KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2021 KW 14

Montag

Erstaunlich gut geschlafen und fröhlich aufgewacht. Noch 3 Tage bis zur Heimfahrt!

Für den Tage hatte ich mir vorgenommen, mal in die Nachbarstadt zu wandern, doch mir kamen Zweifel: Ist das überhaupt erlaubt? Darf ich überhaupt zu Fuß in ein anderes Bundesland? Brauche ich einen Passierschein? Ein Visum?

Wenn ich das so richtig lese, sieht es ganz gut aus mit meiner Wanderung. Außerdem will ich ja nirgendwo einkehren, sondern einfach nur draußen im Grünen herumlaufen.

Leider war der Tag regnerisch. Ich bin trotzdem am Rhein entlang nach Unkel gelaufen, was erst ganz gut geklappt hat. Dann jedoch nahmen Wind und Regen zu und ich musste ich in einer Schutzhütte besagten Schutz suchen. Später lief ich weiter bis zur Burg Vilzelt. Die Burg ist nur der Rest einer kleinen Dienstburg, aber trotzdem schön anzuschauen. Eigentlich wollte ich danach am Rheinufer entlang wieder zurück, aber der Regen und der Wind wurden immer stärker. Auch unter meiner Regenjacke wurde es langsam ungemütlich, so dass ich durch das Städtchen gegen Wind und Graupel zum Bahnhof Unkel lief und von dort den Zug nach Bad Honnef nahm. Zurück in der Klinik habe ich erst einmal die nassen Klamotten gegen trockene getauscht und mich für zwei Stunden hingelegt. Die Kälte und die Anstrengung (ich war sehr schnell gegangen) war zu viel gewesen.

Dienstag

Wieder ein Tag mit vielen ,,letzten Malen'': Letztes Mal Großgruppe, letztes Mal Einzeltherapie. Am Nachmittag Besuch von meinem besten Freund Flöte. Wir sind durch Bad Honnef gewandert (etwas anderes blieb uns ,,in diesen Zeiten'' auch nicht übrig ...) und wanderten durch Wind, Sonnenschein, Graupel und Schnee. Allerdings war es nicht so schlimm wie mein Wanderversuch tags zuvor. Es tat unendlich gut, meinen alten Freund wiederzusehen und mit ihm zu Quatschen (es war auch viel Unsinn darunter).

Am Abend war ich mal wieder schön platt und habe Kram eingepackt. Zur Entspannung habe ich die SD-Karte, die in meinem kleinen LTE-Router habe, als Laufwerk freigegeben und nun kann ich von den Clients aus via FTP (!) darauf zugreifen. Das brauche ich zwar nicht, aber wer weiß, wofür das gut sein kann...

Mittwoch

Die Nacht war voll von vielen kurzen Träumen, die aber alle eine gewisse positive Grundstimmung hatten.

Aufgestanden wie gewöhnlich um sechs Uhr morgens. Die Aufregung steigt langsam, aber stetig. Der Koffer ist schon fast fertig gepackt und ich bin froh, eine Reisetasche mit Wäsche bereits vorgeschickt zu haben.

Donnerstag

Smartphone und Notizbuch: Die Welt in der Tasche und das Herz in der Hand.

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Abfahrtstag. Aufgeregt und müde. Voller Melancholie von meinem Zimmer verabschiedet. Was für eine irre Zeit hier! Der Sessel in der Leseecke schaut traurig, der kleine Schreibtist beleidigt. Der Blick aus dem Fenster ist neutral wie eh und je. Die Schranktür klappert ein letztes Mal.

Abschniednehmen von den Geistern dieses Ortes. Die Gespenster, die ich von hier mitnehmen werde, sind keine Angstgestalten -- sie sind Schemen des Gefühls am Rande meiner Wahrnehmung.

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Am Lieblingsplatz am Ohbach sitzen und noch einmal dem Plätschern zuhören. Noch einmal Abschied nehmen. Der Bagger am Ufer gegenüber schweigt heute mir zuliebe.

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Daheim in Duisburg erst einmal vor Freude geweint.

Freitag

Gedanke: Vielleicht sind Smartphones nicht unbedingt nur deswegen so attraktiv für die Menschen, weil sie viele kleine ,,Belohnungen'' in unser Hirn triggern, sondern auch, weil sie uns helfen, uns von unseren eigenen Emotionen abzuschotten.

Samstag

Fuck All The Perfect People - Chip Taylor

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Mundgerechte Tierhaltung!

Sonntag

Man kann auch Sehnsucht nach der Sehnsucht haben.

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In mythischer Vorzeit trank der alte, bärtige Mann Unmengen von Bier und wurde vor dem PC transzendent. Dabei hörte er skandinavische Runenmusik.

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Hallenbäder: Eine Mischung aus Ekel und Geilheit.

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Abends gemütlich in die Pullerwanne und dabei ein wenig gelesen. Das Leben ist schön!

2021 KW 13

Montag

Die Woche fängt mit Muskelkater an und das ist eigentlich ganz gut so. Die gestrige Wanderung war ja auch recht ordentlich mit bergauf und allem.

Heute beginnt der Countdown: Noch zehn Tage bis zur Heimreise! Morgen sind es nur noch neun Tage! Das Gesetz der Zahlen ist doch etwas wundervolles, nicht wahr?

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Spruchkalenderspruch ausgedacht:

Wenn der Staub sich legt,
werden die Mutigen weise.

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Noch einen Spruchkalenderspruch ausgedacht:

Wenn Du Deine Spruchkalendersprüche erklären musst, sollst Du Dir ein klügeres Publikum suchen!

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Seitdem ich hier in der Klinik bin, habe ich meinen Bart nicht mehr gestutzt (bis auf ein paar Fransen am Schnäuzer). So langsam gerät er mir aber außer Kontrolle. Falls es nach meiner Entlassung aus der Klinik noch einen gibt, werde ich mir bei einem Barbier wohl einen Termin geben lassen.

Markus mit Zauselbart

Dienstag

Diesen komischen Sand, den man morgens manchmal in den Augenwinkeln hat, nennt man in meiner sauerländischen Heimat Kies. Wenn man Streit mit jemandem hat, dann nennt man das Knatsch. Wenn es sich aber nicht um einen klassischen Streit, sondern mehr um eine Meinungsverschiedenheit handelt, so nennt man dies Meinungsverschiedenheit.

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Momentan empfinde ich Freude über mein mobiles Acer-Chromebook in Verbindung mit dem kleinen LTE-Router. Sicher würde ich auf der eher billigen und flachen Tastatur des Acers keine längeren Texte schreiben wollen, aber als mobiles, billiges ,,Überall-Gerät'' ist es bis auf das spiegelnde Display sehr gut geeignet. Der LTE-Router ist im Energiesparmodus, d.h. die WLAN-Reichweite ist gering und das Gerät geht nach 15 Minuten Inaktivität offline (Standby). Aus dem Standby weckt man das Gerät mit einem Druck auf einer der zwei Hardware-Tasten wieder auf. Die Details (Reichweite, Timeout) kann man aber nach Wunsch selber einrichten. Da ich mobil beim Schreiben das Chromebook auch gerne mal zwischendurch offline nehme, aber keine Lust habe, den Router aus dem Rucksack zu fummeln, wenn ich wieder online gehen will, so habe ich einen netten, kleinen Workaround: Ich hänge einfach in der Zwischenzeit das Smartphone in das WLAN und das verhindert dann den Standby-Modus. Wenn ich dann weiterziehe, schalte ich am Smartphone das WLAN aus (wodurch der Router eben nach 15 Minuten in den Standby-Modus geht) oder ich fahre den Router via Smartphone-App direkt runter.

Ist Technik nicht etwas Wunderbares?

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Auf dem Abendspaziergang kamen mir zwei kernige, junge Burschen entgegen. Einer von ihnen grüßte freundlich. Als beide an mir vorbei waren, rief er mir hinter mir her: ,,HABEN SEI WAS?''. Ich drehte mich irritiert um und fragte zurück: ,,Wie bitte?'' Der Bursche wiederholte seine Frage und machte mit der rechten Hand eine Raucher-Handbewegung.

Entweder, ich habe inzwischen (vielleicht durch den Bart?) eine hohe Kiffer-Credibility oder der Typ ist einfach nur sehr, sehr dumm.

