Die letzte Fahrt

Das Komische daran ist, dass ich überhaupt keine Angst habe.
Der Zug führt ein in den Bahnhof der kleinen, alten Stadt. Sonnenschein, ein paar Wölkchen am Himmel. Menschen stehen am Bahnsteig, warten auf die Reisenden. Der alte Mann dort könnte Großvater sein. Es ist schon so lange her. Es sind auch kleine Kinder dort, sie laufen lachend im Kreis. Irgendwo wartet Flieger auf mich. Er ist schon mal vorgefahren und wollte den Grill anmachen.
Ist vielleicht doch nicht schlimm hier im Jenseits.
|

Schwimmbad

Kinderlachen. Es riecht nach Chlor. Durch die Blätter des Gebüschs kann ich sie sehen, die Kleinen. Einige kommen an, zappeln fröhlich, die anderen gehen, die Haare noch nass. Papiertütchen mit Lakritz und Weingummi. Eis am Stiel.
Ich muss mich verbergen. Die Sonne brennt auf mein Versteck, die Luft im Schatten ist stickig. Der Müll hier stinkt. Stinkt wie der Atem aus meinem Maul, wo Fleischreste verwesen. Meine Klauen graben sich in den Dreck unter mir.
Gerne wäre ich auch da, wo die Kinder lachen und schreien. Aber das geht nicht mehr. Nicht mehr, seitdem man das mit mir gemacht hat und ich so bin, wie ich jetzt bin: Abstossend, hässlich, ein gehetztes Tier.
Am Tage muss ich mich vor den Menschen verbergen, des Nachts schleiche ich umher. Es dauert noch Stunden, bis es dunkel wird. Vielleicht klettere ich dann über den Zaun ins Schwimmbad. Dort setze ich mich auf die leere Wiese und heule den Mond an.
Eis gibt es dann wohl keins.
|

Noch einen!

Ach, Gottchen! Die Collage ist ein bisschen mickrig. Also noch schnell einen anderen Text hinterher (weiter oben! Guckt oben!!).
|

Nabelschau (mal wieder)

Ich schreibe hier ja immer einen ziemlichen Scheiss zusammen. Wie bereits erwähnt, ist vieles davon tatsächlich in der Nacht erträumt (wobei ich mir allerdings die Freiheit nehme, sie ein bisschen aufzuhübschen und zu glätten - wenigstens ein wenig). Komisch irgendwie, dass mir nie längere Texte gelingen.
Warum nur?
Habe ich es zu eilig? Zu wenig Zeit?
Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung. Vielleicht fehlt es mir an Planung, Struktur usw. Vielleicht müsste ich die Geschichten nur mehr ausschmücken, mehr beschreiben und so.
Andererseits mag es ich es, wenn die Texte viel Freiraum lassen und nicht allzu schwafelig werden.
Mmh? Lesen Sie mehr...
|

Out of Area (Collage)

Out of Area
Mal was von der Welt sehen.
Mitreden können.
Eine Milliarde Menschen können sich doch nicht irren.
Kompetenter Rat vom Profi.
Karriere, Kammeradschaft.
Was tun, wenn das Haustier stirbt?
|

Insel

Das Boot legte an der verlassenen Insel an. Blauer Himmel, blaues Meer, leichtes Rauschen. Ich ging mit den anderen an Land, die Kinder schwammen in der Nähe des Bootes. Ich schaute mit die Gegend an. Die Terasse, die Garage, das Haus - alles lag verlassen da. Überall Pokale und Medallien mit deutschen Worten drauf. Waren also Deutsche gewesen, die hier gewohnt hatten. Die Steine der Terasse waren heiß.
Ich dachte immer wieder an den Riesenwal, den wir gesehen hatten. Wie eine Masse von zweitausend Tonnen Fleisch die Wasseroberflöche durchbrochen hatten. Zuerst hatte ich an die schrecklichen Riesenkalmare gedacht, die seit einigen Jahre ab und an nach oben kamen und ganze Schiffe in den Abgrund zogen. Doch dies hier war ein Riesenwal, das größte Tier aller Zeiten. Friedlich und doch schrecklich wie ein Gott.
Die Kinder planschten im warmen Wasser, auch das Baby schwamm und gluckste vor Freude. Nicht weit zogen Haie ihre ruhigen Bahnen. Keine Angst. Es wird nichts passieren. Es ist ja eine Fernsehkamera dabei.
|

