KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Dienstag, 11.08.2020

Sensationell schlecht geschlafen. Rumgewälzt, geschwitzt. Ziegelsteine im Kopfkissen, irgendwann Schmerzen im Nacken und in der Schulter. Unmengen Wasser getrunken. Gegen halb zwei ist der Griff von der Tür meines Nachttischens abgefallen, als ich mir eine neue Flasche Mineralwasser herausnehmen wollte. Da musste ich aufstehen, den Griff suchen und ihn wieder anschrauben. Dann zurück ins feuchte Bett. Sporadisch eingeschlafen, aber immer wieder kurz danach wieder aufgewacht. Träume nicht erinnerlich.

Aufgestanden um halb sechs. Habe ich mich trotz des Schlafmangels dazu gezwungen, denn sonst verschiebt sich mein ganzer Tagesablauf nach hinten und das bekommt mir nicht gut. Ich will wenigstens den halbwegs kühlen Morgen mitbekommen. Zügige Körperpflege, dann ab zur Straßenbahn. Beim Treppensteigen am Duisburger Hauptbahnhof Atemnot bekommen. Kann sehr schlecht durch die Stoffmaske atmen. Werde wohl für die Dauer der Hitze auf die Einweg-OP-Masken umsteigen.

Die Bahnen und Züge füllen sich mehr und mehr. In Düsseldorf war in der Straßenbahn ein Mensch von zehn ein Nasenmann, bzw. eine Nasenfrau.

Auf der Arbeit erst einmal einen starken Kaffee gekocht.

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In die Zukunft schauen. Meine Mutter hat mir letztens am Telefon davon erzählt, wie wichtig es doch sei nicht immer nur in die Vergangenheit, sondern auch nach vorne zu schauen. Das klingt richtig, zumal sich ja in dieser Woche mein Leben ganz entscheidend ändern wird. Wenn ich jedoch nach vorne schaue, dann sehe ich dummerweise nichts. Das klingt jetzt hoffentlich nicht fatalistisch oder so, denn so ist es auf gar keinen Fall gemeint. Ich habe bloß nie gelernt, nach vorne zu schauen. Mir eine Perspektive oder eine Vision zu entwickeln. Wahrscheinlich, weil ich mit der Gegenwart und der Vergangenheit eh schon mehr als ausgelastet war. Vielleicht ist das auch eine Erklärung dafür, dass ich so große Probleme habe, bei Dingen (wie zum Beispiel dem Schreiben) am Ball zu bleiben.

Ich denke, ich werde darüber mal nachdenken.

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Googlen, ob es bei Kodi Bettlaken gibt.

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Nach der Mittagspause Suppenkoma. Dann ab 13 Uhr Videokonferenz. Um unser Netz zu entlasten und damit mein Hauptrechner im Büro frei bleibt, nehme ich mit meinem privaten Chromebook an der Sitzung teil. Die nun drei Rechner inklusive meinem Körper heizen den Raum unglaublich auf. Das Mittagessen schwappt im Magen, der Kopf leert sich.

Ich schalte die Kamera aus und das Mikrofon stumm, damit niemand bemerkt, wie ich langsam vor mich hin röchele. Irgendwann ist es vorbei und ich stürze hinaus. Luft! Luft!

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Uns Bibliothekswesen wird von den Vorgesetzten gerne mal unterstellt, wir würden statt den modernen, digitalen Medien doch lieber nur unsere gedruckten Bücher und Zeitschriften vorziehen, weil wir ja so Romantikerinnen und Romantiker sind.

Hier mal eine kleine Anekdote:
Ein Kollege fragt an, ob man eine sehr angesehen IT-Zeitschrift eines sehr angesehenen IT-Verlages nicht statt auf Papier in digitaler Form bekommen könne. Ich sage eine Prüfung zu und frage beim Verlag an.

Die erste Antwort ist vielversprechend: Der Verlag bietet eine Lizensierung über ein Concurrent-User-Lizenzmodell. Damit bezahlt man z.B. 3 gleichzeitige (!) Zugriffe und wenn ein vierter Kollege oder eine vierte Kollegin zusätzlich (im selben Moment!) auf den Inhalt zugreifen möchte, guckt er oder sie in die Röhre und muss warten. Leider funktioniert so ein Zugriff nur über eine Freischaltung der IP-Adresse oder einer IP-Range. Bei uns Landesbehörden geht das aber leider nicht weil wir aus Sicherheitsgründen keine feste IP/IP-Range haben.

Als Alternative gibt es noch ein ,,personalisiertes PDF'' (mit Wasserzeichen), dass dann z.B. per E-Mail an die Leserinnen und Leser verschickt werden kann. Das passt natürlich schön in unsere Workflows und ich bitte um ein Angebot für unsere 30 Leser dieser Zeitschrift.

