KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Dienstag, 02.02.2021 bis Freitag, 05.02.2021

Aus dem Leben

Dienstag, 02.02.2021

Der Schlaf hat sich nun die zweite Nacht in Folge verbessert. Entweder gewöhne ich mich langsam an die Umgebung und die Matratze oder ich war gesten einfach so dermaßen kaputt, dass es zu einem tiefen Schlaf keine Alternative gibt. Vielleicht gilt auch einfach beides.

Mir träumte, mein alter Freund A. hätte von seinen Eltern einen Kiosk übernommen. Wir gingen betrunken dort hin. Der Kiosk hatte einen kleinen, gemütlichen Vorraum für die Kunden. Alles war mit dunklem Holz vertäfelt und überall hingen Reklametafeln und Ähnliches. A. schaute aus dem Verkaufsfensterchen hinaus. Wir tranken Bier. Dann kam ein Pärchen in den Kiosk, das wohl mit A. bekannt war. Sie waren ebenfalls betrunken und wollten gemeinsam mit A. Sex haben. Mir war das furchtbar peinlich und als A. plötzlich hinter seinem Verkaufstresen herkam und alle anfangen, miteinander zu Fummeln, rannte ich zur Eingangstür und schloss diese schnell ab, damit nicht plötzlich Leute hereinkommen konnten. Dann erst bemerkte ich, dass ich mich selber in dieser unangenehmen Situation eingesperrt hatte. Um mich herum lagen Kleidungsstücke auf dem Boden. Nach einigen Momenten voller Schrecken hatte ich die Tür wieder geöffnet und floh ins Freie.

Im Wald sah ich die Elfe und mein Herz pochte voller Aufregung und Schmerz. Sie war mir so fern und ich konnte sie nicht erreichen. Ich wollte das so sehr, denn die Elfe sah so unendlich traurig aus und ich wollte sie trösten. Hilflos streckte ich meine Arme nach ihr aus, aber sie war zu weit weg und meine Hände. Vielleicht war das aber auch gut so, denn die Elfe war so unendlich traurig und man konnte den Schmerz in ihren Augen blitzen sehen.

Es war unmöglich. Ich konnte sie nicht erreichen. Vielleicht war das auch ganz gut so, denn ich hätte sie wahrscheinlich sowieso mit meinen groben Händen zerbrochen.

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Nach dem Nachtschlaf im Speisesaal mit Leuten von meiner Station ein wenig herumgelabert. So langsam komme ich an. Ich muss nur aufpassen, denn wenn ich mal so richtig ausgeschlafen bin, kann ich auch ein wenig anstrengend werden. Hauptsächlich bin ich aber froh, wieder mehr auf Spur zu sein.

Die Termine heute halten sich in Grenzen und ich habe Zeit für mich. Diese Zeit will ich nutzen, mich auch mal mit Dingen außerhalb meines Kopfes zu beschäftigen.

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Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich wieder einen Sauerteig ansetzen und selber Brot backen. Die Kaltmamsell ist schuld. ;-)

Mittwoch, 03.02.2021

Gut, aber auch zu kurz geschlafen. Mir träumte, ich wäre auf einer Feier anlässlich des 100jährigen Jubiläums ,,Ruhr-Pakt Kultur''. Das Ganze war groß aufgezogen mit kostümierten Künstlern und Prominenten. Auch Karl Lauterbach (SPD) war da. Ich saß mit meinem Sohn und einem Masterstudenten an einem Tisch. Der Student hatte für seinen Laptop und die Lernunterlagen meine Alphasmart-Tasche ausgeliehen. Karl Lauterbach (SPD) setzte sich zu uns und freute sich sehr über den jungen Studenten. Er tippte lachend auf die Laptop-Tasche und trug ein humoriges Gedicht vor. Es ging darin um einen jungen Mann, der fleißig lernt und arbeitet, um eine Familie gründen zu können. Nachdem Ehe und Kinder da sind, schließt sich für ihn die Käfigtür und er arbeitet und ärgert sich zu Tode. Der Student lachte ein wenig gekünstelt mit, mein Sohn aber wurde traurig. Ich nahm ihn in den Arm und tröstete ihn.

