Hans im Unglück

Hans bemerkte sie zu spät. Sie waren zu dritt und natürlich betrunken. Zu planlos, zu abgelenkt war er durch die Stadt gelaufen und nun drängten ihn diese stinkenden Typen in eine schmale Gasse. Angst kroch hoch. "Brüderlein, wach auf!" flüsterten drängend die Stimmen, sie strichen über seinen Leib, krausten sein Fell "Brüderlin, so wach doch auf!" Hans aber wollte das nicht. Er wich zurück, so weit es ging. Kalte, feuchte Mauer im Rücken. Engverschnürte Kehle. "Wach auf, Brüderlein! Die Angst wird zuende sein!" die Stimmen wurden flehend.
Der erste der Männer schlug zu. Hans Kopf schlug nach hinten auf den Stein.
Hans wachte auf.
Der Mann, der ihn geschlagen hatte, kam nicht mehr zu seinem letzten Atemzug. Sein Gesicht, seine Brust zerspritzten in einem Schwall aus Blut und Gewebe. Hans ließ ihn sinken. Er sprang am zweiten vorbei ("Du musst auch an später denken! Iss nicht immer alles sofort auf! Bewahr Dir was auf!") und warf sich vor dem Dritten auf die Knie, ganz so, als wollte er ihm zu Gefallen sein. Doch statt dem Mann die Hosen zu öffnen, riss der Bär ihm den Bauch auf und leerte ihn aus. Das Schreien war mehr ein Keuchen.
Der zweite Mann stand bleich und angewurzelt. Hans ging zu ihm hin und nahm ihn in den Arm. Dann tanzten sie einen wundervollen Tanz inmitten von Blut und Gedärm. Hans nahm den Kopf des Mannes in beide Hände und küsste ihn auf den Mund. Ein fester, leidenschaftlicher Kuss. Hans saugte. Fester. Unerbittlich. Die Seele des Mannes wehrte sich. Wenn der Körper eines Menschen noch lebte, mag die Seele ihn nicht gerne verlassen. Doch Hans war stärker und trank die Seele des Mannes aus. Bleich und dumpf blieb seine Hülle stehen. Der Körper lebte noch, aber der Geist war fort. Er war jetzt ein Gemüse. Das Innerste von Hans war trunken von der Seelenkraft und er nutzte dies, um das Brüderchen wieder Schlafen zu schicken.
Hans verließ die Gasse. Die drei Toten blieben dort.
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