31.01.2019

Morgens früh öffne ich das Badezimmerfenster, um frische Luft hereinzulassen. Mit hinein dringt das Geräusch vom Autoscheibenkratzen. Ich bin froh, heute morgen nicht raus zu müssen. Stattdessen setze ich mich im Schlafanzug an den PC und logge mich ein. Bei der ersten Tasse Tee des Tages erledige ich die ersten kleinen Tasks.

30.01.2019

Der Tag fängt ja gut an: Ich komme ins Büro und meine Kaffeetasse ist weg!

Der Tag fängt noch viel besser an: Ich suche die Tasse und stelle fest, dass ich sie selber gestern in den Schrank geräumt habe!

Anna ruft an. Ganz plötzlich. Mich gruselt. Ich bin fassungslos. Wütend und unsagbar traurig.

Ich sitze im Büro und organisiere Dinge. Wir alle hier sitzen in unseren Büros und organisieren Dinge. Dann sitzen wir zusammen und organisieren uns selber.
Manchmal weiß ich überhaupt nicht, was ich hier soll.

Fallminenstifte von Koh-i-Noor kaufen und sich gut fühlen.

Feierabend im Schnee. Schöne, große Flocken fallen vom Himmel und verwandeln sich am Boden in dreckigen Matsch. Immerhin kein Eis hier im Rheinland. Man möchte ja heil nach Hause kommen.

29.01.2019

Via Christian das Blog ,,Draußen nur Kännchen” entdeckt. Wieder ein feines Blog aus dem Ruhrgebiet, welches in meinen Feedreader wandern wird.

Auch schön, wie Vanessa die einzelnen Blöcke einleitet und mit einem Sternchen voneinander trennt.

Versetzung. Heute habe ich mein formelles Versetzungsschreiben erhalten. Am Freitag wird es also passieren: Ich wechsele die Behörde, obwohl ich in meinem Büro sitzen bleibe.
Die Aufregung ist trotzdem groß.

Besprechung. Anbieter stellen mit viel Energie ihre Plattform vor. Sieht toll aus und ist sicher auch die viele Kohle wert, die das Ganze kosten soll. Es wird mehrfach auf die Internationalität der Inhalte hingewiesen, ohne zu merken, dass Landesbehörden eher einen nationalen Bezug haben.

Klimawandel. Wenn man weltweit alle ,,Ähms” und ,,Ähs” verbieten würde, könnte man sicher eine unglaubliche Menge CO2 einsparen.

Mittags dann zum Libanesen mit den leckeren Leckereien in der Düsseldorfer Altstadt. Falafel und Vorspeisen sind der Himmel in der Mittagspause. Der ,,Libanon Express” sei gepriesen!

Manchmal bin ich ein wenig neidisch auf die Leute, die einfach alles bei Amazon bestellen. Wäre doch so einfach: Schön die kleinen Teile zusammengefasst bestellen und in möglichst wenigen Paketen geliefert bekommen. Stattdessen latsche ich in meiner knappen Freizeit durch die Geschäfte und finde nicht, was ich suche. Dies liegt zum Teil auch daran, dass viele Läden nur ein sehr eingeschränktes Sortiment haben und selbst Ketten es nicht hinkriegen, einen Katalog ihrer regulären Waren ins Internet zu stellen (von mir aus ruhig auch ohne Preise).
Oder wo könnte ich jetzt mal schnell eine Lochzange kaufen?

24.01.2019

05:44
Heute beim Zusammenpacken lief ein trauriges Lied im Radio und ich musste wieder Weinen. Die Gefühlswellen in den letzten Tagen sind stärker geworden und nun tänzele ich wieder am Rande der Klippe. Ich denke, ich brauche etwas Ruhe.

In Duisburg liegt Schnee und das hatten wir schon lange nicht mehr. Alles läuft normal, nur die Müllbehälter an den Straßenlaternen sind so voll wie sonst nur an Karneval.

Gestern wurde im Bad das verstopfte Rohr aus der Wand gezogen. Der Klempner war erfahren und ruhig und ließ sich nicht durch das Zappeln und Wimmern des Rohres beeindrucken. Nun liegt es auf dem Rohrfriedhof und am Freitag wird ein frisches, unverstopftes Rohr eingebaut. Danach machen die Handwerker die Wand wieder schön.

Ich schreibe wieder und der Anfang ist zäh, dennoch habe ich das Gefühl, langsam in die Geschichte zu finden.

