Freitag, 30.08.2019

31.08.2019 - Lesezeit: 5 Minuten

Die Nacht

Konnte nicht einschlafen. War auf fröhliche Weise aufgeregt. Mir träumte, wir müssten alle bestimmte Dinge Einlagern und viele Dinge wegwerfen. Wir sortierten unsere Lieblingsbücher aus dem Regal heraus und gaben es in die große Einlagerungsreisetasche. Den einen Teil des Restes würde man noch wo anders unterbringen können und der andere Teil würde vernichtet werden. Auch stand für mich ein Umzug an (bzw. war er eigentlich schon fast vollendet -- es gab ja nicht mehr viel umzuziehen). Von der neuen Wohnung aus konnte man in das Atelier von zwei jungen Damen schauen, die dort an neuen Startup-Unternehmen bastelten. Ich entschied mich dagegen, meine einzige Flasche Wein zu öffnen und ging an den Strand. In den Dünen traf ich Topfi, meinen durchgeknallten Kumpel, doch der war bekifft und glitt laut johlend die Dünen hinunter, denn er wollte drei Studentinnen auf der Strandpromenande beeindrucken. Also ging ich zum Bücherlager, denn ich wollte einem alten, weißen Mann einen Trick zeigen:

Es hatte da in Wien Anfang des Jahrhunderts diesen Satiriker, Kolumnisten, Kunstsammler und -kritiker gegeben, der nicht nur klug und scharf die Kunst der Zeit (sowohl die seiner als auch die der davor) beurteilt, sondern sich auch für seine zahlreichen witzigen Psychogramme von bekannten und weniger bekannten Künstlern um die Kunst verdient gemacht hatte. Berühmt war er jedoch vor allen Dingen wegen seiner zahlreichen Bonmots und Alltagsbeobachtungen des alten Wien geworden. Problematisch war jedoch, dass sein Gesamtwerk ein heilloses Durcheinander war -- ein Register fehlte völlig. Jedoch hatte die Mutter meines Sohnes einen Trick gefunden, wie man mit Hilfe bestimmter Ausstellungskataloge wenigstens die Künstlerbeschreibungen finden konnte.

Diesen Trick wollte ich dem Silberrücken zeigen, doch hatte ihn dummerweise vergessen. Stattdessen fiel aus einem Katalog eine Ausgabe der ,,APP-COMICS'' heraus, einem alten Comic-Magazin für Erwachsene. In dem dünnen Heftchen ging es um eine dystopische Zukunft, in der eine sich im Zerfall befindliche Gesellschaft von Banden terrorisiert wurde. Eine öffentliche Gesundheitsversorgung gab es nicht mehr, einfache Menschen konnten nur noch in Sozialkrankenhäusern in leerstehenden Geschäftszeilen Hilfe finden. Meist wurden diese Einrichtungen von kirchlichen Organisationen betrieben und statt Ärzten waren hier freiwillige Medizinstudenten im Einsatz. Reiche Menschen lebten in Luxushochhäusern und wurden in Luxuskrankenhäusern gepflegt. Eine Gesellschaft also, wie sie sich Christian Lindner nur in seinen wildesten Masturbationsphantasien vorstellen kann.

Der Comic war fast ganz in schwarz-weiß gehalten. Auf einem Panel sah man, wie so ein Sozialkrankenhaus des nachts von Kranken und Verwundeten förmlich belagert wird. Viele schwarze Flächen, etwas Weiß und Blau und Rot. Rot für das Blut. Viele Menschen in dem Comic tragen T-Shirts mit Nummern. In einem Panel sieht man ein edles Hochhaus wie eine Burg aufragen, im Erdgeschoss ist ein Rolltor hochgefahren und in der Einfahrt wird ein riesiges Schwein in hellem Feuer gebraten. Im nächsten Panel sieht man, dass es sich nicht um ein Schwein und auch nicht um Feuer handelt, sondern um eine Limosine, die mit aufgeblendeten Scheinwerfern aus der Ausfahrt kommt. So erkennt man, dass hier bald Gewalt herrschen wird.

Ein junger Fuchs will das nicht mehr mit ansehen und fängt an, als maskierter Rächer auf die Pirsch zu gehen. Die Kämpfe gegen Vergewaltigerbanden und Straßengangs sind hart und brutal und die Sexszenen, welche immer wieder die Handlung unterbrechen, sind mitunter hart am Rande der Legalität.

Es ist schade, dass ich nicht genügend Zeit habe, mir das Comicmagazin durchzulesen. Auch ist es zu dünn, um die ganze Geschichte zu erzählen.
Ich lege es wieder zu den Büchern.
Ein andermal.

Liebesgrüße aus Lumbago

In den frühen Morgenstunden wieder mehr Schmerzen. Sind aber auszuhalten.

Der Morgen

Strahlte der Schmerz noch Vorgestern bis in den rechten Fuß, so strahlte der gestern nur noch bis in die Hüfte. Zwar machte mir der starke Hüftschmerz Angst, es könne sich statt einer Lumbago auch ein Hüftschaden sein, aber die Wirksamkeit des Methocarbamols spricht ja eigentlich gegen einen Gelenkschaden. Ich achte vermehrt darauf, Schonhaltungen zu vermeiden -- etwas, was Vorgesten wegen der starken Schmerzen noch undenkbar gewesen war.

Kaffee, Bloggen, Feeds lesen. Später zum Arzt.

Gelenke

Der Doc hat mich beruhigt: Es handelt sich garantiert nicht um einen Hüftschaden oder einen Bandscheibenvorfall und er hat mir auch erklärt, warum nicht. Bin beruhigt.

Der Abend

Mit dem Thronfolger Satire geguckt und Pizza gegessen. Zeitig zu Bett gegangen.

Kieselfunk

Liebesgrüße aus Lumbago

Heute bin ich dankbar für:

Beweglichkeit