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Mittwoch, November 22, 2006
» Der Keller
By Flusskiesel at 8:51
"Hier entlang!" sagte die Frau und führte ihn eine steile Treppe hinunter. Eine schwere Brandschutztür wurde geöffnet und sie betraten den Keller. "Das ist er!" Die Frau unterstrich ihre Worte mit einer weiten Handbewegung. Muffige Kellerluft stieg ihm in die Nase. Eine einsame Glühlampe funzelte matt. "Sollen wir mit der Führung beginnen?" fragte die Frau, das Hutzelmännchen nickte, ersparte sich eine Antwort auf diese überflüssige Frage. Sie gingen los. "An den Wänden hängen alte Puzzlebilder von Schiffen." Dozierte die Frau. "Hier zum Beispiel die Statsraad Lemkuhl. An diesem Bild hat eine kleine Familie viele Abende gepuzzelt. Man saß um einen großen Tisch im Wohnzimmer. Die Kinder haben die Puzzleteile sortiert, die Eltern eingefügt. Es gab Tee und Plätzchen, über ihnen hing eine Leuchte mit Zierbommeln." Das Hutzelmännchen nickte wieder. "Jaja, sehr schön!" sagte er leise. Weiter gingen sie durch das Labyrinth des Kellers. Sie kamen in einen Raum, der wohl mal als Waschküche gedient hatte. "Dies war die Waschküche der Familie." Erklärte die Frau. "Hier wusch die alte Frau die Wäsche, auf dem Boden war ein dicker Teppich, darauf saß das Baby. Es spielte mit seinen bunten Rasseln und sah seiner Großmutter zu, es war warm hier und roch nach Waschmittel." - "Jaja, sehr schön! Weiter!". Sie gingen weiter. Ein dunkler Verschlag, Regalbretter an den Wänden. "An dieser Stelle sehen sie die Werkzeugecke des alten Mannes. Er lagerte hier alte Schrauben und schloßlose Schlüssel in alten, verrosteten Fischdosen. Der alte Mann war gerne hier und sortierte sein Werkzeug." - "Ja, Werkzeuge! Sehr schön! Bitte weiter!" murmelte das Hutzelmännchen. Man lief weiter durch den Keller, bis man wieder an der Brandschutztür angekommen war. "Das wars!" rief die Frau und breitete die Arme aus. "Wir hoffen, Sie kaufen den Keller. Wollen Sie wirklich ein Museum daraus machen? Es wäre ja wundervoll, wenn alles in diesem Zustand bleiben könnte - es gibt so viele schöne Erinnerungen hier." Das Hutzelmännchen zog seinen Mantel zu. "Natürlich belassen wir alles so, wie es ist! Menschlichkeit ist uns wichtig. Erinnerungen! Sehr wichtig!"
Als das Hutzelmännchen wieder auf der Straße war, rieb es sich die Hände. Den Kaufvertrag würden die Anwälte morgen unterschreiben. Ketten kämen an die Wände, Gummimatten auf den Boden. Gleitzernde Disko-Kugeln würde er selber aufhängen und diese komische, sentimentale Frau würde einfach entlassen!
Sein Boss, der Affenkönig, wäre zufrieden mit ihm.