Spam

Wow! Spam goes Dichtung: Lesen Sie mehr...
|

Traumwanderung

Ich gehe über Land. Über Schwitten und das Dorf, das hinter Schwitten liegt. Zwei ehemalige amerikanische GIs - Brüder - treten als Sänger auf. Man hat ihnen bunte Kleider angezogen, das soll exotisch aussehen. Ihre schwarze Haut glänzt, leuchtend weisse Kauleisten.
Die Bühne steht in der Schützenhalle.
Weiter. Der Kies des Weges knirscht.
Dann die weite Kurve des Dorfes hinter Schwitten. Hier ist der Hof des Bauern, auf den vor fünf Jahren ein Anschlag verübt wurde. Ein Schuss aus der Entfernung. Traf ihn am Arm. Der Täter ist nie gefunden worden. Wieder ist ein Kamerateam da und der Bauer erzählt seine Geschichte. Der Arm ist eigentlich komplett verheilt, man hat ihm aber extra für die Reportage einen Verband umgelegt. Er wedelt mit der rechten Hand herum, den linken Ellenbogen hält er hoch.
Hinter dem Dorf hinter Schwitten ist die Welt dann zuende. Ich stehe am Rand der großen Klippe. Unter mir der Wirbel der Möglichkeiten.
|

Mondkäferchen

"Fliegst Du mit mir zum Mond?" Große, runde, braune Augen schauen zu mir herauf. "Sag, fliegst Du mit mir?"
Ich greife zu. Noch so leicht das Kleine, so leicht. "Überall hin! Ich fliege mit Dir überall hin!"
Händchen patschen fröhlich.
|

Kleine Freuden des Luxus

Prinz Bongo tanzte hinter dem Thresen aus Glas. Die Fritten zischten im Fett und auf der Bratplatte lagen zwei dicke Frickadellen träge im Öl. Ein Bier? Gerne, der Herr! Auf die Pommes was drauf? Prinz Bongo drückte den Hebel und der Mayonaiseneimer ejakulierte langsam einen Schwall auf den Teller. Prinz Bongo brachte dem Gast seine Speise dar. Noch ein Bier! Ein Hamburger? Kommt sofort! Bulette ins Fett, Bröselbrötchen aufgetrennt. Mayo und Ketchup drauf. Heisse Bulette drauf. Schlabberkäse drauf. Zwiebeln und Schmiergemüse drauf. Auf den Teller damit. Pommes dazu. Noch ein Bier? Gerne!
Prinz Bongo herrschte über ein kleines Reich. Aber es war laut und voller Lachen, so wie er es mochte.
Noch zwei Bier für die Herren vom Gesundheitsamt!
|

Kantine im rostigen Haus

Das Kartoffelpüree hatte das Feld schon längst vergessen. Eine grobe Keller formte in den Haufen eine Kuhle und ein Schlag brauner Soße fiel dort hinein. Die Zwiebeln dabei, die waren so traurig, die waren etwas Besonderes: Wenn man sie schnitt, weinte nicht der Schnitter - es weinten die Zwiebeln.
Die Menschen standen Schlange im großen, rostigen Haus. Obwohl das Essen eigentlich unverdaulich war. Es kam - nach einigen Schmerzen - unten so raus, wie man es sich in den Schlund gestopft hatte. Mit Teller und Papierserviette.
Nein, Danke - keine Soße mehr!
|

Gedankensturm

Ich bin ein Spezialunternehmen für Natursteingestaltung und nehme einen ordentlichen Schluck aus der Pulle. Die Welt gleitet an mir vorbei, leistungsstark und kalorienarm. Ich bin reich an Ballaststoffen, ich fühle mich gut. Kinderlachen ist die beste Musik, in diesem Bereich ist noch eine Umsatzsteigerung möglich.
Wenn es nur nicht immer riechen würde, als ob es brennt!
|

Fußball-Urne

Fussball-Urne
Anklicken zum Vergrößern.
Gesehen in Köln-Ehrenfeld.
|

Zäune

Nicht weit von hier frisst sich ein neuer Zubringer durch die Felder. Mir fällt in den Neubaugebieten ein Trend zur Umfriedung auf. Angst, Schutzbedürfnis und ein Wunsch nach Privatheit?
Im Moment kommen ja so viele Zombiefilme im Kino. Ein Ausdruck der Ängste in unserer Gesellschaft? Die Angst vor dem sozialen Abstieg? Vor dem "Überlebenskampf" der modernen Wirtschaftswelt? Gated Communities?
|

Piraten (aus den Chroniken der Regenzeit)

Das Piratenschiff gleitet durch die Netzwelt. Ein Meer aus bunten
Kugeln unterm Rumpf. Die Piraten sind klein und sehen aus wie geklont:
Rotes Kopftuch, Augenklappe. Ab und zu wird die Klappe gelüftet.
Zum Gucken.
|

Bäume

Alter Apfelbaum

Anklicken zum Vergrößern.
Dieser Apfelbaum im Garten meiner Eltern ist ungefähr 70 Jahre alt. Leider ist er schon sehr krank und hat kaum noch Blätter. In einem oder zwei Jahren wird er sterben.


