05.12.2019: Echt, Tischtennis, Menschenwert

Echt

Heute Vormittag habe ich im Radio das Lied ,,Du hast keine Liebe in Dir’’ der Gruppe Echt gehört. Das Lied gibt es wohl schon länger, ich habe es aber erst heute so richtig wahrgenommen. Es hat mich ganz schön getriggert, weil ich genau so einen Menschen kenne, der keine Liebe in sich hat. Daran erinnert zu werden, hat alte Wunden wieder aufgerissen und das tut sehr weh.
Auf der anderen Seite ist es ein Lied, welches ich diesem Menschen gerne ins Gesicht singen würde – auch wenn er es aufgrund seiner Störung nicht verstehen kann.

Tischtennis

Den Thronfolger zum Tischtenniswochenende in Düsseldorf gebracht. Das Tischtenniszentrum dort ist sehr schön und neu und hat sogar ein eigenes Hotel. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof ist mir mal wieder aufgefallen, wie sehr sich der düsseldorfer Stadtteil Flingern doch in den letzten Jahren gewandelt hat mit seinen vielen schönen Restaurants und Cafés – wobei er noch viel von seinem quirligen und leicht kaputten Charme behalten hat.
Allerdings wohne ich da nicht und sehe das nur von außen.

Menschenwert

Letztens habe ich mit meinem guten Freund O. telefoniert und ich erzählte ihm von meinem Ehreamt als Hilfsschöffe. Er meinte darauf, dass etwas mit unserem Rechtssystem nicht stimme, wenn man die Perspektive der Opfer nicht in die Urteilsfindung mit einbezieht. Da ich ein langsamer Denker bin, habe ich das erst einmal aufgenommen und heute kam mir dazu ein Gedanke:
Wenn man die Opferperspektive wirklich mit einfließen lassen will – wie soll das vonstatten gehen? Wie misst man den Schmerz eines Opfers?
Meines Erachtens nach würde bei einer solchen Praxis am Ende doch nur die Person des Opfers wichtig: Das Leiden eines kleinen Kindes oder einer lieben Oma wäre dann mehr wert als das eines unfreundlichen alten Mannes und wenn man schon einmal in diese Richtung denkt, ist das grundsätzliche Bewerten von Menschen nicht mehr weit. Wer ist schützenswerter? Wer ist wichtiger?
Ich musste an den Film iRobot denken, in dem Will Smith einen Polizeibeamten spielt, der in einen schweren Unfall verwickelt wird und ein Roboter rettet ihm anstatt einem kleinen Mädchen das Leben, weil der Polizist eine höhere Überlebenschance hat. Der Roboter entscheidet ohne Ansehen, Alter oder Geschlecht der Person. Ein bisschen so ist (bzw. sollte) unser Rechtsstaat sein, nämlich jedes Menschenleben und jedes Leid gleich bewerten.

2 Gedanken zu „05.12.2019: Echt, Tischtennis, Menschenwert“

  1. Da sind wir ja wieder bei Kant ;-). Bei moralischem Handeln spielen für Kant Gefühle keine Rolle, weil sie philosophisch gesprochen zufällig sind. Gerichte sollen auch nur Recht umsetzen, nicht Gerechtigkeit herstellen, damit sind sie komplett überfordert. Man kann den Tod eines Menschen nicht ausgleichen.
    Es gibt bei Kant übrigens auch den verbitterten Mann, der seine Lebensfreude vollständig verloren hat, aber weiterhin moralisch handeln kann. Dem könnte man vor Gericht ja übel mitspielen, wenn ihm was geschähe und der Richter meint, naja, so schlimm ist das jetzt für ihn auch nicht mehr.

    1. Kant der Unausweichliche! 😀

      Aber Du hast vollkommen Recht, was den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit angeht. ,,Gerechtigkeit” scheint ja ein eher esoterisches Konzept zu sein.

Kommentare sind geschlossen.