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Montag, November 13, 2006

» Der Krieg der Bären

By Flusskiesel at 14:31

In der Savanne wurde ich von einem ihrer Söldner aufgegriffen. Ich kann mich noch sehr gut an ihn erinnern. Er hatte langes, leuchtend rotes Haar, sein Oberkörper war frei und sein Gewehr trug er am liebsten quer über die Schulter. Aus irgend einem Grunde hatte er eine Art "Söldnerausweis" dabei, den er mir stolz zeigte. Auf dem abgegriffenen Stück Pappe standen Dinge wie "Rothaar", "Holzeier" und anderer Unsinn.

Widerstand war trotzdem zwecklos und ich ließ mich abführen - direkt in den Bau der Braunbären.

Dort führte mich Rothaar Holzei durch kahle und graue Gänge aus Beton, bis wir in eine Art Wachstube kamen. Dort übergab er mich einem Braunbären mit grotesk dicker Nase. Angst durchschlich mich, da Bären, egal mit was für einer Nase, gerne Menschen fressen.

Doch der Bär lachte nur, packte mich am Kragen und warf mich in einen dunklen Raum. Menschen waren hier, leise und verzweifelt.

An den Wänden saßen Schatten und es stank nach Urin. Von diesem Raum aus führte ein schwarzer Gang ins Schwarze. Ausserdem gab es noch eine kleine Kammer nebenan.

Der Anführer der Menschen - ein Maori, tätowiert wie ein Bilderbuch - erklärte mir alles, was zu wissen gab: Die Braunbären waren im Krieg mit den Schwarzbären, und es sah für die Braunen nicht gut aus. Eine Armee der Schwarzbären war auf dem Weg zum Braunbärenbau und die Braunbären waren wegen ihrer militärischen Lage inzwischen so verzweifelt, dass sie auch ihre menschlichen Sklaven in den Kampf schickten. Unsere Aufgabe sollte nun sein, den schwarzen Gang gegen Eindringlinge zu verteidigen. Ich ging in den Nebenraum, um mir dort eine Waffe holen. Die "Waffen" waren fast ausnahmslos scharf geschliffene Haushaltsgeräte: Pfannen, Serviergabeln, Schöpflöffel und so weiter. Der einzige, der mit etwas annähernd waffenähnlichem ausgestattet war, war der Maorikrieger: Er trug ein langes Fleischmesser am Gürtel. Ich entscheid mich für etwas, das wohl mal ein Kartoffelstampfer gewesen sein mochte. Die scharfen Zicken blinkten silbern.

Viel Zeit hatte ich nicht, um über mein Schicksal nachzudenken. Ich war gerade wieder bei meinen Kameaden, da begann auch schon der Angriff. Ein Stampfen ließ den Bau erzittern, man hörte Kämpfen, Schreien, Schnaufen. Ein Schwarzbär stürmte plötzchlich durch unseren Gang. Er durchschnitt unsere Reihen wie ein heisses Messer die Butter, hieb mit seinen Pranken um sich. Blut färbte den Beton. Als er sich umdrehte, um unseren Anführer zu zerfleischen, drehte das Vieh mir seinen Rücken zu. Ich sprang auf ihn auf und hieb, so fest ich konnte auf seinen Nacken ein mit meinem Stampfer. Ich schlug, ich schlug, ich schlug, ich schlug, während der Maori kreischte, seine Knochen brachen, sein Fleisch zerriss. Ich schlug, ich schlug, ich schlug weiter, schlug durch Fell, durch Muskeln, Wirbel. Irgendwann fiel der Kopf des Schwarzbären vornüber, der Rest des Bären folgte. Ich fiel weich. Die wenigen, die von uns noch lebten, hieben wie wild auf die Bären ein. Auf alle Bären.

Ich weiss nicht mehr, wie ich lebend aus dem Braunbärenbau gekommen bin, aber als die kühle Nachtluft das Blut auf meiner Haut trocknete und ich den Rauch der brennenden Bärenkolonie roch, wusste ich: Der Krieg der Bären war vorbei.