Flausen im Kopf
Klausur
18.09.2008 12:56
Mein lieber guter Dr. Flause,
es ist schon lange her, dass ich Ihnen schrieb. Die Arbeit hält mich nämlich in ihrem bleiernen Griff. Nun ist jedoch etwas vorgefallen, dass ich Ihnen berichten muss:
Ich bekam eine E-Mail von da oben, dass ich mir einen bestimmten Termin für eine gewisse Klausur bereithalten müsse. Was soll das? Eine Klausur, wie wir sie früher bei Ihnen hatten, wo sie uns mit einem Zeigestock lachend die Spickzettel aus den Händen prügelten?
Oder werden wir alle zu Klausnern, die in windurchlässigen Hütten aus aufeinander gestapelten Bruchsteinen hausen, wie einst die Mönche auf den Inseln?
Über eine klärende Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen!
Ergebnst Ihr,
Wanze Wirrkopf
es ist schon lange her, dass ich Ihnen schrieb. Die Arbeit hält mich nämlich in ihrem bleiernen Griff. Nun ist jedoch etwas vorgefallen, dass ich Ihnen berichten muss:
Ich bekam eine E-Mail von da oben, dass ich mir einen bestimmten Termin für eine gewisse Klausur bereithalten müsse. Was soll das? Eine Klausur, wie wir sie früher bei Ihnen hatten, wo sie uns mit einem Zeigestock lachend die Spickzettel aus den Händen prügelten?
Oder werden wir alle zu Klausnern, die in windurchlässigen Hütten aus aufeinander gestapelten Bruchsteinen hausen, wie einst die Mönche auf den Inseln?
Über eine klärende Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen!
Ergebnst Ihr,
Wanze Wirrkopf
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Feldpost
25.09.2007 05:02
Mein lieber guter Doktor Flause,
bitte entschuldigen Sie, dass ich mich schon länger nicht bei Ihnen gemeldet habe! Verzeihen Sie auch, verehrter Doktor, dass ich auch gleich mit einer kleinen Bitte ins Haus falle! Doch lassen Sie mich
bitte erklären:
Der Grund für meine Nachlässigkeit in Sachen Briefe besteht darin, dass ich zur Zeit im Krieg bin.
Ich kann Ihnen sagen: Krieg ist eine tolle Sache! Man kann seine Männlichkeit beweisen, die Zähne zusammenbeissen und - das ist das Beste - Leute totschiessen!
Erst gestern lagen wir im Graben und der Feind kam heran. Erst einer. Gezielt, abgedrückt - "Peng!". Er fiel hintenrum, das Gesicht zerfetzt. Dem nächsten - "Paff!" - in den Bauch geschossen! Herrlich!
Später haben wir dann mit unseren Bajonetten die verwundeten Feinde abgestochen.
Währenddessen sitzt meine treue Eva zu Hause und kümmert sich um die Kinder. Sie ist ja so gut und fein, meine schöne blonde Eva!
Und nun zu meiner Bitte:
Könnten Sie, guter lieber Doktor, mal ab und an bei meiner Eva und den Kindern nach dem Rechten sehen? Sie haben sich mit ihr doch immer gut verstanden - ich erinnere mich noch an unsere Verlobungszeit, wo Sie ihr immer Privatunterricht gegeben haben, während ich nächtens meine
Studien betrieb. Sie, mein lieber Doktor und Lehrvater, würden mich auf das Höchste beruhigen, würden Sie mir diesen kleinsten aller Dienste erweisen!
Doch nun muss ich meinen Brief schliessen - im Sperrgebiet sind ein paar Zivilisten aufgegriffen worden und um die müssen wir uns jetzt "kümmern".
Im herzlichem Dank im voraus,
Ihr Wanze Wirrkopf
bitte entschuldigen Sie, dass ich mich schon länger nicht bei Ihnen gemeldet habe! Verzeihen Sie auch, verehrter Doktor, dass ich auch gleich mit einer kleinen Bitte ins Haus falle! Doch lassen Sie mich
bitte erklären:
Der Grund für meine Nachlässigkeit in Sachen Briefe besteht darin, dass ich zur Zeit im Krieg bin.
