KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Freitag, 29.01.2021

Aus dem Leben

Mittelschlecht geschlafen. Die Aufregungen des Tages blieben mir doch im Geist hängen. Außerdem ist die Matratze hier härter als daheim und ich vermisse meine harte Kissennudel. Vielleicht kann ich mir ja ein zweites Kopfkissen geben lassen.

Normalerweise dauert es immer eine Weile, bis Inhalte den Weg in meine Träume finden. Diese Nacht habe ich habe direkt von Panzern geträumt (zur Erinnerung: Ich habe gestern ein Buch über Panzerbesatzungen im Zweiten Weltkrieg begonnen): Mir träumte, ich wäre Richtschütze in einem Panzer und wir fuhren durch eine eher städtische Landschaft. Dann plötzlich: ,,Klingklingkling!'' — Wir wurden aus Gewehren beschossen. Doch woher? Die Schützen mussten in einem Hochhaus aus roten Ziegelsteinen sitzen! Ich wischte mit meiner linken Hand einmal über mein Gesichtsfeld und konnte so für eine gewisse Zeit auf infrarotthermische Supersicht umschalten und in den Fenstern des Hochhauses erschienen rote Punkte. Dort hielt ich mit dem Koaxial-MG drauf und die Punkte verschwanden nach und nach.

Die Nacht war eigentlich schon um vier Uhr zu Ende. Bis halb sechs bin ich jedoch noch liegen geblieben. Nach dem Aufstehen geduscht und angezogen. Die Zeit bis zur Blutabnahme um 07:15 Uhr mit Bloggen und Feedlesen verbracht.

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Großer Ärger: Ich hatte einen Nachsendeauftrag für meine Klinikzeit beauftragt und muss den nun ändern (ich soll die Station mit aufnehmen). Meine sämtlichen Versuche über die entsprechende Seite wirft aber eine Fehlermeldung (mit verschiedenen Browsern und Betriebssystemen getestet). Also musste ich die allgemeine Kundenhotline anrufen — eine Aussicht, welche meine Laune nicht hob. Ich bin gleich beim ersten Versuch durchgekommen. Ich schilderte dem Callcentermitarbeiter die Situation. Der Mitarbeiter erkundigte sich nach meiner Auftragsnummer.

Dann sprach der Mitarbeiter: ,,Ja, kleinen Moment … Moment … Moment noch … dauert noch ein wenig … jetzt gleich … So! Das System hat die Änderung angenommen! Ich lese Ihnen die Daten noch einmal vor …''

Ganz umsonst aufgeregt! Die Test-Postkarte ist schon im Briefkasten. :-)

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Nach dem Abflauen des Ärgers bemerke ich, dass ich unbedingt offline gehen muss. Mir wird das Herz weh und ich schaue immer wieder auf das Smartphone wegen dieser einen Sache.

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Diverse Einführungen und das therapeutische Erstgespräch. Zwischendurch eine Regenlücke für einen Spaziergang genutzt. Ab Nachmittag trieb der Wind wieder Regen übers Land.

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Das weiter oben erwähnte Buch ,,Spearhead'' hatte ich die meiste Zeit dabei, denn man muss ja immer mal vor dem Blutdruckmessen oder vor einem Arzt- oder Therapeutengespräch warten. Der Autor schafft ganz gut den Spagat zwischen dokumentarischer Genauigkeit (es handelt sich ja um die Geschichte realer Menschen) und einem Roman. Das Grauen des Krieges wird ebenso wie in ,,Eine höhere Pflicht'' nahe am Menschen geschildert.

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Zum Thema Kurhotel: Einige Leute daheim scheinen wirklich zu glauben, ich wäre auf Kur und würde hier im Bademantel und mit einem Badetuch um den Kopf gewickelt von Anwendung zu Anwendung wandeln. Andere denken, ich würde hier auf Diät gesetzt und mit einem Ernährungsberatungs- und Sportprogramm auf Normalgewicht geschrumpft. Beides ist falsch (Ach, was!?): Ich bin einem psychosomatischen Krankenhaus, damit hier meine Essstörung (nur echt mit drei ,,s''!) behandelt wird (bzw. muss ich ja mit behandeln, weil wegen Psyche und so). Es läuft jetzt gerade an und bei allem was ich hier mitkriege (und mir aufgrund meiner ambulanten Therapieerfahrung schon längst dachte) ist, dass das mächtig anstrengend wird.

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Heute aß ich allerdings zu viel: Zwei Brötchen am Morgen, obwohl eines gereicht hätte und zu Mittag das Hauptgericht plus einen Salat plus einer gehaltvollen Suppe. Ich nahm mir vor, mir eine Strategie für die mir ungewohnten Essenszeiten zu überlegen.

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Als ich in die Klinik fuhr, schrieb mir ein Freund: ,,Nutze die Gelegenheit für Digital Detox!''

Erst habe ich darüber geschmunzelt. Jetzt habe ich begonnen meinen Feedreader ein wenig aufzuräumen und überlege, meine Blogeinträge im großen Notizbuch vorzuschreiben und abends zu verbloggen. Auch ist mein Smartphone jetzt die meiste Zeit im Flugmodus.

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Von den Rauchern habe ich einen Lifehack für das Klinikleben gelernt: Zum Frühstück in den Speisesaal eine eigene Tasse mitbringen, dann kann man sich noch ein Käffchen mit raus nehmen!

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Nach dem Abendessen habe ich noch einen ordentlichen Rundgang druch die Stadt gemacht. Bad Honnef zeigte sich von seiner schönsten Fachwerkseite. Am Ende hatte ich knapp 18.000 Schritte auf der Uhr.

Auf dem Zimmer war ich sehr erschöpft und traurig. Die vielen Gedanken und die bereits beginnende Arbeit an mir selber ist so unendlich anstregend. Dann erst fiel mir auf, dass die Erschöpfung auch noch von den vielen Schritten und den schlechten kommen kann. Dies sagt viel über meinen Zugang zu mir selber aus.

Nach dieser Erkenntnis habe ich beruhigt das kleine DAB+-Radio eingeschaltet und bin die Senderliste durchgegangen. Als testweise einen Oldiesender einstellte, erklang ,,Radio Ga Ga'' von Queen.

So kann es gehen!

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Ich freute mich dann doch sehr über mein kleines Radio, dass ich mit in die Klinik gebracht hatte. Es läuft auch mit Batterien und dudelte beim Lesen leise neben mir dahin.

Aus dem Netz

Danke, Bodo Ramelow!