Momentan bezahlen wir für unsere zwei Printabonnements zusammen ca. 240,- Euro pro Jahr. Die Hefte gehen nacheinander an die 30 Leser (das nennt man ,,Umlaufverfahren'') und werden dann noch eine gewisse Zeit in der Bibliothek vorgehalten.

Für die digitale PDF-Ausgabe für 30 Leser möchte der Verlag über 1.800 Euro netto pro Jahr haben.

Das ist der Grund, warum wir immer Lachen müssen, wenn jemand behauptet, in Bibliotheken wie der unseren könne man mit Digitalisierung doch so viel Geld sparen ...

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Jetzt habe ich Fernweh

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Nach Feierabend mit den Eltern telefoniert und auf dem Balkon gesessen. Mehr ging nicht. War vollkommen erschossen. Gegen 21 Uhr ins Bett.

Montag, 10.08.2020

Nachklapp Wochenende: Hitze, Hitze, Hitze! ,,Tauwetter für Dicke'', wie man so unschön sagt. Sehr viel auf dem Sofa gelegen.

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Hitzebedingt sehr schlecht geschlafen. Viele wirre Träume. Irgendwas von einem Urlaub mit der ganzen Familie (inklusive meiner Eltern und meiner Noch-Schwiegereltern) in einem sehr, sehr großen Haus. Irgendwann wusste ich nicht mehr, welcher Tag es war und wann wir wieder zurückfahren würden. Ich hatte Angst vor der Rückreise, denn wir müssten mit dem Bus durch das fremde Land fahren und dann mit dem Flugzeug weiter. Ich ging hoch und fragte die ganze Runde. Mir wurde gesagt, es wäre Mittwoch und wir würden zum Wochenende nach Hause fahren. Dann bin ich mit meinem kleinen Fahrrad losgefahren und habe auf einem Parkplatz Panzer gespielt, bis ich vor ein paar dort herumlungernden Jugendlichen Angst bekam. Zurück in der Ferienwohnung habe ich vor Heimweh geweint.

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Auf Duisburger Hauptbahnhof hatte ich noch zwei Minuten, um den nächsten Zug nach Düsseldorf zu erwischen. Da der ,,Passantentunnel'', über den ich den Bahnsteig erreiche, recht weit von den Haltepunkten der Züge entfernt liegt, würde es ganz schön knapp werden. Wegen der Hitze und der Maske habe ich meinen Schritt zwar beschleunigt, wollte aber auf gar keinen Fall rennen. Dummerweise überholte mich ein junger, asiatisch wirkender Mann, rannte zum Zug und stellte sich in die Tür, wobei mir mich erwartungsvoll ansah. Aus der Nummer bin ich dann irgendwie nicht mehr rausgekommen und bin dann doch gerannt. Wenn jemand so höflich ist, will ich ihn auch nicht enttäuschen. Beim Einsteigen habe ich versucht, mich zu bedanken, was der Mann mit einer leichten Verbeugung quittierte. Danach wäre ich fast zusammengeklappt.

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Mein Gehirn ist nur noch Brei. Ich müsste auf der Arbeit mal so zwei, drei Dinge angehen, kann mich aber kaum aufraffen. Wenn ich den Arbeitstag überstanden haben sollte, will ich auf dem Balkon sitzen und meine Füße in meine kleine Wanne mit kaltem Wasser stellen. Unbedingt!

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Nachmittags wurde es auf der Arbeit dann doch langsam richtig warm. Bisher haben uns die dicken Mauern und die hohen Decken ein bisschen geschützt, aber die Sonne heizt nun auch unsere schöne helle Bibliothek auf. Ich hänge am Wasserspender.

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Feierabend um halb acht. Einigermaßen gut nach Hause gekommen. Dort Müll runtergebracht, Schweißausbruch galore. Ein paar Sachen am PC erledigt (Updates …) und den Rest des Tages auf dem sich langsam abkühlenden Balkon verbracht.

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Zwei Artikel über die Corona-Verschwörungsmystiker, die ich bei Christian fand (die Artikel, nicht die Mystiker): Agenten unserer Angst und Wie Spiritualität und Verschwörungsmythen zusammenpassen. Dazu passend auch eine mögliche Erklärung von Sascha Lobo, warum Verschwörungsmythen wie ,,QAnon'' die Leute so fesseln.

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Jerusalem macht dich verrückt

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Diese lustige Postillon-Meldung machte meinen Tag

Freitag, 07.08.2020

Mittelgut geschlafen. Mir träumte von einer Fahrt mit Freunden irgendwo hin. Dann war da der Thronfolger, noch ein Kleinkind, der auf seine Mutter wartete und hoffte, sie würde ihm ein riesiges Spielzeug mitbringen. Dann setzte er sich auf den Boden und fing an zu weinen. Er fragte laut unter Tränen ,,Wann??''. Ich fragte nach: ,,Was wann?'' und er antwortete ,,Alles!''. Dann nahm ich ihn in den Arm.

