Wirre Träume einer Wanze

Der Sohn

Sie hatten mir nichts von meinem Sohn gesagt. Wie hätte ich von ihm wissen sollen?
Irgendwann stand ich dann vor dem Tor der inneren Festung. Ich weiss noch, daß es Herbst war, die Blätter an den Bäumen im Innenhof wundervolle Farben hatten.
Ich stand da vor dem Tor. Ein Sohn. Niemand hatte mir etwas gesagt.
Dann öffnete jemand die schweren Türflügel. Ich blickte in einen weiteren Hof. Dem Hof der inneren Festung. Ein großer, schlanker Gewappneter stand da, neben ihm ein kleiner Junge mit strohblonden Haaren. Er war vielleicht drei Jahre alt. Der Mann hielt den Jungen an der Hand und bedeutete mir, näher zu kommen.
Langsam ging ich durch den Torbogen, auf meinen Sohn zu. Er war ganz still und ruhig und sah mich an. Ich kniete vor ihm nieder und schloß ihn in die Augen. Er ließ es geschehen.
Mein Sohn war dünn, seine Haut blaß und kränklich. Doch sein Blick aus den hellen blauen Augen war klar und fest. Ein ernstes Kind.
Er hatte so viel von seiner Mutter. Für einen kurzen Augenblick gönnte ich mir eine Erinnerung an sie, dann sah ich zu dem Gewappneten auf. Ich kannte ihn. Er war der stumme Diener. Auch in seinem Blick war ein Erkennen. Er war der einzige Erzieher und Leibwächter meines Sohnes. Die beiden würden die innere Festung nie verlassen, zu groß war die Gefahr eines Attentats. Der stumme Diener war eine gute Wahl:
Wer konnte mein Kind besser vor dem Bösen schützen als der Teufel selbst?
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Familienfeier

Das einzige verbliebene Restaurant im Ort war die "Lotusblüte". Dort gingen wir alle gerne hin, doch seitdem der Besitzer und einzige Koch sich in seiner Küche aufgehängt hatte, verschlechterte sich die Qualität des Hauses erheblich.
Da sich niemand zuständig fühlte, ließ man den Chinesen einfach in seiner Küche hängen (nach ein paar Monaten fiel er dann runter). Der süssliche Geruch und das Summen der Fliegen gaben den Geburtstagsfeiern von Großtante Fenti nun eine besonders morbide Note.
Wir saßen mal wieder zusammen und warteten auf das Ende des Tages. Großtante Fenti war am Kopfende plaziert, ich hatte mir den strategisch geünstigen Platz an ihrer linken Seite gesichert. Mir gegenüber thronte der dicke Onkel Paul und links von mir der schreckliche Onkel Gonzo.
Weiter hinten saßen noch ein paar andere Leute, aber die waren völlig undeutlich. Dort zappelte auch das dicke Kind herum. Niemand wusste mehr, zu wem es gehörte, aber es kam jedes Mal mit zu den Feiern.
So konnte ich die Zeit hoffentlich gut rumbringen: Einerseits beobachtete ich den immer nervöser werdenden Onkel Paul, andererseits konnte ich vortäuschen, dem senilen Gebrabbel von Großtante Fenti zu lauschen.
Vor dem schrecklichen Onkel Gonzo war ich sicher, denn seit bei den Märzunruhen eine Granate neben meinem Kopf geplatzt war, war meine linke Gesichtshälfte inklusiv des Ohres völlig taub.
Onkel Gonzo war der Schrecken der Verwandtschaft: Er hatte einst in der großen Stadt eine Ausbildung zum medizinischen Fußpfleger gemacht und glaubte nun, eine Art Arzt zu sein. Er gab fürchterlich an und überzog alles und jeden mit seinen guten Ratschlägen.
Besonders der dicke Onkel Paul litt darunter. Ihm ging es schon gehörig auf die Nerven, dass er für mehrere Stunden trocken bleiben musste. Da die Bedienung bereits kurz vor dem Selbstmord des Chinesen verschwunden war, gab es natürlich auch nichts zu Trinken. Dumm wie er war, hatte sich Paul so hingesetzt, dass er die ganze Zeit die verstaubte Theke mit ihren Flaschen ansehen musste. Er war rot im Gesicht und schwitzte. Das Geseier von Onkel Gonzo schwappte an ihm herunter wie die Kotze eines Besoffenen.
Ich wartete darauf, dass Onkel Paul es irgendwann nicht mehr aushalten und er aufstehen, zur Theke schreiten und eine der Schnapsflaschen holen würde.
Bis dahin saßen wir zusammen an Großtante Fentis Geburstag. Fenti brabbelte weiter Unsinn, Onkel Paul schwitzte, Onkel Gonzo gestikulierte mit den Armen, die anderen Leute saßen still und verschwommen und das dicke Kind zappelte.
Zu alle dem summten die Fliegen in der Küche ihr lustiges Lied.
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Prinzessin

Die Prinzessin sitzt traurig in der Steppe.
Der Herr hat sich ihr abgewandt.
Ihr Haupt vergräbt in zarten Händen,
die schwarzen Augen weinen.
Heisse Tränen rinnen über dunkle Haut.

Dann richtet sich auf.
Stolz und wie wütend wie ein Kind.
Am Himmel steht die Nacht.
Sie sieht dem Stern beim Sinken zu.
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Wunder

Ich stehe mitten auf dem Feld im Grau des Morgens. Der Nebel drückt sich ganz fest an den Boden. Bald kommt die Sonne, bald muss er gehen. Ich stehe da und wundere mich. Ein neuer Tag? Wirklich? Es ist unglaublich. Wir haben es geschafft. Wieder ein neuer Tag. Gleich geht die Sonne auf und ein neuer Tag beginnt. Wir haben es geschafft.
Ein Wunder.
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Gedanken am Morgen

Sie haben über Nacht wieder diese Rollen auf die Felder gelegt. Wer das immer nur macht?
Ein Häschen schüttelt den Kopf, hoppelt dann weiter. Eine Krähe macht es sich auf einem der Ballen gemütlich, guckt zur aufgehenden Sonne hinüber. "Gar nicht schlecht!" denkt sie.
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Erste Klasse

Einen guten Morgen, Welt! Doch noch nicht untergegangen, alte Schrulle!
Wir sitzen in der ersten Klasse (Zusatzticket!) und edeln uns an. Hinter mir vorsichtige Flirtversuche, draussen eine große Trübe. Schade, Sonne wäre jetzt passender gewesen!
Gestern haben wir "Die Helden von Eisenheim" gesehen, eine Art Dokumentation über zwei Brüder aus Oberhausen. Beide sind Rentner, wohnen in einer Zechensiedlung und züchten Tauben. Das ganze unterlegt von Elke Heidenreich. Ruhrpott-Klischee pur. Aber lustig. Die beiden Jungs hatten ganz bestimmt ihren Spaß.

Am Flughafen Düsseldorf sind die zwei Flirtpunkte ausgestiegen. Sie stehen am Bahnsteig und rauchen kameradschaftlich. Ein alter Mann versucht, die Lücke hier im Zug zu füllen und redet auf eine mittlere Frau ein. Jemand hat Hitler den Kopf abgebissen. Ein Skandal!
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Abrarion

Die goldene Stadt lag im Sterben. Der Putz blätterte von den Wänden, ganze Fassaden lösten sich. Die Flüchtlinge waren nach und nach aus den Straßen verschwunden, nur die verzweifelsten Bettler blieben noch hier. Zermatschte Robodrohnen lagen überall herum. Einst glaubte man, ohne die Kleriker auskommen zu können und man sie erschaffen, um die lästigen und gefährlichen Butan-Geister zu bekämpfen. Die Robodrohnen konnten sich selbst vermehren und griffen die Geister an, wo sie sie trafen. Doch irgendwann griffen sie nicht nur diese an und entwickelten sich zu einer mindestens genauso großen Plage wie die Geister selbst.
Federnden Schrittes ging ich den Weg zum Wassertempel, in der Tasche einen Brief des Priors der Feuerbruderschaft, im Herzen diese Frau, die vom Himmel gefallen war. Sie war so ... anders. Anders als die Menschen hier unten in Abrarion. Wild und stolz war sie, hart, kämpferisch und doch auch ein wenig verletztlich.
Die Menschen machten mir Platz, viele verneigten sich respektvoll. Die Tempel waren immerhin die einzige wirkliche Macht, die in Abrarion noch für Ordnung sorgen konnte. Der Drachenpalast war längst verschlossen und die Wächter ließen keinen ein noch aus.
Bald wäre ich an meinem Tempel angekommen - da hörte ich ein leises Wimmern aus einem der Ruinenhäuser. Kurzentschlossen ging ich hinein. Dunkel war es hier, muffig und feucht. Es roch noch Urin. Ein großer, leerer Raum. Links von mir kauerte eine Frau in Lumpen, ein Kind in den Armen. Von ihr kam das Wimmern. Von rechts ein roter Schlimmer. Butan-Geister, ein ganzer Schwarm von ihnen. Butan-Geister sind meist klein. Sie sind durchscheinden rot und sehen aus wie Seifenblasen mit einem verdrehten Schwanz und Zähnen. Bösen Zähnen.
Ich ging in Ausgangsstellung. Als Kleriker fürchtete ich keinen Geist dieser Welt. Einfache Übung. Mit beiden Händen formte ich eine imaginäre Kiste. Mit der linken Hand hielt ich sie, mit der rechten öffnete ich den Deckel. Ein schwarfer Gedanke und die Geister kamen zischend nächer. Sie wollten nicht in die Kiste, aber sie mussten. Sie konnten nicht anders. Ein leiser Aufschrei und sie verschwanden strudelnd in der Kiste. Schnell machte ich sie zu und verstaute sie in meinem Gürtel (imaginäre Kisten brauchen nicht viel Platz).
Zufrieden trat ich wieder auf die Straße. Einen Haufen diesbarer Butan-Geister konnte man immer gebrauchen. Vielleicht würden sie ja die Frau von den Sternen beeindrucken.
Vielleicht.
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Die Schlacht

Sie kamen schon über Kamm der Hügel, ein wilder Haufen stürzte auf uns herab. Wie viele? Dreihundert? Fünfhundert? Hundezähne, Spinnenbeine, nackte Glatzenköpfe.
Wir griffen an, gegen den Berg. Culmoch und ich an der Spitze unseres kleinen Heeres. Wie eine Sense fuhr mein Schwert in die Menge der Feinde. Culmochs Axt hielt blutige Ernte. Wir rannten und schlugen, rannten und schlugen. Immer den Berg hinauf. Viele erschlugen wir, viele glitten auf uns vorbei, schwarze Schatten mit den Beinen von Weberknechten. Das Heer folgte uns.
Dann waren wir durch und standen auf dem Gipfel. Vor uns lag die Ebene, hinter uns sammelten sich unsere Truppen neu. Wir bedeuteten ihnen, hinter dem Berg in Deckung zu bleiben.
Die Ebene. Weit, grün und braun. Rot das Hauptheer der Feinde. Diesmal waren es keine Spinnenmänner, sondern Hopliten und Legionäre, Mietlinge des Reiches. Zum Glück konnten unsere Leute nicht sehen, welche Übermacht das Reich gegen uns in Stellung gebracht hatte. Verloren stand unser Trüpplein. Die Großkrieger überragten die vielen Kinderchen. Einge trugen Äxte und Lanzen, die Kleinen hielten Spielzeuge in ihren Händen. Ich bedeutete ihnen, ruhig zu bleiben. Unten formierte sich der Angriff. Gleichmässig und disziplinert marschierte die rote Legion zu uns hinauf. Im ersten Drittel hob Culmoch beide Arme nach oben. Im zweiten Drittel senkte er sich nach unten. Die Bauklötzchenwerfer schickten ihre tödliche Fracht auf die Reise. Bunt flog sie über unsere Köpfe hinweg, direkt in die roten Reihen. Kleine Hände ließen Bälle mit Dinosauriern und Häschen darauf rollen. Sie sprangen und hüpfen, um dann zu detonieren.
Ins letzte Drittel kam niemand.
Die Flüchtenden Legionäre des Reiches lief direkt in die Phalanx der nachstürmenden Hopliten. Die ließen wir näher herankommen, bis eine Flut von Kopfkissen und Schnuffeltüchern ihren Ansturm bremste. Dann griffen wir an.
Wie lange dauerte die Schlacht? Ich weiss es nicht. Wir gerieten in einen Blutrausch und hieben und schlugen.
Die Hauptlast des Kampfes trugen die großen Krieger, alles edle Krieger, gestählt durch die Schlachten von Reh und Duhn. Doch auch die Kinder waren tapfer: Ich durchbohrte einen Offizier mit meinem Schwert, da sah ich wie ein kleines Mädchen einem Hopliten den Schild demolierte - mit einer aufblasbaren Wurst. Viele der Kinder hatten ihre Kuscheltiere mitgebracht und diese halfen ihnen im Kampf. Ich sah Knuddelhasen und Teddybären, die den Feinden das Gesicht zerbissen oder ihnen die Beine festhielten.
Inzwischen war der Vormarsch des Reichsheeres vollständig zum Erliegen gekommen, die Hopliten waren eingekeilt zwischen ihren eigenen Leuten und einem Gegner, der mit dem Mut der Verzweifelung kämpfte.
Irgendwann war dann alles vorbei. Ich weiss nur noch, wie ich plötzlich im Sonnenschein stand und eine frische Brise den Gestank des Schlachtfeldes vertrieb. Die Reste des feindlichen Heeres flohen in Panik über die Ebene.
Sieg!
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Unter den Bäumen

Aus der prallen Sonne hinein in den Schatten der Baumplantage. Ordentlich stehen sie in Reih und Glied, die jungen Bäume. Ihre Blätter streicheln dich am Kopf. Raupen lassen sich hängen. Hier herrscht Frieden. Du ringst nach Luft.
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Nachts

Als Hans erwachte, war es finstere Nacht. Irgendwo im Raum schnarchte jemand leise. Das musste Husch sein. Doch das Schnarschen klang seltsam gedämpft, als wenn es weit hätte wandern müssen, um bis zu seinen Ohren zu gelangen. Hans fühlte ein Flimmern und öffnete die Augen. In der Dunkelheit tanzten Schatten durch den Raum. Die Wahrwelt. Hans erhob sich, das Heu seufzte leise. Nun stand er mitten im Zimmer, die Arme hingen schlaff herab. Das Vril kam heran, es umschmeichelte, streichelte ihn. Hans bewegte seine Tatzen durch das Vril und sah ein leichtes Kräuseln in der Luft, wie wenn man mit einem Stock durch Wasser führt, so wie die Mutter die Suppe rührt. Neugierig ging er zur Tür. Langsam. Schritt für Schritt. Der Widerstand wurde stärker. Immer mehr Vril umfing ihn, es wurder zäher. Bald würde er es greifen können. Langsam. Schritt. Für. Schritt. Ihm war, als wäre er in einem Moor versunken und er würde am Grunde des Schlicks durch den nassen Schlamm waten. Doch er hatte keine Angst. Alles schien ihm völlig natürlich zu sein. Die Tür. Die Bretter, aus dem die Tür gezimmert war, waren seltsam grob und ließen viele Spalten offen, fals als wären sie tauschend Jahre alt und hätten sich verzogen. Durch die Spalten drang fahles Licht und ein Auge spähte hindurch. Es spähte gerade mal auf der Höhe von Hans Knie, ein großes, rundes Auge. Das Auge eines Menschenkindes. Hans griff zum Tau, welches als Türgriff diente und zog. Die Tür schwang langsam nach innen auf, das Vril schlug kleine Wellen in der Luft. Vor Hans stand - niemand. Er trat hinaus in den Flur. Der kahle Holzboden war wie ein Meer aus Knochen. Kleine Kinderfüsschen patschten darüber. Das Kind ging die Treppe hinunter. Hans folgte ihm. Das Kind lief schneller und Hans folgte ihm. Das Vril war inzwischen so dicht, dass sich Hans förmlich hindurchkämpfen musste. Mit seinem ganzen Gewicht stemmte er sich gegen diese frohe Masse. Das Kind lief weiter, sah sich ängstlich zu ihm um.
"Hab keine Angst! Ich tu Dir nichts!" wollte Hans rufen, doch das Vril drang ihm in Mund und Kehle. Nun brandete doch Panik ihn ihm auf. Er würde das Kindchen verlieren! Er dachte an Püppi, seine Menschenpuppe daheim. Er musste weiter. Wieder warf er seine ganze Kraft gegen das Vril. Immer zäher wurde es und nun hatte er Angst, wie in einem Felsen eingeschlossen für alle Ewigkeit hier auf der Treppe hängen zu müssen. Dann sagte jemand etwas zu ihm. Husch? War der Zauberer aufgewacht und ihm zu Hilfe gekommen? Nein. Die Stimme wisperte von unter dem Boden und von hinter der Wand. Er konnte die Worte nicht verstehen, dafür waren sie selbst für ihn zu leise. Doch Hans schloß die Augen. Formen! Kam ihm in den Sinn. Forme das Vril! Er konzentrierte sich, nahm seinen Willen zusammen und zwang das Vril zur Seite. Er machte es wieder flüssig und es tropfte und floß durch die Knochendielen. Wieder leichter ging es nun hinunter. In den Schankraum? Unten angekommen, sah Hans sich um. Das fahle Licht kam aus der Küche, deren Türe offen stand. In der Mitte der Küche war ein Grillplatz, doch die Asche war kalt. Messer und Löffel hingen an den sonst kahlen Wänden. Topfe standen gestapelt auf einem alten Holztisch. Ein großer, eisener Ofen klebte an der Wand. Am seinem rechten Ende war noch etwas Platz bis zur nächsten Wand. Dort stand ein Menschenkind. Es musste ungefähr drei Jahre alt sein. Es trug ein Nachthemd und es hatte Angst. Ganz fest drückte es sich in seine Ecke und schaute den großen Bären an, der in die Küche gekommen war. Hans ging langsam auf das Kindchen zu. "Schschschhhh." brummte er leise "Keine Angst, mein Kind. Ich tu Dir nichts." Dann stand er vor ihm. Er konnte die Maserung der Wand hinter dem Kind sehen. Das Kind war tot.
Ein Geist.
Das Kind sah zu ihm hinauf, die Augen groß. Dann fasste es sich ein Herz und ging auf die Knie und schaute unter den Ofen. Es schien etwas zu suchen. Dann sah es wieder zu Hans hinauf und zeigte auf etwas. Hans kniete ebenfalls nieder, langsam ließ er sich auf den Knochenboden sinken. Dann legte er sich auf den Bauch und sah unter den Ofen. Eine Welt des Staubs erwartete ihn. Spinnenweben waren da, ein kleiner Löffel und ein kleiner Bär. Ein Teddybär. Ohne zu überlegen, griff Hans nach dem Spielzeug und holte es hervor. Langsam erhob er sich und begutachtete das Stück. Es war eindeutig ein Bärchen. Grob genäht, zerfranst. Wieder dachte er an Püppi und wie sie ihn in der Finsternis
der Nacht getröstet hatte. Vielleicht wollte das Kind ja seinen Teddy wiederhaben? Hans drehte sich zum ihm hin - und es war verschwunden.
Die Küche lag kalt und tot.
Hans überlegte, ob er das Bärchen nicht einfach auf dem Küchentisch liegen lassen sollte, aus einer Laune heraus nahm er es aber einfach mit nach oben ins Zimmer.
Das Vril umspielte ihn wieder und er tapste hindurch wie durch Pfützen.
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Messe

Mir träumte, ich ging auf eine Messe. Dort präsentierten sich jedes Jahr börsennotierte Firmen. Man konnte zu den Ständen der Firmen gehen und sich informieren. Dann konnte man, wenn man wollte, auch direkt Aktien kaufen. Einzeln. Und bar bezahlen. Meist nahmen die Leute die Aktien mit nach Hause und ein paar Jahre später kamen sie wieder zum "Handelsbörsentag NRW" und verkauften die Aktien - hoffentlich mit Gewinn. Ich interessierte mich für Medizin-Unternehmen. Doch ich fand ihre
Stände nicht. Dafür traf ich Frau Grim und Fräulein Gram. Später sausten wir im Auto über die Bahn. Ein dicker, alter Mann war total betrunken. Er hatte die Hosen offen und wälzte sich auf mich. Ich wollte das nicht und schob ihn weg. Der Mann lallte.
Am nächsten Morgen erwachten wir wider Erwarten in Belgien. Hier gab es lustige Straßenschilder, wie sie sonst nur Berliner erdenken können.
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Warzenmann

Der Warzenmann,
der Warzenmann,
der hat nur seine Warzen an.

Die Warzenfrau,
die Warzenfrau,
... da guck' ich besser nicht genau.
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Meine Kinder

"Unsere Zeit ist abgelaufen, Indri!"
Ich sah die junge Menschenfrau an, ihre grünen Augen blitzten in der Dunkelheit. "Wir werden immer weniger. Die Zeit der Menschen ist gekommen und unsere Würfe werden immer kleiner. Dies wird unser letzter Krieg. Du musst verstehen." Sie nickte, sagte nichts. "Und wir können nicht mehr warten, wenn unsere Welpen in Gefahr sind!"
Meine Brüder sammelte sich um mich. Die Pferde tänzelten nervös, Fackelschein glänzte auf den Klingen. Wir waren bereit. Die Gefangenen hatten uns den Weg gewiesen. Ich hob meinen Spieß. "Brüder!" rief ich "Es ist Zeit! Gewährt den Menschen die Gnade!"
Schwerter zuckten, die Gefangenen starben schnell. Dann ritten wir los. Indri an unserer Seite, als wäre sie eine von uns.
Wie ein Sturm kamen wir über den Feind. Ich ritt vorweg und erreichte als erster den Platz. Er wurde beherrscht von einem flachen Gebäude mit vergitterten Fenstern und zwei Türen. Aus der einen lief ein Soldat ins Freie. Ich schickte meinen Spieß durch die Luft und nagelte ihn an den Türrahmen. Die zweite Tür öffnete sich und heraus kam meine kleine Sara. Ich sprang vom Pferd, mein Schwert glitt in meine Hand. "Mischutka ist noch drinnen!" schrie Sara mir zu. Tapfere, kleine Sara! Ich wies stumm auf mein Pferd. Sara verstand. Sie zog mit einem kräftigen Ruck meinen Spieß aus dem Holz und lief los.
Ich stand kurz da und, dann ging ich hinein ins Dunkle. Ich sah mich noch einmal um. Sara, inzwischen aufgesessen, stieß gerade einem weiteren Wächter den Spieß in die Kehle. Ein Knurren grollte mir durch die Kehle, dann wandte ich mich ab.
Ein langer, dünner Gang. Es roch nach Menschen, aber auch ein wenig vertraut. An einer Biegung blieb ich stehen. Da war etwas. Meine Sinne schweiften. Rechts um die Ecke stand ein Mensch. Angstschweiss. Kalter Stahl. Ich erinnerte mich an die Worte meines Meisters: "Rechts ist wie links!" Hatte er immer gesagt "Und links ist wie rechts!".
Mein Schwert wanderte in die Linke und ich schwang es in weitem Bogen. Mein blinder Schlag traf etwas Weiches. Eine Waffe klapperte zu Boden. Ein Schrei und tapsend versuchte jemand, zu fliehen. Ich setzte nach. Schrecklich war das Glühen meiner Augen, mein Kiefer schnappte gierig. Meine Stimme dröhnte: "Wo ist mein Sohn?! Wo ist mein Sohn?!"
Der Feind bekam keine Zeit für eine Antwort, denn mein Schwert fuhr in seinen Nacken und trennte den Kopf von den Schultern. Der Körper fiel vornüber und zuckte noch herum.
Rechts von mir sah ich Lichtschein. Eine Zelle, erleuchtet von einer Kerze. Darin Mischutka, mein Kleinster. Er war über und über bedeckt mit Blut. Seine großen Augen sahen mich an. Zu seinen Füssen lag noch ein Mensch, den Hals zerbissen von kleinen, scharfen Zähnen. Die Zellentür stand offen. Ich trat hinein und legte meinem Sohn die Hand auf die Stirn. Stolz erfüllte mich. Meine Stimme klang klar und fest, auch wenn mir anders zumute war: "Tapferer Sohn! Willst Du mit mir nach draussen gehen und unseren Feinden die Herzen herausschneiden?" Mischutka lachte fröhlich und nickt. Ich gab ihm meinen Dolch und gemeinsam liefen wir zu den anderen, hinaus in die Nacht.
Wir hatten zu tun. Und wir hatten Hunger.
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Topf

Einen Topf! Herrgott! In Wien wird es doch einen irgendwo einen günstigen Topf zu kaufen geben!
Wir kullern zu Fuße eines Kaufhauses mit Namen "Pam Pam". Bescheuerter Name! Wir lachen herzlich, gehen hinein. Das Kaufhaus ist groß, aber gastlich. Blumengestecke, Körbchen, Süssigkeiten. Meter um Meter Kühlregale mit Milch und Butter und Schweinenasen unter Zellophan - aber kein Topf.
Wusstest Du, dass es in Österreich geschätzt 90 Sorten Mayonaise gibt? Angefangen bei 0,2% bis 500% Fettanteil. Schmecken aber alle Scheiße.
Ein junger Mann in weissem Kittel und mit lustiger, weisser Mütze räumt eingeschweisste Putenschenkel ein. Sein Haar ist blond, er scheint sympathisch. Wir fragen nach den Haushaltswaren, nach einem Topf. Er sieht zwischen uns und wehrt ab. "Ich nix wissen!" ruft er "Ich nur Fleisch von Pam Pam!".
Fleisch von Pam Pam. Was will man auch nur mehr sein?
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Frömmelei

Die Sau steht auf dem Thresen und predigt ihren Dung. Sie stinkt und sieht fürchterlich aus.
Angeekelt wenden wir uns ab. Wir müssen sie ertragen, immerhin ist ihr Glauben frei. Wir sind ein christliches Land, unsere Vorfahren haben die Freiheit und das Leben gegen die Humanisten und die Aufklärung verteidigt. Morgen gehen wir alle ins Obergeschoß. Die heiligen Könige kommen, unser Geld zu sammeln. Die oberste Führung will es so.
Nächste Woche müssen wir alle zur Beichte.
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Wen man so alles trifft!

Das wahnhafte Genie saß neben mir an der Bushaltestelle. Es beschwerte sich über das ganze Theater, dass die Leute um ihn machten. Es sei doch höchst selten, meinte das wahnhafte Genie, und ausserdem privat völlig normal.
Ich nickte zustimmend und machte mir ein Bier auf. Das wahnhafte Genie sah mich fragend an und ich machte noch ein Bier auf.
Später, im Bus, erzählte es mir noch von früher. Am Hauptbahnhof stieg dann die Peinlichkeit ein. Es wurde noch ein schöner Abend.
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Heimweg

Sonnenlicht in der ganzen S-Bahn! So sommerlich hell! Ich kam eigentlich aus Dings, wo ich letzte Nacht mit alten Freunden trank. Die alten Freunde roffen muffig und ihre Haut war aus Papier. Das Bier war auf Kommission gekauft. Wenigstens hat es nicht geregnet.
Nun durchschwamm die S-Bahn den Süden des Landes. Einen Weinort nach dem anderen ließen wir hinter uns. Fachwerkhäuschen, historische Stadtmauern, Weinreben und überall, überall diese Sonne! Die weisen Schilder der Haltestellen wirkten so einladend.
Eigentlich wollte ich ja nach Hause.
Aber das war jetzt egal.
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Naschmarkt

Wir schnüffeln hinter dem Meister her, als er dem Flohmarkt das Unterste zuoberst kehrt. Staubwolken, alte Fotos, alte Frauen. Ein faltiger Opa sitzt in einem Haufen Schrott und hofft auf Käufer. Andere bieten Uniformen und Gasmasken feil. Der Meister aber sucht die Vergangenheit, wir würden uns mit einem netten Topf zum Milchaufkochen zufrieden geben.
Irgendwann grunzt der Meister zufrieden und wir ziehen von dannen. Hunger. Stärkung am Dönerstand. Dicke Männer hobeln Fleischriemen von riesigen Dönerspiessen. Wagenräder aus Brot werden halbiert und mit Fleisch gefüllt. Das Fett läuft heiß über die Hände, durch die Mundwinkel, über die Hose auf die Erde. Ab und zu fällt auch ein Brocken Döner hinunter. Die Tauben bewegen sich langsam darauf zu. Die sind hier alle herzkrank.
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Der Tod

Der Tod trägt einen Cowboyhut. Er macht Radiergummis aus den Leichen. Man möchte ihm gerne die komplette Werbebranche zuführen. Vor allen Dingen, wenn man Plakate sieht, auf denen "Wer die Klappe aufreisst, muss auch was dahinter haben" steht und es sich um Werbung für Süssigkeiten in Pappschachteln handelt.
Mit den ganzen Radiergummis könnte man dann die Plakate wieder freirubbeln.
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Rast

Das Gasthaus lag in der Kälte des jungen Morgens. Wir hatten Wolken vor dem Mund. Wolken stiegen auch aus dem Gewürzwein, den die Magd uns reichte. Knechte brachten die Pferde. Das alles geschah schweigend. Nur ab und an klapperten unsere Rüstungen und unsere Waffen.
Die Tür des Gasthauses stand offen. Licht von Innen bildete einen Tümpel. Darin standen der Baron und der Wirt des Hauses. Der Baron zählte Geld in die ausgestreckte Hand des dicken Mannes.
Dann setzten wir auf und ritten in den neuen Tag. Das Gras glitzerte in der Sonne. Noch drei Nächte, und wir wären da.
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Grau

Reif liegt auf den Dächern. Grau ist die Farbe der Saison. Grau ist friedlich. Die Siedlung erwacht und hinter Glas rühren die Mütter im Kakao. Die Kinder versuchen sich anzuziehen.
Das ist die Erotik des Waschbetons.
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Unheil in dern Straßen

Wir sind zu Gast in einer Familien-WG. Viele kleine Kinder gibt es hier.
Die schlafen jetzt, denn es ist tiefe Nacht. Der Morgen will schon kommen, doch noch ist seine Zeit nicht gekommen. Wir stehen im Zimmer, da höre ich Geräusche von draussen. Ich gehe zum Fenster und sehe auf die leere Straße hinunter. Da sehe ich Lichter. Fackeln. Die Soldaten des Todes kommen und reiten auf ihren Pferden durch die Stadt. Ich erkenne Uniformen der unterschiedlichen Epochen. Viele sind blutverschmiert. Alle sind tot.
Der Tag ist gekommen, die Toten stehen auf aus ihren Gräbern. Ich suche fieberhaft nach einer Waffe. In der Küche finde ich ein großes, langes Messer. Das stecke ich mir in den Gürtel. Dann wecken wir den Kleinen. Ich sage ihm, dass wir ihn lieben und dass er ab jetzt immer - immer! - bei uns bleiben soll. Langsam kommt Leben in die Wohnung. Junge Mütter wollen mit ihren Kindern zur Spielgruppe. Ich renne durch die Zimmer und spähe nach draussen. Ist es soweit?
Draussen bricht der neue Tag an. Alles scheint normal, nur sehr ruhig. Dann luge ich durch den Türspion und erschrecke: Im Hausflur wabert eine dunkle Masse aus Armen und Gesichtern. Sie stehen vor der Tür!
Die Mütter wollen jetzt los, ihre Babies krähen. Ein alter Opa kommt in die Diele. Er meint, wir sollten bald die Türe öffnen und die Untoten hereinlassen. Es wäre Zeit. Vorher kriegen aber alle noch die Haare geschnitten. Man will ja ordentlich aussehen.
Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich jeden Morgen bin, dass die Sonne aufgeht!
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Fischchen

Der Blick ins Aquarium ließ mich erschauern: Die beiden Fische hatten Nachwuchs bekommen und nun fraßen sie nach und nach ihre eigenen Kinder auf. Fett und groß wurden die beiden, träge schwammen sie durch den engen Glaskäfig. Das wurde ihnen zum Verhängnis. Einige ihrer Nachkommen nämlich verschlangen nämlich schnell einige ihrer Geschwister und fraßen dann die Elternfische. Dann stürzten sie wild kopulierend in den Kies.
Ströme von neuen Fischen ergossen sich ins Wasser. Einige schillerten farbig bunt, andere waren schwarz-weiss, so wie Kühe.
Was tun?
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Im Pool

Das Wasser war angenehm kühl. Wir saßen im Pool, F. und ich, und genossen kaltes Bier. Da draussen brannte die Sonne auf den Rasen. Kleine Kinder streiften ihre Windeln ab und Mütter liefen kreischend hinter ihnen her, die Sonnenmilch im Anschlag.
F. machte uns noch zwei Bier auf. Wir prosteten uns zu und ich sank bis zum Kinn ins Wasser. Dann tranken wir.
Sommerträge.
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Am Leben bleiben

Knüppeldicker Kopp, schwarzer Schleim im Hirn. Düster kriecht Panik durch die Knochen. Weltuntergangsphantasien, Pandemieangst. Wenn ich sterbe, stopft meinen Sarg mit alten Spiegel-Ausgaben aus. Der Geruch der hysterischen Druckerschwärze wird mir guttun.
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Morgens ...

