Begegnung
02.05.2007 20:45 Abgelegt in: Flausen im
Kopf
Mein lieber guter Dr. Flause,
vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte. Die Eisenstange in meinem Kopf ist abgesägt und ich konnte bei Horst, dem Altmetallhändler, einen guten Preis dafür herausschlagen.
Nun ist meine Stimmung momentan sehr gehoben, was durch das folgende Ereignis bedingt ist. Neulich ging ich nämlich in der Universität von meinem Büro hinunter zur Bibliothek. Auf halbem Wege befindet sich eine Teeküche mit Kopiergelegenheit. Normalerweise betrete ich diesen Raum nie, denn dort schwatzen immer die Weiber und ich möchte mich nicht beschmutzen mit dem geistigen Unrat des Tratsches.
Nun ging ich die Treppe hinunter und verspürte plötzlich einen fürchterlichen Durst. Ich hielt inne und fasste mir an die Kehle. Wie staubbedeckt war mein Mund, ein trockener Husten zeriss mir fast die Schleimhäute. Der Weg zurück zur rettenden Mineralwasserflasche in meinem Büro erschien mir viel zu weit - und unten in der Bibliothek sind Getränke ja verboten.
Da entsann ich mich der Teeküche mit Kopiergelegenheit und ging dort hinein, um meinen Durst am dortigen Wasserkran zu stillen.
Kurz darauf hing ich auch über dem Becken und trank den klaren, kühlen Trunk. Als die Steppe meines Mundes wieder blühte, richtete ich mich auf und da gewahr ich, dass jemand neben mir stand.
Verwundert blickte ich mich um, sah in ihr Gesicht und mein Atem stockte. Roten waren ihre Haare, lang und rot und fielen weit und wirr auf ihre Schultern. Ein zartes Antlitz war von Marmor, für ihre feine Nase müsste ein Bildhauermeister jahrzehntelang sein ganzes Können aufbieten. Ihre Gestalt war schlank, ihre Glieder zart. Gekleidet war die Frau in Seide, die halb durchsichtig den Blick erlaubte auf … auf … ich kann es nicht schreiben. Selbst jetzt noch an meinen Arbeitsplatzrechner steigt die Röte der Scham in mir hoch, wenn ich daran denke.
Ich sagte nichts, konnte nichts mehr sagen, konnte niemals wieder auch nur ein einziges Wort sprechen. Der Engel sah mich an aus grünen Augen, groß und glänzend wie reine Bergseen. Ihre vollendeten Lippen spitzten sich. Sie tat einen Schritt auf mich zu, dann noch einen. O Himmel! O Herrlichkeit! Ihr Lippen! Ihre Lippen! Fast ganz nah war sie mir nun. Ich war wie gelähmt. Ein Lächeln umspielte ihren Mund.
Dann sprach sie. "Darf ich mal vorbei?" sagte sie und drängte sich an mir vorbei, zur Kopiergelegenheit.
Für einen Moment war ich wie vom Donner gerührt. Dann ging ich, ohne mich noch einmal umzusehen, hinaus und rannte zurück in mein Büro.
Seitdem, mein lieber guter Dr. Flause, fühle ich mich sehr seltsam. Ich sehe aus dem Fenster meines Büros und sehe die Blumen, sehe die Blüten an den Bäumen und die Vögel bauen ihre Nester. Nachts wälze ich mich in durchschwitzten Laken und denke an sie, an sie, meinen Engel aus der Teeküche. Ausserdem noch an meine Nachbarin, die immer so kurze Röcke trägt.
In frühreren Zeiten hätte ich ja Rat im Beichtstuhl und Trost im Gebet in kühler Umgebung gesucht. Kalte Güsse und harte, körperliche Arbeit hätten mich wieder auf den rechten Weg gebracht.
Aber gelten diese alten Rezepte auch noch jetzt in dieser modernen, aufgeklärten Welt?