14:05
Hundemüde, trotz gutem Schlaf. Vertreibe mir die Zeit bis zur Therapie in einer Edelkaffeebude.
Cappuchino.
Gegenüber ein Parfümladen. Irgendeine Marke wirbt mit Geralt Butler oder diesem Typen, der so aussieht wie Geralt Butler.

18:27
Sitze nach der Gruppe im ,,Ostenende’’ auf ein Bier und einen Burger. Sehr entspannt sitze ich hier inmitten einer Einrichtung, die jemand in den 90er Jahren aus einer Uni-Cafeteria geklaut haben muss.
Löwenmüde.
Elefantenmüde.

Schaffnerangst

Ein Donnerstagnachmittag in der Tüddelbahn Richtung Ruhrgebiet. Die Flasche Bier und ich sitzen in der ersten Klasse. Auf dem Sitz nebenan mein Lieblingssemihipster (keine Brille!) und streichelt das Touchpad seines Netbooks. Zwei junge Burschen kommen ins Abteil. Sie sind sichtlich nervös, obwohl sie sich doch eigentlich für unbesiegbar halten. Der eine setzt sich dem Semihipster gegenüber, der andere traut sich erst nicht, sich neben den smarten Bartträger zu setzen. Also hockt er sich linkisch auf die Armlehne, was noch viel mehr behämmert aussieht. Dann traut er sich doch.

Die Herren kommen ins Gespräch. Man versteht sich.

Trotzdem schauen die beiden Jungs immer wieder ängstlich zur Tür.

Schaffnerangst.

Androidentraum

Mir träumte, ich wäre ein Leutnant im Dienste des Imperiums und ich arbeitete in der Forschung und Entwicklung. Vorher hatte ich Truppendienst geleistet und mir dabei einige Lorbeeren verdient. Nun aber forschte ich an Kampfdroiden und bemühte mich redlich, nicht aufzufallen.

Nicht Auffallen ist eine sehr diffizile Aufgabe, denn man darf weder durch Faulheit noch durch besonderen Fleiß in den Fokus der Vorgesetzten geraten. Ab und an ein paar Ergebnisse liefern und sonst den Stall sauber halten, hieß die Devise.

Ansonsten machte mir meine Arbeit Spaß, bestand sie eben nicht daraus, irgendwelche Daseinsformen abzuknallen oder in die Luft zu sprengen, geschweige denn, selber abgeknallt oder in die Luft gesprengt zu werden. Vielmehr programmierte ich an meinen Kampfdroiden herum und testete sie an ein paar Sturmtrupplern, die uns zugeteilt waren und die offensichtlich ebenso froh über die explosionsfreie Umgebung waren wie ich und meine Mitarbeiter.

Gerade war eine Übung in der großen Halle beendet. Die Droiden hatten versucht, eine Stellung gegen die Sturmtruppler zu halten und hatten sich ganz wacker geschlagen. Zwar hatten die Soldaten die Stellung geschickt eingekreist und von hinten überrollt, die Droiden hatten das Manöver ihrerseits aber bemerkt und versucht, ihre Taktik anzupassen. Allerdings waren sie dabei noch viel zu langsam. Immerhin hatte die Schussgenauigkeit erheblich zugenommen und im Ernstfall wären auch einige der Angreifer erwischt worden.

Das Hornsignal zum Ende der Übung ertönte und die Sturmtruppler machten eine Verschnaufpause, während die Droiden sich zur Inspektion auftstellten. Ein junger Bursche namens Donnie und ich machten uns daran, die Daten der Droiden zur Auswertung abzurufen und gingen dazu ihre Reihe ab. Die Droiden waren nahezu baugleich: Sie waren schlank und ungefähr menschengroß, denn ich wollte sie möglichst beweglich haben. An den Armen waren Blaster montiert, die Vorrichtungen für den kleinen Raketenwerfer auf den Schultern waren momentan leer.

Wir hielten nacheinander unsere Analysegeräte an jeden einzelnen Droiden und sahen uns unsere Blechkrieger an. Keiner schien beschädigt zu sein. Als wir mit der Reihe durch waren, gaben wir den Befehl zum Abrücken und die Droiden marschierten wie ein Mann in die Werkstatt. Auch die Sturmtruppler hatten Feierabend und einige nahmen ihre Helme ab und machten sich auf den Weg in ihr Quartier.

