Bibliothekskongress 2007 in Leipzig - erster Tag
19.03.2007 20:55 Abgelegt in: Aus dem
Leben |
Geknipst!
Ganz subjektive Reisebeschreibung.
Bibliothekskongress 2007 - der erste Tag
19.03.07, 08:10 Uhr
Auf dem Weg nach Leipzig, im InterCity. Gerade haben wir Altenbeken passiert und halten auf Warburg zu. Überall liegt Schnee auf entwurzelten Bäumen. Wenn hier nicht ab und zu ein Zug durchfahren würde, gäbe es wohl nichts hier in der Gegend.
Die Reise ist angenehm. Kaffee getrunken, Landschaft geguckt und zum Klo gegangen. Der Schatz liest, im Ohr habe ich die Podparade, die Leute im Zug sind verbindlich.
Im Eisenach werden wir umsteigen und heute Mittag sind wir hoffentlich in Leipzig. Das freundliche Zugpersonal besteht übrigens aus harten Rauchern. Das macht sie stressresistent und sympathisch.
08:34 Uhr
Warburg. Tauwetter. Perfekter Sitz. Nach hinten geklappt. Ob viele Bibliothekare im Zug sitzen? Unsicher genug gucken einige.
Warburg. War ich nicht schon mal in Warburg? Vielleicht mal umgestiegen oder so?
Von hier aus käme ich wohl ganz gut zu meinen Eltern. Einfach die Ochsentour quer durchs Sauerland bis nach Fröndenberg. Bin ich schon mal gefahren, über Kassel nach Erlangen. Zum Bibliothekartag 1996. Goldene Zeit.
08:50
Spaß am Schreiben. Genug Adrenalin im Blut, um flink zu Tippen, aber nicht so viel um nicht völlig nervös zu sein. Man merkt doch, dass man keine 18 Jahre mehr alt ist. Hoffentlich bleibt die Hochstimmung erhalten.
Mir ist gerade aufgefallen, dass ich ja doch ziemlich verkabelt bin: MP3-Player, AlphaSmart. Im Rucksack noch das iBook inkl. Kabelsalat (hätte ich noch ein Ethernetkabel einpacken sollen?), Kamera auch dabei. Digital living in an analog world.
08:50 (ca.)
Immer noch viel Landschaft. Wenig Schnee. Gerade auf einem Wegweiser "Hofgeismar" gesehen. Da war ich mal im Zeltlager. KJG, große, runde Zelte, das Brot brechen und schlecht riechen. Schöne Zeit. Was einem so alles einfällt, wenn im Zug durch die Lande fährt!
08:59
Weiterhin überschwengliche (überschwängliche?) Landschaft. Ist das hier eigentlich Zonenrandgebiet? Oder sind wir schon im Osten? In einer Stunde sind wir in Eisenach. Geburtsstadt Luthers, glaube ich.
09:01
Kassel-Wilhelmshöhe! Also doch noch Westen! Danach der nächste Halt Bebra - das ist dann wohl ganz bestimmt Ostdeutschland, will meinen, jenseits der ehemaligen Zonengrenze.
10:15 Uhr
In Eisenach umgestiegen. Eisenach ist übrigens garnicht Lutherstadt, sondern Bachstadt. Egal!
Wir sitzen jetzt standesgemäß im ICE und draussen ist immer noch Landschaft. Wir essen Erdnussberge (Erdnüsse in reichlich Vollmilchschokolade). An den Gesprächen auf den Nachbarplätzen merkt man, dass man im östlichen Teil des Landes ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Landsleuten von mir stört mich das Sächseln (was reden eigentlich Thüringer?) überhaupt nicht. Solange ein gewisses Grundverständniss für Hochdeutsche möglich ist, stehe ich Dialekten sehr wohlwollend gegenüber.
In den Zügen liegt überall das DB-eigene Hurrablatt "db mobil" herum, seinerzeit von Wiglaf Droste so passend in "db debil" umgetauft. Heute habe ich was neues gelernt: Früher dachte ich, bei allen Ausgaben wäre immer Heino Ferch vorne drauf. Stimmt aber garnicht! Es gibt auch welche mit Veronica Ferres. Besonders gewinnen tut das Blatt dadurch allerdings nicht.
Das Verhältnis PC zu Mac beträgt in diesem Zug ungefähr drei zu zwei (auf drei PCs kommen zwei Macs). Seitdem die Macbooks auch Bildschirme in 16 zu 9 haben, wird es eng auf den Tischen. Mein AlphaSmart passt hingegen perfekt auf diese kleinen Ausklapptischen.
10:30 (ca.)