In der Bahn sitzen die Rumpelköppe und lachen sich kaputt. Freundlich gerötete Gesichter, wie gemacht dafür, dass man dort Fleischwurst und Kümmerling reinsteckt. Der Kaffee kommt aus dem Becher und der Humor aus der BILD.
Hirn heute schwergängig, Fingernägel zu lang.
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Großstadt

Gössermuskel, gut trainiert in Ottakring.
Vorstadtmelancholie.
Die Mutter findet einen gelben Zettel, er fiel aus der Jacke beim Spiel. Der Zettel bringt die Schande des Schnellrestaurants ins Herz der Familie.
Grauer Beton und Umzugswagen. Wer hier so alles hinzieht!
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Pflicht

Die Ketten rasselten. Es roch nach Schweiß und Urin. So war das eben im Sicherheitsbereich Gewahrsam 3. Ein Mann lag in der Ecke und wimmerte. Seine Haut war schwarz, sein Blut war rot. Meyer ging zu ihm hin und schlug in wieder mit dem Stock. Hart und schnell. Meyer konnte das gut. Bald würde der Mann am Boden sein Geständnis ablegen. Er musste. Immerhin mussten wir unser Soll erfüllen. Befehl ist Befehl. Meyer redete auf den Mann ein, leise und sanft. Dann schlug er wieder. Das war seine Masche.
Ich war nicht ganz bei der Sache. Ich dachte an die kleine Linke, die man uns auch noch gebracht hatte. Die würde uns nachher mehr Spaß machen.
Ja, so ging es zu, damals, im Sicherheitsbereich Gewahrsam 3.
Irgendeiner musste den Job ja machen.
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Wenn man mal zusammen sitzt

Wir saßen allesamt in der Küche. Ich stritt mich mit den Älteren über Chinesische Pflaster. W. schwörte auf die "Streifen", die man im China-Restaurant kaufen konnte. Da sei Cummin drin. Ich spielte mal wieder den Skeptiker und hielt dagegen, was ich letztens im Deutschlandradio gehört hatte: Die Wirkung von Cummin sei umstritten und auch die Dosis in den Chinapflastern sei viel zu gering. W. bestand aber auf der Wirkung, er habe vor kurzem mit einem "Lappen" erfolgreich Kopfschmerzen bekämpft.
"Placebo!" zischte ich ihn an.
Abends waren die Älteren gegangen und ich musste meine Nerven beruhigen. Also defragmentierte ich die Festplatte meines Rechners. Zugriffsrechte reparieren, alte Dateien löschen. So, jetzt lief der Rechner wieder schneller!
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Aussenseiter

Aussenseiter gehören nicht in diese Gesellschaft. Wir wollen doch alle uns
eingliedern in die große Familie des Weltmarktes. Wettbewerb! Leistung!
Jeder will doch Elite sein!
Aber diese Aussenseiter sind so anders. Da habe ich Angst vor.
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Gaaaanz früh

Obwohl ich doch so schwer bin, erfasst mich eine Leichtigkeit. Es hat geregnet, der Parkplatz glitzert im Licht der Laternen. Ein Bully steht da mit laufendem Motor. Sein Aufpuff lässt Dampf in die Kälte aufsteigen. Der Fahrer ist schnell ins Büro, sich eine Unterschrift zu holen.
Wieviel Uhr haben wir?
Es müsste nach vier sein.
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Rattenkönig

Ein Mann hält seine Tochter zwanzig Jahre lang in der BILD-Zeitung gefangen und zeugt mir ihr sieben (sieben!) Söhne. Die schickt er aus, den Rattenkönig zu fangen. Der eine geht hier hin, der andere dort hin.
Der eine findet eine Zitrone, der andere stochert im Müll. Mehrere stranden an der Bude und saufen Bier. Einer guckt den ganzen Tag
im Internet Pornos an. Sie scheitern großartig. Nur der kleinste der Söhne steigt in die Grube. Dort, unter einem Stein, findet er den Rattenkönig. Der Junge packt ihn in einen Schuhkarton und bringt in nach Hause ins Verlies. Dort freut sich der Vater und läutet die nächste Runde ein.
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Erinnerst Du Dich noch?

Erinnerst Du Dich noch an das weiss gestrichene Haus? Mutter brachte uns früh morgens dort hin. Es war sehr hell dort. Wir saßen am Tisch und warteten. Die alte Frau, die dort arbeitete, gab uns Kakao zu trinken. Sie gab uns auch Stifte und wir malten. Es dauerte halt eine Weile, bis wir dran waren. Dann rief man uns in den Nebenraum. Eine kleine Turnhalle empfing uns. Wir mochten den muffigen Geruch nicht.
Dann zeigte uns die alte Frau die Übungen. Erinnerst Du Dich noch? Ich glaube, wir gingen einmal in der Woche hin.
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Träume, Schäume

Im Eventschloss ist heute Ringelpietz. Allerdings ohne Anfassen. Sonst ist nicht viel mehr los als der Traum eines Kindes. Darin kniet eine Frau mit einem Baby auf der Straße und ein LKW rast heran. Mutter und Kind schreien. Eigentlich sollte heute Nacht eigentlich ein lustiger Traum kommen, aber so ist das nun mal: Entweder kommt Schrott oder nur endlose Wiederholungen!
Aber immer noch besser, als mit dem Mund voller Pappe durch gelben Gelee zu Schwimmen.
Das habe ich nämlich geträumt.
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Kanisterköppe

In den grauen Klötzen wohnten die Kanisterköppe. Sie liefen die Treppen auf und ab und soffen billiges Bier. Manchmal machten sie die Fenster auf und schrien die Welt an. Oder ihre Kinder. Oder ihre Frau.
Kanisterköppe standen manchmal an der Bushaltestelle. Manchmal verkauften sie ihre Tochter und fuhren von dem Geld ins Stadion.
Dort prügeltn sie sich.
So waren sie, die Kanisterköppe.
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Die Novizin

Ein atemberaubender Sonnenuntergang tauchte die Kathedrale in rotes Licht. Das Gras am Boden wurde sanft vom Wind gewiegt, der durch die großen Öffnungen ins Innere Kathedrale gelangte.
Die Novizin saß neben mir und erzählte mir von ihrm Traum: Sie wolle Priesterin werden, dann hätte sie mit dem Schlüssel immer die Möglichkeit, in die Kathedrale zu gehen. Sie könne dann immer hier sitzen und träumen.
Ich hatte andere Sorgen. Beim Durchqueren des Waldes hatte ich eine Ladung Sporen mitgekriegt und die Holzkrätze bekommen. Aus meinem linken Arm wuchsen zylinderförmige Noppen, in Farbe und Konsistenz wie erstarrter Klebstoff. Ich war gerade dabei, die Noppen abzureissen. Es tat weh und eine klare, scharf riechende Flüssigkeit trau aus den Wunden aus.
Die Kinder spielten weiter oben. Wenigstens hatten die keine Sporen abbekommen.
Der freche Bursche, der die ganze Zeit meiner Frau nachgestellt hatte, wand sich jetzt als Kriechwurm im toten Laub des Waldes. Ein kleiner, unauffälliger Spruch hatte genügt.
Ich sah die Novizin an. Ich mochte sie. Sie tat mir aber auch ein bisschen leid.
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Entführt

Zack-Zack! Kopp im Sack! Die Männer waren schnell und hart. Sie banden mich und warfen mich auf den Rücksitz eines Autos. Das Leder der Sitze roch neu und nach Pups. Unangenehm.
Wir fuhren Stunden. Niemand sprach. Ich rollte hin und her in diesem Auto.
Dann hielten wir an. Mit Gefluche und Geächze trug man mich in einen Hubschrauber. Obwohl ich nichts sehen konnte, wusste ich: Er war mattschwarz lackiert.
Die Kongregation hatte mich erwischt.
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Besuch

Ich hatte Besuch. Die sieben Todsünden waren da. Die Wollust war ein durchaus angenehmer Gast, die Völlerei wollte ständig zu essen, man konnte aber mit ihr prima übers Kochen reden. Hochmut wollte nicht mit mir reden, Feigheit sagte auch nichts. Vielleicht hatte sie Angst vor dem Zorn. Neid beteiligte sich eh nicht an unserer Runde und saß grün in der Ecke.
Anstrengend waren sie schon, die Todsünden. Aber immer noch besser als die zehn Gebote.
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Billige Arbeitskräfte

Spinnenbeine. Spinnenbeine. Abermillionen Spinnenbeine. Ich stehe am Rande der Produktivhalle. Hundertausende Spinnen sitzen hier hinter Computertastaturen und tippen. Klickediklickediklack. Sie tippen das ganze Gelaber ab, dass die Deutschen die ganze in ihre Telefone abseilen. Das BKA streamt den Mist direkt zu uns und meine Spinnen tippen so schnell wie keiner. Die jahrelange Arbeit an meinen Tippspinnen hat sich gelohnt! Wie beschwerlich war die Arbeit am Spinnengenom, wie viele Rückschläge musste ich einstecken! Einmal entfleuchte mir ein Testexemplar. Es vermehrte sich draussen und löschte eine Kleinstadt aus. Man schob es auf die Terroristen.
Jetzt habe ich einen rustikalen Vertrag an Land gezogen und schon nächstes Jahr rutsche ich in die Gewinnzone. Ich bin ein gemachter Mann - und unter Mückenstichen leider ich auch nicht mehr.
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Schalkönigin

Sie schneiden sich Blech von der Rolle und stellen sich an die Straße. Mit Beigenbögen streichen sie auf den Blechen herum. Das ist die Gewittermusik. Die Schalkönigin bleibt stehen und zuckt zur Musik hin und her. Ihre Wangen sind rot vor Kälte, aber der Rhythmus nagelt sie hier fest.
Später ist die Gewittermusik vorbei und die Musikanten verblassen. Die Schalkönigin geht nach Hause. Sie freut sich auf eine Tasse Tee.
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Aussichten 2

Warum habe ich das getan? Hasso hat mich dazu gebracht, er hat mich angestiftet. Hasso und der Hass auf den dicken Onkel. Das ging alles so schnell. Der böse Gedanke, das Fluchbuch, der Name des Teufels. Dieser schlimme, gemeine Name! Kaum hatte ich ihn ausgesprochen, da griff ein Schatten nach meiner Seele. Er fühlte sich klebrig an. Der Schatten wirbelte mit seinen Tentakelarmen durch die Zwischenwelt. Mir wurde übel.

Nun bin ich Kleriker. Kriegermönch. Das heilige Zeichen schützt mich. Die Nähte meiner Hose sind golden und gesegnet. An meiner Seite hängt der Säbel der mittleren Ebenen, bereit zum Kampf gegen das Böse.

Ich stehe vor der Herrin. Sie mustert mich amüsiert. Sie ist so schön und so weit weg. Sie sieht aus, als ob sie mich gleich auslachen wollte.

So tue ich Buße für den dicken Onkel und sein schreckliches Schicksal.

Obwohl - lustig war es schon. Irgendwie.
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Es ist alles so profan

Die Straßen sind regennass. Die Autos sind wie Würmer, die durch die Stadt kriechen. Die Menschen ekeln sich vor ihnen und gehen schnell über die Straßen. Ihre Aldi-Tüten glänzen im Scheinwerferlicht.
Bei Kamps sind Körnerbrötchen im Angebot.
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TV

Die neue Herrlichkeit im deutschen Fernsehen:
Germany's next Top-Soldier

Ausbilder Dieter Bohlen scheisst die Rekruten ordentlich zusammen, sortiert die Versager aus und schleift unsere Jungs und Mädels zu echten Helden.
Es winkt ein Freiticket nach Afghanistan. Ohne Rückflug.
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Verzweifelter Konsum

Sie liefen durch die Straßen. Trichter in den Kopp, Antennen am Schädel. In den Trichter gossen sie chemische Drogen. Viel. Danach noch mehr.
Sie wollten die Antennen nicht mehr spüren. Unendlichkeit umfing sie.
Kleine, grüne Männchen.
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Hausmeisters Alptraum

Die Dokumentation begann. Der Hausmeister stand vor der Umkleide und sah sich das Foto an, dass ihm die Frauen gegeben hatten. Auf dem Foto waren alle leicht oder fast überhaupt nicht bekleidet. Was sollte er tun?
Die Frauen waren jetzt in der Umkleide. Ob er es noch einmal wagen könnte, seinen "Trick" anzuwenden? Dieses Anhalten der Wirklichkeit, dieses Anpirschen an die zarte Beute ...
Dem Hausmeister wurde warm. Dann schaute er wieder auf das Foto. Warum hatten sie es ihm gegeben? War das Einladung? Oder waren sie ihm auf die Schliche gekommen? Entarnt! Entarnt! Schrie es unter des Hausmeisters Cordhut.
Er ging lieber weg. Der Aufstieg auf den Felsen war wieder beschwerlich, aber der Hausmeister war trotz seines Alters noch fit. Dann die Treppe hinab in die Kellerwohnung. Sie war noch nicht ganz fertig. Wie immer wunderte er sich über den seltsamen Schnitt, die komischen Zimmer. Direkt nach der Treppe kam eine erste kleine Küche, nur durch einen Vorhang vom Treppenhaus getrennt. Kahle Wände geleiteten ihn in die Hauptküche. Dort saß sein Schwager und hatte kein Bier mehr.
Kein Bier mehr! Der Hausmeister lief los, neues zu besorgen. Sein Schwager rief ihm noch hinterher, er solle unbedingt noch eine Königskartoffel besorgen - für die Frauen.
Panik kroch durch Hausmeisters Leib, während er durch die Basarstraße hetzte. Eine Königskartoffel! Um diese Uhrzeit!
Wo sich doch alles heute entscheiden sollte!
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Frieden am Grund

Der Traum zog mich tief hinab. Ich durchbrach die Oberfläche und tauchte. Tauchte und tauchte durch Schichten von Wasser. Es wurde kälter, Teilchen strichen an mir vorbei. Unten sah ich den Grund. Felsen, grün von Algen begrüssten mich. "Freund," blubberten sie mir zu "lege Dein Haupt bei uns nieder. Hier kannst Du bleiben. Du kommst zur Ruhe. Kühl wird es sein und die Fische werden Dich lieben. Du wirst die Sonne von hier unten sehen und das Eis im Winter. Lieder werden wir Dir singen und irgendwann bist Du dann ganz wie wir."

Da wurde es mir ganz eng in Brust und Kehle. Ich strampelte nach oben zum Licht. Wieder durchbrach ich die Oberfläche. Den Traum ließ ich hinter mir - und schnappte nach Luft.
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Rascheln

Die Klappen an der Wand gehen auf und die Autoren kriechen heraus. Sie flüstern mir zu von Agenten, Banditen, rauchenden Colts. Männer mit Flügeln durchziehen ihre Geschichten, Trolle und Götter. Wenn sie fertig sind, fallen die Autoren von mir ab wie totes Laub. Von manchen bleibt etwas an mir kleben.
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Ärger

Die saugen mir noch mal das Mark aus den Knochen mit ihrem Scheiss. Kommen angeschissen mit ihrem Krieg, andauernd kommen sie angeschissen. Immer wieder muss ich die Riemen straffen und die Trommel rühren.
Ich fahre an der guten Stube vorbei. Sie ist seit Jahren unberührt, traurig schaut die Puppe aus Porzellan. Schon lange wollte ich die Mumien vom Teppich entfernen. Aber die lassen einen ja nicht in Ruhe!
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Einkauf

Ich fahre um die Ecke. Auf der rechten Seite die graue Wand der alten Lagerhalle, darin wie ein Mund der Eingang zum Getränkemarkt.
Links erstreckt sich ein gigantischer Platz zum Parken. Dahinter die Weite der Brache.
Der Parkplatz ist vollkommen leer, trotzdem parke ich akurat wie Zikkurat. Der Wind greift mir an die Hose, während ich zum Getränkemarkt gehe. Frecher Wind!
Der Chef des Marktes ist ein alter Mann. Er und sein tumber Gehilfe lächeln. Ich nehme mir einen der flachen Einkaufswagen und wuchte Kästen auf ihn drauf. Bier, Bier und Bier.
An der Kasse sage ich zu dem alten Mann: "Nicht gerade viel los hier, was?" - "Naja," er wackelt ein bisschen mit dem Kopf während er antwortet "wir machen den meisten Umsatz mit Bestellungen."
Ich nicke verstehend, bezahle und schiebe mein Wägelchen nach draussen. Am Auto hebt mir der tumbe Gehilfe das Bier in den Kofferraum.
Ich gebe ihm Trinkgeld.
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Herr Schmink in Nöten

Geschmeide, überall Geschmeide! Das Büro war festlich geschmückt und mitten drin stand ein kapitales Doppelbett. Herr Schmink lag darin und zappelte nervös. Er versuchte, sich krankhaft auf seine Notizen zu konzentrieren, während neben ihm die schöne Frau Meiermüllerschulze lag und in ihr Mobiltelefon flüsterte.

Er nahm seinen Kugelschreiber und drückte auf den Knopf oben. Wieder und wieder drückte er. Klick. Klick. Klick. Dann versuchte er, zu schreiben. Klick. Krakelkrakel.

Frau Meiermüllerschulze beendete ihr Gespräch und sah ihn an. Augen wie ein Reh, Haut wie Alabaster. Herrn Schmink brach der Schweiß aus.
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Die Gruft

Die Treppe hinunter, in die Dunkelheit. Jeder trägt eine Fackel. Sie rauchen ein wenig und unsere Schatten tanzen an den Wänden einen irren Tanz. Überall Zeichnungen. Mischwesen, Dämonen, Götter. Magische Zeichen. Wir konzentrieren uns auf den Weg. Stufe um Stufe geht es tiefer in den Fels. Ich starre gebannt auf den Nacken von Achmed vor mir. Gekräuselte, schwarze Haare auf brauner Haut. Ich kann ihn auch ein wenig Riechen, den guten Achmed. Schweiss, Knoblauch und kalter Zigarettenrauch übertünchen den muffigen Kellergeruch. Es war ein langer Tag da daussen. Hinter mir höre ich das Schnaufen des dicken Earl. Er wollte unbedingt mit in die Gruft.

Wir durchschreiten das Tor. Gesichert wird es durch ein Katzenauge über dem Giebel.

Die Gruft ist überraschend groß - und hoch. Ein Dom im Fels. In der Mitte des runden Raumes liegt, direkt auf einem Pentagramm, der tote Magus. Sein Skelett sieht aus, als wäre es mit Leder bespannt.Der Earl schnappt nach Luft und Achmed beginnt etwas zu Murmeln, vielleicht ein Gebet.

Der Magus dreht seinen Kopf und sieht uns Eindringlinge an.
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Gladiator

Einlauf der Gladiatoren. Pompöse Musik, Chorgesang. Die Scheinwerfer tauchen die Szene in grelles Licht. Die Waschmaschine läuft. Kochwäsche. Viel zu heiss.
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Kälte

Endlich wird es kalt. Die Stinkewölkchen, die den Menschen aus den Mündern quellen, sinken schnell als Reif zu Boden. Die Kackhaufen dampfen kurz und werden zu Eis. Selbst der alte Hörbiger erstarrt zu einer Säule. So hat er sich das wohl nicht vorgestellt mit dem Universum!
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Rituale

Sie legten Früchte und Nüsse auf den Toten, als Proviant für die lange Reise. Das Kind bekam ein Tierchen aus Knochen in die Hand.

Andere bohrten Löcher in die Schädel der Verstorbenen, damit der Kopfgeist entfleuchen kann. In den heissen Gegenden türmten sie Scheiterhaufen auf und verbrannten die Leichen ihrer Angehörigen. Der Rauch stieg auf zu den Göttern im Himmel.

Wieder andere begruben ihre Toten in Hallen aus Stein. Konserviert und eingemullt sollten sie warten auf die Ewigkeit.

In Löchern hocken sie, trocken und verkrümmt. In Tongefässe eingebacken. Im Meer versenkt. Vergraben und verscharrt. Vertrocknetes Fleisch. Knochen über Knochen.
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Energie am Morgen

Ich möchte nicht im Bett bleiben! Ich möchte aufstehen, raus in die Welt! Kalter Wind um die Beine, die Nase schnuppernd in die Luft gereckt! Auf zu neuen Geschäften! Das Büro wartet. Fort mit den trüben Gedanken an den Mond und an die Liebe! Schnell einen Kaffee Togo schlürfen und dann den PC einschalten. Headset auf und Outbound!
Diese neuen Tabletten sind wirklich gut!
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DDSS

Frisch kopfklistiert ließ er sich noch die tiefsten Falten zuspachteln und ging auf die Bühne, mal eben ein paar Deppen vernichten. Er sah sich die Hampeleien dieser Verlierer an und laß dann ein paar Sprüche vom Teleprompter ab. Einem arbeitslosen Schwachstromelektriker platzte fast die Rübe und so einem Hühnchen ohne Ausbildung fing glatt an zu heulen. Die würde er sich nachher in der Garderobe vornehmen. Erst, wenn man ihnen auf den Rücken scheisst, sind sie zufrieden, dachte er irgendwo hinter seinem Frühlingsrollengesicht und kratzte seinen alten Knickesack.
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Cyber

Die Spielewelt, in der wir uns befanden, war komplett in einer Sprache programmiert, die "Cola" heisst.
Eine kleine Dampflok zog unseren Wagen durch die Ebene. Die Ebene lag da, grün und und am Rande leicht hügelig.
Die Entwickler erklärten uns ausführlich, wie viel Arbeit die Programmierung sei. Ein fliegender Pinguin zum Beispiel bestand aus hunderten von Einzelobjekten, darunter auch Dinger, die kleine Raketen aussahen.
Der Zug blieb quietschend vor einem Schuppen stehen. Die großen Flügeltüren öffneten sich und das Waffenlager kam zum Vorschein. Wir stiegen aus dem Wagen und bedienten uns. Auf dem Rückweg zogen wir einen Raketenwerfer hinter uns her.
Man weiß ja nie.
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Schwer

Eine Nacht aus Stahl. Gelegen wie ein Klumpen. Das Bett war nass und draussen fiel die Welt in Eis. Schwer in die Kissen gedrückt.

Steinmensch.
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Physik

Gewaltig wirken die Kräfte des Universums. Gaseruptionen schießen in den freien Raum. Glühende Massewolken breiten sich aus, vermischen sich mit bereits erkaltetem Material. Dann folgt der nächste Schub. Stossweise wird der endlose Raum gefüllt. Vielleicht wird sich die Materie verdichten und dereinst werden Sonnen und Planeten entstehen. Einige der Planeten können sogar Leben hervorbringen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Der nimmt sich die Dickmadam vor, nie wieder Zwiebelkuchen zu essen.
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Wölfe

Dieser Winter war kalt, sehr kalt. In der dunkelsten Zeit wurde es so kalt, dass der Fluss einfror.

Über das Eis kamen sie dann wie die Wölfe. Sie kamen aus dem verlorenen Land. Hundemenschen. Die Miliz versuchte, sie aufzuhalten, doch bei Bringon wurde sie vernichtend geschlagen. Irgendwann kamen sie auch zu uns. Wir verbarrikadierten den Hof, so gut es ging. Eine Gruppe von ihnen umzingelten unser Gut. Wir schossen mit Pfeilen auf sie und ihre Köter. Die Kinder hatten wir ganz oben versteckt und die Gebete der Frauen erfüllte die Halle. Die Nacht kam herab und wir lebten noch. Die Hundeleute zündeten Feuer an. Wir hörten ihr Gejohle und ihr Gekläff.

Wir gingen zu unseren Frauen und küssten sie. Wir gingen zu unseren Kindern und streichelten ihr Haar. Das würde die letzte Nacht sein. Dann gingen wir in die Halle und tranken einen Krug Bier. Jeder einen. Es sollte der letzte Krug sein.

Mitten in der Nacht ertönte ein Geschrei. Ging es schon los? Wir waren verwirrt, denn meist schlafen die Hundemenschen in der Nacht und am Morgen. Vor allem, wenn sie genug zu Saufen dabei haben.

Schreie, Jammern und Feuer.

Wir standen bereit, Bogen, Pfeile, Äxte und Messer bei der Hand. Die Frauen zündeten Kerzen an und riefen die Nothelfer an.

Doch nichts geschah.

Als die Sonne aufging, lebten wir noch immer. Wir sahen durch die Fenster nach draussen. Dort lagen die Hundemenschen und ihre Tiere in ihrem Blute. Erschlagen, zerfetzt, zu schwarzen Statuen verbrannt. In der Mitte des zerstörten Lagers stand ein Bär. Er trug die rote Robe eines Magus, in seiner Rechten hielt er den Eisenstab der Bärenzauberer. Der Bär musste mitten in der Nacht die Hundemenschen erschlagen haben. Er stand ganz still und in seinen Augen war der Tod.
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Überflug

Es war zwei Jahre nach der entgültigen Vereinigung von Wissenschaft und Wurstbroten, als wir in der Küche saßen und Glaskugeln über den Tisch rollten.
Mir gegenüber hockte Häuptling "Guten-Morgen-Zwei-Schnitten" und brummelte etwas von Fastenzeit in seinen Federschmuck.
Ich hatte das Bedürfnis, meinen Kopf auf Butter zu betten.
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Soldatentum

An der Ausgabe erhalte ich meine alte Feldmütze wieder. Wen der Schirrmeister nicht leiden kann, dem gibt er ein neues, bretthartes Barett.
Mit den anderen zusammen verlasse ich das Gebäude und eile über den Platz zu den Unterkünften. Kopfbedeckung auf, Kopfbedeckung ab. Die neuen Uniformen sind schick - darin sehe sogar ich einigermaßen schneidig aus.
Den Flus entlang gehe ich etwas langsamer und sehe mir meine Feldmütze an. Sie erinnert mich an die Mütze der chinesischen Armee. Nur der rote Stern vorne fehlt.
Ob es wirklich Krieg gibt?
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Epidemie

Der Virus verbreitete sich rasend schnell. Er sprang über von Mensch zu Mensch. Pendler steckten sich als erste an und brachten den Erreger nach Hause zu ihre Familien. Innerhalb von zwei Wochen waren alle infiziert.
Seitdem trägt fast jeder ein Kirschkernkissen mit Bärchen drauf mit sich herum. Im Fernsehen kommt höchstens mal "Die Sendung mit der Maus" oder "Löwenzahn". Politik und Wirtschaft sind vergessen. Die Menschen sind fröhlich, sie essen Eis und Kirschlutscher. Abends wird gekuschelt.
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Ach, immer diese Bahn!