Mittwoch

Seit Oktober 2020 habe ich nun 30 kg abgenommen, alleine davon 14,5 kg in Bad Tinnef:

Gewichtskurve am 30.03.2021

Die 14,5 kg sind ungefähr ein ganzer voller Kasten Bier (20 x 0,5 l), den ich seitdem weniger mit mir herumtrage.

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Ein Plan ist ein Versuch, die Zukunft zu kontrollieren.

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In der Zeit bis zum letzten Bilanzgespräch sitze ich am Ohbach auf der Bank in der Nähe des Spielplatzes und genieße die relative Ruhe (weiter unten an der Designhochschule wird gebaggert). Die Sonne scheint (ich sitze im Schatten) und die Bäume blühen. Leider blüht auch mein Heuschnupfen, aber es hält sich noch in Grenzen. Ob ich mir eine Ladung Cetirizin besorge?

Donnerstag

Das Cetirizin wirkt gut, macht mich aber auch ganz schön müde.

Die Abendrunde war länger als gedacht und ich kraxelte auf der Insel Grafenwerth über die große Steine, um am Rheinstrand ein Foto zu machen. Auf dem Rückweg ging es wieder nur mit Kletterei und das strengte meine eh schon strapazierten Muskeln ganz schön an. Ich landete auch noch innerhalb der Absperrung einer großen Baustelle und wollte nicht wieder über den für mich teilweise gefährlichen Weg zum Wasser zurück. Zum Glück war die Baustelle für den Tag nicht mehr in Betrieb, ich fand jedoch keinen Ausgang. Fast hätte ich ein Seil durchgeschnitten, mit dem zwei Bauzaunteile miteinander verbunden waren (ich hatte mein Taschenmesser dabei), jedoch wollte ich keine Sachbeschädigung begehen. Später fand ich doch noch einen doch noch einen Durchschlupf.

In der Klinik stellte ich fest, dass ich irgendwo meinen Schrittzähler verloren hatte. Das ist schade, aber ich habe davon noch ein zweites Gerät und für die restliche Zeit hier in Bad Honnef will ich Google Fit als Schrittzähler nutzen.

Freitag

Am frühen, stillen Karfreitag den Ohbach entlang zur Fuchshardtkapelle gestapft. Es waren zwar durchaus ein paar Leute unterwegs, aber im Großen und Ganzen ein verzauberter Morgen. Ich hatte befürchtet, dass an diesem Feiertag an der Kapelle im Wald viel los sein könnte und bin deswegen direkt nach dem Frühstück losgelaufen. Meine Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet, denn ich hatte die Kapelle für mich ganz alleine und konnte mich von diesem wundervollen Ort würdig verabschieden. Während ich dort in stillem Gebet saß, hörte ich von draußen lautes Ramentern, Gerede und Gequake (man wundert sich, wie gut man von drinnen Leute draußen belauschen kann!). Dann öffnete jemand hinter mir die Pforte der Kapelle und ich hörte ein Kind sagen: ,,Da ist jemand drin!!'' Die Pforte ging wieder zu. Von mir aus hätten die Leute ruhig reinkommen können, aber so war es natürlich auch in Ordnung.

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Google Fit als Schrittzähler funktioniert ganz gut. Es scheint auch keine sonderlich großen Differenzen zu dem verlorenen Omron-Schrittzähler zu geben. Die App zählt auch sogenannte Kardiopunkte mit stärkerer Aktivität. Für den Anfang hat mir Google 150 Kardiopunkte pro Woche vorgeschlagen. Am Ende des Tages kam die Meldung: ,,Sie haben ihr Wochenziel erreicht!'' :-)

Allerdings habe ich an diesem Tag mit mehr als 30.000 Schritten eindeutig übertrieben, denn am Abend schmerzten Gelenke und Rücken doch sehr.

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Abends habe ich mir Stefan Danziger Lost in DDR angeschaut.

Samstag

Da der Freitag so schrittreich gewesen war, habe ich die eigentlich geplante Wanderung nach Unkel verschoben und einen Schluffi-Tag eingelegt zwecks Erholung von Muskel und Knorpel. Ein wenig ärgerlich war es ja schon, dass die Sonne so schön zwischen den Wolken hervorblinzelte, aber ich hätte mich selber auf der Wanderung nur gequält und das ist auch nicht Sinn der Sache.

Da eine Mitpatientin Geburtstag hatte, habe ich ihr ein Sträußchen Blumen gekauft. Erst hatte ich die Befürchtung, dass man nur mit einem negativen Corona-Schnelltest in den Laden kommen würde, aber hier in Bad Honnef sind die Zahlen wohl gerade nicht so hoch. Einen Schnelltest würde ich auch im neuen Schnelltestzentrum nicht bekommen, da ich ja kein Bürger der Stadt bin.

Es hat aber alles gut geklappt und ich habe ein schönes, angemessenes Sträußchen kaufen können.

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Die Zeitformen hier im Blog ändern sich ständig: Mal berichte ich in der Vergangenheitsform, mal in der Gegenwart. Das hängt natürlich vom Zeitpunkt des Aufschreibens ab. Ich freue mich, dass ich diesen Wechsel inzwischen sehr souverän ignorieren kann.

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Wenn auf Station das Licht am Türschild des Badezimmers leuchtet, kann man einfach mal reingehen und die Frau, die in der Wanne sitzt und einen anschreit, fragen, warum denn das Licht am Türschild des Badezimmers leuchtet.

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Gedanken sind Worte,
projiziert auf die Rückwand meines Verstandes

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Auf meinem Schreibtischlein steht eine Tube ,,Sofort einziehende Handcreme'' -- falls jemand also einen Nachmieter sucht: Bitte melden!

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Man merkt, dass man langsam alt wird daran, dass die Nasenhaare grau werden.

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Am Abend gab es einen leckeren Burger (wir feierten den Geburtstag einer Mitpatientin), der mir schwer im Magen lag.

Sonntag

Gut und früh aus dem Bett gekommen, denn an den Wochenenden ist der Patientenwaschkeller (mitnichten der Ort, wo wir gewaschen werden, sondern wo wir waschen dürfen!) für alle Stationen frei und da ich wohl der einzige Patient hier mit einem Wecker bin habe ich um sechs Uhr (Ende der Nachtruhe) alle Maschinen frei.

Den Tag mit Spaziergängen und Lesen verbracht.

2021 KW 12

Montag

Seit gestern Abend schreibe ich diese Zeilen hier doch lieber wieder in eine Textdatei. Google Docs ist mir viel zu träge, vor allen Dingen auf meinem Extramobillaptop von Acer.

UTF-8 is beautiful!

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Das Heimweh knödelt und gleichzeitig kann ich mir die verbleibende Zeit gut einteilen: Noch diese Woche und dann die nächste und dann ist schon Ostern und danach nur noch zwei volle Tage und dann geht es schon nach Hause!

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Am Abend noch eine Runde über die Insel Grafenwerth gemacht und für einen Moment auf einer Parkbank Richtung Königswinter geschaut. Das war ein schöner Moment und mir sind wieder einige Gedanken für die Therapie gekommen.

Dienstag

Diese Welt will und will einfach nicht untergehen! Ich tue schon alles: Massenhaft Rindersteaks essen (und auspupsen!), SUV fahren und bei Amazon kaufen und noch immer tut sich so gut wie nichts! Das Leben eines Superschurken ist nicht leicht in diesen Tagen!

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Im Krautreporter-Newsletter las ich von einer coronalen Osterruhe. Spontan beschließe ich, einige Besorgungen (Souveniers für die Daheimgebliebenen) schon diese Woche zu machen. Wer weiß, was noch alles passiert ...

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Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder haben wieder um neue Corona-Maßnahmen gerungen.

Lustige Vorstellung: Im griechisch-römischen Stil?

PS: Den Gag hat sicher schon jemand gemacht, da bin ich mir sicher. Ist mir aber jetzt egal.

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warme Füße warme Hände fremde Hände

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Ich habe damit begonnen, Briefe an mein zukünftiges Ich zu schreiben und das fluppt ganz erstaunlich gut. Mal schauen, ob die Briefe (die in Wirklichkeit E-Mails sind) auch ankommen!

