Pause

Mein lieber guter Dr. Flause,

heute ging ich in der Mittagspause mit meinen Kollegen Flanieren. Als Angstellter in der modernen Welt bin ich dazu gezwungen, mich mit den anderen Menschen in meiner Umgebung gemein zu machen.
Schön war das Wetter, die Sonne beschien den Asphalt der Straßen und Plätze. Ich sah viele Leute auf Bänken sitzen und die Wärme geniessen. Auch verschiedene Sorten Kaffee wurden genossen, manch einer aß sogar ein Eis.

Bei diesem Anblick musste ich an meine Ausbildung unter Ihnen denken. Wie Sie damals alles taten, um uns vor der geistlosen Zerstreuung zu schützen. Sie aßen unsere dünne Suppe zur Hälfte auf und durchsuchten sogar unser Gepäck nach von daheim mitgebrachten Würsten. Bekamen wir Ungesundes Essen mit der Post geschickt, erschnüffelten Sie, werter Doktor, jede Spezerei! Die haben Sie dann sofort verspeist, um uns vor der Versuchung der Völlerei zu bewahren.
Wir Schüler schliefen selbst im Winter ohne Heizung und mit dünner Decke, während Sie - um ein Einfrieren der Heizung zu vermeiden - alle Wärme in ihre Kammer leiteten. So wurde wir hart und gesund. So haben Sie sich für uns aufgeopfert, aber um welchen Preis?
Wie oft haben wir Sie, lieber Doktor, dabei beobachtet, wie Sie in Ihrem Ohrensessel weich bepelzt am Kamin saßen, den Bierkrug in der einen, die Pralinenschachtel in der anderen Hand. Wie traurig Sie manchmal schauten! Wir spürten die schweren Lasten, die Sie von uns nahmen, als würden sie doppelt unsere Schultern beschweren!
Dadurch reiften wir weiter zum sittlichen Menschen.
Dafür möchte ich Ihnen Danken, lieber Doktor Flause!

Doch was ist mit den Menschen, die dort draussen ihr "Leben" leben, mit "Freuden" und die manchmal sogar "Lachen"? Haben wir nicht eine Verpflichtung, diese Menschen zu retten, sie von dieser selbstzerstörerischen "Lebensfreude" fern zu halten?

Einer Antwort harrend mit herzlichem Gruß,
Wanze Wirrkopf
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