KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Kneipentraum

Mir träumte, ich liefe über Land und bekam Durst. Da war ein Schützenfest, das ich schon am Tag zuvor besucht hatte. Das Fest war ganz anders als die, welche ich aus meiner sauerländischen Heimat her kenne: Nicht rustikal und bodenständig, sondern in einem hellen Festsaal mit riesigen Fenstern. Neben den Tischreihen und Bänken gab es mehrere schöne Theken mit Barhockern. Die Stimmung war freundlich und gelöst. Ich wollte mich auf einen der Hocker setzen, oder überall standen noch halbvolle Gläser, sodass ich mich nicht traute, einen Sitzplatz in Beschlag zu nehmen.

Also ging ich weiter und fand einen kleine Kneipe. Als einziger Gast setzte ich mich an die Theke und fing ein unverfängliches Gespräch mit der jungen weiblichen Bedienung an. Ich fragte sie, was denn so durch ihren Kopf ginge, wenn keine Gäste in der Kneipe wären. Sie meinte, sie würde sich langweilen und das Trinkgeld würde ihr auch fehlen.

Dann kamen aber nach und nach immer mehr Gäste und die Kneipe füllte sich. Es stellte sich heraus, dass die Kneipe nicht nur nicht ganz so klein war wie gedacht, sondern dass auch einige Veranstaltungen geplant waren.

Als erstes traf ein Schlagersänger auf, der hinter der Theke Playpack sang. Die Stimmung war gut und ich trank Bier. Dann gingen viele Leute in den Saal mit der Bühne und setzen sich auf die dort aufgereihten Stühle.

Ich sah auch meinen alten Bekannten Dingens dort hingehen und wollte nicht von ihm gesehen werden. Doch ich wollte auch nicht einfach abhauen, also blieb ich sitzen.

Auf der Bühne trat Wolfgang Niedecken auf und sang Lieder auf Kölsch, nur von sich selber mit einer Akustikgitarre begleitet. Obwohl ich das Ripuarische ganz gut verstehen kann, hörte sich der Gesang wie Kauderwelsch an.

Nach dem Auftritt stand Dingens plötzlich neben mir und bat mich um Hilfe. Er solle gleich Barbara Schöneberger anmoderieren und brauche ein paar witzige Sprüche.

Also sprach ich in Pseudo-Kölsch: ,,Schöneberger? Schöneberger? Kenn isch die usm Fernsehen? Is dat nit sonne Schauspielerin? Die haddoch sachma im Tatort mitjespöllt! Da war die doch de Witwe von sonnem Urologen. Der Kommissar dachte ärs, die Witwe wäret jewesen, aber dann stellte sich erus, dat die dafür fill zu doof dafür war.

Also de Witwe — nit de Barbara Schöneberger …‘‘

Das fanden alle lustig und die Party wogte hin und her. Junge Asiaten kamen herein und gingen wieder, als sie erfuhren, dass hier Musik gespielt würde. Das Bier floss in Strömen.

Mein Sitznachbar machte mich auf zwei volle Schnapsgläser aufmerksam, die unangetastet vor uns standen. Die hatten zwei der Asiaten wohl bestellt, aber nicht ausgetrunken. Also prosteten wir uns zu und leerten die Gläser.

Freund O. kam dazu. Er meinte, er wolle kein Bier trinken, sondern nur ein kleines schnelles Kölsch.