Die Landschaft erweist sich als hartnäckig. Ich konnte sie bisher nicht weggucken. Sie legt vielmehr nach: Lauschige Flüsse, schöne Brücken, barock anmutende Kirchen (Ihr wisst schon: Diese Zwiebeltürmchen wie in Bayern auf den Postkarten).
11:30 Uhr (ca.)
Noch ein halbes Stündchen, und wir sind in Leipzig. Hinten am ICE macht etwas immer "Tacktacktack". Das nervt. Im Zug habe ich erste Kollegen ausgemacht. Ich kenne die nicht persönlich, aber irgendwie sehen die so bibliothekarisch aus wie es nur geht.
Jetzt ist das "Tacktacktacktack" plötzlich weg und die Trennscheibe zum Cockpit ist so merkwürdig milchig geworden. Nach einer Minute kommt wieder ein langsames "Taktak", dass sich aber in ein extremes "Tktktktktktktk" verwandelt. Die Scheibe ist wieder klar. Häh?
20:38
Hui! Der Tag ist rum! Wir sind prima in Leipzig angekommen und haben Hotel und Messe gut gefunden. Alles liegt in so eine Art Gewerbegebiet. Ich muss an "Gewerbegebiet City" von Wischmeyer denken. Das einzige, was hier fehlt, sind Menschen.
Das Hotel ist groß, sauber und nett. WLAN ist - für meine Begriffe - unverschämt teuer (10 Euro pro Stunde, swisscom), wir haben uns aber trotzdem einen Voucher gegönnt.
Die Vorträge war so einigermassen und leider total überfüllt (zumindest die Interessanten).
Nach den Vorträgen sind wir dann in so einem amerikanischen Burgerdingen zum Essen gegangen. Ist fast gegenüber vom Restaurant zum Goldenen Bogen und dort gibt es die üblichen Burger, Spare Rips und Steaks zu günstigen Preisen. Die junge, weibliche Bedienung sprach uns an:
Sie: "Seid Ihr von der Messe?"
Wir: "Äh, ja."
Sie: "Sind schon viele Aufbauer da?"
Wir: "Ähm ..."
Sie: "Ihr seid doch Aufbauer, oder?"
Wir: "Nein, wir sind auf einem Kongress da ..."
Sie: "Oh, Entschuldigung! Was möchten Sie Trinken?"
Das "Du" zu Beginn des Gesprächs war viel sympathischer als das "Sie" zum Schluß.
Jetzt wird geschlafen. Gute Nacht!
19.03.07, 08:10 Uhr
Auf dem Weg nach Leipzig, im InterCity. Gerade haben wir Altenbeken passiert und halten auf Warburg zu. Überall liegt Schnee auf entwurzelten Bäumen. Wenn hier nicht ab und zu ein Zug durchfahren würde, gäbe es wohl nichts hier in der Gegend.
Die Reise ist angenehm. Kaffee getrunken, Landschaft geguckt und zum Klo gegangen. Der Schatz liest, im Ohr habe ich die Podparade, die Leute im Zug sind verbindlich.
Im Eisenach werden wir umsteigen und heute Mittag sind wir hoffentlich in Leipzig. Das freundliche Zugpersonal besteht übrigens aus harten Rauchern. Das macht sie stressresistent und sympathisch.
08:34 Uhr
Warburg. Tauwetter. Perfekter Sitz. Nach hinten geklappt. Ob viele Bibliothekare im Zug sitzen? Unsicher genug gucken einige.
Warburg. War ich nicht schon mal in Warburg? Vielleicht mal umgestiegen oder so?
Von hier aus käme ich wohl ganz gut zu meinen Eltern. Einfach die Ochsentour quer durchs Sauerland bis nach Fröndenberg. Bin ich schon mal gefahren, über Kassel nach Erlangen. Zum Bibliothekartag 1996. Goldene Zeit.
08:50
Spaß am Schreiben. Genug Adrenalin im Blut, um flink zu Tippen, aber nicht so viel um nicht völlig nervös zu sein. Man merkt doch, dass man keine 18 Jahre mehr alt ist. Hoffentlich bleibt die Hochstimmung erhalten.
Mir ist gerade aufgefallen, dass ich ja doch ziemlich verkabelt bin: MP3-Player, AlphaSmart. Im Rucksack noch das iBook inkl. Kabelsalat (hätte ich noch ein Ethernetkabel einpacken sollen?), Kamera auch dabei. Digital living in an analog world.
08:50 (ca.)
Immer noch viel Landschaft. Wenig Schnee. Gerade auf einem Wegweiser "Hofgeismar" gesehen. Da war ich mal im Zeltlager. KJG, große, runde Zelte, das Brot brechen und schlecht riechen. Schöne Zeit. Was einem so alles einfällt, wenn im Zug durch die Lande fährt!