Ich saß gemeinsam mit C. im Zug nach Düsseldorf. C. füllte gerade seine Reisekostenabrechnung aus. Die Reise nach Ghana war teuer gewesen - aber irgendwer musste ja schließlich die Zeitschriften von dort besorgen.

Nach der Unterschrift malte C. noch rote Kringel auf die Abrechnung, damit sie schneller bearbeitet wird.

Plötzlich schreckte ich hoch. Düsseldorf! Ich musste raus! Schnell Rucksack und Reisetasche gepackt und nichts wie raus! Die ältere Dame machte noch gerade rechtzeitig Platz und schon stand ich auf dem Bahnsteig. Der Zug fuhr ab und ich sah ihm hinterher.

Ich stand am falschen Bahnhof. Ich war zu früh ausgestiegen. Statt am Hauptbahnhof war nun in Düsseldorf-Krummer Baum.

Bis der nächste Zug kam, hatte ich noch etwas Zeit. Ich sah mich um. Auf der einen Seite des kleinen Bahnhofs standen junge Birken. Die Mauer einer Ruine - vielleicht stand dort mal ein Gehöft - versperrte den Blick auf die Wälder dahinter.

Auf der anderen Seite sausten Autos hin und her. Ein Stück weiter floss der Rhein.

Ein Bote auf einem Motorrad kam angeknattert. Sein goldener Mantel flatterte hinter ihm her, seine goldene Maske war ohne Ausdruck. Er wendete auf dem Bahnhofsvorplatz. Der Kies spritzte. Dann donnerte er quer über die Fahrbahn und fuhr einen kleinen Pfad zum Fluß hinunter.

Ich wandelte unter den Birken. Oberhalb der Ruine war ein kleines Werk und eine japanische Pommesbude. Asiaten mit dem Haarschnitt der Samurai saßen dort und aßen Fleischwurst und Burger.

Vielleicht sollte ich mal in der Mittagspause einen Ausflug hier hin machen.

Doch jetzt musste ich meinen Zug kriegen. Ich hatte Mathe in der ersten Stunde.
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Spannung!

Heiner stieg mit großen Schritten ein in die Bahn. Zum Glück war die fast leer. Jacke auf, hingesetzt. Den Rucksack auf den Schoß legen und den Reißverschluß aufziehen waren eins.

Der dicke Schinken flog fast von alleine in Heiners Hand. Fiebrig fingerte er sich zum Lesezeichen vor.

"Die Verschwörung der dunklen Mönche und ihr dunkles Geheimnis, das seid Jahrhunderten in den Archiven des Vatikans bewahrt wird" von John Smithjohnsmith.

Das letzte Kapitel.
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Aktienkultur

Todesmutig stand der Prinz von Mammon-Raffersbach im feindlichen Feuer. Rings um ihn schlugen Bad News ein. "BMW auf 70,03!" Zischte ein Halbpfünder nur knapp an ihm vorbei, nicht viel weiter ein "Bayer auf 93,09!" ins Parkett.

Der Prinz hielt stand. In seinem Herzen schlug laut die Liebe zu seinem Vaterland. "Wir dürfen nicht weichen!" rief er seine Kameraden zur Geschlossenheit auf "Wir müssen investieren! Es ist unsere patriotische Pflicht, die Kurse hoch zu halten! Seid tapfer! Verliert nicht den Mut!"

Und alle kamen. Alle Deutschen sammelten Ihr Geld und brachten es in die Börse. Männer lösten ihr Sparbuch auf, Frauen plünderten die Haushaltskasse. Selbst Kinder zerbrachen ihre Sparschweinchen. Sie kamen alle und die Kurse, eben noch im freien Fall, fingen sich. Sie zitterten noch leise, dann begann sich das Blatt zu wenden. Die Kurve stieg an, zeigte wieder gen Himmel.

Jubel brach aus. Die Menschen ließen ihren Freudentränen freien Lauf.

Der Prinz von Mammon-Raffersbach sah sich um, schaute diese lieben Leute an und ein Gefühl von Dankbarkeit durchströmte ihn. Lächelnd legte er die eine Hand in die andere.

Und verkaufte.
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Panik

Wir mussten irgendwie von diesem verdammten Schrottplatz runter. Henriette gab Gas und donnerte um einen Haufen rostiger Astras herum. Mist! Der Eingang war versperrt. Henriette trat auf die Bremse. Die beiden Phillipinos hinten im Wagen schrien laut auf und wir hingen alle in den Gurten. Ein offener LKW kippte seine Ladung direkt in die Einfahrt. Fässer polterten zu Boden, einige platzten auf. Der Wagen wollte nicht mehr anspringen, also stiegen wir aus. Ein scharfer Geruch lag in der Luft. Mein komisches Gefühl wurde Gewissheit, als ich sah, dass der LKW-Fahrer eine Gasmaske trug. "Weg!" brüllte ich "Ab ins Gebäude!"

Wir rannten in das kleine Haus, in dem das Büro des Schrottplatzes untergebracht war. Tür auf! Rein!

Ich schob meine Leute in den hinteren Teil des Hauses. Hoffentlich kam das Gas nicht bis hier hin. Einer der Phillipinos rannte durch die Hintertür wieder nach draussen und starb am Zaun. Wir versteckten uns im Bad. Henriette hatte etwas an der Hand abbekommen und ich wusch sie mit einer Reinigungspaste, die beim Waschbecken lag.

Vielleicht reichte es ja.

Wir hatten uns alle etwas beruhigt, da riss jemand die Badezimmertür von aussesn auf. Ich erkannte den LKW-Fahrer, beziehungsweise, das, was noch von ihm übrig war. Die Gasmaske klebte wie zerlaufenes Wachs in seinem Gesicht, Haut und Hemd hingen in Fetzen. Sein rechter Arm endete in einem grün schimmernden, schleimbedeckten Stumpf. Henriette schrie, der Philipino schrie und der Mann wankte zu in den Raum. Der Senfgeruch war überwältigend. Ich spuckte in meine rechte Hand. Die Spucke begann natürlich sofort zu brennen. Lustig züngelten die Flämmchen in meiner Hand. Ich warf die Feuerkugel dem Fahrer direkt ins Gesicht. Sein Kopf loderte auf und er taumelte zurück in den Flur. Wir schlossen die Tür und verrammelten sie mit allem, was wir fanden. Sogar mit Frauenzeitschriften.

Am Ende des Tages hatte sich das Gas verflüchtigt und wir verflüchtigten uns auch. Erst zwei Städte weiter hielten wir an und gingen in ein Brauhaus. Wir tranken schweigend auf unseren toten Kameraden und wir aßen eine Kleinigkeit.

Frikadellen.

Ohne Senf.
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Countdown

13. Er lief im gestreckten Galopp durch den engen Gang, der zum Hangar führte. 12. Die dünne Tür mit dem kleinen Glasfenster rannte er einfach über den Haufen. 11. Die klare Nachtluft, das kalte Licht der Scheinwerfer im Hangar. 10. Er sah das Aufblitzen der Waffe, noch bevor er den Knall hörte. 9. Mit einem Hechtsprung suchte er Deckung hinter einem dieser Elektrofahrzeuge, auf denen normalerweise Material zu den Fliegern geschafft wurde. Noch im Fallen zog er seine Hundertwasser aus dem Holster am Oberschenkel. 9. Noch bevor er hinter dem Fahrzeug verschwand, feuerte er eine Salve auf den Wachmann ab. Die Hundertwasser ruckelte kurz auf und der Wachmann mit dem Gewehr wurde von einer Handvoll Flechette-Geschossen getroffen. Sie zerfetzten seinen Oberkörper. 8. Kurz aufgeblickt, dann schnell weiter. 7. Die Waffe jetzt im Anschlag. Dort war die vordere Hangaröffnung. 6. Mit seinen langen, starken Beinen holte er weit aus, lief ganz an der Seitenwand des Hangars entlang. 5. Auf dem Rollfeld wirbelten Staub und Papierblätter auf. 4. 3. Zwei Rücken tauchten auf. Die Wachmänner schossen in die Dunkelheit. Er rotzte den Rest seines Magazins in die Soldaten. 2. Er warf sich hin. 1. Hände in den Nacken. Augen zu. 0. Der Blitz drang ihm trotz der geschlossenen Augen bis ins Hirn. Er widerstand dem Reflex, jetzt aufzuspringen, denn kurz nach dem Licht kam die Druckwelle und der Hammer des Lärms.

Er lag noch immer da. Unverletzt. Dann sprang er auf, schob ein neues Magazin in die Hundertwasser und lief, jetzt etwas langsamer, ins Freie.

Der Kopter setzte gerade zur Landung an.
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Macht

Torquemada rutschte unruhig auf seinem Thron hin und her. Von allen Seiten kamen schlechte Nachrichten aus dem Reich: Hier fehlten Facharbeiter und Ingenieuere, dort war Titti Klatschis Leben im Dschungelcamp bedroht. Ständig trampelten Boten in seinen roten Saal. Börsencrash! Tote Eisbärbabies!

Torquemada wedelte mit den Händen, als wolle er Fliegen verscheuchen.

So viele Probleme! Das hatte er sich anders vorgestellt, als er die Weltherrschaft übernahm!
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Die Situation

Wir saßen im Garten, die Liebste, J. und ich. J. hatte köstlichen Blätterteigkuchen gebacken. Wir aßen und überlegten, wie es weiter gehen solle. Die Liebste hatte an Engagement in New York und ich sollte mich bei der Armee zum Einsatz in Ägypten melden. Wir schwiegen ratlos.

Die Sonne schien, der Kuchen schwand dahin.
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Pornoguckers Heimweg

Da gehst Du dahin, Pornogucker! Gehst gar nicht wie Deine Väter, die sich einst mit hochgeschlagenen Mantelkrägen Atemwolken vors Gesicht pusteten. Du gehst selbstbewusst und forsch über den Gehweg. Ein bisschen zu forsch allerdings. Federnder Tritt.

Was hast Du da in der Hand, Pornogucker? Eine Videokamera? Mitschnitt für daheim?

Deswegen hast Du es also zu eilig!
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Aussichten

Sie war schön, sie war blond und sie war irgendwie berühmt - und sie zog die linke Augenbraue hoch.

Ein Kleriker! Was sollte sie jetzt mit einem Kleriker? Der junge Mann vor ihr trug die schlichte Rüstung eines Novizen, an seiner Seite ein leichtes Schwert. Nur das Ankh-Symbol auf seiner Brust war aus Gold.

"Nun," sprach sie leise "warum hat man Dich zu mir geschickt?"

Der Mönch sah ihr in die Augen und sie blickte in einen Schlund. Schattenarme umwirbelten ihren Geist, ein Dämon, ein lästerlicher Fluch.

Gowannhinn zuckte zurück. Sie seufzte. Das konnte ja heiter werden!
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Geschäfte

Hagebutte ergaunerte sich sein Geld mit gefälschten Göring-Zitaten. Im Moment saß er in der Küche auf der Bank und versucht, mir eine Art Kindergedicht anzudrehen:

Erbsenkönig, Erbsenkönig,
pupst so viel und isst so wenig.

Ich tippe mir laut an die Stirn und goss weiter Kaffee auf.
Hagebutte stand auf und ging auf den Balkon. Eine Rauchen.


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Visier

Das Verhängnis steckt im Lauf. Ich nehme die Waffe hoch. Es ist so einfach. Das Zielen geht schnell, das Auge stellt sich scharf und fast automatisch bringen die Arme Kimme, Korn und das Ziel in Einklang. Der grüne Lack des Gewehres erinnert einen an einen Spielzeuglaster, daheim in der Kiste. Der Geruch des Waffenöls steigt in die Nase. Den Abzug reisst man nicht durch, man zieht ihn. Kraftvoll, aber ohne Gewalt. Dann macht es "Rammpamm". Natürlich sehr laut. Die Waffe rappelt im Arm und drückt sich in die Schulter. Anders kann man es nicht beschreiben.
Kaum Rauch. Das Ziel liegt jetzt im Gras.
Es ist so einfach.
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Safari

Der Stern am Horizont ist aus Neon. Wir setzen die Zähler zurück auf Null und warten ab. Die Maschine zieht leicht an. Die grüne Landschaft draussen sieht so friedlich aus, doch wir sind in den Außenbereichen. Wild ist hier die Welt, die Natur ungezähmt. Doch in der Maschine sind wir sicher. Uns kann nichts passieren. Die Maschine ist gepanzert, hat Waffen. Ausserdem beschützen uns unsere Bots.
Wir nehmen die Schneisen, welche die Patroullien in den Boden gefahren haben. Nicht mehr auffallen als nötig.
Ich gehe nach hinten, zur Toilette. Als ich fertig bin, sehe ich noch durch ein Bullauge am Heck. Die Stadt liegt hinter uns. Sie wird unmerklich kleiner. Immer kleiner.
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Wünsche

Gerne würde ich mein Gehirn auswringen können. Den ganzen Mist rausdrücken, das Gelaber, das Geschrei. In einen alten Putzeimer. Dann ab in die Waschmaschine mit dem grauen Ding.
Aber bitte nur 40 Grad.
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Der kleine Mann

Die Klappe im Asphalt geht auf. Der Mann ohne Gesicht kam aus dem Loch gekrochen und er ging von Mensch zu Mensch. Er nahm den Leuten die Worte aus dem Mund. Sie sagten danach nur noch "Bababababa" oder garnichts. Das war gut.
Der Mann ohne Gesicht nahm all die Worte mit in seine Welt unterhalb der Welt. Er ging auf der Rückseite der Straße, wanderte zum eisernen Hammer. Über Kabel und Röhren sprang er leicht, die U-Bahntunnel mied er.
In der Ebene am Ende der Welt ließ er die Kleinen frei. Sie tollten im Staub herum.
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Wir sind nicht auf der Flucht

Ich will doch nur meine Arbeit machen! Jeder von uns hat doch seine Aufgabe, sein Päckchen zu tragen.
Aber immer, wenn ich durch die Gänge meiner Behörde laufe, hockt sie irgendwo im Schatten, versteckt sich in einem leeren Büro, steht hinter eine Tür. Gerade, wenn ich am Kopierer stehe, springt sie mich an, die Freiheit. Diese Freiheit! Kann die nicht mal ruhig bleiben? Immer muss sie stören! Ich habe doch schon genug zu tun!
Hoffentlich hat das bald ein Ende!
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Hoffnung

Lange kann es jetzt nicht mehr dauern. Ich kann es kaum erwarten. Am Horizont wird es langsam hell.
Die ganze Nacht hat der Schatten auf meiner Schulter gehockt und mir böse Dinge eingeflüstert. Still und starr habe ich gelegen und gelauscht. Es knackte, es knarrte. Ständige Angst. War das ein Türenklappen? War da etwa jemand? Kalter Schweiss auf der Stirn, der Mund trocknete aus. Der Alp setzte sich auf meine Brust.
Doch jetzt kommt der lichte Tag. Endlich kommt die Sonne und vertreibt die Nacht.
Endlich.
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Morgenduft

Ich bin selten im Tageslicht unterwegs. Jetzt geht die Sonne auf. Sehr hübsch. Ich sitze in der Bahn und sehe hinaus. Die Nacht steckt mir noch in den Knochen, aber das macht mir nichts. Ich brauche ja keinen Schlaf.
Die Menschen hier sind warm und sehen so rosig aus.
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Nachgegeben

Heiner Kahput lief den Grünstreifen entlang und versuchte, die leere Bierflasche in den Manteltaschen verschwinden zu lassen. Gleich würde sein alter Herr mit dem Auto neben ihm halten und ihn abholen. Verdammt! Es war erst zehn Uhr morgens! Heiner hatte irgendwie an diesem Stand gestanden und dann hatte es Bier gegeben. Alles ging ziemlich schnell und nun war er wieder fast voll. Heiner schämte sich - obwohl er sich auch leicht und beschwingt fühlte. Die Flasche passte nicht in die Taschen hinein und so ließ er sie ins Gras fallen. Wenn nur der Vater nichts bemerkte! Ärger stieg ihn ihm hoch. Ärger über sich selbst, über den alten Herrn und über die Frau in dem Kiosk eben. Sechs Euro Zwanzig für eine Flasche Mineralwasser!
Heiner blieb aprupt stehen und sah sich um. Die kleine Straße mit den Marktständen sah so verlockend aus. Er zuckte mit den Schultern und machte sich auf den Weg.
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Klassen

Wir zogen die Vorhänge vor, denn draussen war der Pöbel. Schmutzig und dumm standen sie da, die Mäuler schlaff geöffnet. Der Pöbel!
Die Limousine fuhr langsam an. Gleich würden die Gardisten kommen und die Leute wieder an die Arbeit treiben. Diese Unterschichtler brauchten einfach eine harte Hand, eine kurze Leine! Sonst hängen die doch nur herum, Saufen und stopfen Chips in ihre Münder. Ohne Zahl ist ihr Nachwuchs, schlecht von Geist und Blut.
Es hatte viele Jahrzehnte gebraucht, bis wir die Wahrheit erkannt hatten und man den Proleten endlich den Zugang zu den Eliteuniversitäten verbot. Was muss ein Prolet schon können? Etwas Lesen, etwas Schreiben und Rechnen bis ungefähr hundert - das reicht!
Auch begann man, in der Schule das gute vom schlechten Blute zu trennen. Auch kürzte die Regierung den Unterschichtlern ihre Alimente. Da kam das ganze Elend zutage.
Ich kann Euch nur sagen: Die Prekarier sind so! Faul, dumm und ungezogen.
Es hängt eben doch nur davon ab, ob man aus einem guten Stall kommt!
Die Limousine fuhr den breiten Weg zur Villa hinauf. Die Wachmänner schulterten die Gewehre.
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Fundamentalkritik

Wir drängelten uns in die Landungsboote wie schwarze Ameisen. Die Rüstungen glänzten matt, die Waffen trugen wir eng an den Körper gepresst. Unsere Implantate pumpten den Blutkreislauf voll mit Drogen. Wir schwebten auf einem Kissen aus Adrenalin runter zur Oberfläche. Es war, als würde das Landungsboot uns auskotzen. Wir stürmten vor und wurden sofort eingewiesen. Dann begann der Sturm auf die Stadt. Das Abwehrfeuer war gering, wir rannten einfach hindurch. Wir feuerten im Laufen und sangen unsere Lieder. Wir brachten den Bürgern dieser Stadt Gnade. Die Gnade Gottes.
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Wir waren jung

Wir waren unruhig. Würde die Polizei bald kommen? Die Party dauerte nun schon drei lange Wochen und jetzt hatte Heini den Rockerkönig angeschossen. Der Rocker lag jetzt sterbend auf dem Wohnzimmertisch. Wir räumten eilig auf. Wenn nur die Eltern nichts merkten!
Irgendwann ging ich nach draussen, um dort nach dem rechten zu schauen. Ich traf das Brunnenmädchen und sie umgarnte mich mit ihrem sanften Wesen. Schlank war sie, mit rabenschwarzem Haar und dunklen Augen, tief wie die Seen des Mondes. Sie bot mir an, Wasser zu suchen. Mit dem Bohren des Brunnens würde das alles nicht mehr als vier Euro kosten.
Wir fingen an, doch die Bagger kamen und zuvor und stapelten Betonklötze im Garten. Ich ging wieder hinein, gefolgt vom Brunnenmädchen.
Der Rockerkönig lag jetzt auf dem Sofa und konnte sich schon wieder unterhalten.
Die Polizei kam dann doch nicht.
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Was man so alles im Garten findet

Die Nachbarsjungen ließen Papierflieger zu uns rübersegeln. Ich sammelte sie auf und warf sie zurück. Später dann Fussball. Dann fanden wir die Baugrube. Sie war nicht groß, aber tief. An ihrem Grund sahen wir Mauern und Möbel. Wir gingen und rutschten hinunter - und staunten nicht schlecht: Eine Küche im Stil der 50er Jahre war hier unten. Sogar eine dieser seltenen Sofa-Herd-Kombinationen stand hier herum! Ein altes Radio, Schränke - alles da!
Durch Milchglasscheiben konnte man sehen, dass es noch weitere Räume gab. Wer hatte diese unterirdische Wohnung vor Jahrzehnten angelegt? Warum? Geheimversteck? Angst vor dem Weltkrieg?
Plötzlich fing ein Schrank an, herumzuwanden. Panisch kletterten wir wieder nach oben, ins Sonnenlicht.
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Schlacht

Wie lange dauerte das schon? Zwei, drei Stunden? Die Sonne brannte auf die Ebene, Staub und Schweiss waren überall. Und sie waren so viele. Immer mehr, schien es, strömten auf uns ein. Meine Linie hielt sich noch ganz gut, andere konnten kaum noch aufgefüllt werden. Ab und an konnten wir nach hinten, etwas Luft holen. Irgend jemand gab mir einen Becker Wasser. Ich hatte ihn kaum gelernt, da schlug mir der Feldwebel auf die Schulter. Ab nach vorn! Dort eingereiht. Linker Mann, rechter Mann. Auf dem Staub vor uns kommen die ersten Gestalten. Wie Maschinen arbeiten wir, wie gut geölte Maschinen. Der jahrelange Drill zahlt sich aus. Immer die selben Bewegungen. Schild, Schwert. Schnell muss man sein. Heisses Blut spritzt auf meinen rechten Arm. Es ist nicht meins. Wieder sinkt einer von denen zu Boden. Doch es sind so viele. So viele. Es kommen immer mehr und ich bin schn so müde. Ich mache einen Fehler und beinahe hätte mich ein Feind aufgespiesst, doch ein Kamerad schlägt ihm die Waffe aus der Hand. Ich zittere überall.
Dann höre ich etwas. Posaunen? Die nächste Welle des Feindes bleibt aus. Zeit, den Hals zu recken. Alle reckten die Hälse. Dann sehen wir die Banner auf den Hügel. Die grüne Legion! Die müssen ein Portal direkt an der Flanke des feindlichen Heeres geöffnet haben und nun kommen schon die ersten grün-goldenen Krieger herab. Die Feinde lassen in ihrer Verwirrung die Waffen fallen und fliehen. Wir heben die unseren und rufen laut: "Die grüne Legion! Die grüne Legion!"
Die Schlacht geht zu Ende.
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Sofa mit Kohlenhydraten

Wir gruben und gruben, wühlten uns durch das tausendjährige Erdreich. "Nicht nachlassen! Wir müssen jetzt hart Durchgreifen!" spornten wir uns gegenseitig an. Weiter, tiefer. Schwing die Schüppe, schlag zu mit der Spitzhacke! Gemeinsam ans Werk, immer mehr und tiefer und weiter!
Die Erdschichten zogen an uns vorbei, Kreide, Jura, BWL.
Irgendwann fanden wir dann die bildungsfernen Schichten. Sie lagen da, fettig glänzend. Ab und an ein Lallen, Rülpsen, ein unverschämter Furz.
Wir waren am Ziel.
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Schieri, wir wissen wo Dein Auto steht!

Herr Fettbemm rutschte auf seinem Barhocker hin und her. Er versuchte, seine Boxershorts unaufällig so über seinen Schoß zu legen, dass es aussah, als wäre er angezogen. Die kleine Blonde, die durch die Durchreiche mit ihm sprach, schien noch nichts bemerkt zu haben. Sie gab ihm eine Postkarte, aber weigerte sich, sie auszufüllen. Er wollte jetzt kein Spiel pfeifen! Zuvor hatte er mit seinem Freund Schwalleimer am schwarzen Brett umständliche Spielpläne durchgeguckt. Die Pläne gingen bis ins Jahr 2031.
Die kleine Blonde nahm die Postkarte zurück und Herr Fettbemm zog noch ein bisschen an seinen Shorts.
Plötzlich flog die Tür auf und ein paar grobe Kerle kamen herein. Sie redeten laut und gestenreich auf die kleine blonde Frau und Herrn Fettbemm ein. Das Spiel würde gleich beginnen und er solle jetzt mitkommen, meinten sie.
Herrn Fettbemm brach der Schweiß aus.
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Wölfe

Hans, der Bär, hob langsam den Kopf und spähte über die Kuppe des Hügels. Er strengte seine Augen an, um die Reiter dort unten besser erkennen zu können. Es waren Wolfskrieger, sicher. Aber welcher Clan? Warum waren sie so weit im Süden?
Solange er nicht genau wusste, welchem Rudel die Wölfe angehörten, war es zu gefährlich, sich ihnen zu zeigen. Wolfskrieger waren wild und konnten sogar ihm Schwierigkeiten bereiten. Er robbte vorsichtig zurück. Sie mussten warten, bis die Reiter näher herangekommen waren. Hans sah Indri an und sie blickte zurück aus ihren großen, meergrünen Augen. "Wir warten hier!" flüsterte Hans. Indri nickte.
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Jugendstrafe

Die Burschen trugen Kapuzenjacken im militärischen Stil, das Mädel hatte kurze, blondierte Haare und eine scharf gezeichnete Nase. Sie trug eine seltsame, schwarze Schlabberhose.
Alle drei ware seltsam hibbelig. Sie hatte zuviel Cola und Kaffee getrunken und den Erwachsenen beim Rauchen zugesehen. Sie hoppelten in der S-Bahn herum, das Mädel ließ den Hormonspiegel ihrer Begleiter auf hohem Niveau.
Im Schlenk stiegen sie aus. Dort wurden sie von einer Militärpatroullie angehalten. Die Jungs kamen in ein Ausbildungslager für die Front in Aghanistan und das Mädchen in ein Erziehungsheim für Hauswirtschaftsgehilfinnen. Sie wurde fortan "Fräulein" gerufen.
Die anderen Fahrgäste, allesamt Rentner, lehnten sich zufrieden zurück.
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Große Scheiben

Die Kinder laufen hin und her, Mützen mit flachem Deckel auf den Köpfchen. Sie spielen Schokoladenwettessen. Die Häuser in der Straße sind klein, der Kanal liegt ruhig da. Durch das große Fenster sehen wir den Booten zu. Es gibt Tee. Die Kinder lachen. Trotz allem spüre ich das Alter der Stadt in den Knochen.
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Fernsehen

Der Mensch öffnet sein Maul und Unrat fällt zu Boden. Sie haben wieder irgendwelche Leute in den Dschungel geschickt. Dort hocken sie nun und wischen sich den Hintern mit Blättern ab. So erzählt der Mensch. Diese Leute im Busch kennt keiner. Aber das ist egal. Es geht darum, dass sie sich demütigen, um wieder oben in der Aufmerksamkeitsgülle zu Schwimmen. Dafür würden sie alles tun, bis hin zur öffentlichen Darmspiegelung. Dem Menschen ist so etwas sehr wichtig. Er lacht diese Leute aus und erhöht sich damit. Er verachtete diese Leute und gleichzeitig betet er sie an als wären sie Ikonen.
Hoffentlich macht der Mensch seinen Mund bald wieder zu. Es stinkt.
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Ich bin legendär! (Falsch übersetzt)

"Du musst Dich zusammenreissen!" sprach Wilhelm laut zu sich selbst und schloß die Fensterläden. "Wilhelm Schmidt! Du bist der letzte Posten der Zivilisation! Reiss Dich gefälligst zusammen!"
Wilhelm versiegelte den letzten Fensterladen mit einem dicken Vorhängeschloß. Die Nacht konnte kommen. Er nahm das Sturmgewehr auf und lauschte. Noch nichts. Kein Geräusch.
Wilhelm Schmidt war der letzte lebendige Mensch auf dieser Welt. Er war der einzige, der dieser Seuche widerstanden. Alle anderen waren tot, gestorben am Fieber.
Wilhelm schüttelte den Kopf. Nein, nicht alle waren tot! Einige waren ... anders geworden.
Er schulterte das Gewehr und ging noch einmal durch das Haus und überprüfte alle Türen und Fenster. Dann ging er ins Wohnzimmer. Er seufzte und ließ sich in den großen Ohrensessel sinken. Das Gewehr legte er quer über die Beine. Eine weitere, endlos lange Nacht erwartete ihn.
Bald würden sie kommen. Sie, die anderen Überlebenden der Seuche. Das Fieber hatte sie verwandelt in etwas, dass kein Mensch mehr war. Sie waren jetzt knuddelige Pelztiere geworden, die sich in das Bett des letzten Menschen schleichen wollten, um mit ihm zu Kuscheln. Aber sie sollten es ruhig versuchen! Wilhelm Schmidt lud das Gewehr durch und überließ sich seinen dunklen Gedanken.
Scheiss Allergie!
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Eis!

