Familienfeier
30.10.2008 05:37 Abgelegt in: Wirre
Träume einer Wanze
Das einzige verbliebene Restaurant im Ort war die
"Lotusblüte". Dort gingen wir alle gerne hin, doch
seitdem der Besitzer und einzige Koch sich in seiner
Küche aufgehängt hatte, verschlechterte sich die
Qualität des Hauses erheblich.
Da sich niemand zuständig fühlte, ließ man den Chinesen einfach in seiner Küche hängen (nach ein paar Monaten fiel er dann runter). Der süssliche Geruch und das Summen der Fliegen gaben den Geburtstagsfeiern von Großtante Fenti nun eine besonders morbide Note.
Wir saßen mal wieder zusammen und warteten auf das Ende des Tages. Großtante Fenti war am Kopfende plaziert, ich hatte mir den strategisch geünstigen Platz an ihrer linken Seite gesichert. Mir gegenüber thronte der dicke Onkel Paul und links von mir der schreckliche Onkel Gonzo.
Weiter hinten saßen noch ein paar andere Leute, aber die waren völlig undeutlich. Dort zappelte auch das dicke Kind herum. Niemand wusste mehr, zu wem es gehörte, aber es kam jedes Mal mit zu den Feiern.
So konnte ich die Zeit hoffentlich gut rumbringen: Einerseits beobachtete ich den immer nervöser werdenden Onkel Paul, andererseits konnte ich vortäuschen, dem senilen Gebrabbel von Großtante Fenti zu lauschen.
Vor dem schrecklichen Onkel Gonzo war ich sicher, denn seit bei den Märzunruhen eine Granate neben meinem Kopf geplatzt war, war meine linke Gesichtshälfte inklusiv des Ohres völlig taub.
Onkel Gonzo war der Schrecken der Verwandtschaft: Er hatte einst in der großen Stadt eine Ausbildung zum medizinischen Fußpfleger gemacht und glaubte nun, eine Art Arzt zu sein. Er gab fürchterlich an und überzog alles und jeden mit seinen guten Ratschlägen.
Besonders der dicke Onkel Paul litt darunter. Ihm ging es schon gehörig auf die Nerven, dass er für mehrere Stunden trocken bleiben musste. Da die Bedienung bereits kurz vor dem Selbstmord des Chinesen verschwunden war, gab es natürlich auch nichts zu Trinken. Dumm wie er war, hatte sich Paul so hingesetzt, dass er die ganze Zeit die verstaubte Theke mit ihren Flaschen ansehen musste. Er war rot im Gesicht und schwitzte. Das Geseier von Onkel Gonzo schwappte an ihm herunter wie die Kotze eines Besoffenen.
Ich wartete darauf, dass Onkel Paul es irgendwann nicht mehr aushalten und er aufstehen, zur Theke schreiten und eine der Schnapsflaschen holen würde.
Bis dahin saßen wir zusammen an Großtante Fentis Geburstag. Fenti brabbelte weiter Unsinn, Onkel Paul schwitzte, Onkel Gonzo gestikulierte mit den Armen, die anderen Leute saßen still und verschwommen und das dicke Kind zappelte.
Zu alle dem summten die Fliegen in der Küche ihr lustiges Lied.
Da sich niemand zuständig fühlte, ließ man den Chinesen einfach in seiner Küche hängen (nach ein paar Monaten fiel er dann runter). Der süssliche Geruch und das Summen der Fliegen gaben den Geburtstagsfeiern von Großtante Fenti nun eine besonders morbide Note.
Wir saßen mal wieder zusammen und warteten auf das Ende des Tages. Großtante Fenti war am Kopfende plaziert, ich hatte mir den strategisch geünstigen Platz an ihrer linken Seite gesichert. Mir gegenüber thronte der dicke Onkel Paul und links von mir der schreckliche Onkel Gonzo.
Weiter hinten saßen noch ein paar andere Leute, aber die waren völlig undeutlich. Dort zappelte auch das dicke Kind herum. Niemand wusste mehr, zu wem es gehörte, aber es kam jedes Mal mit zu den Feiern.
So konnte ich die Zeit hoffentlich gut rumbringen: Einerseits beobachtete ich den immer nervöser werdenden Onkel Paul, andererseits konnte ich vortäuschen, dem senilen Gebrabbel von Großtante Fenti zu lauschen.
Vor dem schrecklichen Onkel Gonzo war ich sicher, denn seit bei den Märzunruhen eine Granate neben meinem Kopf geplatzt war, war meine linke Gesichtshälfte inklusiv des Ohres völlig taub.
Onkel Gonzo war der Schrecken der Verwandtschaft: Er hatte einst in der großen Stadt eine Ausbildung zum medizinischen Fußpfleger gemacht und glaubte nun, eine Art Arzt zu sein. Er gab fürchterlich an und überzog alles und jeden mit seinen guten Ratschlägen.
Besonders der dicke Onkel Paul litt darunter. Ihm ging es schon gehörig auf die Nerven, dass er für mehrere Stunden trocken bleiben musste. Da die Bedienung bereits kurz vor dem Selbstmord des Chinesen verschwunden war, gab es natürlich auch nichts zu Trinken. Dumm wie er war, hatte sich Paul so hingesetzt, dass er die ganze Zeit die verstaubte Theke mit ihren Flaschen ansehen musste. Er war rot im Gesicht und schwitzte. Das Geseier von Onkel Gonzo schwappte an ihm herunter wie die Kotze eines Besoffenen.
Ich wartete darauf, dass Onkel Paul es irgendwann nicht mehr aushalten und er aufstehen, zur Theke schreiten und eine der Schnapsflaschen holen würde.
Bis dahin saßen wir zusammen an Großtante Fentis Geburstag. Fenti brabbelte weiter Unsinn, Onkel Paul schwitzte, Onkel Gonzo gestikulierte mit den Armen, die anderen Leute saßen still und verschwommen und das dicke Kind zappelte.
Zu alle dem summten die Fliegen in der Küche ihr lustiges Lied.
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