KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Donnerstag, 28.01.2021

Aus dem Leben

Kaum geschlafen vor Aufregung. Aufgestanden um kurz vor fünf. Geduscht und die letzten Kleinigkeiten eingepackt. Der Koffer ist voll, der Wanderrucksack auch (ich hoffe, während meiner Klinikzeit auch mal am Rhein Wandern gehen zu können). Heizungen auf ,,kurz vor eins'' gedreht und die Gastherme ausgeschaltet. Steckerleisten ausgeschaltet und Stecker gezogen.

Es ging mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof in Duisburg (normalerweise gehe ich diese Strecke zu Fuß, aber mit dem schweren Koffer hatte ich dazu keine Lust). Dort stieg ich in einen verspäteten RE 5. Der wollte und wollte nicht losfahren und es kamen keine Informationen darüber, wann es jetzt weitergehen solle. Als ich schon in einen anderen Zug wechseln wollte, gingen die Türen plötzlich zu und der Zug fuhr los.

Uff!

Während der Zugfahrt nach Köln E-Mails beantwortet und gebloggt. Mit einem Mal waren wir schon kurz vor Köln! Wenn man sich beschäftigt, geht die Zeit ja schon schnell rum …

In Köln war reichlich Zeit für einen Brötchenkauf. Zum Glück komme ich nicht so häufig vorbei, sonst müsste ich einen Kredit aufnehmen bei den gesalzenen Brötchenpreisen.

Die Ankunft in der Klinik war sehr anstrengend: Unendliche viele Papiere wurden ausgefüllt und mussten unterschrieben werden. Dann wurde ein EKG gemacht und ich wurde gründlich untersucht. Danach wurde ich herumgeführt und bekam die Station gezeigt. Die Wartezeit darauf, dass das Zimmer bezugsfertig wurde, habe ich in einem Aufenthaltsraum verbracht und habe die Augen zugemacht: Zwei mehr oder weniger durchwachte Nächte und die ganze Aufregung forderten ihren Tribut.

Mein Zimmer ist groß und ich habe es für mich alleine. Erst war ich verwundert, dass man es von außen nicht abschließen kann, aber klar: Das hier ist ein Krankenhaus und kein Kurhotel! Von ihnen kann ich die Tür verriegeln und das Pflegepersonal hat die Möglichkeit, die Tür im Notfall auch dann zu öffnen. Für Wertsachen gibt es einen kleinen Tresor.

Zum Mittagessen wurde ich von einem Mitpatienten mitgenommen, der mir einiges erklärt und gezeigt hat. Da er Raucher ist, habe ich ihn zum Qualmen nach draußen begleitet, denn Raucher stehen gerne zusammen und Quatschen und man kommt ganz gut mit Leuten in Kontakt (ich scherze immer, dass ich passionierter Passivraucher sei).

Danach noch in Infogespräch und ich konnte endlich auf mein Zimmer, um diese Zeilen zu schreiben und um mich auszuruhen.

Es folgte die Chefvisite und einige Informationsgespräche. Ich bekam einen Packen Papier zum Durchlesen, Ausfüllen und Unterschreiben. Nach dem Abendessen (wegen Corona zeitlich recht begrenzt, da die Essenszeiten zwischen den Stationen aufgeteilt wurden) ging ich eine Runde ins Städtchen, um im Discounter Duschgel, Shampoo usw. zu kaufen. Als ich an der Kasse dran war, kam eine etwas abgerissene Frau herein und wollte für eine Prepaid-SIM-Karte einen Freischaltcode haben. ,,Da müssen Sie auf den Chef warten!'' meinte die Kassiererin und griff zum Telefon. Die Frau jedoch war furchtbar unruhig und rief nur ,,ok!'', um dann im Supermarkt zu verschwinden. Die Chefperson kam zur Kasse und die Frau lief nur an ihr vorbei, um ins Lager zu rennen. Dem armen Menschen ging es wirklich nicht gut.

Auf dem Rückweg Postkarten von Bad Honnef gekauft und zurück auf dem Zimmer erst einmal zwei Karten geschrieben. Eine musste ich wegen akuten Herzklopfens sofort zum nächsten Briefkasten bringen. Auf eine Extrarunde Fußweg habe ich wegen des nervigen Nieselwetters verzichtet. Immerhin waren zurück in der Klinik 10.000 Schritte auf der Uhr.

Bis zur Einweisung durch den Nachtdienst habe ich mit Adam Mankos ,,Spearhead'' begonnen. Das Buch begleitet drei Panzerleute durch das Ende des Zweiten Weltkriegs. Dies ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich ein Buch auf englisch lese, kam aber trotz meiner Befürchtungen gut in den Text rein. Der Stil von Mankos ist sehr blumig und ,,amerikanisch'', weswegen ich eher mal allgemeine englische Wörter und Ausdrücke nachschlagen muss. Die technischen und militärischen Begriffe habe ich eigentlich ganz gut drauf.

Die Einweisung zur Nacht ging flott rum.

Gegen halb zehn vollkommen erschlagen ins Bett.

Aus dem Netz

Fall nicht unter die Räuber, Junge!