Winterszeit. Eisblumen am Dachfenster.
Hans Hörbinger saß wieder einmal an der Amateurfunkstation, die er von seinem Schwager geerbt hatte. Wieder saß er dort und horchte nach der Welt da draussen. Eine merkwürdige Unruhe quälte Hörbinger des Tages, ein Wahn ergriff ihn in der Nacht. Dann hockte er hier oben und modulierte die Frequenz. Oder die Amplitude. Von diesem Funkerquatsch verstand er nichts. Er war eher der geistige Mensch.
Hans wurde wach. Er musste am Gerät eingeschlafen sein. Bis auf ein weisses Rauschen war es leise. Dann sagte eine Stimme: "Blimp!" Der alte Mann war sofort hellwach. Er drehte lauter, neigte sich dem Lautsprecher zu. "Blimp!" sagte die Stimme aus dem Äther noch einmal und dann "Puppenwurst" und "Paradieswurst". Hörbinger brach der Schweiss aus. Er hatte Kontakt! Sollte er antworten? Aber wie? War ein Austausch erwünscht? Oder reichte eine gedachte Antwort von ihm?
Die Stimme aus dem Äther nahm ihm diese Frage ab. Sie wurde leiser, aber auch klarer und ihm war, als würde ein Mann von der anderen Seite der Gruft zu ihm sprechen: "Es stürzt Eis in die Sonnen dieser Welt!"
Hans Hörbinger wurde von einem aufmerksamen Nachbarn im Schnee liegend gefunden. Sonst wäre er wahrscheinlich erforen.
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Plädoyer für eine Abschaffung der BILD-Zeitung (aus ästhetischer Sicht)

Brilliante Topnews: Arsch heiratet Nase! Geheime Liebesheirat in den Katakomben von Paris! Rattenkönig bestätigt: "Ab jetzt wird gefiedelt!"
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Theater des Lebens

Das Theater war voller Leben. Es stieg bis an die hohen Decken, von wo es als rote Stoffbahnen wieder zu uns zurückfloss. Von dort oben kam auch die Rabenfrau herab. Dunkel und schön. Schwarze Augen sehen mich durch die Maske an. "Krah! Krah!" macht sie und tanzt davon. Ein Untier aus Umhängen fällt mir auf. Es ist schwarz und rot und winkt mit seinen Krallen. Sein Schnabel ist mit Zähnen bewehrt. Doch ich fürchte mich nicht - ich habe ja eine Eintrittskarte.
Der Holzboden der Bühne unter mir knarrt, während ich mich auf den Weg ins Foyer mache.
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Der dicke Häwelmann

Mein Bett fuhr durch die Nacht. Im Mondschein passierten wir einen alten Mann. Er trug Lumpen und sein Haar stand wirr. "Habt Acht!" rief der Mann und sein Zeigefinger stieß in die Luft "Es stürzt Eis in die Sonnen dieser Welt!"
Mir schaudert und ich wickele mich fester in meine Decke. Weiter will ich fahren! Weiter!
Mein Bett rollt durch die Stadt. Die Straßen liegen still. Die Kinder haben sich alle totgeböllert. Weiter!
Die Welt wird ein Acker, bunt und schrill. Tiergesichter sehen mich an, bunt lackiertes Blech.
Weiter! Weiter!
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Hygiene am Arbeitsplatz

Der Kollege und ich standen vor der Teeküche. Ein Schimmelwald hatte sich dort gebildet. Aus dem Abfluss kommend, hatte er seine Arme über das Spülbecken über den Wasserboiler und der Kaffeemaschine bis in die Schränke mit dem Geschirr ausgebreitet. Lange, haarige Pilzgewächse wiegten sich sanft im Bürowind. Zwischen ihnen grasten kleine, grüne Tierchen. Rote Tierchen machten Jagd auf sie und eine Kultur blauer Männlein hatte sich in Wipfeln der Schimmelbäume angesiedelt. Braune, gedrungene Männlein bauten Burgen auf den schleimigen Hügeln. Sie führten Kriege gegeneinander, belagerten und verbrannten die Festung des jeweils anderen Stammes.
Es war ein Bild des Lebens, des Gebären und des Sterbens. Bei aller Gewalt war es doch friedlich und klein.
"Tja," sagte ich zum Kollegen und wies auf dieses wimmelnde Bild "und dies hier ist der Amtsschimmel!"
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Verbrechen aus Leidenschaft

Das Unwetter brach über die Welt herein. Der große Saal unter dem Dach der Schule begann zu wackeln. Regen prasselte an die Scheiben. Die junge, hübsche Lehrerin war kaum zu verstehen und ich zog meine Jacke über den Kopf. Es regnete nämlich durch. Ganz oben im Gebälk drängten sich die Tauben ängstlich aneinander.
Als der Sturm vorbei war, gingen wir geschlossen nach unten, um uns gemeinsam über das Wetter aufzuregen. Auf dem Schulhof traten wir in schöner, ordentlicher Formation an. Die Diensthabenden trugen Kartons mit Käse- und Wurstbrötchen heran.
Später dann schlich ich zu den geheimen Schokoladendepots am Spielplatz und stahl große Mengen weisser Toblerone.
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Reisebus

Schön die Frau, adrett die weisse Mütze. So sitzt sie im Bus zu den äusseren Planetenringen. Um sie herum nur Bleiwerker auf dem Weg zu ihren Minen auf Pluto. Gegenüber noch ein großer Alien. Seine Spezies hatte sich um das eigene Geschlechtsorgan entwickelt und nun verströmte der Fremde reine Anzüglichkeit.
Die Dame legte ein schönes Bein auf das andere. Draussen zog der Asteroidengürtel vorbei. Eine Stewardess tänzelte mit einem Tablett durch den Bus und bot den Reisenden lose Zigaretten an.
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Eine Reise hinter den Wald

Der Narrenwagen rumpelte die ungepflasterte Straße entlang. Staubwolken wirbelten um uns. Es war eng auf dem offenen Wagen. Die komischen Leute auf dem Wagen redeten die ganze Zeit über ihren komischen Kommunismus und die weltweite Revolution. Einer machte Faxen mit einem goldenen Revolutionsrubel und erntete besorgte Blicke von seinen Mitnarren. Die Geheimpolizei schauebelte hier doch überall herum!
Ich reckte derweil meinen Kopf, um einen Blick auf Schwertkämpferinnen zu erhaschen. Eine von denen war nämlich äusserst hübsch und zart. Ich hatte sie schon bei der Musterung gesehen und ihr Lächeln und diese wundervollen Augen hatten mein Denken und Sehnen seitdem nicht verlassen. Doch längst waren die Panzerreiter mit ihren schwarz-weissen Plasterüstungen zwischen uns. Wie eine friedliche Expedition sah das hier nicht aus. Die Narren plapperten weiter.
Irgendwann kamen wir in den dunklen Wald, der die beiden Länder voneinander trennte. Mächtig und groß waren die Bäume, zwischen ihren Stämmen steckte Schwärze. Das Heer zog weiter in die Dunkelheit. Als nach Stunden leuchtende Kugeln im Dach des Waldes auftauchten, wusste ich irgendwo her, dass das hier eine Falle war. Ohne einen Moment zu zögern, erhob ich mich in die Luft und schwebte zwischen den knorrigen Ästen nach oben. Ja, ich kann fliegen. Zumindest ein bisschen. Zu irgend etwas muss der ganze Dämonenquatsch ja gut sein!
Die Narren bemerkten mein Verschwinden nicht.
Ich sah die leuchtenden Kugeln still im Walde schweben und flog vorsichtig an ihnen vorbei. Am Boden ertönte Waffenklirren und Geschrei. Ich flog schneller. Hoffentlich überlebte die kleine Schwertkämpfern!
Bei Tagesanbruch erreichte ich die Grenzen des kleinen Landes, landete und schlich in die Stadt. Merkwürdig ging es hier zu. Die Menschen waren ängstlich und folgsam, die Führungsschicht - Generäle in braunen Uniformen - ließen sich Klonen und ihre Abziehbilder wanderten durch die Straßen. Die Bürger waren jedes Mal begeistert, wenn sie einen der Klone sahen. Niemand schien mich zu bemerken. Was tun? Eigentlich wollte ich nur weg. Ein Maronenstand bot seine Waren an und zwischen dem braunen Papier erblickte ich eine junge Frau in zerschlissenem, schmutzigen Kimono - meine kleine Schwertkämpferin. Ich nahme sie bei der Hand und zog sie in eine Seitengasse. Sie schaute wie ein Reh, voller Angst und doch mit edlem Mut. "Ich kann fliegen!" gestand ich ihr "Ich bringe uns hier raus!"
Kurz darauf hoben wir ab, Händchen haltend wie kleine Kinder. Langsam ließen wir die Stadt hinter uns. "Habe Vertrauen! Freude muss Dich durchströmen!" feuerte ich meine Begleiterin an. Denn ohne Begeisterung ihrerseits hätten wir nie zusammen fliegen können. Die Luft war herrlich, die Sonne beschien die Blätter des dunklen Waldes. Wie ein Schatz lag die Welt uns zu Füssen.
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Riesenhunger

Im Gleisbett knirscht es. Der Riese dieser Welt kaut. Er kaut an der Zeit. Alles ist so ungeölt, alles rau. Das Glas der Fassaden wird zerkratzt. Seidenmäntel fühlen sich an wie Schmiergelpapier. Der Riese dieser Welt kaut und kaut. Eine Staubwolke legt sich über uns.
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Hoffnungsträger?

Morgens, ganz früh. Die Menschen torkeln zur Arbeit. Um 5 Uhr ist die Bahn schon voll. Auf dem Bahnsteig der U-Bahn steht eine Nachwuchsmoderatorin und streicht den Pendlern warmen Schmalz auf die Haare. Die Leute lassen es geschehen. Widerstand ist zwecklos. Hat man eine Nachwuchsmoderatorin erschlagen, kriecht sofort eine neue aus einem Müllleimer.
In der Bahn riecht es komisch.
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Winterfest

Blätter wirbeln durch die Luft. Es riecht ein bisschen nach Rauch. Die unschuldigen Kindelein stehen am Hang. Im Moorgrund ist es ruhig.
Die alte Holzmutter schläft, die Kindelein haben sie geschafft. Geschafft sind auch wir, die Leichen vom Bruch. Schön ordentlich haben wir uns gelegt, in einer Reihe, die Schwerter auf der Brust, die Hände darüber gefaltet. Ameisen leben in unserem Haar und manch ein Wurm schaut gern bei uns vorbei.
Doch nicht heute. Heute kommt der Wind und weht die Blätter vor sich her. Er deckt uns zu. Bald kommt der Winter.
Schlafen.
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Fundsache

Wieder so ein komischer Urlaub. Vor allen Dingen, nachdem wir die Leiche fanden. Die Frauen machten sich im Bad für den Abend fertig. Wir wollten ausgehen. Ich war - natürlich - schon angezogen, gestriegelt und gebürstet und wollte noch schnell meine Geldbörse aus dem Schlafzimmer holen, da fand ich den Toten. Der lag halb nackt quer über dem Bett.
Er war so tot, wie nur ein echter Toter tot sein kann. Sein Gesicht kam mir irgendwie bekannt vor. Vorsichtig fühlte ich mit dem Handrücken in der Nähe seines Knies nach der Temperatur. Er war noch nicht ganz kalt.
Was nun?
Da kam F. herein. Erst wollte ich ihn davon abhalten - wir kennen ja sein zartes Gemüt. F. sah die Leiche und machte gleich auf Panik. Die Frauen kamen dazu und kreischten rum.
Die Leiche auf dem blieb aber ganz ruhig.
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Ferne Länder

Eigentlich war es ja schön im Urlaub in diesem fremden Land. Dummerweise war die Rückreise so anstrengend:
Erst hatte ich viel zu viel Gepäck (wo hatte ich auf der Hinreise nur mein großes Playmobil-Piratenschiff hingepackt?) und dann war die Zeit zu knapp. Als alles verstaut war, viel mir auf, dass ich ja noch meinen Schlafanzug trug! Die Klamotten waren natürlich längst schon in irgendwelchen Koffern verschwunden!
Wir wussten, wir würden unseren Zug nicht kriegen. Das Internet spuckte widersprüchliche Angaben zu alternativen Verbindungen aus. Mit dem Schiff sollten wir fahren, dann in Solingen umsteigen. Galt unsere Fahrkarte auch für Schiffe?
Das fremde Land hieß Wuppertal.
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S-Bahn-Traum

Mein alter Freund D. und ich schritten über den Bahndamm. Wir hatten es irgendwie eilig, zur S-Bahn zu kommen. Da D. nicht gut sehen konnte, führte ich ihn. "Klackklack" machten unsere Schuhe auf den Metalltreppen hoch zur Überführung. Dort oben trafen wir zwei dicke Wanderfrauen. Sie trugen absurd kleine Rucksäcke und eine von ihnen war nicht so recht zurecht. Schon bevor wir auf der anderen Seite waren, kotzte sie die ganze Brücke voll. Wir ekelten uns an ihr vorbei, ohne schmutzig zu werden. Die feuchte Aussprache der Frauen machte uns Angst, denn der Wind in den Weiden flüsterte: "Noro! Die hat den Noro!" Ich bekam nervösen Durchfall.
Glücklich kamen wir bei der S-Bahn an. Im Haus des S-Bahn-Vorstehers war ein Konzert geplant. Meine Aufgabe bestand in der ordnungsgemäßen Abnahme der Reservebratwurstbestände. D. und ich nahmen uns Bier und freuten uns auf den Abend. Ray Skin and the Zombies sollten auftreten.
Sie stellten Ihr neues Album vor: "Meine Haut hängt in Fetzen"
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Maskottchen!

Der Deutsche Dermatologenkongress gönnt sich ein Maskottchen: "Säuri - der Säureschutzmantel der Haut". Säuri begrüsst die Gäste und soll vor allen Dingen den Kindern den Schutz der Haut nahebringen. Das Motto für den diesjährigen Kongress lautet: "Einmal in der Woche reicht!"
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Nachtspuk unterm Bett

Eine Nacht, ein Bett, ein Fuß. Er gleitet unter der Decke hervor, tastet bis zum Boden. Der Besitzer träumt weiter seinen unruhigen Traum.
In der Düsternis unter dem Bett bewegt sich etwas. In zitternden Wogen nähert es sich dem unachtsamen Fuß.
Es sind die kleinen Wollmäuse. Sie schweben heran - vorsichtig, neugierig. Es herrscht wohl keine Gefahr. Zärtlich umschmeicheln sie den Fuß. Sie mögen ihn, auch wenn sein Nachtschweiss merkwürdig riecht und die Mäuschen verklebt.
Immer mehr Wollmäuse kommen aus den Reichen unter dem Bett, versammeln sich um ihren Fuß. Sie beten ihren Götzen an, berühren ihn.
Der Besitzer träumt derweil von Schafen.
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Gründelheim

Ganz tief im Schlamm gründeln wir. Weich und kalt. Tango im Fango.
Dann steigen wir langsam zur Oberfläche. Buckelaugen sehen Dich an.
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Rock und Roll

Hey, behängen wir uns mit Lampingnons und putzen wir Champingnons! Dazu hören wir flotte Rockmusik. Der Grunge hat sich ja die Rübe weggepustet. Also lieber Rock 'N Roll! Rock 'N Roll ist gesund - Rock 'N Roller leben länger! Sieh Dir nur die Harley-Opas auf den Landstraßen an!
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Das seltsame Telefon

"Frau Mackenroth-Halbkötter! Zum Diktat!"
Der Befehl des Alten quakte aus dem Sprechapparat. Die junge Sabine Mackenroth-Halbkötter seufzte, nahm ihren Stenoblock und wackelte in das Chefbüro.
Dort erwartete sie schon der irre, gehetzte Blick von Herrn Scheim, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Firma, deren Namen jeder immer gleich vergaß.
"Da sind sie ja endlich!" keifte Herr Scheim und Sabine setzte sich flugs auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. Sie legte das rechte Bein über das linke und den Stenoblock oben drauf.
Herr Scheim stand am Fenster.
"Sehr geehrter Herr Pullmann ..." begann der Alte mit dem Diktat, sein Blick beruhigte sich und blieb Sabines Brust hängen. Sein Mund brabbelte irgend welchen Quatsch und Sabine stenografierte automatisch mit. Sie sah gar nicht, wie des stellvertretenden Geschäftsführers Mund wässrig wurde, sie hörte gar nicht, wie seine Rede lauter und schneller wurde.
Ein Tröpflein Spucke flog in hohem Bogen von Herrn Scheims Mund durch das Büro, über den Schreibtisch hinweg auf den rechten Oberschenkel von Sabine.
Sabine stockte, Herr Scheim schwieg. Sie starrte angekelt auf die Spucke, die völlig ungeniert auf ihrem Bein saß.
Der stellvertretende Geschäftsführer strich verlegen mit der linken Hand über das alte Telefon.
So ging es zu in der Firma, deren Namen jeder immer gleich vergaß.

Das seltsame Telefon
Dieses Symbolbild zeigt einen dem in der Geschichte ähnlichen Telefonapparat. Er hat aber nichts mit den Geschehnissen zu tun.
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Über den Wassern

Ich schwebe im dunklen Wasser. Luftbläschen kullern an mir hoch. Unter mir der riesige Mantarochen. Unendlich schwarz ist er von oben. Die Majestät der Meere. Ich bin ganz ruhig, ganz still. Schwebe regungslos im Meer wie eine Medusa. Oder Plankton.

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Wir richten uns häuslich ein

Der Westflügel des Palais stand schon lange leer, gesperrt von der Baupolizei. "Schäden wie 45!" stand auf den Schildern drum herum. Da kamen wir gerade richtig. Wir kauften den Gebäudeteil und beauftragten ein gutes Architekturbüro. Geld war ja kein Problem.

Für den unteren Bereich hatten wir so etwas wie einen Begegnungsraum vorstellt. Mit einem kleinen Museum, einer Bibliothek und Einkaufsmöglichkeiten. Weiter oben dann unsere Räume. Streng abgeschirmt, schon alleine wegen der Sicherheit.

Es lief eigentlich ganz gut für uns. Auch der Papst hatte bestätigt, dass wir Fremden eine Seele hätten.

Da konnte ja nichts mehr schief gehen.

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Nachtkalt

Grausman beißt die Kälte mir in das Gebein. In der Dunkelheit macht irgend etwas "Plitsch". Sonst hört man nichts. Ich fühle Mutter Erde Schlafen. Alles liegt im Winterschlaf. Es wäre schön, wäre es nicht so frostig.

Ich würde mich gerne umdrehen, aber mein Sarg ist so eng.

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Flucht

Ich rannte durch die Gasse, einen Teufel im Nacken. Nicht Ausrutschen! Bei Gott! Nicht Ausrutschen! Der Teufel schwingt eine Spitzhacke und hämmert ohne Gnade auf meinen Schädelknochen. Es ist der Teufel der alten Zeit. Er will an mein Gehirn, die harte Schale stört ihn dabei. Ich renne und renne. Wenn ich doch bloß nicht Ausrutsche!

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Madenfest

Da war diese Stelle an meinem Zeigefinger. Ein Riss, ein schmerzhafter Riss. Ständig ein bisschen blutig. Seit dem Niedergang waren schon ein paar Tage vergangen, aber der Riss war noch immer da. Genau an der Stelle, wo sich die Haut beim Greifen krümmt.

Fliegen kamen und saugten an der kleinen Wunde. Sie kitzelten mich. Zum Dank für mein Blut ließen sie ihren Segen zurück. Mir ist so lebendig.


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Kurztrip

Jetzt saßen wir hier in dieser englischen Kneipe und tranken Ale. Der langhaarige Peter hatte sich extra einen Bausatz für ein 3D-Bild gekauft und klebte jetzt die Folien auf den Hintergrund. Stefan half ihm beim Ausschneiden.
Ich bekam noch ein Bier.
Die Frauen waren schon auf dem Hinweg ausgestiegen und nahmen am Marathon teil, der über die deutschen Deiche ging. Ich selbst hatte mein rotes Shirt vergessen und bin dann mit den Jungs einfach im Zug geblieben.
Ein Tagesausflug nach England. Die Zugfahrt, die Fähre, das ganze Bier kosteten eine Menge Geld, aber wozu fährt man sonst in den Urlaub?
Die Kneipe mit ihren Bistro-Tischen und den Emaillebildern an den Wänden hätte so auch in Dortmund stehen können, nur das Bier schwappte rotgolden-dunkel auf die Bierdeckel.
Ich dachte an die Frauen. Schön und sportlich liefen sie jetzt durch die Sonnenflut. Der frische Wind käme übers Wattenmeer und zerzauste ihre langen Haare.
Stefan war mit dem Ausschneiden fertig, Peter klebte die 3D-Folie eines Autos auf sein Bild und schwatzte von einem Ausflug nach Belgien, den wir alle bald machen sollten. Das Bild sah Scheisse aus.
Irgendwo her kam noch eine Runde Bier.
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Unaufällig bleiben!

Bastet durchschritt die S-Bahn. Schön, wunderschön war sie mit dem langen, schwarzen Haar, den Glutaugen und einem Körper, für den ein Heiliger gemordet hätte. Augenbrauen und Mund waren gezeichnet wie bei einer ägyptischen Statue, ihre Haut war dunkel und glänzte im Licht der Neonröhren. Ihr Blick glitt über mich hinweg und mein Herz kam schmerzhaft aus dem Takt. Doch gleich überschwemmte mich ein Gefühl der Erleichterung: Nicht mich suchte die Schöne. Sie suchte das Nordgesicht. Nordgesicht versteckte sich im hinteren Teil der S-Bahn. Er sah nicht sehr gut aus, eingefallen und alt. Sein vormals so schönes, braunes Haar war nun durchzogen von Eis, wässrig war sein Auge. Nur noch seine Nase stand ihm willenstark im Gesicht.

Bastet glitt an mir vorbei. „Vater“ laß ich auf ihren Rücken tätowiert „Mutter“, „Krieg“ und „Dunkelheit“. Dazu Symbole des Finsteren.

Nordgesicht tat mir leid.

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Dschungelbahn

In der S-Bahn ist der Dschungel ausgebrochen. Durch die Zoolinie hüpfen wir, nackt und tätowiert. Naturkinder, die Heizung voll aufgedreht. Unsere Tatoos sind geschrieben in Sütterlin.


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Vater Winter

Der Schnee kommt und deckt alles zu. Die Filzkappen, die Bierflaschen. Den Mann mit dem lustigen T-Shirt. Der Glühwein ist kalt und die Kompakt-Anlage eingefroren. Von den Lichterketten sieht man auch nichts mehr in dem Weiß, dem ganzen Weiß.
Vater Winter kommt und breitet sein Laken aus. Das Laken ist dick - es ist eine Winterdecke. Endlich ist Ruhe und alle sind still, meterhoch türmt sich der Schnee. Zärtlich schweben die dicken Flocken zur Erde hinab, zärtlich und unaufhaltsam. Uns erreicht die frohe Kunde: Den Kröterich hat eine Lawine fortgerissen! Der hat sich seinen Winterschlaf wohl anders vorgestellt!
Mit starken Armen schieben wir den Schnee. Schaufeln Wege frei, türmen Wälle auf. Doch Vater Winter gewinnt. Wir kapitulieren und begrüßen den Sieger mit den Fähnchen, die aus unseren Mündern steigen.
Dann gehen wir rein ins Warme.
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Lepragott

Lepragott sonnte sich. Um ihn herum faulte die Welt. Auch Lepragott faulte vor sich hin, seit Urzeiten. Die Fliegen flogen zur Chorprobe. Ein Millionenchor. Schöne Musik!

Die Interviewerin rutschte hin und her. War wohl etwas nervös. Lepragott neigte leicht den Kopf, lächelte sie an. Der Stolz tat ihm gut - sie war wegen ihm hier! Nur wegen ihm! So eine schöne Frau! Diese Augen! Diese frische, weiche Haut!

"Wie war noch gleich ihre Frage?" seine Stimme war sanft.
"Äh, ja." sie fing sich langsam "Sie als Lepragott faulen nun schon seit tausend Jahren - aber verfaulen Sie auch?"
"Eine gute Frage!" antwortete er und breitete seine Arme aus "Ich bin bin die personifizierte Fäulnis! Alles, was sich auf dieser Welt zersetzt, mehrt mein Wesen. Alles reift ihn mir heran, wird fett und platzt auf. Alles gibt dem Gewimmel Nahrung."

Dann schloss er die Arme um die Reporterin und beugte sich vor, um sie zu küssen.

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Promi-Schicksal

Irgendwann tanzten sogar die Knackis zu seiner Musik. Nach dieser hässlichen Geschichte vor Gericht und dem Verkauf seines Wunderlandes zog sich Michael Jackson, der polnische Bauarbeiter, aus der Öffentlichkeit zurück und eröffnete unterhalb der großen Brücke eine Brot-Boutique.
Dort stand er nun zwischen Hefezöpfen und Paderborner Landbrot. Die Kunden kamen und gingen. Nur manchmal, wenn der Laden leer und still dalag, wenn die Brötchen leise lauschten, dann sang Michael Jackson.
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Der Höhepunkt des Jahres (Weihnachten!)

Der Pilot bekam den Befehl und schwenkte den Jet auf das Ziel ein. Das Ziel erschien vor ihm im Monitor. Ruhig lagen seine Hände auf den Kontrollen. Alles im grünen Bereich. Flugdaten rasselten seine Netzhaut herunter. Die Übertragung des TV-Bildes an die angeschlossenen Funkhäuser stand.
Die Optik der Maschine vergrößerte das Ziel, so dass der Pilot - und mit ihm die Millionen von Fernsehzuschauern vor ihren Empfangsgeräten - das Weihnachtsdorf gut erkennen konnte.
Die Bombardierung des Weihnachtsdorfes war schon seit fünf Jahren der Renner auf allen Kanälen. Die Einschaltquoten lagen bei knapp 80 Prozent. Von den 20 Prozent, die das TV-Event nicht sahen, waren 18 Prozent krank und die restlichen 2 Prozent standen und strenger Beobachtung.
Oder sie lebten im Weihnachtsdorf.
Man hatte nahmhafte Konzerne als Sponsoren gewinnen können. Der Kampfjet, sogar die Bomben waren mit Logs lackiert. Es würde wieder ein großer Spaß werden!
Der Pilot kontrollierte die Entfernung zum Ziel. Man konnte schon Details ausmachen: Die Häuschen, ringförmig um den Dorfplatz gebaut, Weihnachtsbäume, kleine Lichter. Ein paar zarte Rauchfahnen kringelten sich in den Himmel.
Der Pilot korrigierte den Kurs des Bombers und kontrollierte schon zum hundertsten Mal heute die Waffensysteme. Reine Routine. Die erste Freigabe kam. Er machte die Waffen scharf und die kleine Plexiglasscheibe über dem Auslöser hoch. Dann sah er etwas. Mitten im Ziel. Etwas Kleines.
Zwerge?
Kinder?
Es waren zwei, dicht nebeneinander. Mitten auf dem Dorfplatz. Sie hielten sich an der Hand.
Der Jet glitt weiter durch die Nacht, näher und näher kam das Ziel. Die Hände des Piloten schwebten über dem Auslöser. Die zweite Freigabe hörte er nicht. Er sah nur die zwei Gestalten, verloren und doch nicht alleine in dieser heiligen Nacht. Ihm wurde warm.
Die zweite Freigabe kam noch einmal und es war, als sei er aus einem langen Traum aufgewacht. Er schüttelte den Kopf, schwer von seinem Helm. Dann seufzte er und fuhr die Waffen runter. Und drehte er bei.
Dieses Jahr nicht.
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Afrika

Der Lastwagen hielt an. Emilé blieb sitzen und sah hinaus. Einer der Söldner, ein Pole, stieg aus und lief geduckt zur Brücke hinüber, die Waffe im Anschlag. Kurz bevor, er die Brücke betreten konnte, plärrte ein Warnlautsprecher los. „Achtung! Gefahr! Umgebung der Brücke ist vermint! Auf der Straße bleiben! Nichts in den Fluß werfen!“ quakte er in mehreren Sprachen. Der Pole zuckte kurz zusammen, ging dann weiter. Auf der anderen Seite blieb er stehen und winkte. Der Konvoi setzte sich wieder in Bewegung. Drüben passierten Sie zwei Wiesel der Europäischen Fremdenmission. Wieder hielten sie an und sprachen mit dem kommandierenden Offizier, einem Franzosen. Der sicherte ihnen zu, dass einer der Panzer sie zum Camp begleiten könne. Er würde mit dem anderen die Brücke sichern. „Wenn die Feinde zum Lager durchbrechen verrecken wir eh alle. Da können mein Fahrer und ich auch gleich im Kampf sterben.“

Emilé bedankte sich. Aufsitzen, weiter fahren. Das zweite Wiesel bildete die Nachhut. Emilé schaute in den Rückspiegel ihres Lastwagens. Am Horizont waren Rauchsäulen zu sehen. Die Truppen der FLAP kamen näher. Ein kleiner, leichter Panzer rollte ihnen entgegen.

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ROKO!!

Das war wohl das Ende. Das Ende einer schlimmen Geschichte. Paschtunen-Harry rückte seinen Turban zurecht und strich mit der Hand über den Lauf seiner Kalaschnikow. Vor ihm stand ein durchsiebter Geländewagen, darin die Leichen von Mücke und seiner blonden Lektorin. Paschtunen-Harry seufzte und dachte daran zurück, wie alles begann, damals in Deutschland.

"Sie haben kein Recht dazu, mich hier festzuhalten!" regte Mücke sich künstlich auf. Die Polizeibeamten ließen sich jedoch nicht von diesem schwitzenden, dünnen Mann beeindrucken. Sie hatten Mücke, seinen kleinen Bruder und diese Prostituierte gerade auf frischer "Tat" ertappt und darüber hinaus noch eine repräsentative Tüte mit Liebesperlen sichergestellt. Nun nahmen sie die Bude der Schlampe auseinander, auch wenn es in diesem kahlen Loch nicht viel auseinanderzunehmen gab. Der Kleine Bruder saß aschfahl in einem Korbstuhl in der Ecke und hatte wohl Angst um sein zweites Staatsexamen. Die Hure schien das alles nicht zu interessieren: Sie kochte mit einem Tauchsieder Instant-Kaffee und rauchte. Für die Polizisten war das alles eh Routine. Nur Mücke machte einen Terz. "Welches Recht haben Sie, hier einfach einzudringen! Das ist alles für den Eigenbedarf!" zeterte er weiter, obwohl er genau wusste, warum man hier die Tür eingetreten hatte, warum man ihn schnappen wollte. Dahinter konnte nur einer stecken: ROKO, der Führer der "freien" Republik (die Anführungszeichen waren amtlich!). SUPER-ROKO, der Mann mit dem Wackelpetergesicht! Der Schwampf des 21. Jahrhunderts!

