KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Neo Colonia Teil 2 (Repost)

Mit Schwindel und Schmerz kam ich wieder zu mir. Der Geruch von warmen Blut und Scheiße stieg mir in die Nase und ich musste würgen. Dann erst bemerkte ich den Lärm: Schüsse, lautes Klirren, metallisches Klappern. Dazu das Gewimmer der Sterbenden und darüber ein Gebrüll, als wolle ein Drache die gesamte Welt verschlingen. Wankend kam ich auf die Beine und sah mich um. Ich war kaum in der Lage, die toten und zerfetzten Männer und Pferde um mich herum zu sehen, da schob sich bereits etwas anderes in mein Blickfeld:
Ich blickte in eine Masse von heranstürmenden Feinden. Hunderte von ihnen rannten schreiend auf mich zu, die Piken zum Stoß gesenkt. Ich wusste nichts weiter, als mein Schwert zu ziehen und dem Tod ins Auge zu blicken.

Gerade als ich begann, die letzten Reste eines Gebetes zum Allmächtigen in meinem Gedächtnis zusammen zu kratzen, da bemerkte ich die Farben der sich nähernden Männer und die Wappen auf ihren Bannern:
Der Ochse von Krefeld flatterte neben dem Galgen von Gladbach. Daneben die Wappen kleinerer Häuser, die ich nicht kannte.
Das waren die Truppen vom Niederrhein! Unsere eigenen Leute!

Ich stand falsch herum!

Also reckte ich schnell mein Schwert in die Höhe und zeigte in die Richtung, wo ich die hessischen Stellungen vermutete. Dann brüllte auch auch und rannte ebenfalls los in die Richtung des Feindes, voller Sorge, irgendein übereifriger Bauer würde die Spitze seines Spießes in meinem Rücken versenken.

Was für ein lustiger Marsch! Um mich herum pfiffen die Kugeln der Feinde und obwohl mir die Knochen von meinem Sturz schmerzten als seien sie samt und sonders zerbrochen, rannte ich mit den wackeren Bauern hinüber zu den Hessen. Also wir in ihre Reihen brachen, schlugen wir fein drauf los und die hessischen Schützen rannten um ihr Leben!

Ich haute und stach mitten im Gewühl und weiter und weiter drangen wir vor. Einem spaltete ich den Schädel und der trug die Uniform eines Artilleristen. Wir waren bei den Geschützen angekommen!

Der Sieg war unser!

Der König von Hessen versuchte noch den Tag zu retten, indem er mit seinen Rittern die Kanonen zurück zu erobern suchte, doch er beendete sein edles Leben auf der Pike eines Sermer Freibauern.

„Hey! Du da! Wenn Du da Wurzeln schlagen willst - ich gieße Dich gerne mit meiner Pisse!“

Der Ruf des Bauern hinter mir riss mich aus meiner Erinnerung. Ich drehte mich um und sah ihm in sein kantiges, rotes Gesicht. Er hatte seinen Karren hinter sich stehen und hielt dessen Griffe in seinen Fäusten, als wolle er ihn auseinander reißen und mir um die Ohren hauen.

Dann fiel sein Blick auf das Schwert an meiner Seite und er wurde blass still.

Ich wandte mich wieder dem Tore zu und schritt lässig an den Wachen vorbei in die Stadt.