Ich kann Ihnen sagen: Krieg ist eine tolle Sache! Man kann seine Männlichkeit beweisen, die Zähne zusammenbeissen und - das ist das Beste - Leute totschiessen!
Erst gestern lagen wir im Graben und der Feind kam heran. Erst einer. Gezielt, abgedrückt - "Peng!". Er fiel hintenrum, das Gesicht zerfetzt. Dem nächsten - "Paff!" - in den Bauch geschossen! Herrlich!
Später haben wir dann mit unseren Bajonetten die verwundeten Feinde abgestochen.
Währenddessen sitzt meine treue Eva zu Hause und kümmert sich um die Kinder. Sie ist ja so gut und fein, meine schöne blonde Eva!
Und nun zu meiner Bitte:
Könnten Sie, guter lieber Doktor, mal ab und an bei meiner Eva und den Kindern nach dem Rechten sehen? Sie haben sich mit ihr doch immer gut verstanden - ich erinnere mich noch an unsere Verlobungszeit, wo Sie ihr immer Privatunterricht gegeben haben, während ich nächtens meine
Studien betrieb. Sie, mein lieber Doktor und Lehrvater, würden mich auf das Höchste beruhigen, würden Sie mir diesen kleinsten aller Dienste erweisen!
Doch nun muss ich meinen Brief schliessen - im Sperrgebiet sind ein paar Zivilisten aufgegriffen worden und um die müssen wir uns jetzt "kümmern".
Im herzlichem Dank im voraus,
Ihr Wanze Wirrkopf
Verwandlungen
16.07.2007 20:02
Mein lieber guter Doktor Flause,
als ich heute Morgen mich vom Nachtschlafe erquickt frisch und fröhlich aus dem Bette werfen wollte, wurde mir gewahr, dass ich mich in der Nacht wohl in eine riesige Kartoffel verwandelt hatte.
Wie konnte das geschehen?
Natürlich musste ich sofort an den weinerlichen Herrn K. denken, der seinerzeit davon so besessen gewesen war, sich eines Tages in ein Huhn zu verwandeln.
Aber dank meiner eisenharten Erziehung in den Salzminen von Schwitten habe nur eine einzige Frage an Sie, hochverehrter Dr. Flause:
Pell- oder Bratkartoffel? Oder gar Fritten?
Mit ergebenem Gruße,
Ihr Wanze Wirrkopf
als ich heute Morgen mich vom Nachtschlafe erquickt frisch und fröhlich aus dem Bette werfen wollte, wurde mir gewahr, dass ich mich in der Nacht wohl in eine riesige Kartoffel verwandelt hatte.
Wie konnte das geschehen?
Natürlich musste ich sofort an den weinerlichen Herrn K. denken, der seinerzeit davon so besessen gewesen war, sich eines Tages in ein Huhn zu verwandeln.
Aber dank meiner eisenharten Erziehung in den Salzminen von Schwitten habe nur eine einzige Frage an Sie, hochverehrter Dr. Flause:
Pell- oder Bratkartoffel? Oder gar Fritten?
Mit ergebenem Gruße,
Ihr Wanze Wirrkopf
Lektüre
26.06.2007 20:29
Mein lieber guter Dr. Flause,
ich laß neulich, dass in den USA des vorvorigen Jahrhunderts - zur Zeit der Papierknappheit - wohl auch zum Teil aus dem Leinen ägyptischer Mumien (die damals dort in riesigen Gruben in der Wüste lagen) Zeitungspapier hergestellt worden sei.
Nun blättere ich gerne in den wenigen verbliebenen Zeitungsbänden (die meisten sind ja vom Affenkönig verbrannt worden). Manchmal überkommt mich nun das Gefühl, als würden die Seiten der alten Zeitungen mir etwas zuflüstern von Schilf, von Staub und von Ewigkeit. Flüche höre ich heraus und den brennenden Wunsch nach warmem, lebensvollem Blute.
Aussderm sind meine Nachbarn gestern abgeholt worden. Man lud sie auf einen LKW und warf sie in einen großen Trichter.