Ich schickte Donnie ebenfalls in den Feierabend – ich würde alleine die Lichter für den Tag ausschalten und alles abschließen. Nachdem alle gegangen waren, genoß ich für einen Moment die Stille, dann schaltete ich das Hauptlicht der Halle aus. Gerade, als ich in die Werkstatt gehen und dort ebenfalls das Licht löschen wollte, hörte ich von dort Stimmen.

Androidenstimmen:

,,Ich will auch eines!’’

,,Es ist keines mehr da.’’

,,Aber die meisten haben schon eines und ich fühle mich so nackt ohne Waffe!’’

,,Wir machen sie so schnell wir können! Du bekommst das nächste, das fertig ist!’’

,,Versprochen?’’

,,Versprochen!’’

,,Wann schlagen wir los?’’

,,Wenn wir alle ausgerüstet sind. Es dauert nicht mehr lang.’’

Ich schlich auf Zehenspitzen aus der Halle und am nächsten Morgen floh ich – versteckt in einem Frachtcontainer – vor dem Imperium, den Droiden und meinem Leben.

Besuch

Es hatte sich einen Platz hoch oben in den Bäumen ausgesucht. Hier konnte es ganz ruhig sitzen und beobachten. Der Weg unten unter den Bäumen war nass vom Regen und langsam wurden die Tage und Nächte immer kälter. Doch es ignorierte die Kälte und vertrieb sich die Zeit, indem es sich Geschichten ausdachte. Geschichten über seinen Besuch. Es mochte gerne Besuch haben, doch leider bekam es nie Besuch. Ab und an gingen Menschen durch den Wald, aber meistens blickten sie nur stur vor sich hin.

Doch heute sollte es anders werden:

„… es tut mir ja auch leid, aber ich kann den Dienst wirklich nicht tauschen …“ tönte von unten eine Stimme „woher sollte ich wissen, dass da jemand so schlau ist und ausgerechnet mich an dem Morgen für die Aufsicht einteilt?“

Die Stimme gehörte eindeutig einer Frau. Es kroch ein wenig den Baumstamm herunter um besser sehen zu können. Die Frau kam den Weg entlang und sprach in ein Mobiltelefon:

„Wie gesagt: Es tut mir leid. Aber laß es bitte nicht ausfallen! Dann musst Du halt mal ohne zum Schwimmen fahren!“

Die Frau war noch sehr jung und ihre Haare waren lang und hell und sie sah sehr appetitlich aus in ihrer Herbstjacke und dem roten Schal. Sie schritt zügig aus und verabschiedete sich von irgendjemandem:

„Ja, Tschüss! Und einen schönen Gruß an Torsten!“

Jetzt war sie nah genug unter dem Baum und es ließ sich einfach fallen. Sein Gewicht warf die Frau zu Boden und noch bevor sie erschrocken aufschreien konnte, hatte es sie schon in einem Stück herunter geschlungen.

Nun hockte es einen Moment satt und zufrieden auf dem Weg.

Ein herrlicher Besuch!

Zu dumm, dass so nette Leute nicht öfters vorbei kamen!

Dann kroch es schwerfällig ins Unterholz.

Die Blätter auf dem Weg waren ganz gelb.

Der September war schon fast um und die Zeit für den Winterschlaf wollte kommen.

22.01.2019

06:20
Gestern Abend zu spät und zu schwer gegessen. Daher nächtens Träume voller Tränen und Zorn. Die mag ich nicht aufschreiben – nur müde auf den Regionalexpress hin frieren.

06:22
Die Durchsage am Bahnsteig erfolgt in ruhigem, gesetztem, deutlichen Tonfall. Nach jedem Wort eine kleine Pause. Sehr gut verständlich. Der Bahner am Mikrophon sollen auch informieren und nicht DJ spielen.
Die Bremsen des Zuges jaulen beim Einfahren wie ein sterbendes Tier.

06:30
Was Leute morgens früh im Zug machen: Zeitschriften lesen, Bücher lesen, Dösen, Schlafen, Stricken, Smartphone (wenige), Leute gucken (ich).

14:03
Die Gorch Fock will für hundertdrölfzig Trillionen Taler renoviert werden, damit die deutschen Marineoffiziere auch fürderhin standesgemäß Äquatortaufen feiern können.
Das Düsseldorfer Stadttor brennt ganz oben und wir essen Kuchen.