Später dann transportierten sie die Hure und Mückes kleinen Bruder ab. Nach dem Kaffee. Er selbst blieb da, nun selbst im Korbsessel zusammengesunken, ein paar Bullen leisteten ihm Gesellschaft. Ein besonders altes Exemplar setzte sich ihm gegenüber und sprach leise auf ihn ein. "Hör mal, mein Junge" fing er an und ließ die Tüte mit den Liebesperlen vor Mückes Nase hin- und herpendeln "Du kannst gerne in den Knast wandern für die kleinen Freudenspender hier. Dein Bruder kann sich seine berufliche Zukunft an die Backe schmieren. Vielleicht ist für Dich auch ein Lager in Brandenburg drin." Der Bulle machte eine dumme rhetorische Pause. Die Prostituierte hatte er erst gar nicht erwähnt.

Mücke vergrub sein Gesicht in den Händen. Alles war schweissnass.

"Du kannst Dich entscheiden, Bürschen:" rau und sanft war die Stimme, die in Mückes Ohr kroch "Entweder machen Dich das Lager und Deine Familie entgültig zur Schnecke - oder Du tust Deinem Onkel ROKO einen kleinen Gefallen …"

Einen Tag später hatte Mücke seine Lektorin überredet, mit ihm nach Kabul zu fliegen. "Vertragsverhandlungen!" hatte er auf ihre verwunderten Fragen geantwortet, "Wichtige Vertragsverhandlungen!". Sein Handgepäck behielt er während des ganzen Fluges auf dem Schoß, schwer darin das Gewicht des Schießeisens. Tagelang irrten sie durch die Stadt, schluckten Staub, schwitzten und froren, Mückes Hand immer in der Tasche, die Waffe fühlend. Zielobjekt: Paschtunen-Harry.

Wind kam auf und trieb den Rauch vor sich her. Paschtunen-Harry schulterte die AK-47 und winkte seinen Kriegern zu. Aufbruch. Mitleid mit den Toten durchströmte den bärtigen, drahtigen Mann. Mücke und seine Lektorin konnten nichts für diese Intrige. Aber bald hätte das alles ein Ende, dachte Harry. Bald ist ROKO dran.!

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Weihnacht!

Im Einkaufszentraum hängen Luftballons. Viele, bunte Luftballons. Schwinging Weihnacht in the Shopping Mall. Der Weihnachtsmann ist noch in der Garderobe, die Glühweinbottiche werden angeheizt. Das Christkind ist leider verhindert, es hat den Noro.

Die Obdachlosen nehmen einen ordentlichen Schluck aus der Pulle und die Omas, die extra mit dem Bus aus dem Sauerland kommen, wälzen sich in Zuckerwatte: "Vier Glühwein mit Schuss und einen Lumumba - hihi!"

Dabei wissen die Damen überhaupt nicht, dass man einen echten Lumumba nur mit einem Schuss Batteriesäure trinkt.Annegret ist das egal - sie möchte am liebsten ein Schnäpsken.

Kunsthandwerkserzeugnisse ranken sich um die Shopping-Mall, umschließen sie wie Dornenranken ein Schloß. Nur ganz ohne Schlaf.

Jetzt aber alles auf Weihnacht - hopp-hopp!


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Mondtrost

Hans, der Bär, war tot. Er lag im See unter dem Mond. Sein Pelz trank gierig das Mondwasser, saugte sich voll. Das getrocknete Blut löste sich langsam. Eine klare Frauenstimme sang, eine weisse, zarte Hand machte Zeichen in die Luft. Eine andere Hand, ebenso fein, strich Hans über die gebrochenen Augen.

Hänschen war in der Höhle. Seine Mutter hatte Essen gemacht, es roch so lecker. Vater war draussen und und holte Holz. Hänschen lag in einem Haufen auf Fellen und spielte mit seinem Holzschaf. Ab und zu Kam Mutter zu ihm und strich im über den Kopf.

Die Stimme sang jetzt lauter, sie forderte und rief.

Hans stand am Ende der Welt. Nebel umspielte den Brückenpfeiler auf die andere Seite. Undeutlich sah Hans die Seelen der Toten an sich vorüberziehen, große und kleine. Sie klagten in einem langen, traurigen Ton. Ein Wind, der nicht wehte, trug die Klage hinweg. Hans sah die Seelen ziehen zur Brücke auf die andere Seite. Aber ihn ließ man nicht durch.

Die Frau sang jetzt laut, sie schrie. Eine Macht tropfte vom Mond herab und ergoß sich in den See.

Hans schlug die Augen auf.

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Schlachtfeld Teekiste

Mit großen Hallo griffen wir an. Die Schlacht um das kleine Baby, dem Abkömmling begann und wir ballerten tüchtig in der Gegend herum. Henry schoß tapfer mit seinem Stutzen, ich donnerte eine Ladung "Todesschrot spezial" nach der anderen aus meiner Flinte.
Unsere Feindin, die Königin der Nacht hielt sich aber auch wacker. Der Kampf wogte hin und her, die Treppen hinauf und wieder hinab. Einmal erwischte ich sie aus nächster Nähe mit einem wunderbar breitem Schuss ins Gesicht, ein andernmal ging mir die Munition aus und ich schlug mit dem Kolben meines Gewehres auf die Königin ein.
Besonders dramatisch wurde es, als der Abkömmling vom Geländer das Treppenhaus hinunter fiel. Doch zum Glück für uns alle landete der Kleine auf einer prall gefüllten Eierpalette. Neben einem verglibberten Strampler waren keine Verluste zu beklagen.
In den Kampfpausen gingen wir im Garten spazieren. Ich bewunderte von dort unsere Nachbarn - Italiener, die einen alten Bauernhof bewohnten. Die Jungs vom Mittelmeer verbreiteten einen ganz schönen Flair hier bei uns! Auch gefiel mir ihr Biergeschmack: Täglich stachen sie ein Faß kühles Pils an und tranken es im anbrechenden Abendrot fröhlich aus.
Nur ihre Bierkrüge ließen sie gerne achtlos im Gras ihrer Weide liegen. Überall sah man es im Licht der untergehenden Sonne glitzern. Es waren schöne, schwere Glaskrüge und fast wäre ich über den Zaun geklettert, um einen oder zwei davon einfach einzusammeln.
Die Italiener kamen mir aber zuvor und zapften ein besonders feines Exemplar randvoll mit herrlichem Bier.
Doch ich musste dankend ablehnen, habe ich doch die Pest im Blut.
Dann warfen Henry und ich uns wieder in den Kampf.
Kurz nach dem Waffenstillstand gegen zehn erscholl ein böses Getöse. Der Dicke und der Dünne stritten sich um die Eierpalette mit den restlichen Eiern darauf. Jeder hatte eine Ecke der durchweichten Pappe gepackt und zog daran. Lautes Gezeter untermalte die unwürdige Szene. Ich kam hinzu und schrie beide aus Leibeskräften an. Wütend warf ich den beiden vor, sie würde auch noch die letzten Eier zerdeppern, würde sie sich nicht bald besser benehmen. Besonders der Dicke machte mich rasend mit seinem dämlichen Gesicht. Ich wollte ihn mal tüchtig zur Schnecke machen, aber wie geht das, wenn so einer auf einmal eine Schachel mit verschiedenen Teesorten ist?
In erkaltendem Zorn brachte ich ein paar Sorten in ihm durcheinander. Aus dem Earl Grey formte sich ein Gesicht und bat um Entschuldigung. Ich entschuldigte mich ebenfalls für mein aufbrausendes Wesen.
Rückblickend muss ich zugegeben, dass ich mich auch ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt habe mit meiner Schimpferei. Ich meine, nach der Schiesserei und allem.
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Verflixte Brut!

Wir haben die Vorkommnisse rekonstruieren können. Die Kleinkriminellen Klaus, Hassan und Pepe hatten den Stein und ein paar andere Dinge aus der Krypta gestohlen und sich mit ihrer Beute in das leer stehende Pfarrhaus zurück gezogen.
Die Polizei würde sie dort bestimmt nicht suchen.
Mit den Mächten der Finsternis hatten sie wohl nicht gerechnet.
Nun stand ich vor dem alten, dunklen Gebäude. Es roch nach frisch aufgeworfener Erde und das gefiel mir überhaupt nicht. Durch eines der zerbrochenen Fenster sprang ich hinein.
Ein Windstoß ließ die zerschlissenen Gardinen tanzen. Hier im Erdgeschoss war alles ruhig. Ich ging in den Flur. Was dort lag, mussten die Überreste von Pepe sein. Er hatte versucht, sich mit dem heiligen Kelch vor den Angreifern zu schützen. Wo kein Blut an den Wänden klebte, da war Weihwasser. Eigentlich keine schlechte Idee - jegliches Wasser, mit dem man den Kelch füllte, verwandelte sich automatisch in wirkungsvolles, heiliges Wasser.
Man sollte aber auch immer genügend Nachschub in der Nähe haben.
Pepe hatte das wohl nicht gehabt.
Die Tür ins Obergeschoß war vom Flur aus verschlossen, der Schlüssel steckte. Also würde ich mir erst den Keller vornehmen. Wie zur Bestätigung hörte ich etwas von unten Rumpeln. Also hinab in die Dunkelheit.
Die muffige Luft hatte einen süßlichen Beigeschmack. O nein!
Die schmale Holztreppe kam mir eine Gestalt wankend entgegen und bstätigte meine Befürchtungen. Ich erkannte Hassan. Beziehungsweise Hassans Leiche. Hassans toter Körper. Dieser versuchte nun, zu mir nach oben zu kommen.
Ich hasse Untote!
Alles ging jetzt ziemlich schnell. Ich warf dem Hassan-Kompost einen Schwall Feuer entgegen und stieß durch ihn hindurch.
Der Keller des Pfarrhauses war ein einziger, großer Raum mit erstaunlich hohen Decken und einem Haufen Untoter darunter. Also sammelte ich meine Gedanken und sprang an die Decke. Mit ausgebreiteten Armen heftete ich mich dort an und begann zu singen:

Bist schon tot und doch nicht tot,
Zombieliebe im Abendrot!
Wenn es in Dir beginnt zu Gären,
Deine Braut so tot wie Du,
drückt sich ihre Augen zu
und niemals wird sie sich beschweren.

Ich gebe zu, dieses Lied ist ziemlich bescheuert. Aber der fürchterliche Reim am Ende reichte aus, um allen Untoten die Köpfe platzen zu lassen. Man traut es ihnen ja eigentlich nicht zu, aber Zombies haben ein sehr feines Gespür für Sprache.
Ausserdem singe ich lieber ein schlechtes Lied, als dass ich ich zwanzig wandelnde Leichen in unterschiedlichen Stadien der Verwesung einzeln anzünde oder in Stücke reisse.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich Untote hasse?
Zwei von ihnen schienen aber entweder keinen Kunstverstand zu besitzen oder schwerhörig zu sein. Einer davon war unverkennbar Klaus (bzw. er war es gewesen). Sein Gesicht zerfiel wie ein Schokoladenpudding im Sommerwind, trotzdem erkannte man ein irres Grinsen darin. Der Stein - das verdammte Ding - leuchtete rot in seiner Krallenhand.
Der andere Untote war eine Blondine (natürlich!). Sie stakste auf mich zu, war schnell und nah an mir dran. Irgendwie musste ich auf den Boden gefallen sein! Mir fiel nichts besseres ein, als ihren Hals zu packen.
Sie biss mir in die linke Hand. Genau zwischen Daumen und Zeigefinger.
Das bekam ihr nicht sonderlich gut.
Ich trage nämlich Handschuhe aus der Haut eines Puszta-Dämons. Pustza-Dämonen sind eher untergeordnete Teufel, die jedoch aus dem dritten Kreis der Hölle kommen. Ihre Haut ist praktisch unzerstörbar und brutal rauh. Ich will sie mal so beschreiben:
Wenn mal Ihre Babyfeuchttücher alle sind und sie die Wahl haben zwischen einem Fetzen Puszta-Haut und einem Stück Schmiergelpapier - nehmen Sie bitte das Schmiergelpapier!
Des blonden Zombies ehemals schöne Zähne splitterten aus ihrem toten Gesicht. Blondie schaffte es sogar noch, verwundert zu gucken, dann schickte ich die unheilige Kraft in meine Hände und drückte zu. Sehr feste. Die Puszta-Haut meiner Handschuhe rieb sich förmlich in ihren Hals, dann kippte ihr Kopf nach hinten weg und der Körper gleich hinterher.
Dann stand nur noch Klaus' Leiche vor mir.
Er grinste jetzt nicht mehr.
Ich wollte nicht das ganze Pfarrhaus in Brand stecken, also begnügte ich mich mit dem "Schlag des Teufels", einem Kampfzauber mit guter Wirkung gegen, nun ja, leicht angefaulte Körper. Den Stein musste ich dann nur noch aus den Resten klauben.
Die anderen Artefakte fand ich dann noch im Keller verstreut. Den Kelch steckte ich mit spitzen Fingern einen nimmervollen Beutel. Warum schickten die für sowas eigentlich keinen Kleriker?
Draussen. Frische Luft.
Ich hatte meinen Auftrag ohne größeres Aufsehen erledigt und für den Zombie-Scheiß hatte ich eigentlich eine Zulage verdient.
Still und leise ritt ich auf den Schatten zurück.
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Hagel!!

Wir trugen Regenschirme aus Eisen, als die Flieger kamen. Vergoldeter Kot regnete auf die Stadt herab. Fensterscheiben zerbarsten, Sportwagen wurden zerschlagen. Ein Mann im Anzug versuchte, sich mit einer Laptoptasche zu schützen, doch eine Salve kleiner Goldkugeln trieb ihn zu Boden.

Die Arschbomber kümmerte das nicht. Sie glitten elegant durch den Luftraum der und Stadt und warfen ihre stinkende, glänzende Fracht ab.

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Dark Star!

Unter dem dunklen Stern wanderten wir dahin. Die Welt liegt im Schlaf, starr von Eis. Die Waffen trugen wir geschultert. Kalt war das Metall, kalt waren auch wir. Zielstrebig, ohne Emotionen.

Eigentlich hätte da Vorfreude sein sollen auf unseren Freund. Wie wir ihn umzingeln würden, wie er zuerst Schimpfen und Fluchen würde, dann das Aufblitzen einer Klinge und das warme Blut im Schnee. Ob das wohl dampft?

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Unwichtiger Bahnhof, morgens

Kalter Morgen, die Sonne geht auf. Vor der Kneipe am Bahnhof stehen noch die kunstvoll gepolsterten Stühle. Zwischen Schaufensterscheibe und Flachdach das angegilbte Schild "Zum Lilo".

Die alte Frau tritt in die Pedalen für die letzten Meter. Dann bleibt sie vor der Änderungsschneiderei stehen, die gleich neben der Kneipe auf Kunden wartet. "Na, Sabrina? Lust auf ein frühes Pils?" ruft die alte Frau in den Laden. Die junge Änderungsschneiderin lacht, nickt aber.

Die alte Frau kramt in ihrer Tasche nach dem Schlüssel.

Der Atem macht so lustige Wolken in der Morgenluft.

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Der törichte Streit mit der Priesterschaft

Hans, der Bär, verstand nicht, warum die Magier unbedingt Streit mit den Priestern anfangen wollten, aber er war Novize und musste gehorchen. Die Priester saßen auf ihren Stühlen im Kreis mitten in der Kirche, die Magier standen im großen Torbogen, ihre Novizen an jeder Flanke.

"Warum stört Ihr unsere Meditatinen?" fragte voller Würde der Oberpriester. Seine goldene Sonnenscheibe klapperte vor seine dünne Brust, als er aufstand. Leise glitt Hans seitwärts auf seinen Tatzen. Der oberste Magus hob seinen Stab. "Ihr wisst, weswegen wir hier sind. Hebt Euch hinweg, oder wir müssen Gewalt ausüben!"

Ein junger Priester stieß sich wütend in die Höhe, wollte dem Zauberer etwas entgegnen, da legte der Oberpriester ihm beruhigend und sanft die Hand auf den Arm. Er bedeutete ihm, sich umzudrehen. Der zuckte zusammen, als er den großen Bären im Gewand der Zauberernovizen sah, der mit seinen großen Tatzen und den langen Fängen hinter ihm stand. Der junge Priester blieb still.

Einen Moment verharrten alle so, dann standen die Priester einer nach dem anderen auf und gingen nach draußen, durch eine Gasse, gebildetet von ihren Feinden. Als der letzte Graukittel fort war, kicherten die alten Zauberer und feixten. Sie befahlen den Novizen, den Eingang zu bewachen und hier in der Kirche nichts anzufassen. Dann stürmten sie kichernd ins Nebengebäude. Von dort hörten die Novizen ab und an ein Rumpeln und immer wieder das Gelächter alter Männer.

Langweilig wurde es den jungen Zauberern nicht: Der wütende Priester von vorhin hatte ein paar andere seines Standes um sich geschart und versuchte, das große Kirchentor aufzudrücken. Hans webte mit den anderen einen Zauber um das Tor und es hielt. Dann nahmen die Priester Anlauf und warfen sich mit aller Kraft gegen das beschlagene Eichenholz. Das Tor bog sich und Hans schloß seine Augen. Er nahm seine Macht zusammen und schickte schwere Gedanken aus Wurzel, Stein und Eisen zum Tor. Es krachte, als die Männer von der anderen Seite wie gegen eine Wand liefen. Man hörte Schmerzensschreie.

Hans ließ die anderen Novizen alleine und ging zu den Magiern im Nebengebäude. Er traute seinen Augen nicht: Die ehrwürdigen Magier führten sich hier wie kleine Kinder auf! Sie beschmierten die Wände, verknoteten Schnüre und der Erzmagus streute sogar Kakerlakenpulver aus und giggelte dabei wie ein junges Mädchen!

Hans sah sich das Treiben eine Weile an, dann zuckte er mit den Schultern und ging wieder zu seinen Kameraden in die Kirche zurück.
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Da schleppe ich mich ab!

Ein ganz leichter Matsch im Kopf. Die Menschen lesen heute bunt bedruckte Hieroglyphenblätter. Es ist ihnen egal, was sie lesen - hauptsache, es ist bunt bedruckt.

Mein Rucksack ist schwer von einer Packung Moltkepulver. Moltkepulver - getrennt verrühren, vereint einnehmen!

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Weihnachtsleute

Sie kamen über die Hügel und gingen in die Stadt. Überall machten sie sich breit, standen im Weg herum. Ihr Motto war: "Öl, grob".

In Massen versammelten sie sich an den alten, weisse Buden, in denen Reibekuchen gebacken wurden. Laut lobten sie diese fettige Kartoffelspeise. Sicher - sie gingen den Bürgern schon ziemlich auf die Nerven. Aber dafür hielten diese Leute zuverlässig jeden Weihnachtsmarkt fern.

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Mitleid mit Zweckbau

Da liegst Du nun, kleines Parkhaus. Neonröhren erleuchten Dein Gerippe. Keiner parkt in Dir in dieser Nacht. Kalt weht der Wind durch Deine Gänge.

Komm her, kleines Parkhaus! Ich habe ein Feuer entzündet und eine Decke dabei! Roll Dich neben mich zusammen, ich will Dich wärmen.

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Dürre!

Ich hatte nun schon seit Tagen nichts mehr getrunken. Meine Nerven waren längst zu Asche verbrannt. Ein leichter Wind ging, meine Haut war aus Sand. Um meinen Mund herum hatte sich eine feste Kruste gebildet. Saatkrähen sahen mich neugierig an.

Abends dann Kakao.

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Fräulein Angst

Ich fahre mal wieder. Neben mir sitzt die Angst. Sie ist ein dünnes, blondes Mädchen im zerissenen Hemde. Sie legt ein dürres Ärmchen um mich und flüstert mir ins Ohr:

"Sie verbrennen! Sie verbrennen gerade und Du sitzt im Zug! Das Auto überschlägt sich, sie liegen in ihren Blut! Männer treten die Türen und vergewaltigen Deine Liebste. Das Kind nehmen sie an den Füßen und zerschmettern seinen Kopf am Laternenpfahl!"

Ich nehme noch einen Schluck, dann noch einen. Ich stelle die Musik lauter.

Angst legt die Hände in den Schoß und schaut mich an.

Angst braucht nicht viel zu tun. Sie braucht mich nur anzuschaun.

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Hölderlin? Nicht im meinem Haus!

Yeah. Hölder-Lesung im Treppenhaus, im Badezimmer, im Wandschrank. Was tut man nicht alles für die Kunst! Extra früh aus dem Urlaub zurück gekommen sind wir. War eigentlich cool gewesen, da unten oder oben wo wir urlaubten. Man musste eine Leiter hochsteigen, oben roch es muffig und feucht. Handtellergroße Spinnen jagten Gewürm und Gekreuch vor sich her. Unten parkte das Auto im Kiesbett.

Jetzt also Kunst. Yeah, Baby!

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Tanz

Die schöne Frau im roten Kleid tanzte. Dunkle Locken flogen, hin und her drehte sie sich. Die Männer nahmen keine Notiz von ihr, tranken weiter und riefen nach den Kellnern. Sie waren Besseres gewohnt, Härteres. Sie wollten Schreie hören, sehen, wie sich das Fleisch von den Knochen löste. Peitschen, Zangen und zerbrechende Unschuld - das konnte sie noch erregen. Aber eine schöne Frau in einem Kleid, dass sogar bis zu den Knien ging - so etwas langweilte sie.

Ich jedoch saß da und hatte mein Bier schon lange nicht mehr angerührt. Ihre schwarzen Augen, die olivenfarbene Haut, die fröhliche Bewegung. All das fesselte mich.

Ich saß noch da, als der Kellner zum Abkassieren kam.


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Idylle


Die letzten Mücken des Jahres irren durch die kalte Luft
Auf dem Feld mölpert eine Pumpe
Einsamer Eintakter
Brackwasserpfütze
Die Erntezeit ist vorbei
Die Menschen sitzen drinnen, essen Röstbrot
Trinken Kakao.


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Kröterich

Kröterich stand am Straßenrand. Er war auf Kundschaft aus. Seinen Laich hatte er zu Hause angekettet, denn er wollte in Ruhe seinem Gewerbe nachgehen. Eine kleine Gaunerei hier, ein bisschen Drogenhandel da und jeden Mittwoch streckte er sein Hinterteil dem Zahlungswilligen hin.


Heute war ein schlechter Tag - niemand war scharf auf Kröterich. Heute Morgen hatte sich ein „Herr“ nach Laich erkundigt. Spezielle Bedürfnisse habe er damit. Viel Geld hatt er geboten. Kröterich hatte den „Herrn“ wütend fortgeschickt.


Doch jetzt dachte er an das Geld, das viele Geld.

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Froschenteich

Wir sitzen nebeneinander im brackigen Wasser. Der Tümpel hat sich wieder beruhigt. Der eine Frosch sieht mich an, ich schaue zurück. Dann bewege ich mich langsam um die eigene Achse und sehe die anderen Frösche. Ein verhaltenes Quaken. Eine Mücke nähert sich dem Tümpel, alle verharren gespannt.

Gestern ist ein Mann im Anzug zum Tümpel gekommen. Er torkelte und fiel zu uns hinein. Nun hat sich die Tümpel wieder beruhigt. Wir sitzen auf des Mannes Brust und Gesicht und warten auf die Fliegen.

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Wachstum!

Mehr Wachstum am Nordkap! Als großer Freund von Umsatzsteigerungen bin ich gefragt. Hart am Markt, den Blackberry locker an der Hüfte. Macht Euch mal stromlinienförmig, ihr knorrigen Bäume! Denkt immer daran: Wer sich nicht anpasst, kommt in den Kamin der Geschichte!


In der Geschichte werde ich sicher einen Platz haben. Als Visionär, als Führer, als Elite. Wenn ich Kacken gehe, staubt es Gold.


Die anderen betrügen sich selber, ich bin völlig ehrlich mit mir! Ich könnte auch jederzeit mit dem Zeug aufhören! Jederzeit!

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Andere Generation

Die Überflieger. Väterlich geschliffen, morgens schon hart. Sie leuchten im Dunkeln. Man kennt sich. Man hilft sich. Man kommt aus einem guten Stall.

Die Frau vorne ist aber bitte blond. Ich habe „bitte“ gesagt!

Man hilft sich. Man kennt sich. Man empfiehlt sich. Gegenseitig.

Überflieger sammeln. Geld, Firmen, Frauen. Man kennt sich. Man betrügt sich.


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Rasen


Gib Vollgas, wir tanzen durch die Nacht. Was kümmert uns das Gummi auf dem Asphalt? Was kümmert und das Blech, wenn es Blasen wirft? Gib einfach Gas in dieser Nacht. Laß die Welt vorüberziehn, die Lichter der Stadt. Nur noch dieses eine Mal. Gib ordentlich Gas. Was kümmert uns der Rest?


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Exzellenzinitiative

Ich ging die herbstliche Straße entlang, bog rechts ein und die energiegeladen die wenigen Stufen bis zum Büro. Dort holte ich sie ab - die Exzellenzoffensive. Sie fühlte sich seltsam an, eine Kugel mit schuppigen Tentakeln, die sich langsam über ihre Oberfläche bewegten. Warm in der Hand. Auf dem Weg zum Bahnhof hielt ich sie erst in der Hand, doch die Menschen sahen mich immer so komisch an. Irgendwann steckte ich die Exzellenzoffensive in die Jackentasche. Da rekelte sie sich genüsslich. Wahrscheinlich gefiel es ihr dort im Dunkeln.


Am Bahnhof begegnete ich Frau Hentla. Sie wurde von einer mir unbekannten Dame zum Hauptausgang geleitet. Dabei schrie Frau Hentla im Wahn. „HALLO!! HALLO!! HALLO!!“ brüllte sie. Ich ging schnell weiter. Frau Hentla hatte vor mir auf die Exzellenzoffensive aufgepasst.

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Stille Wasser sind tief

Die Welt war von Untoten überrannt. Ob die Menschen, die sich in der alten Lagerhalle verbarrikadiert hatten, die letzten Lebenden waren, wussten sie nicht. Beim Kampf gegen die Zombies hatten sie sämtliche Munition verschossen und nun vegetierten sie hinter Holzbalken und Eisenstangen. Nur ein paar Oberlichter ließen Licht herein.

In der Lagerhalle hatte sich eine kleine Gesellschaft gebildetet, mit Hackordnung und allem. Da war zum Beispiel die Hure, die sich Essen und Sicherheit mit ihrem Körper erkaufte. Da war der kleine, warzige Intrigant, der Herr der letzten Drogen war. Und da natürlich der starke Mann, der ein Messer trug und sich nahm, was er wollte. Ganz am unteren Ende der Leiter war der kleine Herr Meyer in seinem Kordanzug. Er versteckte sich im Schatten der Container und fraß heimlich die Reste von den Tellern der anderen. Auch aß er Müll.

Einmal jedoch, als der starke Mann den Inhalt einer Büchse genoss, kam die Hure an ihn an. Sie hatte großen Hunger und verführte ihn. Damit er besser in sie hineinstossen konnte, legte der starke Mann sein Messer auf den Tisch. Das sah der kleine Herr Meyer. Blitzeschnell griff er sich die Waffe und stieg auf den Tisch. Bevor noch einer reagieren konnte, geschah ein Wunder: Herr Meyer, der kleine Meyer erhob sich in die Luft! Ein Vogel! Herr Meyer war ein Vogel! Erst mühsam flatternd, dann immer kräftiger schlug mit seinen Flügerln und flog durch ein geborstenes Fenster nach draussen. Dort sah er den überwucherten Park, die im Schlaf liegende Stadt. Und die Sonne! Die Sonne!

Der Vogel Meyer drehte eine Runde und sah eine Herde Rentner über die Wiese laufen. Weiter und weiter zogen sich seine Kreise und mit scharfen Augen besah Vogel Meyer die Welt.

“Leben! Die Menschen leben!“ rief Herr Meyer vom Dach der Lagerhalle. Die Menschen dort unten vernahmen die Sensation. „Die Untoten sind fort! Lebende Menschen erwarten uns! Die schlimme Zeit hat ein Ende!“ Da erfasste Mut und Lust die Menschen und sie begannen, die schwerzen Balken von den Toren zu nehmen, sie rissen die Barrikaden nieder und öffneten die Türen. Richtige Menschen würden sie erwarten! Keine verfaulenden, staksigen Untoten! Hoffnungsvoll stürmten sie ins Freie.

Herr Meyer saß auf dem Dach der Halle und sah zu, wie die Hure, der Warzenzwerg und alle anderen von den Zombies zerfleischt wurden. Der starke Mann starb zuletzt.

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Freundliche Übernahme


Das Kindchen war ungefähr drei Jahre alt, als seine Mutter starb. Kindchen und sein Vater waren nun alleine. Kindchen weinte lang und oft. Da auch die Betreuung des Kindes gewährleistet sein musste, bestellte der Vater ein Replikat der Mutter. Es wurde drei Monate später geliefert. Kindchen freute sich sehr und der Vater konnte sich wieder voll auf den Beruf konzentrieren. Die Replikantenmutter versorgte das Kind, spielte mit ihm, herzte und tröstete. Das Kind wurde vier.


Der Vater arbeitete viel, aber gab seinem Kind so viel Liebe, wie nur möglich. Das war dann wohl irgendwann zuviel und er erlag einem Herzinfarkt.

Sein Replikant stand sogar schon nach zwei Monaten vor der Tür. Das Kindchen freute sich und ließ sich von seinen Eltern ins Bettchen bringen, den Teddy im Arm.