Später war ich auf der Arbeit im Keller und habe zusammen mit meiner geschiedenen Ehefrau aufgeräumt. Wir schoben Rollwägen mit metallenen Regalteilen hin und her. Meine Ex-Frau erzählte mir, dass uns die Haustechnik aufgefordert habe, Wände zu melden, an denen ,,Peeling'' sei. Ich regte mich sehr über diesen Auftrag auf: Dafür sei ich nicht zuständig und ich wüsste nicht einmal, woran ich ,,Peeling'' erkennen könne!

Die Teile brachten wir in einen Raum im Keller, wo ein Arbeitsplatz für Masterstudenten eingerichtet worden war.

Eine Masterstudentin schaute uns freundlich, aber auch ein bisschen dümmlich an.

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Idee für eine Geschichte gehabt: Zwei Länder sind durch einen Grenzzaun und einen Grenzstreifen (,,Betreten verboten!'') getrennt. Beiderseits der Grenze wohnen Herr X auf der einen und Frau Y auf der anderen Seite. Sie kennen sich nur vom Sehen aus der Ferne. Irgendwann haben sie damit begonnen, sich freundlich zuzuwinken. Irgendwann kommen beide unabhängig auf die Idee, dass man sich doch mal am Zaun unterhalten könne (,,Die Dame hat so schöne blaue Fensterläden an ihrem Haus. Wo sie wohl die Farbe herbekommt?''). Also beantragen beide bei ihren jeweiligen Bürgermeistern/Behörden eine Ausnahmegenehmigung, um das Niemandsland betreten zu dürfen. Die Anfragen gehen dann ihren lange, bürokratischen Weg. Sie wandern über die Provinzverwaltungen in die Hauptstädte. Botschafter, Diplomaten und Außenministerien werden beschäftigt bis irgendwann man die zwei Staatschefs (natürlich zwei alte, weiße, dicke Herren) beieinander sitzen und sich wundern, was der ganze Aufstand eigentlich soll und warum es überhaupt verboten ist, an den Grenzzaun zu gehen. Folglich bekommen Herr X und Frau Y ihre Genehmigung und treffen sich irgendwann am Zaun. Sie führen dort ein freundliches, nachbarschaftliches Gespräch.

Mir gefällt an der Idee besonders, dass es eben keine ,,Romeo-und-Julia-Geschichte'' ist, sondern es schlicht und ergreifend um einen freundschaftlichen Austausch geht (,,Ihre Gummistiefel leuchten immer so gelb! Das finde ich nett!''), der durch irgendwelche überkommenden Vorschriften vorerst unmöglich gemacht wurde.

Donnerstag, 04.02.2021

Guter Nachtschlaf. Mir träumte, ich müsste ein riesiges, geliehenes Wohnmobil nach Hause fahren. Das Teil war so eine Art Nightliner (diese Wohnbusse, die auch Bands auf ihrer Tour benutzen), groß wie ein Reisebus. Eigentlich ließ es sich ganz gut fahren und ich hatte vom Fahrersitz aus einen guten Blick. Doch irgendwie hatte ich vergessen, auf die Strecke zu achten und ich fuhr über die Autobahn in Gegenden, die mir vollkommen fremd waren. Ich verließ die Autobahn und hielt in einer kleinen Ortschaft, um das Navigationssystem zu programmieren und das Wohnmobil mit ein paar Flaschen Sonnenblumenöl aufzutanken. Eine Gruppe Jugendliche kam hinzu und die jungen Leute dachten, das Öl wäre ein alkoholisches Getränk. Ich gab ihnen das Öl zu trinken und war schadenfroh, als sie angewidert wieder ausspuckten.

