Über den Dächern der Stadt
Flöte und ich saßen auf dem Haus, soffen Dosenbier und schauten über
die Dächer der Stadt. Die Sonne versank und tauchte alles in rotes
Licht. Flöte nahm zwei neue Dosen, gab mir eine davon und das Zischen
erschreckte ein paar Tauben auf dem Dachfirst.
Ich trank. Flöte zeigte auf das Haus gegenüber. "Meine Nachbarin hat
ein Aquarium. Darin züchtet sie sich ein eigenes Kind. Ist schon fast
fertig. Das Baby winkt mir abends immer zu, wenn ich mir die Zähne
putze. Bald ist es soweit. Wir freuen und darauf."
"Das ist noch garnichts!" entfuhr es mir. "Letzte Woche waren meine
wilden Vettern zu Besuch. Sie haben das Sofa vom Balkon geworfen und
schossen dann mit Gewehren aus dem Fenster. Seit dem haben wir kaum
noch alte Menschen in der Nachbarschaft. Schlimm, diese Vettern! Ich
musste die Türrahmen mit Butter ausfüllen, damit sie nicht wiederkamen!"
Flöte klopfte mir kameradschaftlich auf die Schulter. Er meinte: "Das
ist ja fast so schlimm wie in unserer Straße, wo das dicke Kind immer
mit der lauten Trommel sitzt und solange darauf schlägt, bis die
Katzen ihm alle Ehren erweisen. Prost!" Wieder gab Flöte mir eine
Dose Bier. Er nahm sich selber auch eine. Wieder liessen wir die
Dosen zischen und saßen noch lange dort auf dem Haus und schauten
über die Dächer der Stadt.