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Während der Abendrunde habe ich auf der Parkbank auf der Insel gesessen und auf den Rhein geschaut. Es fühlt sich gut an, dass ich mir das inzwischen selber erlauben kann.

Mittwoch

Ein Freund nennt die Pläne, Gründonnerstag in eine Art Feiertag zu verwandeln eine ,,sinnlose Geste des eigenen Versagens''.

Zitat aus seinem Eigenwerbetrailer von Klassik Radio Movie: ,,Helden mit Helmen!''

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Da musste ich dann doch wieder Lachen.

Manchmal können Dinge auch ganz einfach sein: Mich ärgerte, dass ich bei der Inhaltssuche auf meinem Chromebook immer auch Vorschläge für Android-Apps aus dem App-Store bekomme. Wenn ich z.B. meinen Feedreader ,,FreshRSS'' starten wollte, wurde mir auch eine App von diesem ,,Freshtorge'' angeboten und ich sah jedes Mal so ein komisches Gesicht in meiner Chromebook-Suchleiste. Den Quatsch kann man aber glücklicherweise abschalten.

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Beim Herumspielen mit dem Kalender fiel mir auf, dass die Zählweise der Kalenderwochen hier überhaupt nicht stimmt! Warum sagt mir das keiner? Gleich mal rückwirkend korrigiert.

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Wenn wir hier in der Klinik unsere Kämmerlein verlassen, herrscht für uns eine rigorose Maskenpflicht. Das ist nervig und gerade in Therapiesituationen (Gesprächstherapie!) schwierig. Auf die Palme treibt mich allerdings die Angewohnheit sehr vieler meiner Mitmenschen, einem nebenbei ohne echten Blickkontakt etwas ,,heimlich'' zuzuraunen. Da dies eh die Tendenz vieler Leute zum Nuscheln verstärkt verstehe ich von dem Sprachbrei, der mich anschwappt, maximal 50%. Den Rest erschließe ich mir dann meist, was mitunter zu ulkigen Missverständnissen führt.

Für mich ist das eine gute Übung in Abgrenzung, denn eigentlich sollte ich den lieben Mitmenschen klar und deutlich sagen, dass ich sie in solchen Situationen schlichtweg nicht verstehen kann.

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Mein Chromebook merkt sich jetzt die letzten fünf Inhalte der Zwischenablage und ich kann diese nun mit ,,Lupe+V'' aufrufen. Das ist schön! Die drei Sternchen, welche hier mehr oder weniger gut Sinninhalte trennen, sind nämlich in Wirklichkeit ein einfacher HTML-Code, den ich einfüge und nun gerne aus der besagten Zwischenablage hole.

Auch richte ich mir mein Acer-Chromebook (das kleine, mobile) und das Lenovo-Chromebook (das größere, eher stationäre) unterschiedlich ein: Auf dem Lenovo nutze ich mehr Web-Apps und auf dem Acer eher Android-Apps. Letzteres, da diese naturgemäß besser im Offlinemodus funktionieren.

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Manche Leute sprechen nahezu alles aus, was ihnen begegnet (Captain Obvious).

Abgrenzung! Abgrenzung!

Donnerstag

Eine Sache aus der Klinik beschäftigt mich sehr und ich lerne, meinem Gefühl zu trauen (sorry wegen der Nebulösität des Satzes, aber es geht leider nicht anders).

Die Schließtage über Ostern sind abgesagt und Angela Merkel gibt einen Fehler zu und das ist leider eine kleine Sensation, denn eigentlich sollten Menschen mit großer Verantwortung häufiger und ehrlicher Fehler eingestehen. Vielleicht könnten alle anderen aber auch ein wenig netter beim Verzeihen von Fehlern sein.

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,,Nashorn starb an Darmschluss'' ist heute tatsächlich eine Schlagzeile.

Freitag

Berufswunsch Kirchenkritikerin.

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Wieder viele Spaziergänge im herrlichen Frühlingssonnenschein. Meine Mutter erzählte mir am Telefon, bei ihrem Besuch sei ihr und meinem Vater doch stark aufgefallen, wie locker und offen ich doch gewesen sei und das sie sich sehr darüber freuen würden.

Ich selbst fühle mich tatsächlich sehr bei mir.

Gefühlsinventur: Heimweh, Freude, Aufregung, ,,Bald-geht-es-nach-Hause''-Modus, Vorfreude auf meinen Sohn, Sehnsucht (nach wem, schreibe ich hier nicht hin!), Gelassenheit, Melancholie.

Ich werde wohl eine Menge Gespenster von hier mit nach Hause nehmen.

Samstag

Viel gelesen an diesem Tag. Das Buch ,,Spearhead'' zu Ende gelesen. Es war sehr spannend und sehr bewegend. Außerdem habe ich mir noch eine neue, leichtere Schlägermütze für den Sommer gekauft.

Mützenträger sind übrigens intelligente Menschen, da die Mütze die Großhirnrinde (den Sitz der Vernunft!) wärmt.

Diese Erklärung habe ich mir soeben ausgedacht!

Nachmittags Besuch von einem treuen Freund. Wir gingen langsam Spazieren (der Freund hat ,,Rücken''). Abends habe ich dann wieder vor dem Schlafengehen ein wenig gelesen. Ich war so müde, dass ich mich über die Zeitumstellung ausnahmsweise gefreut habe. Normalerweise ärgere ich mich über diesen Unsinn nämlich.

Sonntag

Dank des frühen Nachtschlafes gut um 6 Uhr Sommerzeit aus dem Bett gekommen. Den Vormittag langsam und bedächtig spaziert und auch am Ohbach mal meditiert, was erstaunlich gut geklappt hat.

Nachmittags ging es dann mit der Fähre rüber auf die andere Rheinseite und zum Rolandsbogen hinauf. Das war ein schöner, aber auch sehr anstrengender Ausflug (ca. 25.000 Schritte) in guter Begleitung.

Abends dann noch ein wenig gebloggt und früh zu Bett.

2021 KW 11

Montag

Die Nacht war schlafreich und ich bin erst mit dem Wecker um sieben Uhr aufgestanden. Daher hatte ich keine Zeit, meine nächtlichen Träume aufzuschreiben und so habe ich sie schlichtweg vergessen.

Diverse Termine in der Klinik. Schwierigkeiten, mich auf mich selber einzulassen. Ich sollte wieder mit dem Meditieren beginnen.

Abends einen netten Spaziergang gemacht und immerhin unter 15.000 Schritten geblieben — ich darf es ja nicht übertreiben mit dem Laufen.

Dienstag

Der Meditationsversuch war ziemlich erfolgreich, weil ich dabei auch einige Ideen aus den bisherigen Therapien einbringen konnte. Wenn sich ,,meine'' Meditation bewährt, kann ich sie hier ja mal vorstellen.

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Laubvögel

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Trauerweide: Wo Kühe weinen

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BILD-Chefredakteur Julian Reichelt wurde beurlaubt. Ich denke an dieses Video.

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Spaziergang im Regen, Spaziergang im Hagel. Habe ich mich sehr gespürt und das war gut.

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,,Entzündet die Ursachen von Zahnfleischbekämpfungen"

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Hein Eigenmeim

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Am Abend wieder meine ,,Patrouille''. Ich hatte viel Freude an der Bewegung und mir ist beim Gehen aufgefallen, wie sehr ich mich doch selber oft in ,,unsichtbare Wände'' einsperre. Ich meine damit, dass ich mir selber ohne wirklichen Grund (außer meinem Bedürfnis nach Strukturen) Regeln auferlege, die mich dann einschränken.

Kann man machen. Muss man aber nicht!

Mittwoch

Ein Freund von mir ist corona-positiv und seine Familie ebenfalls. Laut seiner SMS haben seine Lieben aber nur leichte Symptome und er eher gar keine (er ist sich nicht sicher, ob die beim nicht durch normalen Heuschnupfen verursacht werden).

Donnerstag

Wir haben erfahren, dass eine Mitpatientin es hier nicht packt und in die Psychiatrie gebracht werden wird. Das macht uns alle sehr traurig. Ich muss nebenbei an einen Bekannten denken, der wohl noch immer meint, ich würde hier eine ,,Kur'' machen und der mir ,,gute Erholung'' wünscht. Mein Lachen bei diesem Gedanken ist eher bitter.

