Nachts
30.06.2008 18:56 Abgelegt in: Wirre
Träume einer Wanze
Als Hans erwachte, war es finstere Nacht. Irgendwo im
Raum schnarchte jemand leise. Das musste Husch sein.
Doch das Schnarschen klang seltsam gedämpft, als wenn
es weit hätte wandern müssen, um bis zu seinen Ohren
zu gelangen. Hans fühlte ein Flimmern und öffnete die
Augen. In der Dunkelheit tanzten Schatten durch den
Raum. Die Wahrwelt. Hans erhob sich, das Heu seufzte
leise. Nun stand er mitten im Zimmer, die Arme hingen
schlaff herab. Das Vril kam heran, es umschmeichelte,
streichelte ihn. Hans bewegte seine Tatzen durch das
Vril und sah ein leichtes Kräuseln in der Luft, wie
wenn man mit einem Stock durch Wasser führt, so wie
die Mutter die Suppe rührt. Neugierig ging er zur
Tür. Langsam. Schritt für Schritt. Der Widerstand
wurde stärker. Immer mehr Vril umfing ihn, es wurder
zäher. Bald würde er es greifen können. Langsam.
Schritt. Für. Schritt. Ihm war, als wäre er in einem
Moor versunken und er würde am Grunde des Schlicks
durch den nassen Schlamm waten. Doch er hatte keine
Angst. Alles schien ihm völlig natürlich zu sein. Die
Tür. Die Bretter, aus dem die Tür gezimmert war,
waren seltsam grob und ließen viele Spalten offen,
fals als wären sie tauschend Jahre alt und hätten
sich verzogen. Durch die Spalten drang fahles Licht
und ein Auge spähte hindurch. Es spähte gerade mal
auf der Höhe von Hans Knie, ein großes, rundes Auge.
Das Auge eines Menschenkindes. Hans griff zum Tau,
welches als Türgriff diente und zog. Die Tür schwang
langsam nach innen auf, das Vril schlug kleine Wellen
in der Luft. Vor Hans stand - niemand. Er trat hinaus
in den Flur. Der kahle Holzboden war wie ein Meer aus
Knochen. Kleine Kinderfüsschen patschten darüber. Das
Kind ging die Treppe hinunter. Hans folgte ihm. Das
Kind lief schneller und Hans folgte ihm. Das Vril war
inzwischen so dicht, dass sich Hans förmlich
hindurchkämpfen musste. Mit seinem ganzen Gewicht
stemmte er sich gegen diese frohe Masse. Das Kind
lief weiter, sah sich ängstlich zu ihm um.
"Hab keine Angst! Ich tu Dir nichts!" wollte Hans rufen, doch das Vril drang ihm in Mund und Kehle. Nun brandete doch Panik ihn ihm auf. Er würde das Kindchen verlieren! Er dachte an Püppi, seine Menschenpuppe daheim. Er musste weiter. Wieder warf er seine ganze Kraft gegen das Vril. Immer zäher wurde es und nun hatte er Angst, wie in einem Felsen eingeschlossen für alle Ewigkeit hier auf der Treppe hängen zu müssen. Dann sagte jemand etwas zu ihm. Husch? War der Zauberer aufgewacht und ihm zu Hilfe gekommen? Nein. Die Stimme wisperte von unter dem Boden und von hinter der Wand. Er konnte die Worte nicht verstehen, dafür waren sie selbst für ihn zu leise. Doch Hans schloß die Augen. Formen! Kam ihm in den Sinn. Forme das Vril! Er konzentrierte sich, nahm seinen Willen zusammen und zwang das Vril zur Seite. Er machte es wieder flüssig und es tropfte und floß durch die Knochendielen. Wieder leichter ging es nun hinunter. In den Schankraum? Unten angekommen, sah Hans sich um. Das fahle Licht kam aus der Küche, deren Türe offen stand. In der Mitte der Küche war ein Grillplatz, doch die Asche war kalt. Messer und Löffel hingen an den sonst kahlen Wänden. Topfe standen gestapelt auf einem alten Holztisch. Ein großer, eisener Ofen klebte an der Wand. Am seinem rechten Ende war noch etwas Platz bis zur nächsten Wand. Dort stand ein Menschenkind. Es musste ungefähr drei Jahre alt sein. Es trug ein Nachthemd und es hatte Angst. Ganz fest drückte es sich in seine Ecke und schaute den großen Bären an, der in die Küche gekommen war. Hans ging langsam auf das Kindchen zu. "Schschschhhh." brummte er leise "Keine Angst, mein Kind. Ich tu Dir nichts." Dann stand er vor ihm. Er konnte die Maserung der Wand hinter dem Kind sehen. Das Kind war tot.
Ein Geist.