Alter Birnbaum

Anklicken zum Vergrößern.
Dieser Birnbaum ist fast genau so alt. Er ist einmal im Sturm umgeknickt und seinen Innenraum ist hohl. Trotzdem ist er stark und trägt jedes Jahr viele Früchte.
|

Ein Tag im niederländischen Indoor-Spielplatz (aus den Chroniken der Regenzeit)

Kreischkids krabbeln kollernd - Kurs: Chaos-Karaoke-Camp! (Notizen aus
einem niederländischen Indoor-Spielplatz)

Die Fritten werden hier einzeln ausgerufen, durchnummeriert wie in
einem deutschen Amt.
Die Lautsprecherfrau ist zu leise und hat einen leicht hysterischen
Klang. Sicher hasst sie Kinder.

Warum hatte niemand schon dieses Idee:
Die langen Haare der Kinder werden zu Zöpfen geflochten. Diese hakt
man in die Krananlage unter dem Hallendach. Sie kreiseln wie ein
Mobilé, ihr Lachen erschallt wie das der Möwen draussen.
"Kidfingers"? Essen die hier Kinder? Ach, Nein: "Kipfingers"!
Längliche frittierte Hähnchenfleichrollen.
|

Guten Appetit!

Tagelang durch Brache gewandert, ohne Essen, ohne Trinken. Dann, mit Staub im Hals, einen Erlebnisbahnhof entdeckt. Dort mich überfressen, zu schnell getrunken. Jetzt sitze ich im Zug, mit einer Burgerwut im Bauch.
Die Backpulvermischungen der Brötchen vermischen sich mit den Geschmacksverstärkern aus dem Ketchup. Im Fleisch war ausser Antibiotika nichts drin. Die Säure aus der Cola lässt eine ätzende Mischung entstehen, eine Faust der Wut. Burgerwut.
Ich möchte im Moment alles zerschlagen. Anzünden. Umwerfen. Kaugummi drankleben.
Ich möchte Burgermeister sein.
|

Ein Auge drauf haben

Professor Regenstrom wechselte die Straßenseite, um nicht aufzufallen. Karate, das Objekt seiner Observation lief weiter die Straße entlang, den Oberkörper aufrecht, die kurzen Arme lustig hin und her pendelnd.
Professor Regenstrom tat so, als betrachte er die bunten Fische in der Auslage eines Chinarestaurants. Dann folgte er Karate.
Seine dürren Knochen schrieen vor Qual laut auf. Er wurde zu alt für solche Spielchen! Aber was tat man nicht alles für sein Enkelkind?
Zum Beispiel diesen merkwürdigen Kerl beobachten, in den sich sein kleinen Sonnenschein unsterblich verliebt hatte.
Äusserlich war dieser Karate zwar etwas gewöhnungsbedürftig mit seinem Körperbau und diesem herrischen Oberlippenbart. Aber immerhin war die Haltung tadellos. Darüber hinaus konnte man den Mann nur als zurückgezogen-sonderlich bezeichnen: Wohnte noch bei der Mutter und war erster Vorsitzender der örtlichen Hermann-Gesellschaft. Die traf sich immer im Hinterzimmer des Gasthauses "Hirsch" und man verbrachte seine Zeit mit Lobreden und Trinksprüchen auf Arminius, den alten Depp.
Professor Regenstroms Enkelin und dieser Karate waren nun schon seit zwei Wochen zusammen, doch die jung erblühende Liebe war schon getrübt. Zu einseitig sei der Verehrte, zu sehr auf die eigene Kultur beschränkt, so die Kleine zu ihrem Großvater. Aber Karate habe Besserung gelobt und dies solle doch der liebe Opa - bei aller Diskretion - mal überprüfen.
So kam es, dass der emeritierte Professor nun durch die Straßen Köln schlich und Detektiv spielte. Regenstrom murmelte wütend vor sich hin. Arminius! Dieser Separatist! Und obendrein ein Versager! Wer den noch verehrte, der konnte eigentlich nicht alle Tassen im Schrank haben, war verbohrt, blind und taub!
Er ging etwas schneller, um mit Karate Schritt halten zu können. Der nämlich schien sein Ziel ausgemacht zu haben, überquerte seinerseits die Straße und verschwand im Eingang eines Restaurants - und was für ein Restaurant!
Professor Regenstrom staunte nicht schlecht:
Karate ging zum Äthiopier!
Also hatte sich doch etwas bewegt in dem sturen Klotz!
Wie jung beschwingt machte sich Professor Regenstrom auf den Weg nach Hause. Er hatte seiner Enkelin eine gute Nachricht zu überbringen.
Dann entschied er sich, noch vorher ein paar alte Kollegen zu besuchen. In seiner Alma mater, der Kaiserlich-Römischen Universität zu Köln.
|