Mein lieber Doktor - muss ich mir Sorgen machen?
Ihr ergebenster Diener,
Wirre Wanzkopf
ich laß neulich, dass in den USA des vorvorigen Jahrhunderts - zur Zeit der Papierknappheit - wohl auch zum Teil aus dem Leinen ägyptischer Mumien (die damals dort in riesigen Gruben in der Wüste lagen) Zeitungspapier hergestellt worden sei.
Nun blättere ich gerne in den wenigen verbliebenen Zeitungsbänden (die meisten sind ja vom Affenkönig verbrannt worden). Manchmal überkommt mich nun das Gefühl, als würden die Seiten der alten Zeitungen mir etwas zuflüstern von Schilf, von Staub und von Ewigkeit. Flüche höre ich heraus und den brennenden Wunsch nach warmem, lebensvollem Blute.
Aussderm sind meine Nachbarn gestern abgeholt worden. Man lud sie auf einen LKW und warf sie in einen großen Trichter.
Mein lieber Doktor - muss ich mir Sorgen machen?
Ihr ergebenster Diener,
Wirre Wanzkopf
Zorn
24.05.2007 21:37
Mein lieber guter Dr. Flause,
wie immer suche ich Ihren Rat in einer Angelegenheit, die mein Gemüt bewegt.
Gestern kaufte ich mir ein elektronisches Gerät, welches man an den Heimcomputer anschliesst, um analoge Video- und Audiosignale in MPEG-1 oder MPEG-2 Datein in variabler Datenkompression und 48kbit-Stereotonsignal umzuwandeln - und das alles bei vollem Lohnausgleich!
Doch leider funktionierte die Sache nicht, nach dem Anschließen gestern Abend erfüllt nur ein blaues Rauschen die Bildschirmanzeige meines Heimcomputers. Zorn stieg in mir auf. Ein Hass auf die Technik, die Menschen, welche die Technik schufen und ein Hass auf die Welt, die diesen Menschen doch so gastlich ist! Nun wollte ich diese heissen Gefühle unterdrücken, doch allerortens riet man mir, ich solle meine Wut doch einfach herauslassen, sie nicht in mir begraben. Sie nicht unterdrücken.
Einfach rauslassen, lieber Dr. Flause? Erinnert sich die Menschheit denn nicht mehr was geschah, als ich das letzte Mal alles "rausließ"? Ist das "Halinger Blutgericht" schon vergessen?
Wie habe ich da allen Gefühlen freien Lauf gelassen! Wie haben sie alle gezittert und gejammert! Um Gnade haben sie alle gebettelt - und "Gnade" habe ich ihnen gegeben. Tanzen habe ich sie sie lassen, die dummen Menschen! Lustig pfiffen die Kugeln um die Ohren der braven Bürger, fröhlich war mein Lachen, ein "Weltzerstörer mit Witz" sollte meine Werbung sein!
Doch dann kam ich ja in Therapie und danach in Ihre herrliche, strenge Lebensschule. Leider finden Sie, verehrter Dr. Flause, mich jetzt wieder einmal völlig ratlos.
Soll ich meinen Zorn eindämmen wie einen unbotmässig plätschernden Bach? Oder soll ich mich frei machen, öffnen und auf die Folgen pfeifen?
Ihr ergebenster Diener,
Wanze Wirrkopf
wie immer suche ich Ihren Rat in einer Angelegenheit, die mein Gemüt bewegt.
Gestern kaufte ich mir ein elektronisches Gerät, welches man an den Heimcomputer anschliesst, um analoge Video- und Audiosignale in MPEG-1 oder MPEG-2 Datein in variabler Datenkompression und 48kbit-Stereotonsignal umzuwandeln - und das alles bei vollem Lohnausgleich!