Freitag

Ursula Andress wird heuer 85 Jahre alt. Sie möchte anlässlich ihres Wiegenfestes noch einmal in einem weißen Bikini der Venus gleich dem Meeresschaum entsteigen und alle Menschen finden das gut. Sie nicken heftig mit den Köpfen, das Lächeln auf ihren Gesichtern jedoch ist eingefroren.

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Beim Lied ,,Restart Mann'' von Kapelle Petra fällt mir ein, dass ich doch wohl so einiges hierlassen werde in Bad Honnef.

Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für Dinge, die ich von einem bestimmten Menschen gelernt habe, obwohl dieser Mensch nichts davon weiß und auch niemals davon erfahren wird.

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Abends hundekaputt ein bisschen beim Homekneiping zugehört und gelacht. Leider gab es Netzprobleme und ich konnte nicht immer alle gleichzeitig sehen.

Samstag

Obwohl ich früh im Bett war, reichte der Schlaf nicht ganz aus. Trotzdem mit einem Mitpatienten nach Königswinter spazierwandert und wieder Kaffee aus dem Kaufmannsladen geholt. Gute Gespräche, guter Kaffee, gute Gewohnheit!

Nach dem Mittagessen am Rhein gesessen und fast die Zeit vergessen (Merke: Witze aus Reimgründen sind nicht immer die Besten!). Zum Sitzen auf einer Parkbank war es ein wenig zu kalt und das Sonnenlicht für das leider spiegelige Display des Acer-Chromebooks ein wenig zu hell. Trotzdem eine gute Zeit.

Abends Homekneiping mit zitterndem Netz.

Sonntag

Erst kurz vor dem Frühstück aufgestanden. Körper und Geist brauchen Erholung. Ich bin sogar in Jogginghose und mit Schluffischlappen in den Speisesaal gegangen! Nach dem Frühstück noch eine halbe Stunde im Bett herumgegammelt. Nettes Gespräch in der Teeküche. Das Zimmer aufgeräumt und ein paar Computerdinge erledigt.

Mittags entpuppte sich das als vegetarischen ,,Burger'' beworbene Gericht als langweiliger Bratling mit Beilagen. Dank fetter Sauce Hollondaise, einem recht pfiffigen Gemüsemix (keine Ironie!) und dem sonntäglichen Eisdessert war die Mahlzeit dann doch noch ein Erfolg.

Am Nachmittag brachte ein Elternbesuch Abwechslung. Wir spazierten durch Bad Honnef und ließen uns von kaltem Wind beblasen. Eine seltsame Vorstellung: Es ist verboten, sich bei einem Eiscafé draußen auf eine Bank zu setzen und einen Kaffee zu trinken, aber in mehrfacher Klassenstärke in einer Blechröhre ,,auf Malle'' zu fliegen ist kein Problem!

Abends gingen mir beim Essen die Wörter aus und ich zog mich zeitig in meine Gemächer zurück. Ein friedlicher Abend mit klassischer Musik und vielen Buchstaben folgte.

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Es fühlt sich gut an, wenn man geduscht und beschlafanzugt und mit Kuschelsocken an den Füßen in seinem Zimmerlein sitzt und weiß, dass man heute nicht mehr rausgehen muss.

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Ich benutze ja neben dem mördermäßig großen und hypermegamodernen (hier stand übrigens erst ,,hypermegamordenden'') Smartphone ja noch ein kleines Nokia-Tastenhandy. Es dient mir als Uhr, Wecker und Kommunikationsanker, wenn seine große Schwester einen Maulkorb namens ,,Flugmodus'' trägt. Auch schreibe ich darauf gerne SMS, weil das so meditativ lange dauert. Mit einem Freund, der anstatt Messengerdiensten nur eben solche Kurznachrichten nutzt, schrob ich ein paar Nachrichten hin und her. Da er wie ich textlich zur Langform neigt, trudeln die einzelnen SMS, aus denen sein kleiner elektronischer Brief besteht, hier in 20-Sekunden-Abständen ein und ich warte geduldig darauf, seine Zeilen lesen zu können.

Ist das nicht putzig?

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Als mir oben bereits erwähnter Freund schrieb, dass ihm aufgrund einer Corona-Infektion das Bier nicht mehr schmecken würde, bekam ich Panik und steckte mir unerlaubterweise ein Hustenbonbon in den Mund. Meine Erleichterung kannte keine Grenzen, als sich Wildkirscharmona an meine Schleimhäute schmiegte! Wenn ich jetzt Bier trinken könnte, dann würde ich es auch schmecken!

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Wie viel km/h schafft so ein Schnelltest eigentlich?

2021 KW 10

Montag

Der Satz des Tages fiel schon beim Warten vor dem Speisesaal auf das Frühstück:

,,Ich war ja sogar einmal Stewart auf einer Katzenausstellung!''

Es ist doch wundervoll, wenn man es im Leben zu etwas gebracht hat!

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Schöne Erkenntnis: Ich schaffe es immer wieder, positive Schlüsse aus negativen Erlebnissen zu ziehen und den Fokus in die Zukunft zu richten.

Ich lerne gerade mit meinem schwersten dysfunktionalen Muster umzugehen und das ist wie zu erwarten war, sehr, sehr schwer. Es überlagert sogar das Thema Essen (wozu ist Essen nochmal gut? Hat jemand eine Idee? Mir fällt nichts ein …).

Auf meinem Whiteboard steht: ,,4W3'', also noch vier Wochen und drei Tage, bis ich nach Hause kann/darf/muss. Bis dahin kann ich mich also noch ganz bequem (haha!) mit meinem ,,Muster'' befassen und ich bekomme ein ganz klein wenig Riesenangst davor.

Dienstag

Nicht ganz so gut geschlafen. Zum ersten Mal seit Tagen (Nächten) sind die Träume nicht mehr erinnerlich. Kann auch mal passieren.

Träume erinnern ist übrigens reine Übungssache, wie ich finde!

Da ich jedoch keinen Traum aufschreiben kann und der Feedreader leer gelesen ist, bin ich über die frühmorgendliche Tagesgestaltung ein wenig verunsichert: Soll ich im Buch weiterlesen oder lieber die ,,Später-Lesen!''-Liste durchgehen?

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Auf leisen Sohlen um sechs Uhr runter in den Patientenwaschkeller geschlichen und eine der Waschmaschinen gefüttert. Nach dem Frühstück ist die Wäsche dann fertig. Ich bilde mir viel darauf ein, dass ich im Gegensatz zu den anderen hier früh aufstehen kann.

Da ich mit vier Wochen Klinikaufenthalt ja schon ein alter Hase bin, ziehe ich nachher zur Einzeltherapie (wir alten Hasen sagen dazu nur kurz ,,Einzel''!) schon die Treckingschuhe an, weil ich nach dem Termin sicher spazieren gehen muss.

* * *

,,Einzel'' und die darauf folgende Therapie waren extrem anstrengend. Durstig lief ich in mein Zimmer, um meine Klean Kanteen aufzufüllen, doch das Wasser war abgestellt. Schlecht gelaunt und von großem Durst gequält marschierte ich zum Discounter, um Wasser zu kaufen. Danach Spaziergang den Ohbach entlang bis fast zur Kapelle in seltsamer Stimmung.

Abends wurde mir kalt und ich bekam eine kleine Fressattacke. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mein Körper nach Energiezufuhr schrie. Danach bin ich unter die warme Bettdecke geschlüpft und habe noch ein wenig gelesen.

Mittwoch

Fast zwölf Stunden geschlafen und zermatscht, aber auch irgendwie erquickt aufgewacht. Eigentlich hatte ich vorgehabt, wegen der Fressattacke am Abend zuvor das Frühstück ausfallen zu lassen, aber da hier Struktur alles ist, bin ich doch ganz normal morgens runter in den Speisesaal gegangen und das fühlte sich gut an.

Am Nachmittag lief ich wie geplant über den Ohbach zur Kapelle und von dort aus über das Schmelztal zurück. Ein schöner, nicht zu ausführlicher Spaziergang!

Den Abend verbrachte ich ruhig auf dem Zimmer.

Donnerstag

Der Tag begann mit einer guten Nachricht: Die Gorch Fock schwimmt wieder!