Ein Kioskbesitzer, der aussah wie Fips Asmussen, bemerkte, dass ich im Halteverbot stand und verpetzte mich an die Verkehrswacht. Total sauer über den Strafzettel stapfte ich in seinen Laden und wies ihn wütend auf das Gerümpel im Eingangsbereich hin (Brandschutzvorschriften! Fluchtwege!) und auch darauf, dass in seinem Lokal überhaupts nichts corona-konform sei. Daraufhin entschuldigte er sich bei mir und stahl dem Mann von der Verkehrswacht den Strafzettel.

Auf der Rückfahrt überfuhr ich auf der Autobahn eine rote Ampel blockierte die Kreuzung.

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Es kommt selten vor, dass ich mal so richtig ausgeschlafen bin. Wenn das passiert, kann ich auch ganz schön anstrengend für meine Umgebung werden, weil ich mich dann in so eine Art Alleinunterhalter verwandeln kann. In der Gruppensitzung habe ich dann eine Rolle in einem Rollenspiel übernommen und mit meiner (recht guten, wie ich finde) Performance die Gruppe gesprengt. Über die Inhalte der Sitzung darf ich natürlich nicht berichten.

Nach der Visite bin ich zur Fuchshardtkapelle gewandert und habe dort gebetet. Ich habe ihn für bestimmte, mich belastende Dinge (wegen der ich auch hier in der Klinik bin …) um Hilfe und Unterstützung gebeten. Nach einem Moment der geistigen Ruhe kamen mir dann plötzlich die Klinik, die Therapeutinnen und Therapeuten, die Pflegerinnen und Pfleger, aber auch meine Mitpatienten in den Sinn. Das war in etwas so, als Gott zu mir gesagt hätte: ,,Ich helfe Dir doch schon!''

Abends habe ich dann für die Welt, in der mein Roman spielt, die Wochentage festgelegt. Über einen kleinen Einfall dazu musste ich selber Lachen.

Freitag, 05.02.2021

Recht gut geschlafen. Allerdings habe ich in der Nacht irgendwie falsch gelegen, denn mir tat die Schulter weh. Ich hatte so viele Träume, dass ich mich nicht mehr richtig an sie erinnern konnte.

Viel Beschäftigung mit meinen Emotionen.

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Wieder zur Fuchshardtkapelle zur Zwiesprache. Ich mag diesen wundervollen, friedlichen, ruhigen und schlichten Ort im Wald wirklich sehr.

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Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Sie ist aber so von sich selber eingenommen, dass sie aufgeblasen und intolerant geworden ist.

Aus dem Netz

Zurück nach Shingal

Über ein tolles Hilfsprojekt in Kurdistan.

Montag, 01.02.2021

Der Schlaf war relativ gut, jedoch war ich ab vier Uhr morgens wach. Danach eine weitere Einweisung. Mir wird mehr und mehr bewusst, wie sehr man hier umhegt ist. Das fühlt sich fühlt sich beruhigend an.

Am frühen Nachmittag einen langen Spaziergang am Rhein gemacht. Den Fähranleger ,,Rolandseck'' passiert, als gerade eine Fähre abglegte. Gedankenrasen.

Später zum ersten Mal ,,Tanz- und Bewegungstherapie''. Ich lasse diesen Begriff jetzt mal für einen Moment hier so stehen, damit meine Lesefröschlein sich eine Vorstellung davon machen können, wie das so aussieht.

Die Vorstellung ist falsch: Wir tanzen da nicht im Kreis oder so, sondern es geht um die Verbindung von Emotionen und Bewegung. Da Emotionen bei mir so eine Sache sind, hat mich das TBT erstaunlich angesprochen.

Da ich den Tag wegen der kreiselnden Gedanken immer noch nicht richtig beenden konnte, habe ich kurz mit meinem Bezugspfleger gesprochen. Er hat mich mit einfachen Worten und einer freundlichen, aber auch direkten Ansprache beruhigt (,,Versuchen Sie mal, sich abzulenken! Ja, das darf man!'').