Das Kind sah zu ihm hinauf, die Augen groß. Dann fasste es sich ein Herz und ging auf die Knie und schaute unter den Ofen. Es schien etwas zu suchen. Dann sah es wieder zu Hans hinauf und zeigte auf etwas. Hans kniete ebenfalls nieder, langsam ließ er sich auf den Knochenboden sinken. Dann legte er sich auf den Bauch und sah unter den Ofen. Eine Welt des Staubs erwartete ihn. Spinnenweben waren da, ein kleiner Löffel und ein kleiner Bär. Ein Teddybär. Ohne zu überlegen, griff Hans nach dem Spielzeug und holte es hervor. Langsam erhob er sich und begutachtete das Stück. Es war eindeutig ein Bärchen. Grob genäht, zerfranst. Wieder dachte er an Püppi und wie sie ihn in der Finsternis
der Nacht getröstet hatte. Vielleicht wollte das Kind ja seinen Teddy wiederhaben? Hans drehte sich zum ihm hin - und es war verschwunden.
Die Küche lag kalt und tot.
Hans überlegte, ob er das Bärchen nicht einfach auf dem Küchentisch liegen lassen sollte, aus einer Laune heraus nahm er es aber einfach mit nach oben ins Zimmer.
Das Vril umspielte ihn wieder und er tapste hindurch wie durch Pfützen.
"Hab keine Angst! Ich tu Dir nichts!" wollte Hans rufen, doch das Vril drang ihm in Mund und Kehle. Nun brandete doch Panik ihn ihm auf. Er würde das Kindchen verlieren! Er dachte an Püppi, seine Menschenpuppe daheim. Er musste weiter. Wieder warf er seine ganze Kraft gegen das Vril. Immer zäher wurde es und nun hatte er Angst, wie in einem Felsen eingeschlossen für alle Ewigkeit hier auf der Treppe hängen zu müssen. Dann sagte jemand etwas zu ihm. Husch? War der Zauberer aufgewacht und ihm zu Hilfe gekommen? Nein. Die Stimme wisperte von unter dem Boden und von hinter der Wand. Er konnte die Worte nicht verstehen, dafür waren sie selbst für ihn zu leise. Doch Hans schloß die Augen. Formen! Kam ihm in den Sinn. Forme das Vril! Er konzentrierte sich, nahm seinen Willen zusammen und zwang das Vril zur Seite. Er machte es wieder flüssig und es tropfte und floß durch die Knochendielen. Wieder leichter ging es nun hinunter. In den Schankraum? Unten angekommen, sah Hans sich um. Das fahle Licht kam aus der Küche, deren Türe offen stand. In der Mitte der Küche war ein Grillplatz, doch die Asche war kalt. Messer und Löffel hingen an den sonst kahlen Wänden. Topfe standen gestapelt auf einem alten Holztisch. Ein großer, eisener Ofen klebte an der Wand. Am seinem rechten Ende war noch etwas Platz bis zur nächsten Wand. Dort stand ein Menschenkind. Es musste ungefähr drei Jahre alt sein. Es trug ein Nachthemd und es hatte Angst. Ganz fest drückte es sich in seine Ecke und schaute den großen Bären an, der in die Küche gekommen war. Hans ging langsam auf das Kindchen zu. "Schschschhhh." brummte er leise "Keine Angst, mein Kind. Ich tu Dir nichts." Dann stand er vor ihm. Er konnte die Maserung der Wand hinter dem Kind sehen. Das Kind war tot.
Ein Geist.
Das Kind sah zu ihm hinauf, die Augen groß. Dann fasste es sich ein Herz und ging auf die Knie und schaute unter den Ofen. Es schien etwas zu suchen. Dann sah es wieder zu Hans hinauf und zeigte auf etwas. Hans kniete ebenfalls nieder, langsam ließ er sich auf den Knochenboden sinken. Dann legte er sich auf den Bauch und sah unter den Ofen. Eine Welt des Staubs erwartete ihn. Spinnenweben waren da, ein kleiner Löffel und ein kleiner Bär. Ein Teddybär. Ohne zu überlegen, griff Hans nach dem Spielzeug und holte es hervor. Langsam erhob er sich und begutachtete das Stück. Es war eindeutig ein Bärchen. Grob genäht, zerfranst. Wieder dachte er an Püppi und wie sie ihn in der Finsternis
der Nacht getröstet hatte. Vielleicht wollte das Kind ja seinen Teddy wiederhaben? Hans drehte sich zum ihm hin - und es war verschwunden.
Die Küche lag kalt und tot.
Hans überlegte, ob er das Bärchen nicht einfach auf dem Küchentisch liegen lassen sollte, aus einer Laune heraus nahm er es aber einfach mit nach oben ins Zimmer.
Das Vril umspielte ihn wieder und er tapste hindurch wie durch Pfützen.
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