Der Würfel des Schicksals

11.06.2019 - Lesezeit: 2 Minuten

Mir träumte, ich liefe mit den Kameraden vom Zirkel durch den Wald. Wir wollten zum Turm wandern um dort zu feiern. Unser Zirkel bestand schon sehr lange und viele von uns waren miteinander verwandt. Die Callibrieri bildeten mit vier Brüdern die größte Gruppe. Im Zirkel gab es immer mal wieder Spannungen und Streit, aber meist vertrugen wir uns ganz gut. Wie es meine Art ist, hielt ich mich meistens aus allem raus.
Heute war die Stimmung gut und die Aussicht auf Bier und gutes Essen malte Fröhlichkeit auf die Gesichter meiner Kameraden. Ich hing wie immer meinen Gedanken nach. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, worüber ich nachdachte, aber ich hatte keinen Blick für die Schönheiten des Waldes sondern schaute nur auf den Weg vor mir. Die Kameraden ließen mich in Ruhe - sie kannten meine Stimmungen bereits zur Genüge.
Der Weg zu meinen Füßen bestand aus Erde und kleinen Steinchen und ganz plötzlich sah ich in dem Dreck einen Stein, der ganz anders geformt war als die anderen: Er war eckig.
Blitzschnell bückte ich mich, nahm ihn auf und steckte ihn in meine Manteltasche. Vorsichtig befühlte ich ihn mit der rechten Hand:
Es handelte sich um einen Würfel.
Einen Spielwürfel.
Einen Spielwürfel aus Stein.
Ich meinte, ein Glühen aus dem Inneren des Würfels zu spüren. Schweiß trat mir auf die Stirn. Konnte es sein?
Konnte es wirklich sein?
Hatte ich wirklich - ganz zufällig - hier im Wald den Würfel des Schicksals gefunden? Oder war es in Wirklichkeit gar kein Zufall, sondern tatsächlich das Schicksal?
Mein Fund musste natürlich geheim bleiben und so nahm ich die Hand aus der Manteltasche. Vorsichtig sah ich mich um. Niemand schien etwas bemerkt zu haben. Nur Renzo, der älteste der Callibrieri-Brüdern sah mich auf einmal sehr nachdenklich an.

Im Turm angekommen stieg die gute Laune an und auch ich ließ mich anstecken. Als wir im Raum mit dem großen runden Tisch saßen, hockte ich mich auf einen Stuhl, der in der Ecke auf einem Podest die anderen Stühle überragte und spielte eine Eule, die beim Kellner eine Maus bestellt.
Das Gelächter war groß.
Ich konnte es kaum erwarten, alleine zu sein.