KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Sammelpost 030

Dienstagmorgen. Der alte Freund Th. wies mich an, am heutigen Tage zeitig auf der Arbeit zu erscheinen, auf dass wir ein gemeinsames Frühstück einnehmen könnten. Freundlich, wie ich bin willfuhr ich und der Wecker warf mich bereits um fünf Uhr morgens mit einem gewaltigen Prankenhieb aus dem Bett.

Glücklicherweise verließ ich so nicht nur früh meine pupswarmen Federn sondern auch einen eher unangenehmen Traum vom Necronomicon, in dem ich sehr vor dämonischen Mächten fürchtete.

Im Ausgleich zu einer anstrengenden Morgenverdauung versuchte ich zu herrschen. Dies mißlang leider. Wo sind die Zeiten hin, in denen mein Leben so einfach war wie das von Shai-Hulud?

Würde ich herrschen, so würde ich der schönsten Frau der Welt befehlen, mich inniglich zu lieben. Da die schönste Frau der Welt nicht nur schön, sondern auch wunderklug ist, würde sie auf einen solchen Unsinn natürlich niemals eingehen, aber auf diese Weise könnte ich wenigstens eine hübsch tragische Figur abgeben.

* * *

Lars wird die Neuverfilmung von ,,Dune'' ebenfalls ein zweites Mal schauen.

Bei mir wird es übrigens auch das erste Mal sein, dass ich für einen Film zweimal ins Kino gehe.

* * *

Der Morgenkaffee in der ,,Mitarbeiter-des-Monats-Tasse'' ist ganz schön heiß. Die Därme rumoren. Eine späte Mücke umsurrt überraschend mein Ohr.

* * *

Gestern aß ich nach dem Arztbesuch in der Stadt leichtsinnigerweise Fastfood (Burger von Kentucky Fried Chicken -- was ist das denn für ein seltsamer Laden?). Heute bekomme ich die Quittung mit Blähfurz und Ausschlag auf der Stirn.

Meine Augen sehen müde aus.

* * *

Letztens ging ich zum Kiosk, um kühlen Gerstensaft zu erstehen als Labsal für die trübe Seele. Ich bezahlte mit einem farbigen Schein und erhielt einen Haufen Silberlinge zurück. Kurz fühlte ich mich wie ein Verräter, doch als die Kioskfrau sich für das viele Metall um Entschuldigung bat, freute ich mich schon darauf, auf der Arbeit bald den Hunger des Kaffeeautomaten nach Kleingeld stillen zu können.

* * *

Wenn ich bei der Bartpflege nachlässig bin und die Haare an der Oberlippe zu lang werden, habe ich die grauenvolle Angewohnheit, mit der Unterlippe an ihnen herumzustreichen. Das sieht vereheerend aus. Ist es da ein Wunder, dass mich niemand liebt (satirische Übertreibung!)?

* * *

Etwas über die ,,Göttliche Komödie'' von Dante gehört und mich gefragt, was wohl der Sinn meines Lebens ist. Wenn mein Leben überhaupt einen Sinn hat, dann vielleicht der, ein ganz klein wenig Liebe in die Welt zu bringen.

(Ob mir das frühe Aufstehen wirklich gut tut?)

* * *

Gestern wartete neben mir am Hauptbahnhof eine junge schwarze Frau in Bundeswehruniform auf ihren Zug. Auch wenn einige meiner Lesefröschlein beim Thema Bundeswehr schnell Schnappatmung bekommen, möchte ich darauf hinweisen, dass dies ein schöner Anblick war -- und das lag nicht nur daran, dass die Frau sehr hübsch ansehnlich auf dem Perron stand.

* * *

Schwindel, Wellen von Übelkeit. Dünnpfiff.

Der Burger war wohl schlechter als gedacht.

* * *

Momentan höre ich immer häufiger den Begriff ,,Onboarding-Prozess''. Ist der seit kurzem modern oder mache ich etwa Karriere?

* * *

Im Laufe einer länglichen ViKo werde ich müde. Hundemüde. Wie soll ich den Rest des Tages rumkriegen?

* * *

Die Chefin hat heute Lindor-Schokokugeln mit in die Lagebesprechung gebracht.

HILFEEEEEE!!!!

* * *

Mittwochmorgen. Nach einer gar nicht mal so schlechten Nacht um kurz vor fünf aufgestanden. Beim Auskehren des Inneren kontemplativ versunken.

Gibt es etwas Schöneres, als sich morgens den Knies aus den Augen zu reiben?

* * *

Die Wunderschöne schickt ein Lebenszeichen in die Welt und darüber sollte ich mich eigentlich freuen. Immerhin beruhigt es.

* * *

Gestern noch ,,The Witcher 3'' gespielt. Geralt fährt mit einem Bötchen (so schreibt man das!) von Insel zu Insel. Ständig kommen Sirenen aus dem Wasser. Sie sehen aus wie fliegende Fische mit weiblichem Oberkörper oder wie Meerjungfrauen mit Flügeln. Sie können sowohl Fliegen als auch Tauchen (so wie ich Essen und Trinken). Wenn man nicht aufpasst, machen die einem das Boot kaputt und Geralt muss Schwimmen. Erschlägt man die Sirenen, so stoßen sie einen grauenvollen Schrei aus. Immerhin haben sie schöne Brüste.

* * *

Der Terminkalender ist voll mit schönen Terminen, aber ich müsste mal dringend eine Maschine Wäsche waschen. Das sind Schicksale!

* * *

Das Schöne am Leben ist, dass man jeden Tag neu anfangen kann. Vielleicht werde ich ja ab heute Spruchdesigner auf Instagram.

* * *

Der Vollmond steht noch immer hoch am Himmel, während wir in den Bahnhof des Flughafens einfahren. Es ist Viertel vor sechs und die Menschen im Zug schlafen alle. Wenn ich mal wieder nicht schlafen kann, sollte ich Zug fahren.

* * *

Immer mehr Leute sind erkältet, ohne Corona zu bekommen. Woran das wohl liegt? Lassen wir alle nach? Sitzen die OP-Masken nicht mehr richtig? Wird das Desinfektionsmittel verdünnt?