Komischer Urlaubstraum

Es war schlimm, als die Chinesen die Stadt einnahmen. Sie fluteten durch die Straßen, Kung-Fu-Meister in bunten Gewändern, angeführt von einem singenden Kaiserkind, und töteten jeden den sie finden konnten. Man sah Fische, wie sie versuchten, sich unter Türschwellen zu drücken. Ein von Whisky betrunkener Weisser verriet den Chinesen noch, wo sich eine Mutter mit ihrem Kind versteckt hatte. Später dann waren die Chinesen weiter gezogen. Der Betrunkene wankte über die leichenübersäte Straße, da kam ein Dammpfmaschinendreirad und fuhr den Verräter platt.
Dann war der Film zuende und wir gingen einkaufen, Elefantenklo, Flöte, Flause und ich. Ein Sack Würste zum Grillen, flache, panierte Kartoffelpuffer zum Aufpacken. Hähnchenflügel, Mozarella-Sticks - alles in riesigen Tüten. Ich schob den Einkaufswagen zum Ferienhäuschen.
Plötzlich war ich allein. Zwei dumme Jugendliche erzählten mir was. Ich ging weiter, sie folgten mir und redeten weiter. Ein Mann in schmutzigem Cordanzug, mit dicken Ringen an den Fingern und auf dem Kopf die Frisur eines schwitzenden Musiktherapeuten taxierte mich. Ich musste weg!
Bergab fuhr ich den Einkaufswagen im dritten Gang, trat die Kupplung und dann ließ rollen. Geschwindigkeit!
|

Nepalesenkäse

Ich habe einen buddistischen Tempel im Garten. Wäscheleinen gespannt, Flatterfahnen mit Sprüchen bedruckt, aufgehängt, Räucherschälchen - fertig!
Ein paar Buddisten sitzen hier tatsächlich schon rum. Sie lächeln. Sie lächeln, bis sie gar nicht mehr da sind.
Vielleicht kommt ja bald der Dalai Lama. Den will ich fangen.
|

Polo?

Am Bahnhof sah ich heute ein Frau. Grauer (grüner?) Rock, gleichfarbiges Jäckchen.
Auf dem Rücken groß, dick und weiß der Aufdruck:
"Not just for Polo-Cub"

Häh?
|

Erste Klasse

Heute bin ich das erste Mal in der ersten Klasse gereist. Mit einem Zusatzticket zum Firmenticket geht das ja.

Ehrlich: Man merkt keinen Unterschied. Ausser dem, dass es nicht so voll ist.

Notiz an mich:
Ab Morgen wieder demokratisch zweite Klasse fahren!
|

Kaffee!

Kein Kaffee da. Nich mal Löslicher. Mein Hirn watetet wie durch Leim.
|

Kopfknochen, fleischlos

Die Mode im Sommer 2007: Ein einziger Schädeltanz. Ob es an den vielen Piraten liegt? Den freundlichen, gut frisierten Seeräubern? Den Kuschelsparrows und Plüschtierkapitänen?
Schon Kleinkinder tragen Totenkopf.
Mein Vorschlag:

Alle Kielholen!
|

Tschühüss!