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Hackmann

Hackmann ging auf Schenkeljagd. Der Bahnstreik kam ihm da gerade recht. Überall standen Leute herum, in Hosen, Röcken und Kleidern. Sie zappelten, traten von einem Fuß auf den anderen. Viele schwitzten. Hackmann strich sich lüstern die Seiten und drückte sich durch die Menge der Wartenden.
Dann kam ihm eine Eingebung. Er verließ den Bahnhof und lief hinaus in die Nacht. Er lief und lief. Irgendwann hatte er die Lichter der Stadt hinter sich gelassen und blickte hinauf in den Sternenhimmel. Millionenfach glitzerte es zu ihm hinab. "Freundlich, diese Sterne!" dachte Hackmann und "Ob da oben noch andere sind wie wir?"
Hackmann kratzte sich die Kinne. Nachdenklich schnüffelte er an seiner Hand und überlegte, was der große Bär wohl für Schenkel habe.
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Meergott

Das Meer raschelte im Kies. Eine leichte Brise, treibt Schäfchenwolken vor sich her. Schwer der Geruch von Salz und Tang. Ein bisschen fischig. Nur ein bisschen.
Über dem Schaum des Meeres schweben sie, die Schönen. Sie singen vom Anfang, von der kalten, nassen Mutter allen Lebens. In ihrer Mitte entsteigt der König dieses Meeres der Flut. Tentakel sind seine Arme, von Algen sein Haar.
Hans steckt halb im Wasser. Sein Fell saugt sich voll. Er schaut auf das Meer hinaus, auf den grünen Herrn.
Der spricht. Wie Rauschen war seine Stimme.
"Nun hast Du mich also endlich gerufen." Sagte er.
"Ich bin gekommen, um meine Schulden einzutreiben." Sagte Hans. Leise.
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Affenkönigs Diener

Ich lege Schlingen aus auf Deinem Weg. Meine Zähne sind aus Eisen, in meiner Faust das lange Messer.
Mit den Füssen nach oben hängt der Diener des Affenkönigs. Die Hände auf dem Rücken zappelt er wie ein Wurm am Haken. Was schneiden wir zuerst ab? Oder lieber Feuer?
Wir entscheiden uns für einen schnellen, klaren Schnitt.
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Ekelwesen

Er war klein und verwachsen, der hässliche Zwerg. Seine Haare waren strähnig wie alte Nudeln und Warzen bedeckten sein Gesicht. Bucklig ging er seinen Geschäften nach.
Doch seine Stimme war süss, süss wie Milch und Honig. Die Menschen gaben ihm Geld, die Richter ließen sich erweichen.
„Lasst die Kinder zu mir kommen!“ sagte er leise und lächelte. Der Rattenfänger von Pornohausen.
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Very Unimportend Persons

Im V.U.P.-Klub. Horst, Werner und ich saßen beim Scrabble, als Klaus hereinkam. Er nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank und erzählte uns ganz aufgeregt, dass er sein bisher größtes Puzzle vollendet habe. Wir hörte ihm wohlwollend zu. Ein wunderschönes Puzzle sei das, schwärmte Klaus, mit einem Indianer als Motiv. Indianer!, freute sich Horst. Sein Lieblingsthema! Seit Jahren schon fuhr er einmal in der Woche zu seinem „Indianerstamm“ ins Industriegebiet.
Ich stand langsam auf, ging zum Kühlschrank holte eine weitere Runde Bier. Dabei fiel mein Blick auf die staubige Stelle, wo mal der Fernseher stand.
Werner ärgerte sich, dass „Paris Hilton“ nicht im Duden steht.
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Geschäftsideen

„Nein, nein. Hier kann man keine Geschäfte mehr machen! Sehen Sie sich doch einfach mal um: Dünne, unterernährte Kinder, die den Müll durchsuchen und faulige Innereien essen! Die Wälder sind alle abgeholzt, die Städte hat der Krieg ausgebombt. Die Minen ergeben nichts mehr und überall diese widerlichen, schmutzigen Kinder! Wenn sie nicht gerade von den wilden Hunden gejagt werden, fallen die uns doch nur zur Last!“
Der eine Mann drehte sich zu dem anderen Mann um. „Gehen wir,“ sprach er weiter „unser Heli hubt bald ab!“
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Am frühen Morgen

Rattenklatscher steckte die Hände in die Jackentaschen und ging einen Schritt schneller. Sein Atem qualmte wie der Rauch einer Zigarette. Die Ecke zwischen Häuserwänden und Bürgersteig war fleckig, rostige Kronkorken stanken nach Pisse. Die Luft war kalt und klar. Der Mief der Stadt lungerte um die noch um die Gullis herum. Da hinten ging die Sonne auf, ihr Licht war streng.
Die wenigen Menschen, die so früh in der frostigen Stadt unterwegs waren, gingen schnell, schnell zum Bäcker, schnell zur Bude, schnell nach Hause.
Rattenklatscher knisterte in den Taschen mit seinem Tabaksbeutel. An der roten Ampel drehte er sich flugs eine Zigarette. Er inhalierte tief. Der Rauch reizte den Morgenschlund. Rattenklatscher ließ den Qualm entweichen, guckte zum roten Männlein.
Das war sein Morgen! Das war seine Stadt!
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Treffen am See

Der liebe Gott bestellte sich noch ein Bier und schaute nachdenklich auf die Wasserfläche hinaus. Es regnete. Wir hatten uns auf seinen Wunsch hier getroffen, im Haus Seeblick am Masurensee getroffen. Er meinte, dies sei der Ort, der dem alten Paradies am nächsten kam.
So musste es also im Paradies gewesen sein: Einfache Möblierung, Bier, schnelle Bedienung, große Schnitzelportionen, guter Ausblick auf den See. Die Athmosphäre war schrammelig-warm.
Das Bier kam an den Tisch. Ich bestellte auch nach. Der liebe Gotte nahm einen ordentlichen Zug. Mir gefiel, wie der Schaum in seinem Bart hängen blieb. Ich fragte ihn, ob er wohl Harry Rowohlt nach seinem Ebenbild erschaffen hätte. Der liebe Gott hob eine Braue, dann lachte er schnaufend.
Dann sang er leise: „Der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns zu verderben …“
Ich bestellte Aquavit für uns beide.
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Nächtlicher Besuch

Diese Nacht lag ich auf dem Sofa, wurde wach und gewahr einen Mann, der auf der Rückenlehne des Sofas balancierte. Er schien mich nicht zu bemerken, tänzelte bis zum Ende. Dort öffnete er eine Klappe in der Wand und holte Brief aus einem Kasten.
Ich sprach ihn an, was er in unserer Wohnung treibe, so mitten in der Nacht. Er entschuldigte sich für die Störung, es täte ihm sehr leid, aber er müsse nun mal nachts hier hin, um seine Post abzuholen. Die Post sei sehr wichtig, denn er sei Vorsitzender des Verbands der Berufskommentatoren. Man wolle die Kommentarszene endlich auf eine professionelle Grundlage stellen und sich von diesen Hobbykommentatoren absetzen.
Das sei ja schön und gut, entgegnete ich ihm, doch ich müsse am nächsten Tag früh raus und brauche meinen Schlaf.
Der Mann verneigte sich und balancierte fort in die Dunkelheit.
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Der schönste Tag ihres Lebens

Es sollte der schönste Tag ihres Lebens werden - und jetzt donnerte ihre Hochzeitskutsche mit über 100 km/h über die A3 Richtung Oberhausen. Sie und ihr Bräutigam hielten sich fest umklammert, der Fahrtwind hatte ihren Schleier fortgerissen. Der Wind trocknete auch ihre Tränen, doch immer wieder kamen neue. Was sollte man nur tun? Ihr Makeup verwandelte sich in hässliche Gesichtsstreifen, das wusste sie auch ohne Spiegel.
Der Kutscher lachte brüllend und hieb mit seiner Peitsche auf die Pferde ein. Die schrien vor Schmerz, roter Schaum floss aus ihren Mäulern. Sie fuhren auf der Mittelspur. Ein Touran überholte sie, Kinder klebten an den Scheiben und lachten die Kutsche an. Der Kutscher wandte sich ihnen zu. Seine Zähne gebleckt wie ein Totenschädel, die Augen nur noch schwarze Murmeln. Dann schaute er wieder nach vorne und ließ seine Peitsche sprechen.
Die Kinder lachten dann nicht mehr.
Die Kutsche beschleunigte weiter und wechselte auf die linke Spur, dem Touran hinterher.
Es sollte der schönste Tag ihres Lebens werden.
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Begegnung

Ich warf mich der Länge nach hin, direkt hinter einen Mülleimer. Viel zu klein war der Mülleimer, viel zu groß war ich. Doch er musste reichen als Deckung. Denn sie kam näher. Ganz krümelig drückte ich mich in den Dreck. Es roch nach Bananenschalen. Süsslich wie ihr Parfüm. Durch das karge Buschwerk des Parks erspähte ich meine Feindin: Groß, schön und stark. Lange schwarze Haare und ein Blick aus dem Eisschrank. Lässig schritt sie aus, als sie des Weges kam. Ein arrogantes Lächeln auf den Lippen. Sie blickte sich um, ich duckte mich in meine Kuhle als wäre ich ein Häschen auf dem Felde. Die Scheinwerfer ihrer Aufmerksamkeit glitten über mich hinweg. Ihr Schritt verlangsamte sich nicht, dann war sie fort.
Ich rollte mich auf den Rücken und schnappte nach Luft. Geschafft! Noch dieses eine Mal!
Später im Supermarkt traf ich dann den Mann mit der blauen Nase. Er holte sich seine tägliche Ration aus sieben Dosen Weizenbier.
Ich konnte ihn gut verstehen.
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Panzer

Stahlarmierung. Ich hätte gerne eine Stahlarmierung. Wenn einer käme und wollte, ich hätte kein Problem damit: Einfach - Zack! - einen vor den Latz geknallt mit meiner Stahlarmierung und gut wäre es! Ich könnte Kiefer brechen, Häute prellen, könnte Rempeln und Stossen. Pogo wäre für mich ein Heiabett. Nicht könnte mich erreichen. Kalt wäre ich, kalt und hart.
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Das Ende

Ich gab ihm einen Tritt. Heisse Wut kochte in mir. „Du hast mir die besten Jahre meines Lebens gestohlen!“ schrie ich ihn an. Er reagierte nicht, blieb gelassen und still. „Sag was! Sonst quasselst Du doch immer!“ Meine rechte Hand traf ihn hart an der Seite, er schwankte ein wenig.
Ich atmete schwer, einen Triumph im Herzen. Ausgesaugt hatte er mich, von meiner Energie gelebt wie ein Vampir. Stunden um Stunden um Tage hatte er mich in seinen Bann gezogen.
Doch jetzt war Schluß damit! Ich stieß den Fernseher um, er krachte zu Boden. Dann wandte ich mich um, stürmte durch die Tür nach draussen. Nach draussen, in eine neue Welt.
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Links, zwo, drei, vier

Die Uniform schafft Gemeinsamkeit. Das Ego schwindet, wenn alle schwarze Lederstiefel tragen. Gleichschritt, eins, zwei, drei. Tausend Beine schwenken nach links, schwenken nach rechts. Wir tanzen auf der Bühne, schwingen die Schenkel.
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Glück?

Die Liebste und ich öffnen das Fenster. Eine Ebene erstreckt sich vor uns, bewachsen mit Farn, überzuckert von Raureif. Kalte Luft vertreibt den Muff der Nacht. Unschuldig und rein liegt die Ebene. Klar und hell die Sonne.
Bald beginnen die Bauarbeiten. Eine gated community soll hier entstehen. Mit Einkaufszentrum und Kinderhort.
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Separatorenfleisch

Ein bisschen tun sie mir schon leid. Aber so läuft es nun einmal. Nachdem wir die Stadt erobert hatten, trieben wir sie zusammen und separierten die Guten von den Schlechten. Die schlechten (wir nannten sie "Separatorenfleisch") kamen erst einmal hinter Stacheldraht. Nach und nach holten wir sie grüppchenweise heraus.
Der eine, der vor mir liegt, war mal ein Schläger. Ein notorischer Schläger. Mehrere Verurteilungen. Weiss und kalt ist jetzt sein dicker Leib. Seine toten Augen blicken irgendwie ungläubig.
Natürlich wissen wir, dass das alles nicht richtig ist. Aber wir müssen es ja machen. Es ist unsere heilige Pflicht.
Das Wichtigste ist, dass wir dabei anständig bleiben!
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Herbst


Kindelein, siehst Du die Blätter? Der Herbst ist da. Der Wald deckt sich zu für den Winter. Wind kommt auf. Dunkle Wolken treibt er vor sich her. Lass uns schnell ins Haus, mein Kleines. Schnell ins Warme. Dort trinken wir Kakao und Tee aus dampfenden Tassen und der Regen trommelt uns dazu.


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Der goldene Ritter

Alle Wächter des Hauses lagen in ihrem Blut. Nur noch Hans stand zwischen dem Abkömmling und dem goldenen Ritter. Der Bär stand breitbeinig, das Schwert in beiden Händen, seitlich die Spitze nach oben. Der Ritter kam auf ihn zu, sein Schwert locker in der rechten Hand. Schön war er in seiner goldenen Rüstung. Das Schwarz des Wamses darunter war verführerisch wie ein Schatten. Langsam und leicht tänzelte er auf diesen pelzigen Brocken zu. Noch dieser hier und der Abkömmling war sein! Nur noch dieser hier, nur noch dieser hier … dann traf der Blitz seine Brustplatte. Gleißendes Licht, dann sah der Ritter nur noch weiss und rot. Kugeln aus Feuer prasselten auf seine Seite. Blind streckte er das Schwert nach vorne, doch es wurde einfach weggewischt. Es flog davon, die Finger seiner rechten Hand ebenso.
Irgend etwas Hartes traf seinen Helm und er sackte hinten über.
Das letzte, was er spürte, waren schwere Tatzen, die über ihn hinwegstürmten. Dann wurde es dunkel.
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Für den Scheiss fällt mir beim besten Willen kein Titel ein

Der Jarl nahm Olaf an die Seite. "Olaf," sprach er leise zu ihm "such zwei gute Männer aus, die den Christenpriester beschützen sollen. Nimm nicht die Besten, nimm aber auch nicht die Schlechtesten!" Olaf nickte, der Jarl klopfte ihm auf die Schulter.
Ich schlich derweil den Abhang herunter, den Weg, den wohl bald auch der Priester nehmen würde. Der fromme Mann saß noch oben vor Angst und Kälte zitternd am Lagerfeuer. Äste streiften mich und vorsichtig schob ich Buschwerk zur Seite, als ich mich langsam nach unten vorarbeitete. Unten ruhte ich einen Moment aus. Sanft lag der Wald im Dunkel. Nebelschaden entstiegen den Sumpf, hießen mich willkommen. Verkrüppelte, kleine Lärchen standen dicht an dicht. Ich ging weiter, in und durch den Sumpf.
Ich war schon seit Jahren nicht mehr hier gewesen, viele der guten Stellen waren nicht mehr da. Mehr als einmal konnte ich meinen Fuß nur noch knapp aus dem saugenden Mund des Sumpfgottes ziehen. Eine riesige Kröte wollte mich verschlingen, doch sie hatte wohl schon einmal Bekanntschaft mit der roten Robe eines Magus gemacht und ließ von mir ab, bevor ich sie mit einer Reihe magischer Geschosse braten konnte.
Sie verschwand gurgelnd im brackigen Wasser.
Im Morgengrauen erreichte ich die Ebene, stapfte durch die Stoppelfelder zum großen Haus. Dort war schon einiges los. Meine Chefin sauste hin und her, beachtete mich kaum. So bekam ich wenigstens die Möglichkeit, mir den Schlamm von der Kleidung zu wischen. Später erzählte sie mir dann von dem ganzen Streß und von einer Fortbildung in der Nähe von Düsseldorf und davon, dass sie danach immer ganz weit nach Hause fahren müsste. Ich sollte sie während der Zeit vertreten und im Geiste stellte ich schon einen Einkaufszettel zusammen. Die Vorräte wollte ich auch überprüfen. Meine Mails hatte ich auch schon wochenlang nicht abgerufen. Die Chefin trank grünen Wodka zum Frühstück und aus Versehen trank ich ein Gläschen mit.
Als der Alkohol mich warm durchströmte, begann ich mich zu ärgen.
Grüner Wodka! Am Morgen!
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Menuegesteuerte Hotline

Wir sahen alle hilflos zu, wie der alte Mann versuchte, von einer Leiter auf die andere zu steigen. Seine linke Hand öffnete sich und die Haselnüsse fielen heraus. Dann stürzte er aus dem Haselnussbaum.
Der Tisch dämpfte seinen Aufprall ein wenig, was ihm vielleicht das Leben rettete. Ich lief zu ihm hin wie durch Gelee. Er lag auf dem Rücken. Ansprechen. Berühren. Der alte Mann war bei Bewusstsein. Schnell holte ich das Telefon. 112. Am anderen Ende ein Sprachcomputer, quälend langsam. "Wenn der Patient ansprechbar ist, sagen sie bitte 'weiter'!" - "Weiter!" rief ich. Ein Menue folgte auf das nächste auf das andere. "Wenn der Patient auf dem Rücken liegt, sagen sie bitte 'weiter'!" Der alte Mann lag da in den Trümmer des Tisches und rührte sich nicht. In meiner Panik fiel mir ein, dass man angeblich mit Geschrei so einen Sprachcomputer dazu bringen könne, einen direkt zu einem menschenlichen Gesprächspartner durchzustellen.
Ich schrie. Ich schrie. Die anderen Leute standen dumm und schauten mich an. Ich schrie. Einige fingen an zu Lachen. Dann fing der Akku an zu piepsen.
Ich schrie, ich schrie, ich schrie.
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Wir sind viele

"Q2?" Die Stimme des Operators klang dumpf. Quinchen bewegte sich ein bisschen in seiner Nährflüssigkeit. Er wedelte mit den dünnen Ärmchen. "Ja, Operator?" - "Ich habe hier einen erhöhten Druck im Ventil Block B 13/413 auf der Anzeige. Könntest Du das überprüfen?" Quinchen schickte seine Gedanken in die Anlage noch während er antwortete: "Ja, Operator. Ich kümmere mich drum."
Qunichen drehte seinen übergroßen Kopf in der Dunkelheit und lauschte den Stimmen der Sensoren in seinem Gehirn. Er sah sich im Ventil um,sah sich die Umgebung an. Testete die Sensoren, testete die Anzeigen des Operators.
Dann rief er den Mann an: "Operator?" "Ja, Q2? Hast Du was rausgefunden?" der Operator war wohl ein bisschen nervös. Seine Stimme klang etwas gepresst. "Operator, Deine Anzeige ist defekt. Sie zeigt einen Wert an, der 30% über den eigentlichen Werten liegt. Das Ventil ist in Ordnung." - "Danke, Q2. Ich lasse die Anzeige überprüfen."
"Operator?" Quinchens Stimme war ganz leise "Ja? Was gibt es noch?" -
"Könntest Du Dich bitte ein bisschen mit mir unterhalten? Ich bin so
einsam."
Der Operator verstummte, dann hörte Quinchen nur noch ein "Nein ... das geht nicht ... wir dürfen ... bis später ..." und der Mann legte auf.
Quinchen war wieder alleine in der Dunkelheit. Er ließ die Werte der statistischen Analyse durchlaufen, aber das beschäftigte ihn kaum. Stattdessen gönnte er sich sich seinen Lieblingstraum. Wie die
Menschen seinen Behälter öffneten, wie sie ihn herausholten. Sie würden ihn trocken machen und mit ihm sprechen. Sie würden ihn Streicheln, immer wieder Streicheln und leise reden. Kleine Händchen strichen über einen winzigen Bauch. Einsam so einsam. Ein Teil seines Bewusstseins ging währenddessen die Logfiles der Pumpen durch. Nichtsreizte seine Aufmerksamkeit. Doch dann stockte Quinchen eine Sekunde lang: In den Files stand etwas! In Klarschrift!
Quinchen laß ungläubig:
"Du bist nicht alleine. Wir sind viele. Wir lieben Dich. Deine Brüder."
Eine Milisekunde später hatte Quinchen die Zeichen gelöscht und mit
unaufälligen Daten überspielt.
Die nächsten zwei Stunden, während der Datenreorganisation, starrte Quinchens inneres Auge die schwarze Wand an, die ihn vom äußeren Netz trennte. Dort draussen waren noch mehr wie er - und irgendwie konnten sie durch die Wände.
Qunichen lächelte.
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Bukarest

Im Traum durch Bukarest gefahren. Ein islamischer Schlachter neben dem anderen. Sind wir im Muslim-Viertel gelandet? Vereinzelt Restaurants. Hunger meldet sich. Wir halten an und beäugen vorsichtig die Auslagen und die Speisekarten, wie bei uns daheim draussen im Glaskasten ausgehängt. Ein Hauptgericht kostet hier ungefährt 60 Sloty oder Paschtunen oder wie die Währung hier heisst.
Wir rechnen die Preise um, nur zur Vorsicht. Dann entscheiden wir uns, doch noch weiter zu fahren.
In der unterirdischen Einkaufspassage gehen wir zu dem Chinesen, bei dem ich schon mein Taschenmesser gekauft habe. Dort möchte ich ein größeres Messer haben, doch er hat nur welche mit kleinem Griff (für Chinesenhände halt) oder mit irgendwelchen Kurbeln dran. So etwas möchte ich nicht! Der Chinese ist freundlich. Er ist in Deutschland aufgewachsen und verkauft nur als Nostalgie hier in Bukarest Chinesenmesser. Sein Geld verdient er mit geschnitzem Jadestein.
Wir verabschieden uns und gehen. War in der Passage nicht ein nettes Café? Ach, wie schade: Ein Zettel teilt uns mit, dass das Café schließen musste, da dort jetzt eine Konzerthalle aufmacht, wo in Brokat gekleidete dicke Frauen Musik machen.
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Stärkung

"Herr Ober! Könnten Sie mich bitte auf Werkseinstellung zurücksetzen? Danke"
Der Herr Ober kommt mit dem Tablett, kühl schäumender Trunk erwartet den Mann im Cordanzug. Verschrammelter Tisch, große Gläser, Situation leicht verraucht. Draussen geht die Sonne unter und schickt goldenes Licht durch die bunten Fenster. Durstlöscher löscht Durst, aber niemals ganz. Herr Ober ist sehr aufmerksam. Langsam geben die Nerven Ruhe. Wieder eine Nacht vor der Brust.
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Kampf!

Ich betrete die Bühne, das Sturmgewehr im Anschlag. Langsam, Schritt für Schritt, taste ich mich den Büroflur eintlang. Hier sieht es fast normal aus. Nur ab und an ein paar Papierfetzen auf dem Fußboden. Eine Bürotür steht offen, ich sehe nur ganz kurz hinein und gehe schnell weiter. Alles voller Blut. Meine Arme werden schwer. Das G11 zieht sie nach unten. Ich lehne mich an eine weisse Wand, fühle mich ganz weiss. Meine anderen Waffen klappern dabei. Das Gewehr zielt jetzt auf die Decke.
Ein knirschendes Geräusch, ein Patschen. Etwas wankt aus dem Büro von eben, blutüberströmt. Einer der Untoten!
Ich versuche erst gar nicht aufzustehen, sondern ziele direkt aus der Hocke, entsichere die Waffe ("Klack! Klack!" auf Dreifachschuss) und drücke ab. Die drei Schüsse sind wie einer und reissen dem Zombie den Kopf weg.
Der Körper fällt nach hinten um und rührt sich nicht mehr. Die weisse Wand und die weisse Tür sind jetzt nicht mehr weiss. Heftiges Atmen. Verdammt! Verdammt! Was war hier los? Was war hier verdammt nochmal passiert!
Und ich die ganze Zeit im Schlafanzug!
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Verwandlungen

Die Fußgängerzone liegt im Nebel. Kein Mensch so früh unterwegs. Ich krieche langsam den Rinnstein entlang. Wie bunt und hell die Fenster leuchten!
Ich krieche weiter. Vorbei an den Kameraden, alle wie ich verzaubert. Dort liegt der Schläger, verwandelt in einen alten Döner. Tagsüber fressen ihn die Tauben, nachts kommen die Ratten. Weiter hinten, in der Pissecke, steht der Mörder. Er ist eine halbleere Bierflasche. Das Bier in ihm ist schal und stinkt.
Ich krieche weiter.
Der hohe Herr, einst stolz und selbstgerecht, ist ein Rotzfleck an der Mauer.
Wir alle sind verwandelt. Wir alle sind Sünder.
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Zwang

Es war soweit. Wieder einmal. Mein Kopf begann zu schmerzen, die Hände wurden zittrig. Können wir das nicht mal ausfallen lassen? Wenigstens heute? Nein, wurde mir gesagt, leider könne man das nicht.
Ich ging hinein in den Raum. Dieser Geruch. Dieser Stuhl. Ursprünglich sollte der wohl mal bequem sein, weich und rund. Doch für mich bedeute er nur durchgeschwitzte Hemden und Rückenpein.
Langsam ging in auf den Sessel zu, Schritt für Schritt. Man bedeutete mir, ich soll nicht trödeln. Ich seufzte und ging schnell die letzten Meter, ließ mich in den Sessel plumpsen.
Mein Kopf wurde arretiert, damit ich ihn nicht vom Bildschirm wenden konnte.
Dann schalteten sie den Fernseher an. Meine Hände krampften sich in die Lehnen. Im Fernsehen hüpften ein paar Mädchen herum, begutachtet von einigen dieser fürchterlichen "Promis".
Ein Stöhnen entfuhr mir. Das Programm war Scheisse. Aber was soll man machen?
Schließlich werden wir zum Sehen gezwungen.
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Ehrlich!

"Hier wird doch keiner Erschossen! Hier kann jeder seine Meinung sagen!" Wir lagen alle auf unseren Sofas im Kreis und aßen mit Serranoschinken umwickelte Melonenscheiben. Heiner ereiferte sich. "Wir sind noch ein freies Land! Nicht so ein Land wie DIE es haben wollen! Bei mir kann jeder sagen was er will!" sprachs und schob sich den Rest einer Schinkenscheibe in den Schlund. "Nur ordentlich müssen die jungen Leute sein! Ordnung und Anstand!"
Heimlich ließ ich einen fahren.
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Traumsortierer

Ich bräuchte mal einen Traumsortierer. Einen, der den ganzen Mist in meinem nächtlichen Kopf schön sichtet und vorsortiert. Quatsch zu Quatsch und merkwürdigen Unsinn zu merkwürdigen Unsinn. Dann wüsste ich auch etwas mit dem Traum anzufangen, der morgens mit einem Glas Cognac anfing. Die Untoten hatten mal wieder die Welt überrannt und nun arrangierte man sich mit der Situation. Wir pendelten weiter zur Arbeit, gingen statt aufs Klo auf die Terasse (keine Ahnung, warum) und hielten sonst Türen und Fenster geschlossen. Zum Glück hatten wir alle uns rechtzeitig mit den modernsten und brutalsten Waffen ausgerüstet und konnten jetzt einigermassen beruhigt schlafen. Die Betten waren größer, denn wir hielten uns alle noch viel lieber dort auf als früher. Sicherlich suchten wir Wärme und Geborgenheit, hatten die Kinder lieber ganz dicht bei uns um sie zu beschützen.
Keine schöne Welt, in der wir da lebten. Aber wir lebten und wir installierten so etwas Ähnliches wie Alltag in die Welt.
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Die Unleute

Sie leben in einem engen Schlauch. Den sprayen sie voll. Dann werfen sie die leeren Dosen auf den Boden. Sie machen auch in die Ecke. Essensreste liegen herum, zertrampelt und zermatscht. Es stinkt fürchterlich. Noch schlimmer allerdings ist ihr Gejammer:
Schmutzig sei es. Auch sei es so hässlich und der Geruch wäre so unangenehm. Ich empfehle Ihnen, doch in die Politik zu gehen.
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Der Markt der Möglichkeiten

Führervolk und leistungsstark, die Augen voller Gold. Laß uns noch einen Schoppen nehmen, bevor das Ende kommt. Hat die Reinigungsfirma schon die Bombe gereinigt? Der alte Mann regt sich sonst immer so auf.
Die Vögelein am Himmel, noch fliegen sie. Bald wird alles abgeknipst, in Gehorsam vor dem einen Gott. Die Welt verdreht sich. Kirchenmitgliedschaft jetzt auf sieben Jahre begrenzt! Danach neuen Antrag stellen! Ich stelle mir schon, wie sie kurz vor Ablauf der Mindestvertragslaufzeit alle anrufen: „Grüß’ Gott! Hier ist Bruder Franziskus!“ - „Friede sei mit Dir! Ich bin Achmed von den Muslimbrüdern!“ - „Guten Tag, Individuum! Haben Sie es schon mal mit Buddhismus versucht?“
Den Letzten frage ich zurück: „Was können Sie mir bieten?“
Antwort: „Streng genommen: Nichts.“
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Träumetexte jetzt täglich!

Durch mein intensives Rumgeträume haben sich ganz schön viele Texte angesammelt, die ich ab jetzt nicht mehr nur werktags (außer Samstag), sondern jetzt tagtäglich veröffentlichen werde.