Endlich sind die Weltmeere wieder sicher und Captain Jack Sparrow hängt das Seeräuberhandwerk entgültig an den Nagel! Die Bundesmarine gilt ja gerade wegen ihrer Offiziersausbildung auf einem Segelschiff nicht umsonst als die beste der Welt (,,Die Besten der Besten der Besten der Besten!'')! Genau wie die Panzeroffiziere des Heeres erst einmal Reiten lernen (die Panzertruppe ist ja aus der Kavallerie entstanden) und die Piloten der Luftwaffe mit Heissluftballonen aufsteigen, bevor sie auch nur in die Nähe eines Flugzeugs gelassen werden, müssen eben auch Offizierinnen und Offiziere der Marine erst einmal in die Wanten!

Das ist uns Steuerzahlern gerne die eine oder andere Million Euro wert! Besser, der Staat gibt das Geld für ein altes Segelschiff aus (und es ist ja soooo schön!), als das er es nachher noch irgendwelchen Altenpflegern hinterherwirft …

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Ich denke, ich werde die Kategorie ,,Gedankensalat'' auflösen und hier in den Wochenüberblick integrieren. Das macht es irgendwie übersichtlicher.

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Gebäckwagen

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Indertagungsstätte

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Vögelstimmen

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Gefühle sind wichtig, aber auch sehr anstrengend!

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Das Gewicht ist um 500 Gramm gestiegen und obwohl das wahrscheinlich nur Wasser usw. ist, frustriert mich das sehr. Der Ärger kumuliert weiter, angestachelt durch Baulärm und einem Test der Signalanlage während der Gruppentherapie.

Aus dem Gefühl einer großen Ungerechtigkeit erwächst Trotz und daraus die Kraft, weiter zu machen. Manchmal braucht es dazu nur einen Bach, einen Baum und ein paar singende Vögel.

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Ein Freund hat mir angeboten, mich am Entlassungstag aus der Klinik mit dem Auto abzuholen und das macht mir große Freude. Hoffentlich kann ich in seinem Wagen meine Playlist ,,Abflug'' anhören!

Freitag

Zwischen den Therapien immer auf Achse gewesen. Die Einzeltherapie hat mir wieder so einiges abverlangt, aber ich bekam ein kleines (sehr kleines) Büchlein mit, dass mir für mein Problem ein Lichtblick ist. Die Muster (,,das Monster'') sind jedoch äußerst stark in mir.

Eine Mitpatientin sprach mich an und zeigte sich besorgt, weil ich in den letzten Tagen so in mich gekehrt sei. Ich beruhigte sie und erklärte, dass in mir gerade viel arbeitet. Schon interessant: Wenn der Clown mal stiller ist, fällt es immerhin auf.

Samstag

Es ist schon schade, dass die Fuckinggasse in Bad Honnef gar kein Straßenschild hat.

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Vormittag ,,Shopping'' im Hit (eine Kette, die ich bis dato noch nicht kannte), im Drogeriemarkt und (da es gerade eh regnete) im Elektrofachmarkt. Eine höhere Macht befahl mir den Kauf eines Bluetooth-Lautsprechers mit Karabinerhaken und wer bin ich, dass ich höheren Mächten widersprechen darf?

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Am Nachmittag eine kleine Wanderung nach Königswinter zum Kaufmannsladen. Dort gibt es den besten Kaffee der Gegend. Auf dem Rückweg von einem mordorhaften Unwetter überrascht worden, dass wir aber dank ordentlicher Ausrüstung (Regenjacke! Festes Schuhwerk!) nicht nur gut durchgekommen sind, sondern auch Spaß wie kleine Jungen hatten. Nach der Rückkehr in die Klinik schnell umgezogen und zum Yoga gehumpelt. Danach direkt Abendbrot, Dusche und mich zum Sterben Schlafen zurückgezogen.

Sonntag

Schlaftag. Zimmertag. Telefoniertag. Lesetag.

2021 KW 09

Montag

Gut geschlafen. Gerne schreibe ich ,,Gut geschlafen'' in mein Tagebuch. Fortschritte in der Therapie. Dinge (,,Skills'') gelernt. Ich bin übrigens ein Gefäß.

Momentanes Lieblingslied: Mládek von Russian Circles.

Dienstag

Träume von sich selbst röstendem Brot begleiteten mich durch die Nacht. Bei Klassik Radio Movie läuft die Filmmusik von Forrest Gump und den Film möchte ich auch mal wieder sehen.

Viel über Beziehungen gelernt.

Abendspaziergang hinter dem Residenzhotel zum Park Reitersdorf. Von dort aus weiter den Mühlenweg gefolgt und bevor dieser dann zur Röhndorfer Straße abbiegt, über eine Fußgängerbrücke zum Rheinufer rüber. Am Rhein entlang dann wieder zurück. Das ist meine fast tägliche ,,Patrouille'' mit ungefähr 5.500 Schritten.

Mittwoch

Ich mache einen Spaziergang zur Fuchshardt-Kapelle. Leider habe ich meine ,,Dauerbrenner''-Kerze in der Klinik vergessen. Da ich die Teelichter nicht sonderlich mag, werde ich mir wohl mal ein paar Tafelkerzen (so heißen die großen weißen Dinger doch, die auch Miss Sophie in ihren silbernen Kerzenständern hat, oder?) besorgen. Eine entsprechende brandsichere Vorrichtung gibt es ja noch.

Durch die viele Denkarbeit während und zwischen den Therapien bin ich andauernd müde, obwohl ich gut schlafe. Ich denke darüber nach, mich sicherheitshalber mal ärztlich durchchecken zu lassen.

Donnerstag

Unruhig geschlafen. Gefühlsaufwallungen kamen hoch, Gefühlsaufwallungen wurden verarbeitet. Totale Erschöpfung. Mittagsschlaf gehalten. Von Bohrarbeiten geweckt worden. Schlechtes Gewissen. Mittagsschlaf! Ich darf doch keinen Mittagsschlaf halten! Hitler hat Mittagsschlaf gehalten! Was kommt als nächstes? Drogen? In Bahnhofsbuchhandlungen herumlungern und in FKK-Magazinen blättern? Der Hartgeldstrich?

Abends einen Spaziergang durch Wind und Regen gemacht und sehr gefühlig gewesen (Anmerkung: Das ist positiv).

Freitag

Gut aus dem Bett gekommen. In der Teeküche Kaffee gekocht und meinen letzten Traum aufgeschrieben. Im Radio hörte ich von einer Änderung der Geschäftsordnung des Bundestages wegen ,,Vögeleien im Gebäude''. Es waren dann aber doch nur Pöbeleien.

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Die Einträge hier werden immer alberner, wie mir scheint. Aber so gut wie alles andere kann und mag ich hier nicht schreiben und außerdem ist ein wenig Albernheit ja auch mal eine nette Abwechslung, oder?

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Ich habe es ja eigentlich nicht so mit Sprachassistenten und würde mir niemals so eine Jeff-Bezos-Wanze in die Bude stellen. Dennoch bin ich ja ein Spielkind und ärgere mich lustvoll mit dem Google-Assistant herum. Das lenkt mich dann auch mal von meiner ständigen Nabelschau ab.

Samstag

Freundesbesuch! Weit durch die kalte Frühlingsluft (,,die Sonne beißt!'') gewandert und viel geredet und gelacht. Wir wollten unbedingt mal wieder hierhin zurück und uns ohne Klinik und ohne Corona treffen.

Zurück in der Klinik das Abendbrot nicht so gut hingekriegt: Momentan ist das Speisenangebot baustellenbedingt anders als sonst und wir essen auch von Papptellern und mit Plastikbesteck, was ich ziemlich doof finde (ab Morgen gibt es aber wohl wieder richtiges Besteck usw.). Ich war müde und erschöpft von der Wanderung und habe zu viel gegessen. Immerhin hatte ich über 32.000 Schritte auf der Uhr und da wird ein kleiner Ausrutscher wohl nicht so sehr ins ,,Gewicht'' fallen.

Abends nach dem Duschen im bequemen Stuhl gesessen und lange mit einem Freund telefoniert. Sehr früh zu Bett.

