KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Dienstag, 02.02.2021 bis Freitag, 05.02.2021

Aus dem Leben

Dienstag, 02.02.2021

Der Schlaf hat sich nun die zweite Nacht in Folge verbessert. Entweder gewöhne ich mich langsam an die Umgebung und die Matratze oder ich war gesten einfach so dermaßen kaputt, dass es zu einem tiefen Schlaf keine Alternative gibt. Vielleicht gilt auch einfach beides.

Mir träumte, mein alter Freund A. hätte von seinen Eltern einen Kiosk übernommen. Wir gingen betrunken dort hin. Der Kiosk hatte einen kleinen, gemütlichen Vorraum für die Kunden. Alles war mit dunklem Holz vertäfelt und überall hingen Reklametafeln und Ähnliches. A. schaute aus dem Verkaufsfensterchen hinaus. Wir tranken Bier. Dann kam ein Pärchen in den Kiosk, das wohl mit A. bekannt war. Sie waren ebenfalls betrunken und wollten gemeinsam mit A. Sex haben. Mir war das furchtbar peinlich und als A. plötzlich hinter seinem Verkaufstresen herkam und alle anfangen, miteinander zu Fummeln, rannte ich zur Eingangstür und schloss diese schnell ab, damit nicht plötzlich Leute hereinkommen konnten. Dann erst bemerkte ich, dass ich mich selber in dieser unangenehmen Situation eingesperrt hatte. Um mich herum lagen Kleidungsstücke auf dem Boden. Nach einigen Momenten voller Schrecken hatte ich die Tür wieder geöffnet und floh ins Freie.

Im Wald sah ich die Elfe und mein Herz pochte voller Aufregung und Schmerz. Sie war mir so fern und ich konnte sie nicht erreichen. Ich wollte das so sehr, denn die Elfe sah so unendlich traurig aus und ich wollte sie trösten. Hilflos streckte ich meine Arme nach ihr aus, aber sie war zu weit weg und meine Hände. Vielleicht war das aber auch gut so, denn die Elfe war so unendlich traurig und man konnte den Schmerz in ihren Augen blitzen sehen.

Es war unmöglich. Ich konnte sie nicht erreichen. Vielleicht war das auch ganz gut so, denn ich hätte sie wahrscheinlich sowieso mit meinen groben Händen zerbrochen.

* * *

Nach dem Nachtschlaf im Speisesaal mit Leuten von meiner Station ein wenig herumgelabert. So langsam komme ich an. Ich muss nur aufpassen, denn wenn ich mal so richtig ausgeschlafen bin, kann ich auch ein wenig anstrengend werden. Hauptsächlich bin ich aber froh, wieder mehr auf Spur zu sein.

Die Termine heute halten sich in Grenzen und ich habe Zeit für mich. Diese Zeit will ich nutzen, mich auch mal mit Dingen außerhalb meines Kopfes zu beschäftigen.

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Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich wieder einen Sauerteig ansetzen und selber Brot backen. Die Kaltmamsell ist schuld. ;-)

Mittwoch, 03.02.2021

Gut, aber auch zu kurz geschlafen. Mir träumte, ich wäre auf einer Feier anlässlich des 100jährigen Jubiläums ,,Ruhr-Pakt Kultur''. Das Ganze war groß aufgezogen mit kostümierten Künstlern und Prominenten. Auch Karl Lauterbach (SPD) war da. Ich saß mit meinem Sohn und einem Masterstudenten an einem Tisch. Der Student hatte für seinen Laptop und die Lernunterlagen meine Alphasmart-Tasche ausgeliehen. Karl Lauterbach (SPD) setzte sich zu uns und freute sich sehr über den jungen Studenten. Er tippte lachend auf die Laptop-Tasche und trug ein humoriges Gedicht vor. Es ging darin um einen jungen Mann, der fleißig lernt und arbeitet, um eine Familie gründen zu können. Nachdem Ehe und Kinder da sind, schließt sich für ihn die Käfigtür und er arbeitet und ärgert sich zu Tode. Der Student lachte ein wenig gekünstelt mit, mein Sohn aber wurde traurig. Ich nahm ihn in den Arm und tröstete ihn.

Später war ich auf der Arbeit im Keller und habe zusammen mit meiner geschiedenen Ehefrau aufgeräumt. Wir schoben Rollwägen mit metallenen Regalteilen hin und her. Meine Ex-Frau erzählte mir, dass uns die Haustechnik aufgefordert habe, Wände zu melden, an denen ,,Peeling'' sei. Ich regte mich sehr über diesen Auftrag auf: Dafür sei ich nicht zuständig und ich wüsste nicht einmal, woran ich ,,Peeling'' erkennen könne!

Die Teile brachten wir in einen Raum im Keller, wo ein Arbeitsplatz für Masterstudenten eingerichtet worden war.

Eine Masterstudentin schaute uns freundlich, aber auch ein bisschen dümmlich an.

