Geier

"DIE WAGEN VERKEHREN HEUTE IN UMGEKEHRTER ZUGREIHENFOLGE!!" Donnerte der Ausrufer durch die engen Gassen der kleinen Stadt. Wir hörten den Mann mit der feuchten Aussprache und den gelben Zähnen kaum noch. Wir hatten genug damit zu tun, die ganzen Leichen aus den Kellern zu holen. Einige davon stanken schon ziemlich. Aber es musste sein. Wir taten das dem Geier zuliebe. Der war nämlich vom Aussterben bedroht, weil es zu wenig Aas in der Landschaft gab. Nun hatte das Land verfügt, es sollten mehr Kadaver in der Gegend herumliegen. Also zerrten wir die Toten hervor. Alle lagen übereinander: Dicke, Dünne, Mann oder Frau. Auch Tiere wie Hunde, Katzen, Kühe und abgelaufene Schweine.
Tausende von Ratten bevölkern nun die Stadt. Sie dringen in die Wohnungen ein. Mütter lassen ihre Babies nicht mehr in der Krippe liegen, aus Angst vor den gierigen Zähnen. Gestern, so sagt man, haben die Ratten eine alte Frau überwältigt und gefressen.
Aber was tut man nicht alles für die Natur!?
Inspiriert durch einen SPON-Artikel, in dem über das Aussterben diverser Geier in Europa berichtet wird. Die Geier müssen Hungern, weil zuwenig Kadaver in der Gegend herumliegen.
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