Sonntag

Mit der Fähre nach Rolandseck übergesetzt und dort bis zur Höhe Königswinter gewandert. Mit der nächsten Fähre rüber und in Königswinter einen leckeren Kaffee getrunken. Den kann man nämlich hervorragend im Kaufmannsladen kaufen. Da wir zu spät für das mittägliche Lunchpaket (Essenssituation siehe Freitag) kamen, aß ich auf dem Zimmer sogenannte Salamipeitschen (im Sexshop gäbe es die sicher in der _Special-Interest-_Ecke), die ich eigentlich mal als Wanderproviant gekauft hatte und die jetzt aber mal dringend weg mussten.

Nach dem Abendbrot noch meine abendliche ,,Patrouille'' gegangen und für den Tag auf insgesamt 37198 Schritte gekommen.

Samstag, 13.02.2021 bis Freitag, 19.02.2021

Aus dem Leben

Samstag, 13.02.2021

Gut geschlafen. Mir träumte, Freund O. und ich wären auf einem Festival und wir wollten dort zelten. O. hat mich bei meinem Elternhaus mit dem Auto abgeholt. Meine Mutter wollte nicht, dass ich einen Schlafsack mitnehme, aber ich fand dennoch einen in der Garage in einem Holzhaufen. Auf dem Festival mochten mich die Leute nicht. Sie verdächtigten mich, in der Menschenmenge heimlich zu pupsen und ich würde meine wahre Identität verschleihern (,,So ein Name _muss _doch ausgedacht sein!''). Erst mein abgelaufener Personalausweis konnte sie überzeugen. Ein älterer Herr laberte mich voll: Die Jugend würde doch eh nur noch Drogen nehmen und sich dann prostituieren. Der heutigen Jugend würde da Militär fehlen! Schnell ging ich weg. Draußen hatte O. schon das Zelt aufgebaut und bereitete den Grill vor. Ich war gespannt, was der denn wohl veganes grillen würde (O. ist Veganer). Das Zelt war fein eingerichtet: Sogar ein Kissen hatte mir O. hingelegt, weil ich mein eigenes vergessen hatte. Das wärmte mein Herz. So schlecht fand ich Zelten eigentlich nicht mehr! Ich fragte O., ob ich was helfen könne und er bat mich, bei einer der Bands (deren Mitglieder er persönlich kannte) nach einem Trockentuch zu fragen. Da aber das Zelt eh im Garten meines Elternhauses stand, bin ich stattdessen einfach in den Keller gegangen und habe von dort eines geholt.

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Aufgestanden um 6 Uhr. Ich wollte Waschen gehen, doch hatte ich dummerweise vergessen, Kleingeld einzuwechseln. Sehr ärgerlich!

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Die Einzeltherapie war wieder sehr anstrengend, sie hat mich aber auch weiter gebracht. Viel über einen ganz speziellen ,,Tunnelblick'' nachgedacht.

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Lavendelölbaucheinreibung durch mich selbst zur Beruhigung. Erst fühlte ich mich wie ein dummer Teddybär, dann fühlte es sich unangenehm an (in meinem Bauch wohnen viele unangenehme Gefühle), dann wurde es warm und ich entspannte mich.

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Der neue Rucksack wurde geliefert, da mir der Wanderrucksack für meine kleinen Touren hier zu groß ist. Er gefällt mir gut und hat genau die richtige Größe! Große Freude über kleine Dinge.

Sonntag, 14.02.2021

Gut geschlafen und vom Homekneiping geträumt. Unaufgeregter, angenehmer Traum.

Aufgestanden um Viertel vor fünf aufgestanden und pünktlich zum Ende der Nachtruhe (Hausordnung) zwei Maschinen mit Wäsche gefüttert. Viel über den bereits erwähnten ,,Tunnelblick'' nachgedacht.

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Sehr anstrengende Wanderung durch das Siebengebirge. Zeitweise direkt am Tretschbach entlang gewandert. Das war sehr aufreibend, zum die Zeit bis zum Mittagessen langsam ablief (ich soll die Mahlzeiten hier ja unbedingt einhalten). Durch Bad Honnef lief ich im Eilmarsch und kam gerade pünktlich an. Statt der ausgewiesenen Spätzle konnte man auch gebratene Serviettenknödel wählen (die waren noch übrig). Alle wollten Spätzle, ich aber Serviettenknödel. Die Dame an der Ausgabe (,,Jetzt habe ich mir so viel Mühe mit dem braten gegeben!'') hat sich darüber so sehr gefreut, dass ich eine Extraportion bekam.

Nach dem Mittagessen geduscht und für eineinhalb Stunden hingelegt. Hat gut getan! Danach Telefonat mit Freund O. und meiner Mutter (also eigentlich zwei Telefonate …). Nach dem Abendbrot noch einen kleinen Rundgang gemacht und am Ende des Tages auf 25.000 Schritte gekommen. Abends mit ein paar Mitpatientinnen und Mitpatienten ,,Die Bücherdiebin'' auf DVD geguckt, aber ungefähr in der Mitte des (eigentlich recht gelungenen) Films so müde gewesen, dass ich gegen 21 Uhr ins Bett musste.

Montag, 15.02.2021

Gut und tief geschlafen. Mir träumte, ich wäre nach dem Klinikaufenthalt wieder in der Bibliothek und meine Kollegin mit dem Vertretungsvertrag hatte eine Verlängerung über 1,5 Jahre bekommen. Große Freude! Ein Kollege von der Personalstelle mit Namen ,,Runkel'' (so einen Namen kann man sich auch nur im Traum ausdenken …) hatte erst versucht, die Stelle seiner Frisörin zuzuschanzen, aber unsere Vorgesetzte hatte heftigt interveniert. Leider konnte ich mich nicht lange freuen, denn ich musste mich um Druckertreiber kümmern.

Später wurde ich zum Einsatz als Gangster-Geheimagent nach Russland abkommandiert. Mit meiner Truppe von Gangster-Geheimagenten bezogen wir ein einsames Haus. Ich saß draußen an einem Campingtisch, als ein Mann vorbeikam und mich aus Rache für den Mord an seiner gesamten Familie erschießen wollte. Mit der Mündung seiner Pistole an der Stirn bereitete ich mich auf den Tod vor, doch dann fragte ich den Mann, wann ich denn seine Familie umgebracht hätte (es waren so viele gewesen in den letzten Jahren!). Er nannte eine Jahreszahl, aber in dem genannten Jahr war ich überhaupt nicht in Russland gewesen! Weil er mir nicht so recht glauben wollte, musste ihn ihn überwältigen und dabei leider in den Arm schiessen. Seine große, silberne halbautomatische Pistole gefiel mir so sehr, dass ich sie behielt. Den Mann ließ ich laufen. Dann kam die Polizei und ich steckte meine und die neue Pistole in die Taschen meiner Jogginghose und rückte näher an den Campingtisch, um die Waffen zu verbergen. Die beiden Polizisten waren aber nicht wegen der Pistolen hier, sondern sie wollten uns die Abfalltrennung in der russischen Föderation erklären. Jemand von uns hatte nämlich in einem Einkaufszentrum ein leeres Trinkpäckchen in den falschen Abfalleimer geworfen. Wir hörten geduldig zu und als der Vortrag endlich beendet war, ließen meine Leute die Polizisten nicht einfach ziehen sondern stellten noch dumme Fragen, während ich mit den Waffen in der Joggingbuchse tausend Tode starb.

Es ging jedoch alles doch noch gut und ich bekam eine verschlüsselte Botschaft, die ich als Informatiker und Codeknacker (ich kann eigentlich nicht einmal Sudokus lösen …) dechiffrieren sollte. Sie bestand aus Zahlen, Buchstaben, Zeichen und aus Ausschnitten aus Comicheften und es sollte wohl um den neuen Arbeitsvertrag meiner Kollegin gehen. Nach einer Weile fand ich den Schlüssel zur Botschaft: Bei Teilen davon handelte es sich um Bibliothekssignaturen! Ich musste nur die dazu passenden Buchtitel recherchieren!

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Aufgestanden um Viertel vor sechs. Es war kein warmes Wasser vorhanden, da an der Warmwasseraufbereitung gewerkelt wurde. Zum Glück hatte ich am Mittag des Vortages noch geduscht. (Analoges) Tagebuch zu den Klängen von ,,Klassik Radio Movie'', meinem neuen Lieblingssender auf DAB+.

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Ein ruhiger Schluffie-Tag mit Schlaf und Ausruhen. Das hat gut getan! Weiter viel über den ,,Tunnel'' nachgedacht.