Doch leider funktionierte die Sache nicht, nach dem Anschließen gestern Abend erfüllt nur ein blaues Rauschen die Bildschirmanzeige meines Heimcomputers. Zorn stieg in mir auf. Ein Hass auf die Technik, die Menschen, welche die Technik schufen und ein Hass auf die Welt, die diesen Menschen doch so gastlich ist! Nun wollte ich diese heissen Gefühle unterdrücken, doch allerortens riet man mir, ich solle meine Wut doch einfach herauslassen, sie nicht in mir begraben. Sie nicht unterdrücken.
Einfach rauslassen, lieber Dr. Flause? Erinnert sich die Menschheit denn nicht mehr was geschah, als ich das letzte Mal alles "rausließ"? Ist das "Halinger Blutgericht" schon vergessen?
Wie habe ich da allen Gefühlen freien Lauf gelassen! Wie haben sie alle gezittert und gejammert! Um Gnade haben sie alle gebettelt - und "Gnade" habe ich ihnen gegeben. Tanzen habe ich sie sie lassen, die dummen Menschen! Lustig pfiffen die Kugeln um die Ohren der braven Bürger, fröhlich war mein Lachen, ein "Weltzerstörer mit Witz" sollte meine Werbung sein!
Doch dann kam ich ja in Therapie und danach in Ihre herrliche, strenge Lebensschule. Leider finden Sie, verehrter Dr. Flause, mich jetzt wieder einmal völlig ratlos.
Soll ich meinen Zorn eindämmen wie einen unbotmässig plätschernden Bach? Oder soll ich mich frei machen, öffnen und auf die Folgen pfeifen?
Ihr ergebenster Diener,
Wanze Wirrkopf
Pause
08.05.2007 18:55
Mein lieber guter Dr. Flause,
heute ging ich in der Mittagspause mit meinen Kollegen Flanieren. Als Angstellter in der modernen Welt bin ich dazu gezwungen, mich mit den anderen Menschen in meiner Umgebung gemein zu machen.
Schön war das Wetter, die Sonne beschien den Asphalt der Straßen und Plätze. Ich sah viele Leute auf Bänken sitzen und die Wärme geniessen. Auch verschiedene Sorten Kaffee wurden genossen, manch einer aß sogar ein Eis.
Bei diesem Anblick musste ich an meine Ausbildung unter Ihnen denken. Wie Sie damals alles taten, um uns vor der geistlosen Zerstreuung zu schützen. Sie aßen unsere dünne Suppe zur Hälfte auf und durchsuchten sogar unser Gepäck nach von daheim mitgebrachten Würsten. Bekamen wir Ungesundes Essen mit der Post geschickt, erschnüffelten Sie, werter Doktor, jede Spezerei! Die haben Sie dann sofort verspeist, um uns vor der Versuchung der Völlerei zu bewahren.
Wir Schüler schliefen selbst im Winter ohne Heizung und mit dünner Decke, während Sie - um ein Einfrieren der Heizung zu vermeiden - alle Wärme in ihre Kammer leiteten. So wurde wir hart und gesund. So haben Sie sich für uns aufgeopfert, aber um welchen Preis?
Wie oft haben wir Sie, lieber Doktor, dabei beobachtet, wie Sie in Ihrem Ohrensessel weich bepelzt am Kamin saßen, den Bierkrug in der einen, die Pralinenschachtel in der anderen Hand. Wie traurig Sie manchmal schauten! Wir spürten die schweren Lasten, die Sie von uns nahmen, als würden sie doppelt unsere Schultern beschweren!
Dadurch reiften wir weiter zum sittlichen Menschen.
Dafür möchte ich Ihnen Danken, lieber Doktor Flause!
Doch was ist mit den Menschen, die dort draussen ihr "Leben" leben, mit "Freuden" und die manchmal sogar "Lachen"? Haben wir nicht eine Verpflichtung, diese Menschen zu retten, sie von dieser selbstzerstörerischen "Lebensfreude" fern zu halten?
Einer Antwort harrend mit herzlichem Gruß,
Wanze Wirrkopf
heute ging ich in der Mittagspause mit meinen Kollegen Flanieren. Als Angstellter in der modernen Welt bin ich dazu gezwungen, mich mit den anderen Menschen in meiner Umgebung gemein zu machen.
