schönste Mädchen der Klasse, der dicke Freak betet sie aus der Ferne an. Durchheulte Nachte – Ihr kennt das.

Sie lachte mich an und meinte: “Hey! Wir nehmen jetzt den Bus und machen dann noch schnell unser Selfie! Das kriegen wir gemeinsam schon hin!”

Auch nach all den Jahren schmolz ich wieder dahin. Vielleicht half dabei auch die seltsame Fügung, dass C. wesentlich jünger aussah als sie eigentlich aussehen müsste – eher wie die junge Frau zu unserer gemeinsamen Schulzeit. Mit einer Mischung aus Begeisterung und Skepsis stieg ich mit ihr in den Bus. Einerseits freute ich mich sehr über die freundliche Ansprache, andererseits ärgerte ich mich darüber, mich wieder wie in verknallter Jugendlicher zu verhalten.

Zum Selfie kam es dann leider nicht. Wir kamen zu spät an und ich hatte nichts zum Überreichen, bekam von meinem alten Freund J. aber sehr liebe Fotos. Gerne hätte ich ihm auch eines von mir überreicht – und auch sehr gerne eines an C.

Aber wie immer hat das nicht geklappt.

Als ich dann aufgewacht bin, musste ich gleich daran denken, wie ich C. vor einigen Jahren das letzte Mal begegnet bin.

Ich war so voller Angst und voller Scham, dass ich kein Wort rausgebrachte habe – nicht einmal ein harmloses “Hallo!”. Obwohl es keinen Grund dafür gab, wäre ich am liebsten einfach weggelaufen.

Das tut mir noch immer sehr leid.

Mittwoch! Bergfest! Übermorgen habe ich zwei Prüfungen und am Samstag darf ich wieder nach Hause.