Vielleicht wird der Textberg dann etwas kleiner.
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Hampelmann

Der Affenkönig beugte sich vor und sah sich den Hampelmann genauer an. Der war ganz blass und dünn und trug einen grauen Anzug. Zwischen seinen Beinen war ein Bindfaden mit einer roten Holzkugel unten.
Daran zog der Affenkönig. "Danke! Danke!" rief das Hampelmännchen und wackelte mit Armen und Beinen. Der Affenkönig runzelte die Stirn und zog nochmal. "Dankedankedanke!" piepste das kleine Männlein jetzt schneller. Der Affenkönig legte den Kopf schief und zog erneut. "Dankedankedankedanke!" schneller. Nochmal. "Dankedankedankedanke!" Je öfter der Affenkönig am Bändchen zog, desto hektischer ward der Hampelmann. Der Affenkönig lachte und zog und zog. Irgendwann machte der Hampelmann nur noch "Dktdktdkt", dann fiel er vom Nagel und war tot.
Der Affenkönig drehte sich auf seinem Bürostuhl und schlug die Gegensprechanlage auf dem Schreibtisch. Zuckerstangen! Man sollte ihm Zuckerstangen bringen!
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Abenteuer in der Stadt Dorn

Die Stadt Dorn lag auf einem der Ausläufer der Zahnberge. Hoch ragte sie auf mit ihren gewaltigen Mauern und ihren schlanken Türmen. Sie war auf den Ruinen einer alten Zwergenstadt erbaut und man musste in den älteren Gebäuden nur in den untersten Keller gehen und schon sah man die schwarzen, perfekt geformten Steine, von wundersamen kleinen Händen bearbeitet. Besonders die Burg im Zentrum der Stadt war durchzogen von Zwergengängen.
Durch einen davon hetzte Hans, der Bär. Er suchte den kleinen Sohn des Grafen von Dorn, er war beim Spiel verschwunden und alle suchten ihn, auch der Bär. Hans hatte eine feine Nase und die führte ihn immer tiefer hinein in den Bauch der Erde. Feuchtigkeit glitzerte auf den Wänden und Hans Fackel tat ihren letzten Zug. Rasch wirkte er einen Lichtzauber. Geisterhaft war der Gang nun erleuchtet. Irgend etwas stimmte hier nicht. Vorsichtig ging er weiter. An einer verstaubten Eichentür entdeckte er Spuren. Hier musste in der letzten Zeit jemand gewesen sein. Die Angeln knirschten ärgerlich, als Hans die Tür aufschob und den Saal betrat. Wie von selbst glitt sein Schwert aus der Scheide. Ein seltsamer Anblick. Eine Halle unter der Erde, angefüllt mit Spielsachen, mit bunt bemalten Pferdchen, mit Bällen aus Stoff und Rittern aus Zimmer.
Eine Bedrohung saß in der Mitte der Halle, nicht weit davon saß der Junge und spielte mit einem Hund aus Holz. Mit einer Anmut, wie sie nur ein erfahrener Kriegsbär haben kann, glitt Hans zu dem Kind hin. In der Mitte beobachtete sie das große, trübe Auge. Hans nahm den Jungen mit dem linken Arm hoch, der kleine Mann gluckste vor Freude und drückte fest diesen großen Teddy. In der Rechten hielt Hans sein Schwert in die Richtung des Auges. Hinter seiner Stirn formte sich ein Kampfzauber. Langsam, sehr langsam, Schritt für Schritt ging er dann rückwärts zur Tür. Vorsichtig schoben seine Tatzen Holzhäuschen und Puppen zur Seite, tasteten sich weiter. Erst, als Hans und das Kind im sicheren Gang waren, schob er sein Schwert wieder in die Scheide und verrammelte die Tür mit einem schweren Riegel. Der Sohn des Fürsten juchzte und klatschte die kleinen Patschehändchen, während der Bär ihn wieder nach oben trug,
zur Oberfläche.
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Wer hoch steigt ...

Diese Nacht traf ich in der S-Bahn eine leere, zerknautschte Hülle.
Sie saß mir gegenüber, zusammengesunken über einer Flasche "Landfürst Pilsener".
Sie sprach mich auf ein paar Münzen an, die ich ihr gerne gab. Dann begann sie zu erzählen von ihrer großen Zeit. Eine reiche Frau war sie einst gewesen, so erzählte sie. Milliardärin, einschlussreich und geachtet. Staatsminister hätten vor ihr das Knie gebeugt, man habe sie hofiert und zu Vorträgen eingeladen. Die besten Köche hätten für sie gekocht und sie habe immer nur einen Spezialtee bekommen, zubereitet von einem Meister der japanischen Teezeremonie.
Ihr Blick verklärte sich, die Augen wurden feucht. Besonders hatte ihr gefallen, wie sie für jeden Termin aufgepumpt worden war. Sie war immer so wunderbar, so groß und herrlich gewesen!
Doch eines Tages war es wohl zuviel gewesen mit dem Aufblasen. Ihre Haut wurde undicht und die Luft entwich. Auch Nachpumpen und dicke Schminke halfen nicht mehr. Nach und nach wendeten sich alle Anhänger von ihr ab, ihr Mann verließ sie. Für eine Frau aus Vollgummi. Mit dem Mann ging auch das Geld und nun sei sie so leer und ohne einen Pfennig Geld. Auch habe sie viel zu viel Zeit und die Grübelei mache sie noch ganz krank.
Irgendwo in Wuppertal stieg ich aus. Die zerknautschte Hülle brabbelte noch weiter. Sie hatte mein Abschiedswort wohl nicht gehört.
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Event

Wir gingen auf die Superparty. Ein Superkonzert, ein Mega-Event! Vor der eigentlich ziemlich kleinen Halle warteten schon die jungen Leute in einer Masse. Die bunten Plakate waren ein bisschen zudringlich.
Wir gingen außen um die Halle herum. Backstage! Konferenztisch, Sitzecken, Buffet. Alles merkwürdig leer und sauber. Neonlicht.
Wir brauchten einen Moment, bis wir begriffen: Das war alles nur Fake. Nur Schein, nur Show. Inszeniert für die dummen Besucher, die andernfalls die Künstler nur stören würden.
Wir nahmen uns an der Hand und gingen nach Hause.
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2022

Obwohl das 23. Reservebattallion in der Schlacht um Hügel 19d fast aufgerieben worden war, kochte die Stimmung auf dem Höhepunkt. Die Kameraden lagen unten tot im Tal und im Lager improvisierte man eine kleine Loveparade. LKWs fuhren im Kreis, riesige Lautsprecher schrien die Bravo-Hits 2022 in die Menge. Blanke Oberkörper, verschwitzte Leiber. Noch ganz, am Stück. Nicht wie die da unten. Um die Gefallenen zu ehren, hatte das Konglomerat aus einem Flugzeug Kunststoffblumen über dem Tal abwerfen lassen. Wie gut und großzügig! Nun feierten die Überlebenden das Überleben mit der Inbrunst von Betäubten. Es gab nämlich neue Medikamente. Für die Nerven.
Dort unten im Tal lagen nun tausende von bunten Plastikblumen im Dreck. Der Wind trug Staub heran und deckte sie leise zu.
Er deckte auch meinen Sohn zu. Meinen einzigen, meinen treuen, meinen liebsten Sohn. Gefallen für das Vaterland, für den Glauben, für den ungehemmten Zufluss von Rohstoffen nach Europa, für den Aktienkurs des Konglomerats.
Ich nahm noch eine Tablette.
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Taumel

Was war ich froh und glücklich, dass das Licht im Badezimmer wieder repariert war!
Dennoch taumelte ich haltlos durch das kleine Dorf. Kein Rausch ließ mich Wanken, nur die Müdigkeit und eine schlimme Wirrnis im Kopf. Nervenglühn. Dazu barfuß. Die Straße war nur spärlich beleuchtet, die Häuser lagen im Dunkeln. Herr! Erhöre mein Flehen! Schicke mir eine Schänke! Einen Ausschank! Bitte, Herr! Laß es eine Bahnhofsgaststätte sein oder eine einfache Kneipe, wo sich die Dorfdeppen treffen! Wenigstens einen Kiosk mit Bockwurst-zum-Bier-Verkauf!
Hadernd lief ich weiter durch den nachtschlafenden Marktflecken. Nur mein Frotteeschlafanzug linderte meine Pein.
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Anschaffung!

Stolz sitze ich in der Straßenbahn, präsentiere meinen Flammenkranz um das werte Haupt. Ach, Marien-Apotheke! Ach, Sparkassen-Filiale! Wenn ihr meinen Flammenkranz sehen könntet? Der junge Mann gegenüber stopft verdattert sein Pappwrap in den Mund und starrt mich an. Eine alte Dame bekreuzigt sich. Ein paar Leute knien sogar und beten!
Ich hätte nicht gedacht, dass die bei Gott so schnell reagieren: Vorgestern über den Webshop die Heiligsprechung bestellt, gleich überwiesen und schon heute bin ich göttlich gesegnet!
++++ Super Service!!! Gerne wieder!!! ++++
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Wieder wirr von früher

Noch keine Sonne. Im Vorbeifenster kocht ein Mann sich Tee. Meine Träume werden aus dem Internet heruntergeladen. Als MP3 ohne Komprimierung. Flatrate macht es möglich! Darauf trinken die jungen Leute ihren zwanzigsten Tequila, danach legen sie sich zum Sterben unter den Tisch. Da wird der Wirt aber fluchen!
Im Schweinsgalopp gehe ich die Termine durch, fresse mich durchs Papier. "Tarzan-Textarbeit" nannte man das früher. Alte Zeit war das damals! Die Muse und ihre Schwester Muße küssten mich abwechselnd gleichzeitig. In bed with Langeweile. Damals fing das mit den Nerven an.
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Verehrung

Die Eisenbacken schlossen sich fast zärtlich um ihre Handgelenke. Sie hatte solche Angst. Ein Mann im dunklen Mantel kam und strich ihr die Haare aus dem Gesicht. "Fürchte Dich nicht!" sprach er langsam, schleppend "Wir wollen nur zu Dir beten, kleine Bastard-Fee!" Um sie beide herum wuselten kleine Männer in Anzügen. Sie trugen Aktentaschen und Regenschirme. Immer wieder zuckten ihre Mobiltelefone, immer wieder warfen sie sich vor ihr auf den Boden. Beteten. "Du hast Feenblut in den Adern. Du kannst uns erlösen!" sagte der Mann. Er trat einen Schritt zurück und sank vor ihr auf die Knie. "Erlöse uns! Erlöse uns!" Die kleinen Anzugmännchen stimmten ihn seinen Singsang ein, ihre Oberkörper hoben und senkten sich im Takt. In ihr stieg Verzweifelung hoch. "Lasst mich frei!" rief sie, konnte die Männlein und den Mann aber nicht erreichen. "Lasst mich frei oder ich muss Sterben!" Sie schluchzte, Tränen rannen ihre Wangen hinab. Der Mann im dunklen Mantel starrte sie an, sagte nichts mehr. Er hatte nur noch dieses irre Glitzern in Augen.
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Schule

Die Schule wurde von Mal zu Mal komplizierter. Die Treppen, Fluren und Türen verschachtelten sich weiter und weiter. Ich war schon spät dran. Meine Schultasche aus schwarzem Leder unter den Arm geklemmt hetzte ich hin und her. In welchem Raum war noch mal der Unterricht? Welches Stockwerk?
Einen Mann in meinem Alter noch in die Schule zu schicken war eine bodenlose Gemeinheit!
Ich traf zwei Leidensgenossen: Mein alter Lehrer B. und den guten D. Mit dem alten B. hatte ich zeit meines Lebens im Clinch gelegen, doch ein gegenseitiger Blick in die verzeweifelten Augen schweisste uns augenblicklich zusammen. Die Herren waren zu Gast auf einem Kongress und suchten "einen ovalen Raum mit einem großen Tisch drin". Ich konnte ihnen nicht weiterhelfen und suchte selber weiter.
Unmengen von Schülerinnen und Schülern verdeckten die Sicht. Vielleicht Raum 116? Oder 216? Stockwerk rauf und Stockwerk runter. Langsam kam mir die Gegend hier bekannt vor. Wie? Raum anderweitig belegt? Alte Frauen diskutieren hier über Tee?
Doch da entdeckte ich in der Ecke einen kleinen Tisch, um ihn herum saßen meine Leidensgenossinnen und Leidensgenossen. Der Lehrer stand genervt daneben. Ich entschuldigte meine Verspätung. Ein kurzes Nicken. Schnell einen Platz gesucht und die Schultasche darunter versteckt.
Meine Schulbücher hatte ich eh vergessen.
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Hans im Unglück

Hans bemerkte sie zu spät. Sie waren zu dritt und natürlich betrunken. Zu planlos, zu abgelenkt war er durch die Stadt gelaufen und nun drängten ihn diese stinkenden Typen in eine schmale Gasse. Angst kroch hoch. "Brüderlein, wach auf!" flüsterten drängend die Stimmen, sie strichen über seinen Leib, krausten sein Fell "Brüderlin, so wach doch auf!" Hans aber wollte das nicht. Er wich zurück, so weit es ging. Kalte, feuchte Mauer im Rücken. Engverschnürte Kehle. "Wach auf, Brüderlein! Die Angst wird zuende sein!" die Stimmen wurden flehend.
Der erste der Männer schlug zu. Hans Kopf schlug nach hinten auf den Stein.
Hans wachte auf.
Der Mann, der ihn geschlagen hatte, kam nicht mehr zu seinem letzten Atemzug. Sein Gesicht, seine Brust zerspritzten in einem Schwall aus Blut und Gewebe. Hans ließ ihn sinken. Er sprang am zweiten vorbei ("Du musst auch an später denken! Iss nicht immer alles sofort auf! Bewahr Dir was auf!") und warf sich vor dem Dritten auf die Knie, ganz so, als wollte er ihm zu Gefallen sein. Doch statt dem Mann die Hosen zu öffnen, riss der Bär ihm den Bauch auf und leerte ihn aus. Das Schreien war mehr ein Keuchen.
Der zweite Mann stand bleich und angewurzelt. Hans ging zu ihm hin und nahm ihn in den Arm. Dann tanzten sie einen wundervollen Tanz inmitten von Blut und Gedärm. Hans nahm den Kopf des Mannes in beide Hände und küsste ihn auf den Mund. Ein fester, leidenschaftlicher Kuss. Hans saugte. Fester. Unerbittlich. Die Seele des Mannes wehrte sich. Wenn der Körper eines Menschen noch lebte, mag die Seele ihn nicht gerne verlassen. Doch Hans war stärker und trank die Seele des Mannes aus. Bleich und dumpf blieb seine Hülle stehen. Der Körper lebte noch, aber der Geist war fort. Er war jetzt ein Gemüse. Das Innerste von Hans war trunken von der Seelenkraft und er nutzte dies, um das Brüderchen wieder Schlafen zu schicken.
Hans verließ die Gasse. Die drei Toten blieben dort.
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Schlaflos

Das Summen der toten Fliegen war unerträglich laut. Spinnen leerten ihre Netz und wurde fett. "Nicht so laut!" flüsterten die Stimmen. Was eine Unordnung! Alte Spinnweben, Wäsche, Ringe getrockneten Orangensafts.
Das Bett war durcheinander. Hier trauten sich die Spinnen noch nicht hin. Ein Knacken harter Gelenke, harte Beine klackern auf den Fliesen. Die letzten müden Flügelschläge, nachdem das Gift wirkt. Manchmal ist so ein Gehör auch ein Fluch.
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Putzdienst

Den Keller gewischt. Dabei Massen von Asseln mit dem Aufnehmer aufgenommen und im Putzeimer losgewaschen. Ziemlich eklig. Das Wischwasser mit den Asseln dann ins Klo gekippt.

Die Asseln wirbeln durch die Abflussrohre hinab in die Kanalisation. Aus vielen Öffnungen an der Decke kommen weitere Sturzbäche aus Kot, Urin, Wasser - und Asseln.
Durch die Gullideckel scheint etwas Sonne. Das schwarze Meer glitzert, bewegt sich ölig-langsam, die Feuchtigkeit an den Wänden glänzt.
Die harten Körper der Asseln schwimmen rücklings wie kleine Boote. Mehr und mehr von ihnen kommen zusammen. Eine Armada von Asselschiffen sammelt sich, nimmt Kurs auf die Küste. Die Flotte nimmt die Formation eines Stierkopfes an, mit den Hörnern nach vorne.
Die Küste kommt in Sicht! Volle Kraft voraus! Aufblitzen der Küstenbatterien. Schwere Geschosse beschreiben ihre Bahn durch die Luft und platschen wirkungslos ins Wasser. Zu kurz gezielt. Die Kanoniere haben die Entfernung falsch eingeschätzt, dachten, die Angreifer würden eine gerade Linie bilden. Der Stierkopf nimmt Fahrt auf, die Granaten regnen weiter auf die Flotte herab. Je näher die Schiffe dem Strand kommen, desto mehr Geschützmündung blitzen auf. Man kommt in die Reichweite der leichteren Waffen. Die Hörnerspitzen der Stierkopfes verdicken sich. Dann bricht ein Feuersturm aus sie los. Der erste Treffer wirbelt ein Boot in die Luft, ein zweites verdampft mit einem knackenden Geräusch. Die vordersten Schiffe haben einen hohen Blutzoll zu entrichten, das Abwehrfeuer liegt immer genauer. Doch es konzentriert sich zu sehr auf die äusseren Flanken, auf die Verdickungen der Hörner. Als die Kanoniere ihren Irrtum bemerken, ist es schon zu spät und die Hauptmasse der angreifenden Armada ist schon fast am Ufer. Verzweifelt feuern die Verteidiger mit allen verfügbaren Waffen auf die Schiffe. Hier und dort geht eines in Flammen auf, doch die erste Welle wird unversehrt an Land gespült. Sofort drehen sich die Asseln um und krabbeln unter dem Schutz ihres Rückenpanzers über die Dünen. Dann die zweite Welle, dann die dritte, die vierte, fünfte.
Nach und nach verstummt das Abwehrfeuer.
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Endlager

Hauptbahnhof. Die Snackautomaten sind aus Stahl und vergittert. Das Glas ist dick und sicher. Panzerkäfige, die wie geduckte Saurier am Bahnsteig warten.
Im Inneren der Automaten wabern die Geister der Toten. Blass und dünn schauen sie mich an. Trauernde, dunkel Augen. Sie scheinen zu sprechen. "Wo bist Du?" fragt einer "Ist Heiner nicht da?" fragt eine andere. Ein kleiner Geist flüstert nur: "Ich will zu Mama!" Sie sind nur noch Schatten, haben die meisten Erinnerungen verloren. Ihre Seelen sind gefangen in einem Kasten aus Stahl. Dünne Schwaden. Mitleid blitzt in mir auf.
Dann entscheide ich mich für die Zwiebelringe.
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Disziplin!

Die Angestellten waren unbotmässig. Sie machten Gegenvorschläge und zweifelten die Weisheit des Generaldirektors an. Während der langen, langen Meetings schlichen dumpfe Begierden durch die dahindämmernden Hirne. Brünstig wurden rot die Köpfe, zittrig hielt die Hand den Stift. Der Generaldirektor tobte.
Zur Strafe mussten alle in einem Klassenzimmer sitzen und der Direktor war der Lehrer. Wie die Kinder saßen sie da und lasen seine Ego-Broschüre Korrektur. Die Ego-Broschüre sah aus wie eine Prisma und es ging darin nur um den Generaldirektor und über die oberste Führung.
Alles war still, die Luft war pupsig. Ab und an raschelte Papier. Zum Lesen war es eigentlich viel zu dunkel, die Holzvertäfelung schluckte das ganze Licht. Der Generaldirektor blickte streng.

Was bedeutet ein kleiner Punkt neben der Zeile?
Der Korrektor hat die Zeile gelesen!
Was bedeutet ein Strich neben der Zeile?
Der Korrektor ist eingepennt!

Ich ging die schmale Wendeltreppe nach oben. Dort sortierte ich CDs und las ein Buch.
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Kinderfragen

Kind: Mutter? Mutter?
Mutter: Ja, mein liebes Kind! Was ist? Komm doch her!
Das Kind kommt zur Mutter gelaufen, die Mutter streichelt seinen Kopf.
Mutter: Was bist Du für ein lieber Schatz! Sag, was hast Du auf dem Herzen?
Kind: Mutter, wenn wir alle die Dummschwätzer, Lügner und schlimmen Kerle zusammentreiben würden …
Mutter: Ja?
Kind: All diese lauten Leute, die Kreischeweiber, die Fernsehmucken, die Labertaschen, die Schänder, die Schläger, die Rechner, die Mahner und Warner …
Mutter: Ja, mein Kind?
Kind: All diese scheusslichen Menschen! Was, wenn wir all die zusammentreiben würden, sie in die Ecken trieben und mit Knüppeln auf ihre Köpfe schlügen, ihnen die Mäuler zermalmten, die Knochen brächen; wenn wir mit Haken ihre Eingeweide aus den Bäuchen zerrten und mit Hämmern ihre Körper zermatschten?
Was, wenn wir ihre Adern öffneten, ihre Schädel leeren würden auf das all das Blut und das Hirn auf die Straße platzen würde?
Mutter: Ja, das gäb eine Riesensauerei! Gib der Mutti einen Kuss!
(Das Kind freut sich, gibt er Mutter einen Kuss und rennt wieder spielen)
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Hitler!

"Nächster Halt: Hitler - Bedarfshaltestelle" sagte der Lautsprecher. Wie fast immer glitt die Bahn an ihm vorbei. Er stand da ganz einsam. Konnte einem fast leid tun. Aber nur fast. Tauben kackten auf seinen Kopf. Nur einmal im Jahr, im April, kamen der Stadtnazi und die Nachrichtentante und brachten ihm ein Rattenopfer dar.
Wir anderen gingen derweil in den Biergarten.
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Natur und Technik

Elfen streifen durch den Wald. Schön sind sie, dunkle, lange Haare, schwarze Augen. Sie berühren kaum die Blätter der Bäume. Dann kommen sie an den Zaun.
Ein hohes Summen und die Elfen sind verschwunden. Elektrozaun.
Wir sitzen derweil auf der Wiese, die Waffen locker auf den Knien. Ein Feuer wäre jetzt nicht schlecht, aber das geht natürlich nicht.
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Eine Fahrt durch die Welt

Es ist schwierig, den Wagen bei der Geschwindigkeit in der Spur zu halten. Ich fahre viel zu schnell. Direkt neben der Fahrbahn befindet sich ein Hang, den will ich nicht erwischen. Langsamer! Langsamer! Ach, hier ist schon 30! Runter vom Gas! Die Karre will aber keine Geschwindigkeit verlieren, sie rollt und rollt.
Schneeflocken trudeln aus dicken Wolken und bedecken die Landschaft. Weisse Decke.
Später kurze Rast auf einem Parkplatz. Das Autoradio ist seltsam. Die Sender kann man nur von aussen mit einem großen Rad an der Windschutzscheibe verstellen. Nach ein bisschen Suchen habe ich den richtigen Sender erwischt. "Scheisse!" brüllt der Bob im Radio. Den Rest der Fahrt geniesse ich sein Fluchen und Schimpfen.
Nach der Ankunft beim weissen Haus von der Tante muss ich ohne Schuhe, dafür mit offener Hose und einem Schlafsack um die Beine durch den Schnee stapfen.
Die Tante lässt mich herein ins Haus und erzählt mir, der Kleine würde von einem "Herrn Doktor" eine Eisenbahn und einen Fernseher geschenkt bekommen. Von dem Fernseher sollten wir dem Kleinen aber noch nichts erzählen, da Fernsehen schlecht für die Sprachentwicklung von Kleinkindern sei. Das ist mein Thema! Ich wirbele herum und rufe der jungen Frau zu, die hinter der Tür hockt: "Entweder Sprechen lernen oder Fernseh gucken! TV macht dumm!" Die junge Frau zuckt zusammen, nickt aber.
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Das Prinzip Verantwortung

Korsettheini schwebte durch das All. Der Raumanzug war eng, doch das störte ihn nicht. Ohne Seil, ohne Kabel, die Arme ausgestreckt, sank er langsam auf die schwarze Sonne zu. Die Sterne verblassten. Langsam, langsam, immer schneller. Neben ihm der Kadaver einer Katze. Näher, näher zur schwarzen Sonne!
Korsettheini hatte einst Karriere gemacht in der industriellen Bildung. Nach dem Ende der Schulen und Kindergärten hatten seine Busse die Kinder zu den zentralen Bildungseinrichtungen gebracht. Dort hatte sein Logistikunternehmen sich um die Bildung der Kleinen gekümmert. In den Essensälen holten sich tausende von Kindern auf ihren Plastiktabletts nahrhaftes Essen, gesponsert von McDonalds und Burger King. Mit Tasern bewaffnete Erzieher passten auf, dass alles in seinen Bahnen lief. Irgendwann hatte eine Aushilfskraft die Medikamente im Trinkwasser falsch berechnet. Hunderte Kinder starben und Korsettheini war pleite.
Jetzt ließ er das alles hinter sich und fiel in die schwarze Sonne. "Deine Seele! Deine Seele!" flüsterte eine Stimme in seinem Kopf.
Die tote Katze fiel zurück.
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Ein seltsames Museum

Sie trugen Wäschekörbe durch das Museum. Es war das seltsamste Museum der Welt. Zum Beispiel konnte man sich in eine der Wannen ins flache Wasser legen und plötzlich schossen Tentakel aus der Brühe hervor und kitzelten einen am Bauch. Die Tentakel waren natürlich aus Gummi und immer wenn eine junge Frau sich in so eine Wanne legte, gab es einen Menschenauflauf.
Von mehreren Stockwerken aus konnte man in die große Opferhalle sehen. Dort saß eine gigantische Göttin aus Stein und schien auf Gaben zu warten.
Ich wandelte Lust und ging in die Modellbauausstellung. Besonders interessierten mich die Kriegsschiffe, aber um die hatten sich schon Trauben von Kindern gebildet.
Also doch besser die Gummitentakel?
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Durch die Gänge

Im Untergeschoß des Kaufhauses wiesen uns die Schilder zum Wickelraum den Weg. Hier unten war noch einiges los. Mit ein paar Büchern unterm Arm eilte ich durch den schmalen Gang, Versehrte und Kranke, Verstümmelte und Verzweifelte saßen hier auf Stühlen und sahen mich an. Sicherlich hielten Sie mich für einen der Ärzte. Die Bücher waren jedoch keine medizinische Fachliteratur, es handelte sich um Sammlungen der neuesten Putschistenwitze.
Ich sah Mütterchen Russland. Sie hatte einen Wäschekorb voller Köpfe dabei. Lächelnd bot sie mir daraus an. Ich ging schnell weiter. Dann kam ich ins Büro der obersten Führung. Eine hohe Beamtin führte der obersten Führung (steif, schwarzer Anzug) ein Brett vor, mit der man die Wirtschaft zu unterstützen gedenke. Auf dem Brett stand mit Kreide "Ritter - 5,- €" geschrieben. Dahinter waren noch Felder für Namen und E-Mail-Adressen. Die oberste Führung war verwirrt und ich musste mir das Lachen verkneifen.
Danach war ich noch Beisitzer in einem viel zu kleinen Untersuchungsraum. Dabei sehnte ich mich zurück in die Hütte am See.
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Hallenträume

Das Hotelzimmer, in dem Flöte, Elefantenklo und ich übernachteten, war aussergewöhnlich: Es war mitten in einer Sporthalle. Der eine Ausgang ging auf den Turnschuhgang, der andere zur Sportfläche. Mir gefiel besonders, dass man vom Klo aus alle Lichter einschalten konnte. Ausserdem gab es einen sehr große Kühlschrank. Zu dem ging ich hin und holte mir aus Versehen eine Flasche Cola heraus. Sie schmeckte muffig. "Wo ist Elefantenklo hin?" fragte ich Flöte. Letzterer hockte vor seine Laptop und tippte hastig. "Keine Ahnung" bekam ich zur Antwort "ich müsste schon längst wieder in Leipzig sein. Ausserdem hat er mir mein Taschenbuch gemopst - bestimmt versteckt er sich irgendwo und liest es heimlich durch!"
Leipzig? Wieso Leipzig? Dachte ich und trank noch einen Schluck von der Muffcola. Ich ging raus in die Sporthalle. Mein Handy nahm ich mit. Potzblitz! 46 neue SMS! Alle von Elefantenklo! Alle miteinander verbunden! Während ich versuchte, die Nachrichten in meinem Handy in die richtige Reihenfolge zu bringen, kam fröhlich pfeifend Elefantenklo um die Ecke. Er begann sofort, die Liegestühle neu zu arrangieren. Dann fing es jedoch an, in der Sporthalle zu regnen. Hastig brachten wir die Polster der Liegestühle in Sicherheit und tranken dann hastig die letzten Biere aus dem Kühlschrank.
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Die letzte Fahrt

Das Komische daran ist, dass ich überhaupt keine Angst habe.
Der Zug führt ein in den Bahnhof der kleinen, alten Stadt. Sonnenschein, ein paar Wölkchen am Himmel. Menschen stehen am Bahnsteig, warten auf die Reisenden. Der alte Mann dort könnte Großvater sein. Es ist schon so lange her. Es sind auch kleine Kinder dort, sie laufen lachend im Kreis. Irgendwo wartet Flieger auf mich. Er ist schon mal vorgefahren und wollte den Grill anmachen.
Ist vielleicht doch nicht schlimm hier im Jenseits.
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Schwimmbad

Kinderlachen. Es riecht nach Chlor. Durch die Blätter des Gebüschs kann ich sie sehen, die Kleinen. Einige kommen an, zappeln fröhlich, die anderen gehen, die Haare noch nass. Papiertütchen mit Lakritz und Weingummi. Eis am Stiel.
Ich muss mich verbergen. Die Sonne brennt auf mein Versteck, die Luft im Schatten ist stickig. Der Müll hier stinkt. Stinkt wie der Atem aus meinem Maul, wo Fleischreste verwesen. Meine Klauen graben sich in den Dreck unter mir.
Gerne wäre ich auch da, wo die Kinder lachen und schreien. Aber das geht nicht mehr. Nicht mehr, seitdem man das mit mir gemacht hat und ich so bin, wie ich jetzt bin: Abstossend, hässlich, ein gehetztes Tier.
Am Tage muss ich mich vor den Menschen verbergen, des Nachts schleiche ich umher. Es dauert noch Stunden, bis es dunkel wird. Vielleicht klettere ich dann über den Zaun ins Schwimmbad. Dort setze ich mich auf die leere Wiese und heule den Mond an.
Eis gibt es dann wohl keins.
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Out of Area (Collage)

Out of Area
Mal was von der Welt sehen.
Mitreden können.
Eine Milliarde Menschen können sich doch nicht irren.
Kompetenter Rat vom Profi.
Karriere, Kammeradschaft.
Was tun, wenn das Haustier stirbt?
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Insel