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Idee für eine Geschichte gehabt: Zwei Länder sind durch einen Grenzzaun und einen Grenzstreifen (,,Betreten verboten!'') getrennt. Beiderseits der Grenze wohnen Herr X auf der einen und Frau Y auf der anderen Seite. Sie kennen sich nur vom Sehen aus der Ferne. Irgendwann haben sie damit begonnen, sich freundlich zuzuwinken. Irgendwann kommen beide unabhängig auf die Idee, dass man sich doch mal am Zaun unterhalten könne (,,Die Dame hat so schöne blaue Fensterläden an ihrem Haus. Wo sie wohl die Farbe herbekommt?''). Also beantragen beide bei ihren jeweiligen Bürgermeistern/Behörden eine Ausnahmegenehmigung, um das Niemandsland betreten zu dürfen. Die Anfragen gehen dann ihren lange, bürokratischen Weg. Sie wandern über die Provinzverwaltungen in die Hauptstädte. Botschafter, Diplomaten und Außenministerien werden beschäftigt bis irgendwann man die zwei Staatschefs (natürlich zwei alte, weiße, dicke Herren) beieinander sitzen und sich wundern, was der ganze Aufstand eigentlich soll und warum es überhaupt verboten ist, an den Grenzzaun zu gehen. Folglich bekommen Herr X und Frau Y ihre Genehmigung und treffen sich irgendwann am Zaun. Sie führen dort ein freundliches, nachbarschaftliches Gespräch.

Mir gefällt an der Idee besonders, dass es eben keine ,,Romeo-und-Julia-Geschichte'' ist, sondern es schlicht und ergreifend um einen freundschaftlichen Austausch geht (,,Ihre Gummistiefel leuchten immer so gelb! Das finde ich nett!''), der durch irgendwelche überkommenden Vorschriften vorerst unmöglich gemacht wurde.

Donnerstag, 04.02.2021

Guter Nachtschlaf. Mir träumte, ich müsste ein riesiges, geliehenes Wohnmobil nach Hause fahren. Das Teil war so eine Art Nightliner (diese Wohnbusse, die auch Bands auf ihrer Tour benutzen), groß wie ein Reisebus. Eigentlich ließ es sich ganz gut fahren und ich hatte vom Fahrersitz aus einen guten Blick. Doch irgendwie hatte ich vergessen, auf die Strecke zu achten und ich fuhr über die Autobahn in Gegenden, die mir vollkommen fremd waren. Ich verließ die Autobahn und hielt in einer kleinen Ortschaft, um das Navigationssystem zu programmieren und das Wohnmobil mit ein paar Flaschen Sonnenblumenöl aufzutanken. Eine Gruppe Jugendliche kam hinzu und die jungen Leute dachten, das Öl wäre ein alkoholisches Getränk. Ich gab ihnen das Öl zu trinken und war schadenfroh, als sie angewidert wieder ausspuckten.

Ein Kioskbesitzer, der aussah wie Fips Asmussen, bemerkte, dass ich im Halteverbot stand und verpetzte mich an die Verkehrswacht. Total sauer über den Strafzettel stapfte ich in seinen Laden und wies ihn wütend auf das Gerümpel im Eingangsbereich hin (Brandschutzvorschriften! Fluchtwege!) und auch darauf, dass in seinem Lokal überhaupts nichts corona-konform sei. Daraufhin entschuldigte er sich bei mir und stahl dem Mann von der Verkehrswacht den Strafzettel.

Auf der Rückfahrt überfuhr ich auf der Autobahn eine rote Ampel blockierte die Kreuzung.

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Es kommt selten vor, dass ich mal so richtig ausgeschlafen bin. Wenn das passiert, kann ich auch ganz schön anstrengend für meine Umgebung werden, weil ich mich dann in so eine Art Alleinunterhalter verwandeln kann. In der Gruppensitzung habe ich dann eine Rolle in einem Rollenspiel übernommen und mit meiner (recht guten, wie ich finde) Performance die Gruppe gesprengt. Über die Inhalte der Sitzung darf ich natürlich nicht berichten.

Nach der Visite bin ich zur Fuchshardtkapelle gewandert und habe dort gebetet. Ich habe ihn für bestimmte, mich belastende Dinge (wegen der ich auch hier in der Klinik bin …) um Hilfe und Unterstützung gebeten. Nach einem Moment der geistigen Ruhe kamen mir dann plötzlich die Klinik, die Therapeutinnen und Therapeuten, die Pflegerinnen und Pfleger, aber auch meine Mitpatienten in den Sinn. Das war in etwas so, als Gott zu mir gesagt hätte: ,,Ich helfe Dir doch schon!''

Abends habe ich dann für die Welt, in der mein Roman spielt, die Wochentage festgelegt. Über einen kleinen Einfall dazu musste ich selber Lachen.

Freitag, 05.02.2021

Recht gut geschlafen. Allerdings habe ich in der Nacht irgendwie falsch gelegen, denn mir tat die Schulter weh. Ich hatte so viele Träume, dass ich mich nicht mehr richtig an sie erinnern konnte.

Viel Beschäftigung mit meinen Emotionen.

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Wieder zur Fuchshardtkapelle zur Zwiesprache. Ich mag diesen wundervollen, friedlichen, ruhigen und schlichten Ort im Wald wirklich sehr.

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Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Sie ist aber so von sich selber eingenommen, dass sie aufgeblasen und intolerant geworden ist.

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Über ein tolles Hilfsprojekt in Kurdistan.