Der nächste Absatz wird jetzt leider ziemlich kryptisch, weil der Kern der Sache nicht hier ins Blog gehört. Ich möchte ihn aber trotzdem hier aufschreiben. Bitte seht mir das nach.

Nach dem Abendessen standen mir auf dem Rückweg vom Speisesaal zwei dumme Puten bräsig im Weg herum, sodass etwas nicht geklappt hat. Nachdem mein (leichter) Ärger verflogen war, kam mir der Gedanke, dass die Begebenheit möglicherweise aber genau das Richtige war.

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Die Aufzeichnungen in meinem Tagebuch verschieben sich mehr und mehr zu Themen, die ich hier nicht veröffentlichen kann. Deswegen wird es hier vielleicht auch mal ein paar Tage Pause geben. Vielleicht fasse ich auch mehrere Tage in einem Blogeintrag zusammen. Da die Therapien jetzt anlaufen, wird alles ganz schön anstrengend und da muss das Bloggen zurücktreten.

Sonntag, 31.12.2021

Wieder konnte ich erst nicht Einschlafen, denn mein Kopf musste weiter einige Dinge bearbeiten, die ich akut mit in den Klinik mitgebracht hatte, bearbeiten. Irgendwann sank ich dann doch in den Schlaf. Träume nicht erinnerlich.

Total aufgekratzt durch das Siebengebirge (bzw. dessen Ausläufer) gewandert. Verschneiter Wald und kalte, klare Luft. Die Anstrengung tat gut. In meinem Kopf ging ich viele Dinge durch.

Abends Baldrian und Nerventee gegen die innere Unruhe. Zum Glück helfen solch einfache pflanzliche Mittel mir ganz gut. Es tut gut, dass man hier in der Klinik jederzeit Hilfe bekommt.

Samstag, 30.01.2021

Aus dem Leben

Die letzte Nacht war besser als die vorangegangene. In den frühen Morgenstunden hatte ich einen Alptraum: Ich hatte es verpennt, früh genug zum Frühstück zu gehen. Schnell rannte ich los, doch ich hatte noch meinen Schlafanzug an und lief ins Zimmer zurück, um mich umzuziehen. Während ich in meinem Schrank in den T-Shirts wühlte (die waren alle viel zu klein!), kam ein Typ in den Raum gestürmt, von dem ich mir einen Fantasyroman ausgeliehen hatte (es darin um Dämonen). Ich entschuldigte mich sofort bei ihm, dass ich das Buch bisher noch nicht zurückgegeben hatte, doch er meinte nur, er würde sich über jemand anderen ärgern und er wolle nur schnell etwas nachschlagen. Ein anderer Typ laberte mich zu, während ich mich in ein T-Shirt der Größe M zwängte. Als ich umgezogen war, kam meine Mutter vorbei und hielt mir wortlos einen Spiegel vor das Gesicht. Ich erschrak: Es war voller dicker Eiterpickel und aus zahlreichen Wunden troff Blut. Mein ganzes Gesicht war blutverschmiert. Außerdem waren mir meine Haare schon zum großen Teil ausgefallen. So konnte ich doch nicht unter die Leute gehen!

Das Frühstück musste wohl oder übel ausfallen.

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Klinikmäßig war nicht viel los außer Temperaturmessen usw. Ich ging zum nahen Netto (dieser Discounter und ich werden wohl mehr warm miteinander: Bisher war ich noch nie in einem jener Läden, der nicht total klunterig war) und kaufte Waschmittel und löslichen Kaffee. Später eine schöne Spazierrunde über die Insel Grafenwerth nach Rhöndorf und von dort aus über Rommersdorf zurück in die Stadt. Leider stampfte ich gegen einen ziemlichen Schneeregen an, aber dafür hatte ich extra eine Regen-/Windjacke angezogen. Pünktlich zum Abendessen war ich wieder zurück in der Klinik.

Die Abendgestaltung bestand aus einem netten Homekneiping per Video über das Smartphone (für mich mit Tee und Wasser).

Gegen 21:30 Uhr ins Bett.