Abends mit Mitpatientinnen und Mitpatienten ,,The Kid'' mit Bruce Willis geguckt. Ein ganz netter Film.

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Wegen Internet und so (ehrlich gesagt: Natürlich nur wegen Internet!) habe ich mir einen LTE-Router und eine Datenkarte bestellt.

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Nach einem Einkauf bei Kodi und Netto einen Mittagsschlaf gemacht. Ich wollte danach im Aufenthaltsraum ein bisschen Schreiben, aber dann doch über eine Stunde mit einer Mitpatientin gequatscht. Das war nett. Später mit Freund J. telefoniert und gute Anregungen für den Roman erhalten.

Dienstag, 16.02.2021

Mir träumte, Freund O. und ich würden einen Eisbären aus seinem Gehege befreien (O. ist im Tierschutz aktiv). Das Tier war riesig und ging mir im Vierfüßerstand bis über die Schulter. Leider war der Bär auch unglaublich aggressiv und brüllte vor Wut. Bevor wir ihn befreien konnten, kletterte er von alleine über den Zaun und nun musste wir ebenfalls darüber klettern, um uns im Gehege vor ihm in Sicherheit zu bringen. Es begann eine wilde Verfolgungsjagd durch Treppenhäuser, an deren Ende wir mit allen Tricks um unser Überleben kämpften — inklusive Kitzeln (,,Killekillekille!'').

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Sehr erschöpft. Könnte nur noch Schlafen.

Mittwoch, 17.02.2021

Leider fallen wegen Krankheit einige Therapien aus, darunter auch die so wichtige Einzeltherapie. In der Gruppentherapie sehr bewegende Momente.

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16.000 Schritte gemacht. Ich versuche, nicht ganz so viel zu gehen, um meine Gelenke und die Muskeln nicht zu überanspruchen.

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Der LTE-Router ist angekommen. Die SIM-Karte leider noch nicht. Ich habe erst einmal die Zweitkarte aus dem Tastenhandy in den Router gesteckt und das funktioniert schon mal prima!

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Beim Schreiben weiter gekommen. Eine Szene mit dem dicken Bürgermeister geschrieben. Es läuft ganz gut zur Zeit.

Donnerstag, 18.02.2021

Recht gut geschlafen. Morgens um vier Uhr mit der Panik aufgewacht, die Beihilfe würde die Kosten für den Klinikaufenthalt nicht übernehmen. Um halb sechs aufgestanden und recherchiert. Das Ergebnis war das selbe wie vor einigen Monaten: Man muss vorher nichts beantragen und es reicht, wenn ich die Rechnung einfach einschicke. Ein Mitpatient (ebenfalls Beamter) hat mir das bestätigt, denn er hat deswegen extra mit seiner Sachbearbeiterin telefoniert. Die Angst verflog, die Nervosität blieb.

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Nach dem Mittagessen wieder zur Kapelle. Nach dem Gebet einige gute, mich weiterbringende Gedanken zu den Themen ,,Tunnel'' und ,,Innere Leere''.

Freitag, 19.02.2021

Schon wieder eine Woche rum! Nach der Beruhigung in Sachen Beihilfe fühlte ich mich dann doch wohler. Gut geschlafen, trotzdem war ich müde und erschöpft. Liegt das vielleicht daran, dass ich weniger Ablenkungen habe und mich mehr mit mir selbst und mit anderen Dingen aktiv beschäftige? Ich werde das beobachten.

Mir träumte, ich wäre in meinem Elternhaus. Meine Muter kam rein und erzählte mir, mein Vater habe im Garten etwas Altes gefunden und zwar ,,so Börsensachen. Alte Aktien oder so.''. Ich solle mir das mal ansehen. Mürrisch ging ich nach draupen. Bei den ,,Börsensachen'' handelte es sich um ein altes Telefonregister zum Aufklappen und um einen Brief meiner Eltern an die Zukunft aus dem Jahr 1976. Leider hatte ich kaum Gelegenheit, den Brief in Ruhe zu lesen, denn ständig plapperte jemand dazwischen oder zuppelte am Brief herum. Beim Brief war noch eine Faltbroschüre einer pornographischen Kunstperformance.

Da war ich dann doch einigermaßen überrascht.

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Aufgestanden um zwanzig vor sechs und die Waschmaschinen im Keller angeschmissen.

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Schon seit fast drei Wochen keine Podcasts mehr gehört. Heute habe ich damit begonnen, den Podcatcher auszumisten. Ich will mal wieder ab und an eine Episode hören — allerdings mit Augenmaß, weil ich festgestellt habe, dass ,,Anderen Leuten zuhören'' mich in bestimmten Situationen (z.B. Einkaufen) ziemlich stresst.

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Nach dem Abendbrot eine Runde um die Insel Grafenwerth gemacht. Später Homekneiping mit Freunden via Jitsi. Nette Unterhaltungen über Gott, die Welt und Musik.

Aus dem Netz

Wie man einen Büchertrödel perfekt in Szene setzt

Sehr organisch, das Ganze!

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Kurdistans Landwirtschaft neu starten

Der Blick nach Kurdistan ist für mich — ohne jegliche persönliche Verbindung dorthin — immer wieder faszinierend!

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Ein Rant von Fefe über die Bullshit-Livetickerbefüllung, den ich voll und ganz und ganz nachvollziehen kann.

Samstag, 06.02.2021 bis Freitag, 12.02.2021

Aus dem Leben

Samstag, 06.02.2021

Recht gut geschlafen. Mir träumte, ich hätte Besuch von einer Spezialeinheit. Die Männer trugen schöne, dunkelblaue Uniformen mit Pistolen vor der Brust. Der jüngste von ihnen stieg durch ein Fenster nach draußen, damit er nicht erschossen wird. Später spielte ich am Computer ein Panzerspiel. Ich hielt einen Spielzeugpanzer in den Händen und schoss damit auf die gegnerischen Panzer. Dann zog ich mich schnell zurück und feuerte aus einer anderen Richtung erneut. Danach ein Aufbauspiel: Mein kleines Volk landete an einer fremden Küste und ich musste einen Siedlungsplatz für die Menschlein suchen: Ich versuchte, einen von ihnen mit einer Kreisgeste zu markieren und ihn mit Strg + 1 als Gruppe abzuspeichern. Er sollte nämlich als Späher dienen. Das klappte aber nicht und ich hatte große Angst, ihn bei meinen Versuchen mit dem Finger zu erdrücken. Leider war das Land schon besiedelt. Da die Zeit drängte (wir mussten unsere Zivilisation schnell aufbauen, bevor die anderen Völker mit ihren Panzern angriffen!), pflanzte ich meinen Stamm kurzerhand in einen Blumenkübel.

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Ruhiger ,,Drinnen-Tag''. Bad Tinnef hat sich nämlich genussvoll eingenieselt. Wäsche gewaschen, was mit den Profi-Maschinen im Keller gut geklappt hat.

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Den Ortsnamen ,,Rottbitze'' entdeckt. Kannste Dir nicht ausdenken, sowas!

,,Hey! Wo kommst Du eigentlich her?''

,,Sach' ich nich'!''

Sonntag, 07.02.2021

Mittelgut geschlafen. Mir träumte, meine Eltern und ich wollten in den Urlaub fahren. Ich hatte das meiste meines Krams zusammengepackt und eigentlich sollte ich das Gepäck ins Auto räumen. Gleichzeitig sah ich aber nicht ein, warum ich diese Arbeit ganz alleine machen sollte und wollte weiter fernsehen. Meine Mutter war schlecht gelaunt und putzte hektisch das Haus. Da entschloss ich mich, diese eine Sendung noch zu Ende zu gucken und danach dann doch loszulegen — ich wollte nämlich endlich ans Meer. Dann fiel mir ein, dass ich ja überhaupt keine Unterhosen eingepackt hatte!

Im Fernsehen sah ich, wie der Papst Johannes Paul II. den Segen Orbi et Orbi sprach. Danach sangen er und ein Kardinal ein Kinderlied in der Art von ,,Ob schwarze Menschen, ob gelbe Menschen, ob braune Menschen, weiße Menschen: Alleeeeee Menschen sind Menschen …'' Dabei klopften sie in einer einstudierten Choreographie auf ihre Talare. Zwischendurch wurden immer wieder Sequenzen von schönen Menschen im Schwimmbad eingespielt.

