Traum vom Blut

Mir träumte, ich würde ins Zentralkrankenhaus gehen, ganz unten in die Abteilung, wo der alte Mann die Strohhüte verkauft.
Ich war auf der Suche nach einem Stock. Wenn man in der Stadt lebt, ist es schwierig, einen guten Stock zu finden, denn das ist selbst auf dem Lande nicht leicht. Als Kind war es für mich immer das Größte, wenn ich einen guten Stock fand!
Gerade musste so ein Stock sein und glatt und sauber und nicht zu schwer und überhaupt nicht morsch.
Doch es gab keinen guten Stock im Keller vom Zentralkrankenhaus und so ging ich wieder fort.
Draußen fingen mich zwei abgewrackte Typen ab, die mich ausfragen wollten, was ich denn hier so treibe. Ausweichend antwortete ich, ich würde nur etwas durch die Stadt laufen. Sie schienen mich für einen Junkie zu halten und redeten mir ins Gewissen. Zum Zahnarzt solle ich gehen und auf meine Leber achten. Meine Seele sei in Gefahr.
Irgendwann konnte ich den zwei versoffenen Moralaposteln entkommen.
Auf dem Marktplatz hatte sich eine kleine Menschenmenge um ein Güllefass versammelt. Viele standen auch am Automaten an, um frische Batterien für ihre Elektrogeräte zu ziehen, denn an einem Tag wie diesen hatten natürlich alle Geschäfte geschlossen.
Ich sah einige bekannte Gesichter.
Dann fuhr eine schwarze Limousine vor und der kleine König in seinem schwarzen Anzu stieg aus. ,,Der König!” riefen die Leute ,,Der kleine König!”. Was der wohl wollte in unserer schäbigen, kleinen Stadt?
Vielleicht wollte er auch nur ein paar frische Batterien ziehen, aber die Menge packte ihn und warf ihn ins Güllefass.
,,Scheiß Politiker!” hörte ich die Schwiegeroma brüllen.
Ich ging nach Hause und dort fand ich Dich im Bett vor und Du warst bedeckt von Blut. Es war nicht Dein Blut sondern das Blut von Leuten.
,,Du musst Dich waschen!” sagte ich zu Dir ,,Du bist voller Blut.”
,,Das ist das Blut von Leuten!” sagtest Du ,,Ich habe keine Zeit! Jemand muss den Angehörigen die Briefe schreiben!”
Auch an mir war nun Blut und auch am Bettlaken.
Ich versuchte es noch einmal:
,,Schau! Das Blut ist schon überall! Auch im Bettzeug! Die Flecken gehen doch nie wieder raus!”
Das Blut missachtend nahm ich Dich in den Arm.
,,Ich mache Dir einen Vorschlag: Du machst Dich sauber und ich helfe Dir nachher beim Briefe schreiben!”
Du warst einverstanden, bist aufgestanden und gingst ins Bad.
Ich machte währenddessen einen Plan:
Nach Dir würde ich das Bett abziehen, dann mich selber waschen.
Dann die Briefe schreiben.
Dann noch zum Marktplatz gehen und am Automaten frische Batterien ziehen.

Kalter Wind

Müde Augen brennen im kalten Wind. Eine Frau hetzt vorbei, bleibt dann aber plötzlich stehen. Hastig wühlt sie in einer Tüte mit Süßigkeiten, stopft sich alles in den Mund.

Ein Betrunkener steht an der Ecke. Die Flasche Bier steht auf dem Boden neben ihm. Er raucht und schaut den Passanten misstrauisch hinterher.

Ich stehe da im kalten Wind und meine Augen brennen. Sie fühle sich an wie ausgetrocknet. Gerne würde ich die Augen schließen, doch ich muss einfach weiter schauen.

Immerzu schauen.