Aus dem Netz

Mit ein paar tausend Mann

(Zitat) ,,Och, was machst du denn hier? Gehste auch zur Union? Bist du allein hier? Wenn du willst, kann ich dich später mitnehmen, nach dem Spiel, kein Thema. Kannst du dir den Bus sparen.'' Er hat in einen Satz alles reingepackt, wofür andere Leute den halben Abend brauchen. Er ist mit zwei Bekannten unterwegs, von denen mir einer bekannt vorkommt, allerdings dachte ich, der wäre längst tot. Na, war wohl ein anderer. Irgendjemand ist ja immer tot. (/Zitat)

Freitag, 29.01.2021

Aus dem Leben

Mittelschlecht geschlafen. Die Aufregungen des Tages blieben mir doch im Geist hängen. Außerdem ist die Matratze hier härter als daheim und ich vermisse meine harte Kissennudel. Vielleicht kann ich mir ja ein zweites Kopfkissen geben lassen.

Normalerweise dauert es immer eine Weile, bis Inhalte den Weg in meine Träume finden. Diese Nacht habe ich habe direkt von Panzern geträumt (zur Erinnerung: Ich habe gestern ein Buch über Panzerbesatzungen im Zweiten Weltkrieg begonnen): Mir träumte, ich wäre Richtschütze in einem Panzer und wir fuhren durch eine eher städtische Landschaft. Dann plötzlich: ,,Klingklingkling!'' — Wir wurden aus Gewehren beschossen. Doch woher? Die Schützen mussten in einem Hochhaus aus roten Ziegelsteinen sitzen! Ich wischte mit meiner linken Hand einmal über mein Gesichtsfeld und konnte so für eine gewisse Zeit auf infrarotthermische Supersicht umschalten und in den Fenstern des Hochhauses erschienen rote Punkte. Dort hielt ich mit dem Koaxial-MG drauf und die Punkte verschwanden nach und nach.

Die Nacht war eigentlich schon um vier Uhr zu Ende. Bis halb sechs bin ich jedoch noch liegen geblieben. Nach dem Aufstehen geduscht und angezogen. Die Zeit bis zur Blutabnahme um 07:15 Uhr mit Bloggen und Feedlesen verbracht.

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Großer Ärger: Ich hatte einen Nachsendeauftrag für meine Klinikzeit beauftragt und muss den nun ändern (ich soll die Station mit aufnehmen). Meine sämtlichen Versuche über die entsprechende Seite wirft aber eine Fehlermeldung (mit verschiedenen Browsern und Betriebssystemen getestet). Also musste ich die allgemeine Kundenhotline anrufen — eine Aussicht, welche meine Laune nicht hob. Ich bin gleich beim ersten Versuch durchgekommen. Ich schilderte dem Callcentermitarbeiter die Situation. Der Mitarbeiter erkundigte sich nach meiner Auftragsnummer.

Dann sprach der Mitarbeiter: ,,Ja, kleinen Moment … Moment … Moment noch … dauert noch ein wenig … jetzt gleich … So! Das System hat die Änderung angenommen! Ich lese Ihnen die Daten noch einmal vor …''

Ganz umsonst aufgeregt! Die Test-Postkarte ist schon im Briefkasten. :-)

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Nach dem Abflauen des Ärgers bemerke ich, dass ich unbedingt offline gehen muss. Mir wird das Herz weh und ich schaue immer wieder auf das Smartphone wegen dieser einen Sache.

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Diverse Einführungen und das therapeutische Erstgespräch. Zwischendurch eine Regenlücke für einen Spaziergang genutzt. Ab Nachmittag trieb der Wind wieder Regen übers Land.

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Das weiter oben erwähnte Buch ,,Spearhead'' hatte ich die meiste Zeit dabei, denn man muss ja immer mal vor dem Blutdruckmessen oder vor einem Arzt- oder Therapeutengespräch warten. Der Autor schafft ganz gut den Spagat zwischen dokumentarischer Genauigkeit (es handelt sich ja um die Geschichte realer Menschen) und einem Roman. Das Grauen des Krieges wird ebenso wie in ,,Eine höhere Pflicht'' nahe am Menschen geschildert.