Ich ging zu meinem alten Gymnasium, um mich mit alten Schulkameraden zu treffen. Das (im Traum) traditionelle Kastenfeuer auf dem mit einer Wiese bedeckten Schulhof kokelte so sehr vor sich hin, dass ich es mit Pappe und Karton anfachen wollte. Auf einmal brannte das Gras und ich trat die Flammen aus. T.M. kam hinzu und auch T.T. Ich fragte T.M. nach dem seltsamen Papst-Auftritt aus, aber wusste auch nichts darüber.

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Einen Mitpatienten ein Stück auf seiner Wanderung begleitet. Wir haben uns gut unterhalten. Wieder zurück in der Klinik habe ich weiter am Roman geschrieben.

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Sehr langes Telefonat mit Freund O.

Montag, 08.02.2021

Mittelgut geschlafen. Den Wecker spontan von halb sechs auf halb sieben gestellt. Mein Schlafbedürfnis hier ist riesig. Mir träumte, meine geschiedene Frau und ich wären noch verheiratet und wollten gemeinsam einen Gebrauchtwagen kaufen. Bei einem freundlichen, dicken Autohändler waren wir fündig geworden, hatten aber beide große Angst davor, von ,,Freunden'' und Verwandten dafür ausgeschimpft zu werden, dass wir zu viel Geld ausgeben würden. Schnell wollte ich noch einen Preisvergleich auf dem Smartphone machen (wir saßen schon im Büro des Autohauses für die Vertragsunterzeichnung), jedoch gehörte die Domain gebrauchtwagenpreisvergleich24.de jetzt einem Eiscremehersteller.

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Seitdem ich mit der Hand mein Tagebuch führe, funktioniert auch die Handschrifterkennung auf dem Smartphone besser. Ein seltsamer Zufall!

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Überall Schneekatastrophe und Winterwunderland — nur ist Bad Honnef nicht.

Hier ist Hochwasser.

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Von Terminproblemen auf meinem Therapieplan angenervt. Davon angenervt, dass bei mir alles so langsam geht. Angenervt davon, dass ich gerade so oft Pinkeln gehen muss. Angenervt vom Wetter. Angenervt von mir selber. Angenervt, dass ich noch nicht einmal in Ruhe angenervt sein kann, weil der Reinigungsdude mit dem Staubsauger hinter mir her ist.

Vor dem Staubsauger in den Aufenthaltsraum geflohen und eine Mitpatientin getroffen, die ebenfalls auf der Flucht ist. Da es hier keinen Teppichboden gibt, fühlen wir uns sicher und quatschen nett fast eine ganze Stunde lang.

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Abends einen ebenfalls schreibenden Freund mit der Schöpfungsgeschichte ,,meiner'' Welt beeindruckt.

Dienstag, 09.02.2021

Gut geschlafen. Mir träumte, ich wäre für eine Nacht zu Hause und würde abends in eine Kneipe gehen. Es war sehr gemütlich dort und ich saß in einem der hinteren Räume. Ich trank zwei Bier, dann ging ich mit meinem Deckel an die Theke um zu bezahlen. Kinder belagerten den Tresen, denn sie hatten Gutscheine für Freigetränke. Die Kneipe war gut gefüllt und erst viel zu spät bemerkte ich, dass ich meine Maske nicht aufgesetzt hatte. Das holte ich natürlich sofort nach. Beim Bezahlen fiel mir auf, dass doch wohl vier Bier getrunken hatte — und das, obwohl ich doch am nächsten Morgen ganz früh raus und zurück in die Klinik musste! Also nichts wie ab nach Hause und wacker ins Bett!

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Zur Kapelle gelaufen, dort gebetet und eine Kerze angezündet. Das war sehr schön. Danach bin ich durch das Tretschbachtal gewandert. Alles war kalt und gefroren und wunderschön. Abends hatte ich über 20.000 Schritte gemacht.

Mittwoch, 10.02.2021

Recht gut geschlafen. Mir träumte, ich wäre auf der Arbeit und würde mit einer Videokamera auf Regale und Schränke klettern, um einen Gottesdienst abzufilmen. In der Pause musste ich aufs Klo. Das hatte aber jemand nach Strich und Faden vollgeschissen und noch nicht einmal abgespült. Als ich das nachholen wollte, lief das Klo über. Mir wurde schlecht und ich musste Weinen.

Später saß ich in meinem Büro und aß Kekse aus der Packung. Als die kalorienarmen Kekse alle waren, hörte ich auf, denn ich wollte nicht an die fetten Doppelkekse ran.

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Nach dem ,,Feierabend'' bin ich wieder zur Kapelle. Nach dem Beten öffnete sich plötzlich die Tür und eine ältere Dame kam herein. Sie stellte sich neben den Eingang und schien darauf zu warten, dass ich fertig bin. Da ich mein Zwiegespräch bereits beendet hatte, habe ich noch schnell meine Kerze angezündet und habe mich auf den Weg nach draußen gemacht. Beim Rausgehen haben wir uns stumm und freundlich gegrüßt. Als ich mich an der frischen Luft für den weiteren Weg bereit machte, hörte ich, wie die Frau drinnen ein Kirchenlied anstimmte. Sie hatte eine sehr einfache, aber klare und schöne Stimme. Ich wollte nicht lauschen und ging weiter in den Wald hinein. ,,Jeder auf seine Weise!'' dachte ich.

Donnerstag, 11.02.2021

Unruhig geschlafen. Mir träumte, ich läge im Bett und hätte panische Angst vor Hexen. Gegen Hexen helfen aber Kaffeebohnen, denn die können sie nicht leiden und der Geruch von Kaffeebohnen ekelt sie an. Auf einem Bord über meinem Bett stand die rettende Kaffeedose, doch ich hatte solche Angst, dass ich mich kaum bewegen konnte. Mit eiserner Willenskraft schaffte ich es mit dem Fuß, die Kaffeedose vom Bord zu schubsen und sie zu greifen.

Endlich sicher!

Später wachte ich in meinem Jugendzimmer auf. Es war Sonntagmorgen gegen sechs Uhr und es hatte geschneit. Ich schaute aus dem Dachfenster und beschloss, meinem Vater beim Schneefegen zu helfen.

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Mit schwerem Herzen aufgewacht. Gefühle sind sehr anstrengend.

Momentan mache ich das, was ,,Emotions-Safari'' nenne.

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Das Wiegen heute brachte Erfreuliches: Ich habe weiter abgenommen!

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Ein Satz kam mir in den Sinn, welcher der Beginn einer Kurzgeschichte sein könnte. Mal schauen, ob das noch klappt mit dem Schreiben.

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Nachmittags den Rhein entlang nach Königswinter und zurück gewandert. Eine schöne Bewegung an frischer, klarer Luft. Ich habe viel nachgedacht und Eiszapfen fotografiert.

Abends weiter am Roman geschrieben (der Tod der Roggenmuhme). Die Szene schrieb sich fast wie von selbst.

Freitag, 12.02.2021

Gut, aber mit Unterbrechungen geschlafen. Mir träumte, mein Aufenthalt in der Klinik wäre fast vorüber und mir fiel ein, dass ich ja mit Freund O. in die Niederlande reisen wollte. Er hatte dort ein Ferienhaus und bald, bald würden wir gemeinsam am Hafen sitzen und Bier trinken!

Aus dem Netz

Blogstuff 555

Mal wieder gute Sachen dabei. Z.B.:

  1. Januar 2021. Heute haben wir genau einhundert Corona-Tote in unserem Landkreis. Sieben in der ersten Welle April/Mai, 93 seit Oktober 2020. Nachmittag Schwimmschule.

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Hotline für Berufsempörte

Tja, Twitter halt! ;-)

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Corona in Kurdistan

Noch ein Eintrag von Enno. Money-Quote:

Irgendwie käme in Kurdistan niemand auf die Idee, dort ohne Maske demonstrieren zu gehen. „So blöd können nur Deutsche sein“, lacht der Beamte und ergänzt: „Aber wart ihr nicht mal die klugen Leute? Was ist daraus geworden?“

Auch die Sache mit den Lebensmittelpaketen ist beeindruckend.

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OHNE TONIC IST ALLES GINLOS

Via jawl