Schön war das Wetter, die Sonne beschien den Asphalt der Straßen und Plätze. Ich sah viele Leute auf Bänken sitzen und die Wärme geniessen. Auch verschiedene Sorten Kaffee wurden genossen, manch einer aß sogar ein Eis.
Bei diesem Anblick musste ich an meine Ausbildung unter Ihnen denken. Wie Sie damals alles taten, um uns vor der geistlosen Zerstreuung zu schützen. Sie aßen unsere dünne Suppe zur Hälfte auf und durchsuchten sogar unser Gepäck nach von daheim mitgebrachten Würsten. Bekamen wir Ungesundes Essen mit der Post geschickt, erschnüffelten Sie, werter Doktor, jede Spezerei! Die haben Sie dann sofort verspeist, um uns vor der Versuchung der Völlerei zu bewahren.
Wir Schüler schliefen selbst im Winter ohne Heizung und mit dünner Decke, während Sie - um ein Einfrieren der Heizung zu vermeiden - alle Wärme in ihre Kammer leiteten. So wurde wir hart und gesund. So haben Sie sich für uns aufgeopfert, aber um welchen Preis?
Wie oft haben wir Sie, lieber Doktor, dabei beobachtet, wie Sie in Ihrem Ohrensessel weich bepelzt am Kamin saßen, den Bierkrug in der einen, die Pralinenschachtel in der anderen Hand. Wie traurig Sie manchmal schauten! Wir spürten die schweren Lasten, die Sie von uns nahmen, als würden sie doppelt unsere Schultern beschweren!
Dadurch reiften wir weiter zum sittlichen Menschen.
Dafür möchte ich Ihnen Danken, lieber Doktor Flause!
Doch was ist mit den Menschen, die dort draussen ihr "Leben" leben, mit "Freuden" und die manchmal sogar "Lachen"? Haben wir nicht eine Verpflichtung, diese Menschen zu retten, sie von dieser selbstzerstörerischen "Lebensfreude" fern zu halten?
Einer Antwort harrend mit herzlichem Gruß,
Wanze Wirrkopf
Begegnung
02.05.2007 20:45
Mein lieber guter Dr. Flause,
vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte. Die Eisenstange in meinem Kopf ist abgesägt und ich konnte bei Horst, dem Altmetallhändler, einen guten Preis dafür herausschlagen.
Nun ist meine Stimmung momentan sehr gehoben, was durch das folgende Ereignis bedingt ist. Neulich ging ich nämlich in der Universität von meinem Büro hinunter zur Bibliothek. Auf halbem Wege befindet sich eine Teeküche mit Kopiergelegenheit. Normalerweise betrete ich diesen Raum nie, denn dort schwatzen immer die Weiber und ich möchte mich nicht beschmutzen mit dem geistigen Unrat des Tratsches.
Nun ging ich die Treppe hinunter und verspürte plötzlich einen fürchterlichen Durst. Ich hielt inne und fasste mir an die Kehle. Wie staubbedeckt war mein Mund, ein trockener Husten zeriss mir fast die Schleimhäute. Der Weg zurück zur rettenden Mineralwasserflasche in meinem Büro erschien mir viel zu weit - und unten in der Bibliothek sind Getränke ja verboten.
Da entsann ich mich der Teeküche mit Kopiergelegenheit und ging dort hinein, um meinen Durst am dortigen Wasserkran zu stillen.
Kurz darauf hing ich auch über dem Becken und trank den klaren, kühlen Trunk. Als die Steppe meines Mundes wieder blühte, richtete ich mich auf und da gewahr ich, dass jemand neben mir stand.
Verwundert blickte ich mich um, sah in ihr Gesicht und mein Atem stockte. Roten waren ihre Haare, lang und rot und fielen weit und wirr auf ihre Schultern. Ein zartes Antlitz war von Marmor, für ihre feine Nase müsste ein Bildhauermeister jahrzehntelang sein ganzes Können aufbieten. Ihre Gestalt war schlank, ihre Glieder zart. Gekleidet war die Frau in Seide, die halb durchsichtig den Blick erlaubte auf … auf … ich kann es nicht schreiben. Selbst jetzt noch an meinen Arbeitsplatzrechner steigt die Röte der Scham in mir hoch, wenn ich daran denke.