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Zum Thema Kurhotel: Einige Leute daheim scheinen wirklich zu glauben, ich wäre auf Kur und würde hier im Bademantel und mit einem Badetuch um den Kopf gewickelt von Anwendung zu Anwendung wandeln. Andere denken, ich würde hier auf Diät gesetzt und mit einem Ernährungsberatungs- und Sportprogramm auf Normalgewicht geschrumpft. Beides ist falsch (Ach, was!?): Ich bin einem psychosomatischen Krankenhaus, damit hier meine Essstörung (nur echt mit drei ,,s''!) behandelt wird (bzw. muss ich ja mit behandeln, weil wegen Psyche und so). Es läuft jetzt gerade an und bei allem was ich hier mitkriege (und mir aufgrund meiner ambulanten Therapieerfahrung schon längst dachte) ist, dass das mächtig anstrengend wird.

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Heute aß ich allerdings zu viel: Zwei Brötchen am Morgen, obwohl eines gereicht hätte und zu Mittag das Hauptgericht plus einen Salat plus einer gehaltvollen Suppe. Ich nahm mir vor, mir eine Strategie für die mir ungewohnten Essenszeiten zu überlegen.

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Als ich in die Klinik fuhr, schrieb mir ein Freund: ,,Nutze die Gelegenheit für Digital Detox!''

Erst habe ich darüber geschmunzelt. Jetzt habe ich begonnen meinen Feedreader ein wenig aufzuräumen und überlege, meine Blogeinträge im großen Notizbuch vorzuschreiben und abends zu verbloggen. Auch ist mein Smartphone jetzt die meiste Zeit im Flugmodus.

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Von den Rauchern habe ich einen Lifehack für das Klinikleben gelernt: Zum Frühstück in den Speisesaal eine eigene Tasse mitbringen, dann kann man sich noch ein Käffchen mit raus nehmen!

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Nach dem Abendessen habe ich noch einen ordentlichen Rundgang druch die Stadt gemacht. Bad Honnef zeigte sich von seiner schönsten Fachwerkseite. Am Ende hatte ich knapp 18.000 Schritte auf der Uhr.

Auf dem Zimmer war ich sehr erschöpft und traurig. Die vielen Gedanken und die bereits beginnende Arbeit an mir selber ist so unendlich anstregend. Dann erst fiel mir auf, dass die Erschöpfung auch noch von den vielen Schritten und den schlechten kommen kann. Dies sagt viel über meinen Zugang zu mir selber aus.

Nach dieser Erkenntnis habe ich beruhigt das kleine DAB+-Radio eingeschaltet und bin die Senderliste durchgegangen. Als testweise einen Oldiesender einstellte, erklang ,,Radio Ga Ga'' von Queen.

So kann es gehen!

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Ich freute mich dann doch sehr über mein kleines Radio, dass ich mit in die Klinik gebracht hatte. Es läuft auch mit Batterien und dudelte beim Lesen leise neben mir dahin.

Aus dem Netz

Danke, Bodo Ramelow!

Donnerstag, 28.01.2021

Aus dem Leben

Kaum geschlafen vor Aufregung. Aufgestanden um kurz vor fünf. Geduscht und die letzten Kleinigkeiten eingepackt. Der Koffer ist voll, der Wanderrucksack auch (ich hoffe, während meiner Klinikzeit auch mal am Rhein Wandern gehen zu können). Heizungen auf ,,kurz vor eins'' gedreht und die Gastherme ausgeschaltet. Steckerleisten ausgeschaltet und Stecker gezogen.

