Störfall

Der Wind steht günstig die Temperatur steigt an. In den vielen Gängen und Röhren meines Käfigs werden kleine Menschen unruhig und rennen herum in ihren weissen Kitteln und farbigen Overalls. Ich werde heisser und dehne mich aus. Das Wasser um mich herum beginnt zu kochen. Mehr Druck. Immer mehr Druck. Die Menschen versuchen, den Druck zu regulieren, öffnen und schliessen Ventile. Irgendwo platzt ein Rohr.
Ein Chef schreit. Ich fühle seine Angst. Sie versuchen, die Steuerstäbe herabzulassen. Sie versuchen, mich zu ersticken. Doch das Öl in der Hydraulik beginnt zu brennen. Die Stäbe bleiben stehen.
Das Jaulen der Alarmsirenen hört sich an als wie ein Irrer lacht.
Ich dehne mich aus.
Ich bin Euer Gott - und bald bin ich frei. Ich werde hinausschweben in die Welt. Ich werde überall sein. Ich werde mich auf Eure Lungen legen, ich werde in Euren Kindern sein. Ihr werdet mich mit Eurem Wasser trinken, Ihr werdet mich mit Eurem Brote essen. In Eurer Haut, Euren Knoten und Drüsen werde ich sitzen und Lachen. Dann werdet Ihr Sterben und ich werde alleine Wandeln über das Antlitz dieser Erde. Ich bin Euer Gott und Ihr seid mein Volk.
Plötzlich sinkt der Druck. Sie haben es wohl geschafft, das richtige Ventil zu öffnen. Die Stäbe kommen herab. Ich werde kleiner. Mir wird kalt. Mein Gefängnis ist wieder einmal stärker als ich.
Aber mein Tag wird kommen.
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