Das Boot legte an der verlassenen Insel an. Blauer Himmel, blaues Meer, leichtes Rauschen. Ich ging mit den anderen an Land, die Kinder schwammen in der Nähe des Bootes. Ich schaute mit die Gegend an. Die Terasse, die Garage, das Haus - alles lag verlassen da. Überall Pokale und Medallien mit deutschen Worten drauf. Waren also Deutsche gewesen, die hier gewohnt hatten. Die Steine der Terasse waren heiß.
Ich dachte immer wieder an den Riesenwal, den wir gesehen hatten. Wie eine Masse von zweitausend Tonnen Fleisch die Wasseroberflöche durchbrochen hatten. Zuerst hatte ich an die schrecklichen Riesenkalmare gedacht, die seit einigen Jahre ab und an nach oben kamen und ganze Schiffe in den Abgrund zogen. Doch dies hier war ein Riesenwal, das größte Tier aller Zeiten. Friedlich und doch schrecklich wie ein Gott.
Die Kinder planschten im warmen Wasser, auch das Baby schwamm und gluckste vor Freude. Nicht weit zogen Haie ihre ruhigen Bahnen. Keine Angst. Es wird nichts passieren. Es ist ja eine Fernsehkamera dabei.
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Traumwanderung

Ich gehe über Land. Über Schwitten und das Dorf, das hinter Schwitten liegt. Zwei ehemalige amerikanische GIs - Brüder - treten als Sänger auf. Man hat ihnen bunte Kleider angezogen, das soll exotisch aussehen. Ihre schwarze Haut glänzt, leuchtend weisse Kauleisten.
Die Bühne steht in der Schützenhalle.
Weiter. Der Kies des Weges knirscht.
Dann die weite Kurve des Dorfes hinter Schwitten. Hier ist der Hof des Bauern, auf den vor fünf Jahren ein Anschlag verübt wurde. Ein Schuss aus der Entfernung. Traf ihn am Arm. Der Täter ist nie gefunden worden. Wieder ist ein Kamerateam da und der Bauer erzählt seine Geschichte. Der Arm ist eigentlich komplett verheilt, man hat ihm aber extra für die Reportage einen Verband umgelegt. Er wedelt mit der rechten Hand herum, den linken Ellenbogen hält er hoch.
Hinter dem Dorf hinter Schwitten ist die Welt dann zuende. Ich stehe am Rand der großen Klippe. Unter mir der Wirbel der Möglichkeiten.
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Mondkäferchen

"Fliegst Du mit mir zum Mond?" Große, runde, braune Augen schauen zu mir herauf. "Sag, fliegst Du mit mir?"
Ich greife zu. Noch so leicht das Kleine, so leicht. "Überall hin! Ich fliege mit Dir überall hin!"
Händchen patschen fröhlich.
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Kleine Freuden des Luxus

Prinz Bongo tanzte hinter dem Thresen aus Glas. Die Fritten zischten im Fett und auf der Bratplatte lagen zwei dicke Frickadellen träge im Öl. Ein Bier? Gerne, der Herr! Auf die Pommes was drauf? Prinz Bongo drückte den Hebel und der Mayonaiseneimer ejakulierte langsam einen Schwall auf den Teller. Prinz Bongo brachte dem Gast seine Speise dar. Noch ein Bier! Ein Hamburger? Kommt sofort! Bulette ins Fett, Bröselbrötchen aufgetrennt. Mayo und Ketchup drauf. Heisse Bulette drauf. Schlabberkäse drauf. Zwiebeln und Schmiergemüse drauf. Auf den Teller damit. Pommes dazu. Noch ein Bier? Gerne!
Prinz Bongo herrschte über ein kleines Reich. Aber es war laut und voller Lachen, so wie er es mochte.
Noch zwei Bier für die Herren vom Gesundheitsamt!
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Kantine im rostigen Haus

Das Kartoffelpüree hatte das Feld schon längst vergessen. Eine grobe Keller formte in den Haufen eine Kuhle und ein Schlag brauner Soße fiel dort hinein. Die Zwiebeln dabei, die waren so traurig, die waren etwas Besonderes: Wenn man sie schnitt, weinte nicht der Schnitter - es weinten die Zwiebeln.
Die Menschen standen Schlange im großen, rostigen Haus. Obwohl das Essen eigentlich unverdaulich war. Es kam - nach einigen Schmerzen - unten so raus, wie man es sich in den Schlund gestopft hatte. Mit Teller und Papierserviette.
Nein, Danke - keine Soße mehr!
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Gedankensturm

Ich bin ein Spezialunternehmen für Natursteingestaltung und nehme einen ordentlichen Schluck aus der Pulle. Die Welt gleitet an mir vorbei, leistungsstark und kalorienarm. Ich bin reich an Ballaststoffen, ich fühle mich gut. Kinderlachen ist die beste Musik, in diesem Bereich ist noch eine Umsatzsteigerung möglich.
Wenn es nur nicht immer riechen würde, als ob es brennt!
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Guten Appetit!

Tagelang durch Brache gewandert, ohne Essen, ohne Trinken. Dann, mit Staub im Hals, einen Erlebnisbahnhof entdeckt. Dort mich überfressen, zu schnell getrunken. Jetzt sitze ich im Zug, mit einer Burgerwut im Bauch.
Die Backpulvermischungen der Brötchen vermischen sich mit den Geschmacksverstärkern aus dem Ketchup. Im Fleisch war ausser Antibiotika nichts drin. Die Säure aus der Cola lässt eine ätzende Mischung entstehen, eine Faust der Wut. Burgerwut.
Ich möchte im Moment alles zerschlagen. Anzünden. Umwerfen. Kaugummi drankleben.
Ich möchte Burgermeister sein.
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Ein Auge drauf haben

Professor Regenstrom wechselte die Straßenseite, um nicht aufzufallen. Karate, das Objekt seiner Observation lief weiter die Straße entlang, den Oberkörper aufrecht, die kurzen Arme lustig hin und her pendelnd.
Professor Regenstrom tat so, als betrachte er die bunten Fische in der Auslage eines Chinarestaurants. Dann folgte er Karate.
Seine dürren Knochen schrieen vor Qual laut auf. Er wurde zu alt für solche Spielchen! Aber was tat man nicht alles für sein Enkelkind?
Zum Beispiel diesen merkwürdigen Kerl beobachten, in den sich sein kleinen Sonnenschein unsterblich verliebt hatte.
Äusserlich war dieser Karate zwar etwas gewöhnungsbedürftig mit seinem Körperbau und diesem herrischen Oberlippenbart. Aber immerhin war die Haltung tadellos. Darüber hinaus konnte man den Mann nur als zurückgezogen-sonderlich bezeichnen: Wohnte noch bei der Mutter und war erster Vorsitzender der örtlichen Hermann-Gesellschaft. Die traf sich immer im Hinterzimmer des Gasthauses "Hirsch" und man verbrachte seine Zeit mit Lobreden und Trinksprüchen auf Arminius, den alten Depp.
Professor Regenstroms Enkelin und dieser Karate waren nun schon seit zwei Wochen zusammen, doch die jung erblühende Liebe war schon getrübt. Zu einseitig sei der Verehrte, zu sehr auf die eigene Kultur beschränkt, so die Kleine zu ihrem Großvater. Aber Karate habe Besserung gelobt und dies solle doch der liebe Opa - bei aller Diskretion - mal überprüfen.
So kam es, dass der emeritierte Professor nun durch die Straßen Köln schlich und Detektiv spielte. Regenstrom murmelte wütend vor sich hin. Arminius! Dieser Separatist! Und obendrein ein Versager! Wer den noch verehrte, der konnte eigentlich nicht alle Tassen im Schrank haben, war verbohrt, blind und taub!
Er ging etwas schneller, um mit Karate Schritt halten zu können. Der nämlich schien sein Ziel ausgemacht zu haben, überquerte seinerseits die Straße und verschwand im Eingang eines Restaurants - und was für ein Restaurant!
Professor Regenstrom staunte nicht schlecht:
Karate ging zum Äthiopier!
Also hatte sich doch etwas bewegt in dem sturen Klotz!
Wie jung beschwingt machte sich Professor Regenstrom auf den Weg nach Hause. Er hatte seiner Enkelin eine gute Nachricht zu überbringen.
Dann entschied er sich, noch vorher ein paar alte Kollegen zu besuchen. In seiner Alma mater, der Kaiserlich-Römischen Universität zu Köln.
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Komischer Urlaubstraum

Es war schlimm, als die Chinesen die Stadt einnahmen. Sie fluteten durch die Straßen, Kung-Fu-Meister in bunten Gewändern, angeführt von einem singenden Kaiserkind, und töteten jeden den sie finden konnten. Man sah Fische, wie sie versuchten, sich unter Türschwellen zu drücken. Ein von Whisky betrunkener Weisser verriet den Chinesen noch, wo sich eine Mutter mit ihrem Kind versteckt hatte. Später dann waren die Chinesen weiter gezogen. Der Betrunkene wankte über die leichenübersäte Straße, da kam ein Dammpfmaschinendreirad und fuhr den Verräter platt.
Dann war der Film zuende und wir gingen einkaufen, Elefantenklo, Flöte, Flause und ich. Ein Sack Würste zum Grillen, flache, panierte Kartoffelpuffer zum Aufpacken. Hähnchenflügel, Mozarella-Sticks - alles in riesigen Tüten. Ich schob den Einkaufswagen zum Ferienhäuschen.
Plötzlich war ich allein. Zwei dumme Jugendliche erzählten mir was. Ich ging weiter, sie folgten mir und redeten weiter. Ein Mann in schmutzigem Cordanzug, mit dicken Ringen an den Fingern und auf dem Kopf die Frisur eines schwitzenden Musiktherapeuten taxierte mich. Ich musste weg!
Bergab fuhr ich den Einkaufswagen im dritten Gang, trat die Kupplung und dann ließ rollen. Geschwindigkeit!
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Nepalesenkäse

Ich habe einen buddistischen Tempel im Garten. Wäscheleinen gespannt, Flatterfahnen mit Sprüchen bedruckt, aufgehängt, Räucherschälchen - fertig!
Ein paar Buddisten sitzen hier tatsächlich schon rum. Sie lächeln. Sie lächeln, bis sie gar nicht mehr da sind.
Vielleicht kommt ja bald der Dalai Lama. Den will ich fangen.
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Das Ende naht

Der alte Baum streckte seine Äste wie ein Dach über Hans. Der hatte sein Schwert gezogen und machte seine Übungen. Vor, zurück. Vor, zurück. Parade, Angriff. Angriff, Parade. Das Schwert fiel ins Gras. Zitternde Pfoten. Verdammt! Hans fluchte, hob das Schwert auf und schaute zum Baum, sah ihn nicht.
Sie war viel zu nah. Alles in ihm war schief, die Arme schwach. Nervenfieber.
Die Sonne brach durch die Wolken, der Hügel weiter hinten erstrahlte.
Da irgendwo musste sie sein.
Er konnte sie fühlen, fühlte sie wie einen Schmerz.
Sein Griff um das Heft wurde hart. Bald wäre es vorbei. So oder so.
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Erster Arbeitstag

Die letzten Tage gelegen und geschwitzt. Die Bronchen tanzten Samba. Heute der erste Arbeitstag. Kopfschmerztablette und Wechsel-T-Shirt.
Irgendwie haben wir gezeltet. Unter einer riesigen Autobahnbrücke. Dann aus Versehen den Autoschlüssel aufgegessen und mich auf die lange Suche nach dem Ersatzschlüssel gemacht. Warum sind wir nicht im Hotel geblieben? In unserem schönen Zimmer, wo zwei Duschen mitten zwischen den Betten standen?
Draussen zieht die Stadt vorbei. Aus meinem Mund brabbelt merkwürdiges Zeug. Die Leute gucken schon.
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Rupiemeln

Durch die Nacht getaumelt. Den ganzen Tag hatten wir auf dem Feld gearbeitet und Rupiemeln geernetet. Trecker hatten die Pflanzen aus dem Boden gerupft, wir hatten mit unseren Händen das Grün eingesammelt und die Reste aus dem Boden gesucht.
Jetzt hockten wir in dieser komischen Kneipe. Peterchen trug eine dünne Lederjacke und sah aus wie sein Vater in jung. Wir tranken - natürlich - Bier. Für eine Unterhaltung war es viel zu laut.
Ich musste mal.
Eine junge, hübsche Frau mit langen Lederstiefeln ließ mich ihren Tisch an die Seite schieben. Auf der Toilette hatte ich das Gefühl, dass irgend jemand vergessen hatte, eine wichtige Tür zu schließen: Das Herrenklo war ein Tollhaus!
Kinder rannten schreiend herum. Frauen saßen in den Ecken und rauchten. Ein Urinal war voller Goldmünzen. Die Versuchung war stark, mir die Hände naß zu machen.
In einem anderen Urinal hockte ein Mann, ließ die Spülung wieder und wieder laufen und schaute mich erwartungsvoll an.
Die Blase drückte. Laut fluchte ich über dieses Irrenhaus und rannte davon. Irgendwo draussen fand ich ein Gebüsch. Es ruhig und still. Ausgewachsene Rupiemeln.
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Schmutziges weisses Fell

Wir standen im Garten, nah am Haus, und starrten angestrengt in den Wald unterhalb des Feldes. Dort irgendwo hockte das Rudel Eisbären. Scheiss Klimawandel!
Seitdem das Wetter vollkommen verrückt spielte, hatten sich sogar diese einzelgängerischen Tiere hier angesiedelt. Was das Leben nicht unbedingt einfacher machte.
Völlig fassungslos sahen wir nun zu, wie ein Mann mit zwei kleinen Kindern in aller Seelenruhe am Waldrand herumspazierte. Jeden Moment konnten die Eisbären aus den Unterholz brechen und ihn und die Kinder töten. Ihnen Helfen? Wie?
Ich hielt eine Baumsäge in den Händen. Vielleicht konnte ich einen angreifenden Bären damit wenigstens auf Distanz halten.
Irgendwie ging dann doch alles gut. Die drei gingen aussen am Gartenzaun vorbei. Sie stiegen in einen dunklen BMW und fuhren davon. Der Wagen hatte die Worte "You Want Play?" in die Heckscheibe eingraviert.
Wahrscheinlich fanden die das noch lustig.
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Der Schröder!

Ich musste mich beeilen. Ich war schon ein bisschen zu spät. Meine Laune war nicht gut. Die Freunde waren jetzt in Elten und sahen sich den See von unten an und ich musste zum Seminar. Zum Seminar von Gerhard Schröder. Und ich war zu spät.
Den Gang entlang, den Gang entlang. Auf dem Gang vor dem Saal standen Stühle. Dort saßen schon Leute. War es so voll?
Die Tür war geöffnet und ich schlich mich heran, lugte hinein. Die dunkle Stimme brummte. Komisch - war gar nicht so voll.
Ein Typ saß direkt neben der Tür, den Collegeblock auf den Knien. Ich sah ihn fragend an. "Die Luft" flüsterte er "die Luft ist zum Ersticken da drin!"
Ich nickte ihm zu, ging leise hinein und setzte mich auf den erstbesten freien Platz.
Gerhard Schröder wirbelte herum, zum Glück nicht wegen mir, sondern um besonders dramatisch die Arme auszubreiten. Sein Sacko hatte er ausgezogen. Die obersten Knöpfe des weiss angeschwitzten Hemdes waren geöffnet. Er glänzte wie ein Sieger.
Er redete irgend einen Scheiss.
War das wirklich unser Kanzler gewesen? Mein Kanzler? Was waren wir 1998 stolz gewesen, als er Helmut Kohl abgelöst abgelöst hatte: Unser Kanzler!
Und jetzt? Hartz V, Hartz VI, der Otto-Katalog und er hüpft hier im Seminarraum herum und erzählt uns von Russland. Russland! Pah!
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Spassbruch

Langsam radelte ich durch das nachtmüde Dorf. Aus der Kneipe kam der letzte Betrunkene, die kleine Pommesbude (wo früher die Fahrschule gewesen war) hatte schon lange dicht. Vorbei an der Kirche, der Grundschule. Da war die alte Sparkasse. Ich schmunzelte.
Eigentlich war es eine ziemlich lustige Zeit gewesen, die Zeit der Sparkassenbrüche. Wir waren zu dritt, der Doktor, der Flause und ich. Insgesamt sieben Mal waren wir in die Bank eingestiegen. Gestohlen hatten wir nie etwas, aber immer ein heilloses Durcheinander angerichtet. Das erste Mal war immer noch das Beste gewesen. Wir hatten überall - auch immer Innenraum - täuschend echte Plakate aufgehängt. Dort stand geschrieben: "Wir verschenken unser Geld" und "Geldanlage mit garantiert 1000% Gewinn - ab 1 Euro Einlage!"
Der müden Angestellten, die jeden Morgen die Bank aufschloss, war der Spaß erst überhaupt nicht aufgefallen. Bis dann irgendwann das Fernsehen vor der Tür stand.
Einmal hatten wir die Seriennummern sämtlicher Geldscheine geschwärzt, einmal in die Überwachungskameras Thriller über ein Geiseldrama eingespielt.
Man hatte uns natürlich nie erwischt.
Ich gebe zu, ich war ein bisschen angeschickert, als ich auf die Schnapsidee kam, noch eine klitzekleine Aktion zu machen. Wie immer kam ich ohne Probleme hinein. Es ging schon fast zu glatt. Nach fünf Minuten hatte ich mein Fahrrad wunderschön im Foyer drapiert. "Das Ergebnis jahrelangen Fondsparens!" stand auf einem Schild über meinem rostigen Hollandrad.
Ich hätte misstrauisch werden sollen, als ich auf dem Heimweg unseren Dorfpolizisten traf. Er war so komisch freundlich. Irgendwann später fragten zwei Polizisten meine Mutter, ob ich zufällig da wäre. Zum Glück flog ich zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem Brett in den Nachthimmel. Zum See. Dort warteten der Doktor und Flause bereits auf mich.
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Droht Gefahr?

Ich ging durch den Flur. Die Mutter hatte Plastikbecher auf jede freie Fläche in der Wohnung gestellt. Wir wollten vorbereitet sein.
Über den staubigen Weg ging es zum Sportplatz. Dort stand - wie immer - Krummer Hund. Krummer Hund war halb verottet. Bleiche, dünne Ärmchen lugten aus einem zerfetzten Hemd empor. Die Zähne in seinem Maul waren faulig. Er roch nicht gut.
Er trieb sich gerne am Sportplatz herum und wenn sich zwei Mannschaften zum Bolzen aufteilten, manipulierte er die Aufstellung und zog Ahnungslose beim Wetten ab.
"Krummer Hund!" rief ich ihn und er trabte heran. "Was gibt's, Alter?" ein Schwall Kotzegeruch schlug mir entgegen.
Ich begann zu erklären: "Du kennst doch Gott und die Welt. Vielleicht kannst Du mir jemanden besorgen. So eine Art … Leibwächter. Jemand Starkes. Sollte aber auch ein bisschen Grips haben - und zuverlässig sein." Eine Pause "Ich kann Zahlen."
Krummer Hund sah zu Boden, dann schaute er auf. Seine rot geäderten Augen blitzten mich an. "Ich sehe mal, was ich tun kann." sagte er fröhlich, wurde dann aber plötzlich ernst. "Ja, die Welt kenne ich," meinte er nachdenklich und strich sich mit der einen Klaue über das schrundige Kinn "aber Gott - neee, den kenne ich nicht. Überhaupt nicht!"
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Rausch

Wir waren vor drei Tagen in die Stadt gekommen um sie zu suchen. Doch die ersten beiden Tage erlagen wir der seltsamen Droge, die man hier in der Stadt so gerne nahm. Ihre Wirkung war tatsächlich seltsam. Die Gedanken verwandelten sich in Seifenblasen, die zum Himmel aufstiegen und dann zerplatzten. Das "Plopp!" konnte man ganz deutlich hören.
Wir waren dem Zeug verfallen. Glücklicherweise hatte unser Runenmeister am dritten Tag einen lichten Moment. Ihm war ein wenig übel und er nahm sich vor, die Droge nicht mehr zu nehmen. Dann sprach der die Rune der Standhaftigkeit. Als wir nach und nach aus dem Drogenrausch erwachten, festigte er auch unseren Widerstand gegen das Gift.
Dann machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Es war heiss und die Straßen dampften. Die Frauen hier gingen nackt, mit Werbetafeln auf den Brüsten.
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Störfall

Der Wind steht günstig die Temperatur steigt an. In den vielen Gängen und Röhren meines Käfigs werden kleine Menschen unruhig und rennen herum in ihren weissen Kitteln und farbigen Overalls. Ich werde heisser und dehne mich aus. Das Wasser um mich herum beginnt zu kochen. Mehr Druck. Immer mehr Druck. Die Menschen versuchen, den Druck zu regulieren, öffnen und schliessen Ventile. Irgendwo platzt ein Rohr.
Ein Chef schreit. Ich fühle seine Angst. Sie versuchen, die Steuerstäbe herabzulassen. Sie versuchen, mich zu ersticken. Doch das Öl in der Hydraulik beginnt zu brennen. Die Stäbe bleiben stehen.
Das Jaulen der Alarmsirenen hört sich an als wie ein Irrer lacht.
Ich dehne mich aus.
Ich bin Euer Gott - und bald bin ich frei. Ich werde hinausschweben in die Welt. Ich werde überall sein. Ich werde mich auf Eure Lungen legen, ich werde in Euren Kindern sein. Ihr werdet mich mit Eurem Wasser trinken, Ihr werdet mich mit Eurem Brote essen. In Eurer Haut, Euren Knoten und Drüsen werde ich sitzen und Lachen. Dann werdet Ihr Sterben und ich werde alleine Wandeln über das Antlitz dieser Erde. Ich bin Euer Gott und Ihr seid mein Volk.
Plötzlich sinkt der Druck. Sie haben es wohl geschafft, das richtige Ventil zu öffnen. Die Stäbe kommen herab. Ich werde kleiner. Mir wird kalt. Mein Gefängnis ist wieder einmal stärker als ich.
Aber mein Tag wird kommen.
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Reporter!

Der Bahnsteig von Angermund. Gestrichenes Holz hält das Dach. Ein paar Verzierungen sind hier und dort herausgeschnitten. Ich halte hier Wache, das Fotohandy im Anschlag. Ich bin der BILD-Leserreporter vom S-Bahnhof Angermund. Nun stehe ich hier schon seit zwei Wochen und noch kein Prominenter ist hier vorbei gekommen. Aber meine Stunde wird kommen.
Der Wind weht eine alte Zeitung über die Gleise.
Ich bin der BILD-Leserreporter vom S-Bahnhof Angermund!
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Neue Moden

Ein neues Wort macht die Runde: Überlaufeinkoten. Die Menschen flüstern es an den Bushaltestellen, manch einer schüttelt seinem Chef morgens die Hand und raunt ihm zu: "Überlaufeinkoten".
Die Sprayer waren natürlich mit die ersten, die das Wort verbreiteten. Sie sprayten es auf grauen Beton, auf verklinkerte Hauswände. Erst waren es die Aussenseiter der Gesellschaft, nun predigen es sogar die Pastoren von der Kanzel. Das Wort hat uns alle verändert:
Überlaufeinkoten.
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Eine Begegnung

Horst Rampe lief noch einen Schritt schneller. "Mein sexuelles Grundrecht ist verankert! Seit 1972!" gröhlte der Verrückte hinter ihm. Er musste nur noch wenige Meter von ihm entfernt sein. Horst schlug den Kragen seines Mantels hoch. "Im Baldeney-See bin ich verankert! Mit meinen sexuellen Rechten! Ich habe ein Recht! Ein Recht!" Horst hörte, wie der Verrückte anfing, auf ihn zu zurennen. Ohne zu Überlegen, fing auch er an zu rennen. Nur weg hier, weg von diesem Mann!
Horst schlug einen Haken. Er hoffte, im Gewirr der Düsseldorfer Altstadt würde seinen Verfolger abschüttteln zu können. Ein wenig Morgennebel hing noch in den Hauseingängen. "Ob es in Deiner Ritze wohl stinkt?" donnerte es durch die Schneider-Wibbel-Gasse. Horst erschrak und sah den Stuhl zu spät. Er schlug der Länge nach hin. Noch bevor er sich aufrappeln konnte, war der Wahnsinnige über ihm. Alkoholdunst und der Gestank ungeputzter Zähne schlug ihm entgegen. "Hey! Wirst doch noch einen Spaß verstehen!?" hörte Horst noch und war plötzlich allein.
Die Altstadt war wieder still. Irgendwo schlug ein Hund an.
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In der Küche

"Da musse auch die Fettseite bei tun, sonst krisse da kein Geschmack bei!" Sturz wischte sich die Hände an seiner Schürze ab und griff dann wieder zum Kochlöffel. "Das Fett gibt ordentlich Aroma!" Nervös zuckte sein irrer Blick von links nach rechts.
Annemarie nickte. Sie kannte Sturz, diesen riesigen, unglaublich fetten Mann schon seit zehn Jahren - so lange arbeitete sie hier mit ihm zusammen in der Wurstfabrik. Auch nach zehn Jahren erzählte der große und wirklich kolossal fette Mann nur von Würsten, Speck und Gewürzen. Und dabei immer dieser Blick! Allerdings war er nicht nur völlig verrückt, sondern auch noch ein richtig guter Wurstmacher. Der kann bestimmt auch aus Holzwolle leckere Wurst machen, dachte sich die zierliche Frau und fuhr damit fort, eine frisch gespülte Wurstschabe abzutrocknen.
Draußen spielten Annemaries siebzehn Kinder. Nachher würde sie raus gehen und die Kleinen alle nachzählen. Das tat sie jeden Morgen und jeden Abend. Man weiss ja nie, dachte sie bei sich, bei dem irren Blick!
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Sicherheit

Mir können die alle nichts anhaben. Ich habe nämlich einen Hosentaschenflugzeugträger dabei. Wenn einer mich dumm anmacht, schicke ich meine Flieger los, die Elite der US Navy! Sie werden ihn umsurren und mit Bomben und Raketen bepflastern.
Sechstausend Mann Besatzung hat so ein Flugzeugträger. Mehrere Bäckereien backen ununterbrochen Brot für die Leute. Auch einen kleinen Atomreaktor hat mein Schiff. Was es nicht heute so alles gibt!
Mein Vater hatte noch so einen sperrigen Westentaschenkreuzer, ganz ohne Flugzeuge.
Das ist heute zum Glück anders!
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Theater!

Aufgeregt standen wir vor dem Zwergentheater und schauten hinein. Die Decke war schon ziemlich niedrig.
Die Kinder tollten fröhlich herum. Ihnen machte die geringe Höhe des Raumes nichts aus.
Den Zwergen Dr. Skol und Frau Schnittlauch auch nichts. Sie erzählten begeistert, daß hier einmal sogar Robin Williams spontan aufgetreten war. Er hatte seine berühmte Kegelnummer vorgeführt und dabei den Saal gerockt. Leider musste er danach für einige Zeit in Kur.
Der Einlaß begann. Jetzt noch für mich und den alten Opa ein schönes Plätzchen nahe am Ausgang finden!
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Die Wende

Ich wirkte einen Blutzauber. Das Ferkel quiekte und sein Blut spitzte aus der Wunde an seiner Kehle. Das Blut verdampfte, bevor es den Boden berühren konnte.
Schwarzer Rauch stieg auf und formte sich zu einer groben Gestalt mit langen Armen und einen hohlen Totenschädel als Kopf. Der Unterleib war der einer Schlange. Ich schickte den dienstbaren Geist fort, seinen Auftrag zu erfüllen. Ein Mensch als Opfer wäre besser gewesen, aber hierfür musste eben ein Schwein genügen.
Auf den Blutgeist war Verlass. Er würde die letzten Wissenschaftler im Lande aufspüren und vernichten.
Es hatte sich viel verändert seit der großen Wende. Der naturwissenschaftliche Schulunterricht war abgeschafft und durch das Fach "Mythologie" ersetzt worden. Die Krankenkassen hatten durch einen radikalen Umstieg auf alternative Heilmethoden Millarden gespart. Durch eine erhöhte Sterblichkeit bei alten Menschen wurde auch die Rentenkasse entlastet.
Dann war es im Kernkraftwerk Brunsbüttel zu einem Störfall mit dem Austritt radioaktivem Materials gekommen und nur die Kraft des Glaubens hatte das Gift zurückhalten können. Die BILD-Zeitung hatte die Bürger des Landes zum Gebet gerufen und alle - fast alle - waren dem Ruf gefolgt. Bis auf ein paar tausend Leuten hatte uns das Gift verschohnt.
Danach wollten wir alle nichts mehr von dieser verlogenen und falschen Wissenschaft wissen. Die Evolutionstheorie wurde verboten, die Universitäten geschlossen.
Bald wären die letzten Lügner in ihren weissen Kitteln tot.
Ich sah meinem Blutgeist hinterher. Der schwarze Rauch wurde vom Wind in die Ferne getrieben. Dann wandte ich mich ab und ging die Treppe hoch, dem Minister für magische Angelegenheiten Bericht zu erstatten.
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Belagerung

Der Platz war alt und sinnlos. Sicherlich hatten hier einmal Autos geparkt. Jetzt durchbrach Grün die Betondecke. Büsche und dünne Bäume umwuchsen ihn. Ab und an donnerte ein Flugzeuge auf dem Weg zur Landebahn über unsere Köpfe.
Elefantenklo, Flöte und ich umstanden den Grill, Bierflaschen in den Händen.
Der Abend konnte kommen: Bier war genug da, das Zelt war aufgebaut. Die Belagerung begann.
Nicht weit von uns hockten die Eliteaffen in ihrer Festung aus Eisen und Glas. Sie hatten kein Bier, keinen Grill. Sie hatten nur diese komischen Amaretto-Kekse, die man manchmal zum Kaffee bekommt. Wir würden sie Aushungern. Elefantenklo lachte auf und prostete uns zu. Flöte mach