Ich sagte nichts, konnte nichts mehr sagen, konnte niemals wieder auch nur ein einziges Wort sprechen. Der Engel sah mich an aus grünen Augen, groß und glänzend wie reine Bergseen. Ihre vollendeten Lippen spitzten sich. Sie tat einen Schritt auf mich zu, dann noch einen. O Himmel! O Herrlichkeit! Ihr Lippen! Ihre Lippen! Fast ganz nah war sie mir nun. Ich war wie gelähmt. Ein Lächeln umspielte ihren Mund.
Dann sprach sie. "Darf ich mal vorbei?" sagte sie und drängte sich an mir vorbei, zur Kopiergelegenheit.
Für einen Moment war ich wie vom Donner gerührt. Dann ging ich, ohne mich noch einmal umzusehen, hinaus und rannte zurück in mein Büro.
Seitdem, mein lieber guter Dr. Flause, fühle ich mich sehr seltsam. Ich sehe aus dem Fenster meines Büros und sehe die Blumen, sehe die Blüten an den Bäumen und die Vögel bauen ihre Nester. Nachts wälze ich mich in durchschwitzten Laken und denke an sie, an sie, meinen Engel aus der Teeküche. Ausserdem noch an meine Nachbarin, die immer so kurze Röcke trägt.
In frühreren Zeiten hätte ich ja Rat im Beichtstuhl und Trost im Gebet in kühler Umgebung gesucht. Kalte Güsse und harte, körperliche Arbeit hätten mich wieder auf den rechten Weg gebracht.
Aber gelten diese alten Rezepte auch noch jetzt in dieser modernen, aufgeklärten Welt?
Ihrer Antwort sehnlichst harrend,
Wanze Wirrkopf
vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte. Die Eisenstange in meinem Kopf ist abgesägt und ich konnte bei Horst, dem Altmetallhändler, einen guten Preis dafür herausschlagen.
Nun ist meine Stimmung momentan sehr gehoben, was durch das folgende Ereignis bedingt ist. Neulich ging ich nämlich in der Universität von meinem Büro hinunter zur Bibliothek. Auf halbem Wege befindet sich eine Teeküche mit Kopiergelegenheit. Normalerweise betrete ich diesen Raum nie, denn dort schwatzen immer die Weiber und ich möchte mich nicht beschmutzen mit dem geistigen Unrat des Tratsches.
Nun ging ich die Treppe hinunter und verspürte plötzlich einen fürchterlichen Durst. Ich hielt inne und fasste mir an die Kehle. Wie staubbedeckt war mein Mund, ein trockener Husten zeriss mir fast die Schleimhäute. Der Weg zurück zur rettenden Mineralwasserflasche in meinem Büro erschien mir viel zu weit - und unten in der Bibliothek sind Getränke ja verboten.
Da entsann ich mich der Teeküche mit Kopiergelegenheit und ging dort hinein, um meinen Durst am dortigen Wasserkran zu stillen.
Kurz darauf hing ich auch über dem Becken und trank den klaren, kühlen Trunk. Als die Steppe meines Mundes wieder blühte, richtete ich mich auf und da gewahr ich, dass jemand neben mir stand.
Verwundert blickte ich mich um, sah in ihr Gesicht und mein Atem stockte. Roten waren ihre Haare, lang und rot und fielen weit und wirr auf ihre Schultern. Ein zartes Antlitz war von Marmor, für ihre feine Nase müsste ein Bildhauermeister jahrzehntelang sein ganzes Können aufbieten. Ihre Gestalt war schlank, ihre Glieder zart. Gekleidet war die Frau in Seide, die halb durchsichtig den Blick erlaubte auf … auf … ich kann es nicht schreiben. Selbst jetzt noch an meinen Arbeitsplatzrechner steigt die Röte der Scham in mir hoch, wenn ich daran denke.