Ihrer Antwort sehnlichst harrend,
Wanze Wirrkopf
vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte. Die Eisenstange in meinem Kopf ist abgesägt und ich konnte bei Horst, dem Altmetallhändler, einen guten Preis dafür herausschlagen.
Nun ist meine Stimmung momentan sehr gehoben, was durch das folgende Ereignis bedingt ist. Neulich ging ich nämlich in der Universität von meinem Büro hinunter zur Bibliothek. Auf halbem Wege befindet sich eine Teeküche mit Kopiergelegenheit. Normalerweise betrete ich diesen Raum nie, denn dort schwatzen immer die Weiber und ich möchte mich nicht beschmutzen mit dem geistigen Unrat des Tratsches.
Nun ging ich die Treppe hinunter und verspürte plötzlich einen fürchterlichen Durst. Ich hielt inne und fasste mir an die Kehle. Wie staubbedeckt war mein Mund, ein trockener Husten zeriss mir fast die Schleimhäute. Der Weg zurück zur rettenden Mineralwasserflasche in meinem Büro erschien mir viel zu weit - und unten in der Bibliothek sind Getränke ja verboten.
Da entsann ich mich der Teeküche mit Kopiergelegenheit und ging dort hinein, um meinen Durst am dortigen Wasserkran zu stillen.
Kurz darauf hing ich auch über dem Becken und trank den klaren, kühlen Trunk. Als die Steppe meines Mundes wieder blühte, richtete ich mich auf und da gewahr ich, dass jemand neben mir stand.
Verwundert blickte ich mich um, sah in ihr Gesicht und mein Atem stockte. Roten waren ihre Haare, lang und rot und fielen weit und wirr auf ihre Schultern. Ein zartes Antlitz war von Marmor, für ihre feine Nase müsste ein Bildhauermeister jahrzehntelang sein ganzes Können aufbieten. Ihre Gestalt war schlank, ihre Glieder zart. Gekleidet war die Frau in Seide, die halb durchsichtig den Blick erlaubte auf … auf … ich kann es nicht schreiben. Selbst jetzt noch an meinen Arbeitsplatzrechner steigt die Röte der Scham in mir hoch, wenn ich daran denke.
Ich sagte nichts, konnte nichts mehr sagen, konnte niemals wieder auch nur ein einziges Wort sprechen. Der Engel sah mich an aus grünen Augen, groß und glänzend wie reine Bergseen. Ihre vollendeten Lippen spitzten sich. Sie tat einen Schritt auf mich zu, dann noch einen. O Himmel! O Herrlichkeit! Ihr Lippen! Ihre Lippen! Fast ganz nah war sie mir nun. Ich war wie gelähmt. Ein Lächeln umspielte ihren Mund.
Dann sprach sie. "Darf ich mal vorbei?" sagte sie und drängte sich an mir vorbei, zur Kopiergelegenheit.
Für einen Moment war ich wie vom Donner gerührt. Dann ging ich, ohne mich noch einmal umzusehen, hinaus und rannte zurück in mein Büro.
Seitdem, mein lieber guter Dr. Flause, fühle ich mich sehr seltsam. Ich sehe aus dem Fenster meines Büros und sehe die Blumen, sehe die Blüten an den Bäumen und die Vögel bauen ihre Nester. Nachts wälze ich mich in durchschwitzten Laken und denke an sie, an sie, meinen Engel aus der Teeküche. Ausserdem noch an meine Nachbarin, die immer so kurze Röcke trägt.
In frühreren Zeiten hätte ich ja Rat im Beichtstuhl und Trost im Gebet in kühler Umgebung gesucht. Kalte Güsse und harte, körperliche Arbeit hätten mich wieder auf den rechten Weg gebracht.
Aber gelten diese alten Rezepte auch noch jetzt in dieser modernen, aufgeklärten Welt?
Ihrer Antwort sehnlichst harrend,
Wanze Wirrkopf
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