Sonntag, 01.09.2019

02.09.2019 - Lesezeit: 4 Minuten

Die Nacht

Unruhig geschlafen. Morgens mit Schmerzen aufgewacht. Warum die Unruhe? Der Grund ist klar: Am Montag habe ich mein Kolloquium, meine Abschlussprüfung.

Der Morgen

Um 6 Uhr aufgestanden und versucht zu Duschen. Es wurde dann wegen der Schmerzen eher eine Sitzdusche, bzw. ein Sitzbad. Das warme Wasser tat dem Rücken allerdings gut. Dann die letzten Dinge eingepackt und rüber zur Straßenbahn. Ich musste einen kleinen Umweg machen, um mich an einer Bushaltestelle kurz hinzusetzen. Es fühlte sich an, als wolle mich etwas zerreißen.

Die Fahrt

Der ICE nach Berlin ist pünktlich und ich bin froh, mir eine Fahrt in der 1. Klasse gegönnt zu haben. Die Sitze sind bequem und ich kann in Ruhe meine Unterlagen durchgehen. So kann ich den verkrampften Rücken fast vergessen und mich gedanklich mit Metadatenschemata befassen. Die Aufregung bleibt auf einem mittelhohen Niveau.

Ich habe bei längeren Fahrten immer das Gefühl, etwas wichtiges vergessen zu haben. Zum Glück habe ich mir schon seit Jahren eine gewisse Routine und Packlisten angewöhnt. So kann ich mich beruhigen: Brieftasche, Smartphone und Schlüssel sind am Mann (Priorität 1). Chromebook, Ticketausdruck und Maatahabait sind im Rucksack (Priorität 2). Medikamente, Ladegeräte und Wäsche (Priorität 3) ebenso wie die Zahnbürste (Prorität 4).

Eine halbe Stunde vor Ankunft in Berlin-Gesundbrunnen (by the way: Schöner Name für einen Bahnhof!) steigt die Nervosität wieder. Eigentlich vollkommen überflüssig: Ich habe sehr viel Zeit für den Umstieg und sollte ich die S-Bahn Richtung Wildau verpassen, dann nehme ich einfach die nächste.

Durchschnittsgeschwindkeit

Ich komme gut in Zeuthen an, auch wenn der ICE kurz vor seiner Endhaltestelle Gesundbrunnen schlapp macht und in den Berliner Hauptbahnhof zurückrollen muss. Ich bekomme noch einen anderen ICE und verpasse nur eine S-Bahn. In Zeuthen gehe ,,Peperosa'' sehr gut italienisch essen. Mein Plan, hier ein Taxi zum Hotel zu nehmen, geht leider nicht auf: Es ist kein Taxi verfügbar. Ich vermute, dass den Taxiunternehmen die zwei Kilometer bis zum Hotel einfach zu wenig sind.

Also geht es zu Fuß los. Will soll ich den Weg beschreiben? Man läuft an wunderschönen, mondänen Gebäuden vorbei, zwischen denen man auf den Zeuthener See schauen kann. Allerdings habe ich keinen rechten Sinn für solch Schönheit, denn ich komme maximal 30 Meter weit, bis ich mich irgendwo festhalten muss. Es dauert immer ein paar Minuten, bis die Schmerzen auf ein erträgliches Maß gesunken sind und ich weiter kann. Nachdem ich auf der Strecke ein einziges Mal für ein paar Minuten sitzen konnte (auf einer Art Holzzaun aus dicken Balken), habe ich tatsächlich ungefährt 150 Meter in halbwegs normalem Gang hinlegen können.

Für die zwei Kilometer habe ich zwei Stunden gebraucht. Meine Durchschnittsgeschwindkeit beträgt zur Zeit also 1 km/h.

Seehotel Zeuthen

Mit einem Mal erscheint das Hotel vor mir. Vor Schmerz schwindelnd taumele in die Lobby, halte mich am Tresen fest. Der junge Mann dahinter lässt sich nicht davon beirren, dass ich aussehe, als habe mich die Hölle ausgespuckt und gibt mir zügig den Schlüssel. Ich kann mich gerade noch zurückhalten, ihm dafür die Füße zu küssen (sich auf die Knie fallen zu lassen erscheint mir nämlich gerade eine ziemlich gute Option zu sein) und wanke zum Aufzug. Nach einer endlos erscheinenden Wanderung durch lange Gänge (Shining!!):
Zimmer. Klo. Bett.

Nach dem Ausruhen und einer Dusche (warm! Am Rücken! Linderung!) dann auf die Sonnenterasse. Die Sonne ist zwar weg, aber man wundervoll auf den See hinausschauen (Foto folgt). Ich gehe noch mal die Präsentation durch. Da ich den Tag über keinerlei Medikamente genommen habe, gönne ich mir ein Glas Radeberger (naja, es waren sicher auch zwei).

Das Hotel ist mondän, ohne überkandidelt zu sein (dazu ist es auch zu groß). Das Personal ist freundlich und mit dem Gebäude am See wirkt es ein bisschen wie ein Sanatorium aus alter Zeit.

Kieselfunk

In Wildau

Heute bin ich dankbar für:

Warme Duschen