Ich sagte nichts, konnte nichts mehr sagen, konnte niemals wieder auch nur ein einziges Wort sprechen. Der Engel sah mich an aus grünen Augen, groß und glänzend wie reine Bergseen. Ihre vollendeten Lippen spitzten sich. Sie tat einen Schritt auf mich zu, dann noch einen. O Himmel! O Herrlichkeit! Ihr Lippen! Ihre Lippen! Fast ganz nah war sie mir nun. Ich war wie gelähmt. Ein Lächeln umspielte ihren Mund.
Dann sprach sie. "Darf ich mal vorbei?" sagte sie und drängte sich an mir vorbei, zur Kopiergelegenheit.
Für einen Moment war ich wie vom Donner gerührt. Dann ging ich, ohne mich noch einmal umzusehen, hinaus und rannte zurück in mein Büro.
Seitdem, mein lieber guter Dr. Flause, fühle ich mich sehr seltsam. Ich sehe aus dem Fenster meines Büros und sehe die Blumen, sehe die Blüten an den Bäumen und die Vögel bauen ihre Nester. Nachts wälze ich mich in durchschwitzten Laken und denke an sie, an sie, meinen Engel aus der Teeküche. Ausserdem noch an meine Nachbarin, die immer so kurze Röcke trägt.
In frühreren Zeiten hätte ich ja Rat im Beichtstuhl und Trost im Gebet in kühler Umgebung gesucht. Kalte Güsse und harte, körperliche Arbeit hätten mich wieder auf den rechten Weg gebracht.
Aber gelten diese alten Rezepte auch noch jetzt in dieser modernen, aufgeklärten Welt?
Ihrer Antwort sehnlichst harrend,
Wanze Wirrkopf
Schrecken in der Nacht
24.04.2007 19:54
Mein lieber guter Dr. Flause,
in der letzten Nacht ist etwas Schlimmes geschehen: Ich bin im Dunkeln erwacht, da stieß mir jemand plötzlich eine Eisenstange in die Schläfe! Ein schrecklicher Schmerz hat mich auf der Stelle gelähmt, so daß ich kaum erkennen konnte, wer mir diese Tat angetan hat. Die Person sah aber in etwa so aus wie meine Mutter.
Nun liege ich darnieder, geschwächt und mit einer Eisenstange, die mir seit dem seitlich aus dem Kopfe herausschaut.
Wie sieht das denn aus?
Sie sind meine letzte Hoffnung, Herr Doktor! Nur Sie können mir helfen!
Haben Sie uns nicht gelehrt, einst im Mai, dass Kraft, Liebe und Treue die einzigen Mächte in der Welt sind, die zählen? Haben wir nicht unter Ihrer Ägide nächtelang die Werke der großen Meister gelesen, darin geblättert und darüber gezwinkert, bis die Augen wund und rot waren?
Herr Dr. Flause! Ihre Worte brachten etwas in uns zum Klingen, ein Klingen, dass wir mitnahmen in unsere Leben! Mein Kamerad Hans Wurst zum Beispiel ist heute Direktor der örtlichen Sparkasse, er erzählte mir aber letztens bei einem Straßenfest, dass er beim Geldzählen auch heute noch das Klingen der guten Bildung in sich spürt.
Sie haben uns viel beigebracht, Herr Dr. Flause - doch jetzt bin ich mit meiner Weisheit am Ende.
Bitte, geben Sie mir Rat!
In zitternder Erwartung und vorzüglicher Verehrung,
Wanze Wirrkopf
in der letzten Nacht ist etwas Schlimmes geschehen: Ich bin im Dunkeln erwacht, da stieß mir jemand plötzlich eine Eisenstange in die Schläfe! Ein schrecklicher Schmerz hat mich auf der Stelle gelähmt, so daß ich kaum erkennen konnte, wer mir diese Tat angetan hat. Die Person sah aber in etwa so aus wie meine Mutter.
Nun liege ich darnieder, geschwächt und mit einer Eisenstange, die mir seit dem seitlich aus dem Kopfe herausschaut.
Wie sieht das denn aus?
Sie sind meine letzte Hoffnung, Herr Doktor! Nur Sie können mir helfen!