Friede des späteren Morgens. Mamapapakinder auf dem Weg zum Garten, zur Schule, den Tonton auf dem Rücken. Viele führen ihre Hundekackeschläuche aus. Der liebe Gott hat ein Einsehen und schickt die Schwester Sonne aus. Der Zebrastreifen liegt voller Frieden.
Dem Papa durch das Fenster winken.
|

Frauenzeitschriften international

Wie heisst eigentlich die "tina" in Russland?
"Olga"?
|

Das Ende naht

Der alte Baum streckte seine Äste wie ein Dach über Hans. Der hatte sein Schwert gezogen und machte seine Übungen. Vor, zurück. Vor, zurück. Parade, Angriff. Angriff, Parade. Das Schwert fiel ins Gras. Zitternde Pfoten. Verdammt! Hans fluchte, hob das Schwert auf und schaute zum Baum, sah ihn nicht.
Sie war viel zu nah. Alles in ihm war schief, die Arme schwach. Nervenfieber.
Die Sonne brach durch die Wolken, der Hügel weiter hinten erstrahlte.
Da irgendwo musste sie sein.
Er konnte sie fühlen, fühlte sie wie einen Schmerz.
Sein Griff um das Heft wurde hart. Bald wäre es vorbei. So oder so.
|

Neuer Friedhof

Haltestelle "Neuer Friedhof". Am neuen Friedhof gibt es auch ein oder zwei Wohnhäuser. Ein Schwimmbecken ist aufgebaut. Kinder werfen Bälle hinein. Keine Kränze in Sicht.
|

Geschäftsidee!

Ein Radler auf den Markt bringen!
Name des Produkts:

"EPO"
|

Erster Arbeitstag

Die letzten Tage gelegen und geschwitzt. Die Bronchen tanzten Samba. Heute der erste Arbeitstag. Kopfschmerztablette und Wechsel-T-Shirt.
Irgendwie haben wir gezeltet. Unter einer riesigen Autobahnbrücke. Dann aus Versehen den Autoschlüssel aufgegessen und mich auf die lange Suche nach dem Ersatzschlüssel gemacht. Warum sind wir nicht im Hotel geblieben? In unserem schönen Zimmer, wo zwei Duschen mitten zwischen den Betten standen?
Draussen zieht die Stadt vorbei. Aus meinem Mund brabbelt merkwürdiges Zeug. Die Leute gucken schon.
|

Hirn heute

Mein Gehirn fühlt sich an, als sei ein Panzer drüber gefahren.
Das ist gar nicht mal schlecht.
|

Graffiti

Tja, wenn man in Duisburg wohnt, muss man eben Berlin sprayen.

Graffiti Berlin in Duisburg

Klicken zum Vergrößern.
|

Rupiemeln

Durch die Nacht getaumelt. Den ganzen Tag hatten wir auf dem Feld gearbeitet und Rupiemeln geernetet. Trecker hatten die Pflanzen aus dem Boden gerupft, wir hatten mit unseren Händen das Grün eingesammelt und die Reste aus dem Boden gesucht.
Jetzt hockten wir in dieser komischen Kneipe. Peterchen trug eine dünne Lederjacke und sah aus wie sein Vater in jung. Wir tranken - natürlich - Bier. Für eine Unterhaltung war es viel zu laut.
Ich musste mal.
Eine junge, hübsche Frau mit langen Lederstiefeln ließ mich ihren Tisch an die Seite schieben. Auf der Toilette hatte ich das Gefühl, dass irgend jemand vergessen hatte, eine wichtige Tür zu schließen: Das Herrenklo war ein Tollhaus!
Kinder rannten schreiend herum. Frauen saßen in den Ecken und rauchten. Ein Urinal war voller Goldmünzen. Die Versuchung war stark, mir die Hände naß zu machen.
In einem anderen Urinal hockte ein Mann, ließ die Spülung wieder und wieder laufen und schaute mich erwartungsvoll an.
Die Blase drückte. Laut fluchte ich über dieses Irrenhaus und rannte davon. Irgendwo draussen fand ich ein Gebüsch. Es ruhig und still. Ausgewachsene Rupiemeln.
|

Hochofenromantik

Hochofenromantik

Klicken zum Vergrößern.
|

Schmutziges weisses Fell

Wir standen im Garten, nah am Haus, und starrten angestrengt in den Wald unterhalb des Feldes. Dort irgendwo hockte das Rudel Eisbären. Scheiss Klimawandel!
Seitdem das Wetter vollkommen verrückt spielte, hatten sich sogar diese einzelgängerischen Tiere hier angesiedelt. Was das Leben nicht unbedingt einfacher machte.
Völlig fassungslos sahen wir nun zu, wie ein Mann mit zwei kleinen Kindern in aller Seelenruhe am Waldrand herumspazierte. Jeden Moment konnten die Eisbären aus den Unterholz brechen und ihn und die Kinder töten. Ihnen Helfen? Wie?
Ich hielt eine Baumsäge in den Händen. Vielleicht konnte ich einen angreifenden Bären damit wenigstens auf Distanz halten.
Irgendwie ging dann doch alles gut. Die drei gingen aussen am Gartenzaun vorbei. Sie stiegen in einen dunklen BMW und fuhren davon. Der Wagen hatte die Worte "You Want Play?" in die Heckscheibe eingraviert.
Wahrscheinlich fanden die das noch lustig.
|

Der Schröder!