08:59
Weiterhin überschwengliche (überschwängliche?) Landschaft. Ist das hier eigentlich Zonenrandgebiet? Oder sind wir schon im Osten? In einer Stunde sind wir in Eisenach. Geburtsstadt Luthers, glaube ich.
09:01
Kassel-Wilhelmshöhe! Also doch noch Westen! Danach der nächste Halt Bebra - das ist dann wohl ganz bestimmt Ostdeutschland, will meinen, jenseits der ehemaligen Zonengrenze.
10:15 Uhr
In Eisenach umgestiegen. Eisenach ist übrigens garnicht Lutherstadt, sondern Bachstadt. Egal!
Wir sitzen jetzt standesgemäß im ICE und draussen ist immer noch Landschaft. Wir essen Erdnussberge (Erdnüsse in reichlich Vollmilchschokolade). An den Gesprächen auf den Nachbarplätzen merkt man, dass man im östlichen Teil des Landes ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Landsleuten von mir stört mich das Sächseln (was reden eigentlich Thüringer?) überhaupt nicht. Solange ein gewisses Grundverständniss für Hochdeutsche möglich ist, stehe ich Dialekten sehr wohlwollend gegenüber.
In den Zügen liegt überall das DB-eigene Hurrablatt "db mobil" herum, seinerzeit von Wiglaf Droste so passend in "db debil" umgetauft. Heute habe ich was neues gelernt: Früher dachte ich, bei allen Ausgaben wäre immer Heino Ferch vorne drauf. Stimmt aber garnicht! Es gibt auch welche mit Veronica Ferres. Besonders gewinnen tut das Blatt dadurch allerdings nicht.
Das Verhältnis PC zu Mac beträgt in diesem Zug ungefähr drei zu zwei (auf drei PCs kommen zwei Macs). Seitdem die Macbooks auch Bildschirme in 16 zu 9 haben, wird es eng auf den Tischen. Mein AlphaSmart passt hingegen perfekt auf diese kleinen Ausklapptischen.
10:30 (ca.)
Die Landschaft erweist sich als hartnäckig. Ich konnte sie bisher nicht weggucken. Sie legt vielmehr nach: Lauschige Flüsse, schöne Brücken, barock anmutende Kirchen (Ihr wisst schon: Diese Zwiebeltürmchen wie in Bayern auf den Postkarten).
11:30 Uhr (ca.)
Noch ein halbes Stündchen, und wir sind in Leipzig. Hinten am ICE macht etwas immer "Tacktacktack". Das nervt. Im Zug habe ich erste Kollegen ausgemacht. Ich kenne die nicht persönlich, aber irgendwie sehen die so bibliothekarisch aus wie es nur geht.
Jetzt ist das "Tacktacktacktack" plötzlich weg und die Trennscheibe zum Cockpit ist so merkwürdig milchig geworden. Nach einer Minute kommt wieder ein langsames "Taktak", dass sich aber in ein extremes "Tktktktktktktk" verwandelt. Die Scheibe ist wieder klar. Häh?
20:38
Hui! Der Tag ist rum! Wir sind prima in Leipzig angekommen und haben Hotel und Messe gut gefunden. Alles liegt in so eine Art Gewerbegebiet. Ich muss an "Gewerbegebiet City" von Wischmeyer denken. Das einzige, was hier fehlt, sind Menschen.
Das Hotel ist groß, sauber und nett. WLAN ist - für meine Begriffe - unverschämt teuer (10 Euro pro Stunde, swisscom), wir haben uns aber trotzdem einen Voucher gegönnt.
Die Vorträge war so einigermassen und leider total überfüllt (zumindest die Interessanten).
Nach den Vorträgen sind wir dann in so einem amerikanischen Burgerdingen zum Essen gegangen. Ist fast gegenüber vom Restaurant zum Goldenen Bogen und dort gibt es die üblichen Burger, Spare Rips und Steaks zu günstigen Preisen. Die junge, weibliche Bedienung sprach uns an:
Sie: "Seid Ihr von der Messe?"
Wir: "Äh, ja."
Sie: "Sind schon viele Aufbauer da?"
Wir: "Ähm ..."
Sie: "Ihr seid doch Aufbauer, oder?"
Wir: "Nein, wir sind auf einem Kongress da ..."
Sie: "Oh, Entschuldigung! Was möchten Sie Trinken?"
Das "Du" zu Beginn des Gesprächs war viel sympathischer als das "Sie" zum Schluß.
Jetzt wird geschlafen. Gute Nacht!
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