Es ging mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof in Duisburg (normalerweise gehe ich diese Strecke zu Fuß, aber mit dem schweren Koffer hatte ich dazu keine Lust). Dort stieg ich in einen verspäteten RE 5. Der wollte und wollte nicht losfahren und es kamen keine Informationen darüber, wann es jetzt weitergehen solle. Als ich schon in einen anderen Zug wechseln wollte, gingen die Türen plötzlich zu und der Zug fuhr los.

Uff!

Während der Zugfahrt nach Köln E-Mails beantwortet und gebloggt. Mit einem Mal waren wir schon kurz vor Köln! Wenn man sich beschäftigt, geht die Zeit ja schon schnell rum …

In Köln war reichlich Zeit für einen Brötchenkauf. Zum Glück komme ich nicht so häufig vorbei, sonst müsste ich einen Kredit aufnehmen bei den gesalzenen Brötchenpreisen.

Die Ankunft in der Klinik war sehr anstrengend: Unendliche viele Papiere wurden ausgefüllt und mussten unterschrieben werden. Dann wurde ein EKG gemacht und ich wurde gründlich untersucht. Danach wurde ich herumgeführt und bekam die Station gezeigt. Die Wartezeit darauf, dass das Zimmer bezugsfertig wurde, habe ich in einem Aufenthaltsraum verbracht und habe die Augen zugemacht: Zwei mehr oder weniger durchwachte Nächte und die ganze Aufregung forderten ihren Tribut.

Mein Zimmer ist groß und ich habe es für mich alleine. Erst war ich verwundert, dass man es von außen nicht abschließen kann, aber klar: Das hier ist ein Krankenhaus und kein Kurhotel! Von ihnen kann ich die Tür verriegeln und das Pflegepersonal hat die Möglichkeit, die Tür im Notfall auch dann zu öffnen. Für Wertsachen gibt es einen kleinen Tresor.

Zum Mittagessen wurde ich von einem Mitpatienten mitgenommen, der mir einiges erklärt und gezeigt hat. Da er Raucher ist, habe ich ihn zum Qualmen nach draußen begleitet, denn Raucher stehen gerne zusammen und Quatschen und man kommt ganz gut mit Leuten in Kontakt (ich scherze immer, dass ich passionierter Passivraucher sei).

Danach noch in Infogespräch und ich konnte endlich auf mein Zimmer, um diese Zeilen zu schreiben und um mich auszuruhen.

Es folgte die Chefvisite und einige Informationsgespräche. Ich bekam einen Packen Papier zum Durchlesen, Ausfüllen und Unterschreiben. Nach dem Abendessen (wegen Corona zeitlich recht begrenzt, da die Essenszeiten zwischen den Stationen aufgeteilt wurden) ging ich eine Runde ins Städtchen, um im Discounter Duschgel, Shampoo usw. zu kaufen. Als ich an der Kasse dran war, kam eine etwas abgerissene Frau herein und wollte für eine Prepaid-SIM-Karte einen Freischaltcode haben. ,,Da müssen Sie auf den Chef warten!'' meinte die Kassiererin und griff zum Telefon. Die Frau jedoch war furchtbar unruhig und rief nur ,,ok!'', um dann im Supermarkt zu verschwinden. Die Chefperson kam zur Kasse und die Frau lief nur an ihr vorbei, um ins Lager zu rennen. Dem armen Menschen ging es wirklich nicht gut.

Auf dem Rückweg Postkarten von Bad Honnef gekauft und zurück auf dem Zimmer erst einmal zwei Karten geschrieben. Eine musste ich wegen akuten Herzklopfens sofort zum nächsten Briefkasten bringen. Auf eine Extrarunde Fußweg habe ich wegen des nervigen Nieselwetters verzichtet. Immerhin waren zurück in der Klinik 10.000 Schritte auf der Uhr.

Bis zur Einweisung durch den Nachtdienst habe ich mit Adam Mankos ,,Spearhead'' begonnen. Das Buch begleitet drei Panzerleute durch das Ende des Zweiten Weltkriegs. Dies ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich ein Buch auf englisch lese, kam aber trotz meiner Befürchtungen gut in den Text rein. Der Stil von Mankos ist sehr blumig und ,,amerikanisch'', weswegen ich eher mal allgemeine englische Wörter und Ausdrücke nachschlagen muss. Die technischen und militärischen Begriffe habe ich eigentlich ganz gut drauf.