Haben Sie uns nicht gelehrt, einst im Mai, dass Kraft, Liebe und Treue die einzigen Mächte in der Welt sind, die zählen? Haben wir nicht unter Ihrer Ägide nächtelang die Werke der großen Meister gelesen, darin geblättert und darüber gezwinkert, bis die Augen wund und rot waren?
Herr Dr. Flause! Ihre Worte brachten etwas in uns zum Klingen, ein Klingen, dass wir mitnahmen in unsere Leben! Mein Kamerad Hans Wurst zum Beispiel ist heute Direktor der örtlichen Sparkasse, er erzählte mir aber letztens bei einem Straßenfest, dass er beim Geldzählen auch heute noch das Klingen der guten Bildung in sich spürt.
Sie haben uns viel beigebracht, Herr Dr. Flause - doch jetzt bin ich mit meiner Weisheit am Ende.
Bitte, geben Sie mir Rat!
In zitternder Erwartung und vorzüglicher Verehrung,
Wanze Wirrkopf
Erinnerungen in Essig
16.04.2007 18:52
Mein lieber guter Herr Dr. Flause,
heute musste ich doch glatt an Sie denken, mein verehrter Lehrvater, als ich nämlich auf der Toilette war, um meine Notdurft zu verrichten.
Ich stand auf und sah nach, was ich der Welt wohl hinterlassen sollte und sah drei kleine, gerade Kackwürstchen, parallel zueinander in der Toilettenschüssel angeordnet.
Da erinnerte ich mich an die Lehrzeichen, die Sie, verehrter Doktor, uns Schülern seinerzeit in den Möhnesand gezeichnet haben - meine Kackwürstchen sahen exakt so aus wie das Zeichen für "Himmlische Orgasmussymphonie"!
Lieber Dr. Flause - was haben wir damals für lehr- und erfahrungsreiche Zeiten mitmachen dürfen, meine Mitschüler und ich! Jeden Tag nahmen sie uns an die Hand und zeigten uns die Welt, wie sie sich nur dem Eingeweihten entblättert. Verborgene Ritzen in den Bäumen steckten voller Hühner, Federn flogen hinauf zu den Sternen. Marder paarten sich im rauschenden Strom der roten Blätter, unser Blut pochte in unseren Adern, als wir den Adler in edler Luft sich schwingen sahen!
Haben wir Ihnen, lieber Dr. Flause, jemals genug gedankt? Ihnen jemals einen Widerschein des strahlenden Wissens gezeigt, welches Sie auf uns niederregnen liessen?
Mit herzlichen Grüßen,
Wanze Wirrkopf
heute musste ich doch glatt an Sie denken, mein verehrter Lehrvater, als ich nämlich auf der Toilette war, um meine Notdurft zu verrichten.
Ich stand auf und sah nach, was ich der Welt wohl hinterlassen sollte und sah drei kleine, gerade Kackwürstchen, parallel zueinander in der Toilettenschüssel angeordnet.
Da erinnerte ich mich an die Lehrzeichen, die Sie, verehrter Doktor, uns Schülern seinerzeit in den Möhnesand gezeichnet haben - meine Kackwürstchen sahen exakt so aus wie das Zeichen für "Himmlische Orgasmussymphonie"!
Lieber Dr. Flause - was haben wir damals für lehr- und erfahrungsreiche Zeiten mitmachen dürfen, meine Mitschüler und ich! Jeden Tag nahmen sie uns an die Hand und zeigten uns die Welt, wie sie sich nur dem Eingeweihten entblättert. Verborgene Ritzen in den Bäumen steckten voller Hühner, Federn flogen hinauf zu den Sternen. Marder paarten sich im rauschenden Strom der roten Blätter, unser Blut pochte in unseren Adern, als wir den Adler in edler Luft sich schwingen sahen!
Haben wir Ihnen, lieber Dr. Flause, jemals genug gedankt? Ihnen jemals einen Widerschein des strahlenden Wissens gezeigt, welches Sie auf uns niederregnen liessen?
Mit herzlichen Grüßen,
Wanze Wirrkopf