Ich musste mich beeilen. Ich war schon ein bisschen zu spät. Meine Laune war nicht gut. Die Freunde waren jetzt in Elten und sahen sich den See von unten an und ich musste zum Seminar. Zum Seminar von Gerhard Schröder. Und ich war zu spät.
Den Gang entlang, den Gang entlang. Auf dem Gang vor dem Saal standen Stühle. Dort saßen schon Leute. War es so voll?
Die Tür war geöffnet und ich schlich mich heran, lugte hinein. Die dunkle Stimme brummte. Komisch - war gar nicht so voll.
Ein Typ saß direkt neben der Tür, den Collegeblock auf den Knien. Ich sah ihn fragend an. "Die Luft" flüsterte er "die Luft ist zum Ersticken da drin!"
Ich nickte ihm zu, ging leise hinein und setzte mich auf den erstbesten freien Platz.
Gerhard Schröder wirbelte herum, zum Glück nicht wegen mir, sondern um besonders dramatisch die Arme auszubreiten. Sein Sacko hatte er ausgezogen. Die obersten Knöpfe des weiss angeschwitzten Hemdes waren geöffnet. Er glänzte wie ein Sieger.
Er redete irgend einen Scheiss.
War das wirklich unser Kanzler gewesen? Mein Kanzler? Was waren wir 1998 stolz gewesen, als er Helmut Kohl abgelöst abgelöst hatte: Unser Kanzler!
Und jetzt? Hartz V, Hartz VI, der Otto-Katalog und er hüpft hier im Seminarraum herum und erzählt uns von Russland. Russland! Pah!
|

Spassbruch

Langsam radelte ich durch das nachtmüde Dorf. Aus der Kneipe kam der letzte Betrunkene, die kleine Pommesbude (wo früher die Fahrschule gewesen war) hatte schon lange dicht. Vorbei an der Kirche, der Grundschule. Da war die alte Sparkasse. Ich schmunzelte.
Eigentlich war es eine ziemlich lustige Zeit gewesen, die Zeit der Sparkassenbrüche. Wir waren zu dritt, der Doktor, der Flause und ich. Insgesamt sieben Mal waren wir in die Bank eingestiegen. Gestohlen hatten wir nie etwas, aber immer ein heilloses Durcheinander angerichtet. Das erste Mal war immer noch das Beste gewesen. Wir hatten überall - auch immer Innenraum - täuschend echte Plakate aufgehängt. Dort stand geschrieben: "Wir verschenken unser Geld" und "Geldanlage mit garantiert 1000% Gewinn - ab 1 Euro Einlage!"
Der müden Angestellten, die jeden Morgen die Bank aufschloss, war der Spaß erst überhaupt nicht aufgefallen. Bis dann irgendwann das Fernsehen vor der Tür stand.
Einmal hatten wir die Seriennummern sämtlicher Geldscheine geschwärzt, einmal in die Überwachungskameras Thriller über ein Geiseldrama eingespielt.
Man hatte uns natürlich nie erwischt.
Ich gebe zu, ich war ein bisschen angeschickert, als ich auf die Schnapsidee kam, noch eine klitzekleine Aktion zu machen. Wie immer kam ich ohne Probleme hinein. Es ging schon fast zu glatt. Nach fünf Minuten hatte ich mein Fahrrad wunderschön im Foyer drapiert. "Das Ergebnis jahrelangen Fondsparens!" stand auf einem Schild über meinem rostigen Hollandrad.
Ich hätte misstrauisch werden sollen, als ich auf dem Heimweg unseren Dorfpolizisten traf. Er war so komisch freundlich. Irgendwann später fragten zwei Polizisten meine Mutter, ob ich zufällig da wäre. Zum Glück flog ich zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem Brett in den Nachthimmel. Zum See. Dort warteten der Doktor und Flause bereits auf mich.
|

Badezimmerset

Beim Pfennigland ist ein "Einteiliges Badezimmerset" im Angebot.

Wollen die mich verarschen?
|