KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Mittwoch, 18.11.2020

18.11.2020

Mittwoch

Gut geschlafen. Ich habe damit begonnen, ein Schlafzeitentagebuch zu führen.

Mir träumte, ich wäre zu Besuch bei einer kleinen, christlichen Glaubensgemeinschaft. Weniger eine Sekte als eine Gruppe eigenständiger Geister. Ihr kleines Gemeindehaus hatte einen schönen Garten und bei gutem Wetter machten sie hier ihre Versammlungen, die sie auch als Podcast aufzeichneten. Ich verspürte zwar nicht den Wunsch, zu ihnen zu gehören, aber die ruhige und unaufgeregte Atmosphäre war sehr angenehm.

Später war ich im neunzehnten Jahrhundert in einer Zeichenschule. Ich muss älter und größer als die anderen Schüler gewesen sein, denn ich griff ein, als ein böser, wirklich böser Junge einen kleinen und schwächeren malträtierte. Der fiese Bursche war über alle Maßen gemein und brutal, also schlug ich ihn. Er ließ sich davon nicht sonderlich beeindrucken und meinte, ich würde das schon zurückbekommen, ,,auch wenn ich zehn Jahre älter'' als er wäre. Davon ließ wiederum ich mich nicht beeindrucken. Wir gingen auf große Fahrt nach München und als wir am Bahnsteig auf den Zug warteten, warf ich ihn kurzerhand ins Gleis und er lief fort. Dann mussten wir schnell laufen, um den Zug zu kriegen und ich kletterte über Schotter und dampfspuckende Weichen, bis ich endlich mit meinem Köfferchen in der Hand in den Waggon kletterte. Der Zug war herrlich gediegen mit Sessel und Stofftapeten eingerichtet wie ein gutes Café. Die Lehrer saßen beisammen und tranken Tee. In meinem Koffer wühlte ich nach dem Zugticket.

In der Schweiz stand ich an einem mechanischen Ticketautomaten und wollte meinen Rückfahrschein nach Deutschland ausdrucken. Es kamen allerdings nicht nur dieser Fahrschein, sondern auch das Ticket aus dem Automaten, mit dem der Thronfolger und ich eigentlich hatten fahren wollen, als wir noch vorhatten, die USA zu sehen. Auf dem Weg dorthin wären wir nämlich auch durch die Schweiz gekommen. Viel Zeit blieb mir nicht für die Rückfahrt, denn ich sollte noch Impfdosen austragen.

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Aufgestanden um halb sechs, obwohl ich schon vorher wach war. Stimmung gut. Im Radio meinten Sie, gestern wäre etwas mit Fußball gewesen.

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Möchte ich eine Smartwatch haben? Nein? Wirklich nicht?

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Den Rest des Tages von einer seltsamen, immer weiter sich steigenden Unruhe gequält worden. Nach dem ersehnten Feierabend durch die Stadt gelaufen und im Supermarkt wahllos Dinge gekauft. Abends in der Küche gesessen und telefoniert, doch das half auch nicht.

Eine schlaflose Nacht folgte und sie war voller Selbstekel und -hass. Kleinigkeiten bauschten sich in meinem Kopf zu Kriegsverbrechen auf.

Ich versteckte mich unter meiner Bettdecke und nachdem ich irgendwann weinen konnte, bin ich wohl eingeschlafen.