Die Einweisung zur Nacht ging flott rum.

Gegen halb zehn vollkommen erschlagen ins Bett.

Aus dem Netz

Fall nicht unter die Räuber, Junge!

Mittwoch, 27.01.2021

Schlaflose Nacht voller aufgeregter Gedanken, voller Ängste, aber auch voller Vorfreude. Den Schlaf am Vormittag nachgeholt (ich hatte zum Glück den Tag frei) und ein wenig lustlos herumgeräumt und gepackt. Am späten Nachmittag kamen der Thronfolger und seine Mutter vorbei und ich habe für uns Pizza bestellt (die Pizza war für mich die einzige Mahlzeit des Tages). Abends noch zuende gepackt und gegen 22 Uhr ins Bett gegangen.

Dienstag, 26.01.2021

Der Wecker klingelte um vier Uhr morgens. Auf zum Corona-Test! Das Acer-Chromebook bettelte beim Synchronisieren (das Gerät ist ja für Reisen bestimmt und da möchte ich Texte und zu beantwortende E-Mails gerne schon dabei haben) um ein Update und willfuhr. Später wollte sich das Chromebook dann irgendwie neu installieren, glücklicherweise waren die lokalen Apps und Einstellungen aber noch vorhanden.

Optimistisch wie ich bin, habe ich eine Thermosflasche mit Kaffee eingepackt. Essen und Trinken im Zug war zwar nicht gerade en vogue (zurecht), aber ich war fast zwei Stunden unterwegs und mit einem Umstieg in Köln würde sich hoffentlich eine Gelegenheit für einen Kaffeepause ergeben. So war es dann auch: Da ich nervositätsbedingt mal wieder viel zu früh am Duisburger Hauptbahnhof ankam, konnte ich einen früheren Zug Richtung Köln nehmen. Das erhöhte die Umsteigezeit dort und ich nutzte die Gelegenheit für einen Brötchenkauf beim Kettenbäcker Kamps. Auf dem fast leeren Bahnsteig konnte ich dann für Kaffee und Brötchen die Maske abnehmen. Es sind die einfachen Dinge, die einen glücklich machen!

Die Klinik habe ich schnell gefunden, auch wenn es noch dunkel war. Ich sprach bei der zentralen Anmeldung vor und wurde auf den Innenhof geschickt. Dort sollte ich vor einem Container mit einem Pavillonzelt warten. Da ich wohl (wie üblich …) einen recht verwirrten Eindruck gemacht haben muss, kam die Dame noch mal zu mir und meinte, ich könne mich auch ruhig unter das Zeltdach stellen, damit ich nicht nass werde.

Eine Krankenpflegerin holte mich ab und wir gingen in den Container. Der Test war ein Rachenabstrich und bis auf zwei kurze Würgereflexe meinerseits kurz und schmerzlos. Mir wurde gesagt, wenn ich nichts Gegenteiliges hören würde, könne ich am Donnerstag einfach in die Klinik kommen.

Die Rückfahrt erfolgte im Hellen und ich konnte die Gegend um Königswinter entsprechend würdigen. Es ging nach Düsseldorf ins Büro. Ich musste dort noch einige Dinge glattziehen und mein Büro aufräumen. Mein ehemaliger Kollege Th. kam noch vorbei und wir haben schön gequatscht. Ich habe mich auch von meiner Lieblingskollegin verabschiedet. Die hat nur einen ziemlich blöden Vertretungsvertrag und ich hoffe inständig, dass sie noch bei uns in der Bibliothek ist, wenn ich aus der Klinik wiederkomme.

Abends einen Cheeseburger bestellt und vor Youtube verzehrt. Sehr aufgeregt wegen der ganzen Kliniksache.

Viel zu spät ins Bett.