Aufgestanden um acht Uhr und rüber ins Homeoffice. Auf dem Balkon den Sonnenschirm aufgespannt in der Hoffnung, dass so weniger Hitze in die Wohnung kommt. Den Ventilator angeschmissen.

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Der Arbeitstag war heiß und zäh. Feierabend gegen vier. In der Zwischenzeit immerhin noch zwei Maschinen Wäsche waschen lassen (von der Maschine — was glaubt Ihr denn? Dass ich ein(e) Wäscher* beschäftige?). Mittags ,,mal kurz aufs Sofa'' gelegt und prompt eingeschlafen.

Am frühen Abend kam dann der Thronfolger vorbei und wir haben Pizza gebacken, was die Wohnung noch weiter aufgeheizt hat. Geguckt haben wir die ersten zwei Folgen von ,,Hitlers Kreis des Bösen''. Die Serie ist sehr ,,amerikanisch'', aber ich habe doch einiges aus der Frühzeit des Nationalsozialismus erfahren. Später habe ich dann noch den einen oder anderen Kurzfilm des Youtube-Kanals ,,Dust'' angeguckt.

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Ich bin mir unsicher, was ich mit meiner Podcast-Installation machen soll. Ich kann mich da ja nicht mehr einloggen. Die Inhalte irgendwie runterladen, neu installieren und dann alles wieder importieren? Oder einfach eine Neuinstallation machen und die alten Episoden wegschmeißen? Die Feedadresse müsste ja gleich bleiben.

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Verschwörungen: Müller im Kaninchenbau

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Kiki erlebt beim Einkaufen eine Überraschung und die wärmt mir das Herz.

Donnerstag, 06.08.2020

Wecker ausgestellt, länger geschlafen. War doch ein bisschen zu spät gestern. Gegen halb zehn auf der Arbeit (Ein Hoch auf die gleitende Arbeitszeit!). In der Straßenbahn noch mit einer Kollegin aus meinem ehemaligen Ministerium gequatscht, die nach längerer, dienstlicher Abwesenheit wieder im Hause ist. Das war sehr nett.

So langsam heizt die Welt sich auf und ich bin heilfroh, dass ich morgen Homeoffice habe und dann das Wochenende kommt.

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Meine klitzekleine Urheberrechts-Auswertung wurde jetzt an einen ,,befreundete'' Bibliothek weitergeleitet und das macht mich schon ein bisschen stolz. Ich muss aber am Thema dranbleiben und noch etwas hinzufügen, weil mir ein paar Aspekte erst später aufgefallen sind.

Zusammenfassung:
Es ist kompliziert.

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Nach der Mittagspause mal schnell zur ULB Düsseldorf gefahren und zwei überfällige Bücher zurückgegeben. Was sonst eine nette Abwechslung von der Büroarbeit ist, wurde zu einem Hitzestau unter feuchter Maske. Zurück im Büro fast vor dem Monitor eingeschlafen. Danach seltsames Gespräch über Mordfälle.

Feierabend um halb fünf.

Daheim ein bisschen aufgeräumt, die Waschmaschine angeschmissen und Leergut sortiert. Es hat sich unanständig viel davon angesammelt und ich habe gestern damit begonnen, nach und nach leere Einzelflaschen wegzubringen. Wie ich bereits sagte: Leben am Limit!

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Kant und die Rasissmusdebatte

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Mittagessen in der Kantine, bzw. auf der Wiese vor der Kantine. Eine leckere Bratwurstschnecke kroch über meinen Teller und war netterweise langsam genug, dass ich sie fangen und essen konnte. Zum Nachtisch ein Toblerone-Eis.

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Historische Chaostheorie: Die Geburt einer Weltmacht

Oder auch: Was durch Schlesien alles angestoßen wurde.

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Heute vor 75 Jahren fiel die Atombombe auf Hiroshima.

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Ich habe auch so ein Tütchen mit Samen bekommen, sie aber trotz der Warnungen eingepflanzt. Es ist eine schöne, große, runde Pflanze geworden.

Sie heißt Audrey 2.

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Dieter Nuhr und die DFG : ein Drama in 5 Akten

Mai schaut mal schön sachlich auf die ganze Geschichte.

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Pinocchio

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Es wird waaaaarm

Mittwoch, 05.08.2020

#WMDEDGT guckst Du hier.

Erst wollte der Schlaf nicht kommen, dann bin ich aber prima weggeratzt und erst gegen 0 Uhr wieder wach geworden. Ungefähr zwei Stunden Schlaf am Stück sind für mich ja ziemlich viel. Mir träumte davon, ich würde mit Spielzeugpanzern spielen und hätte nicht genügend T-34, um den Durchbruch an der Ostfront nachzuspielen.

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Aufgewacht gegen fünf Uhr, weil der Lichtwecker lichtweckerte. Bis zum Einsetzen des eigentlichen Weckers mit klassischer Musik noch gedöst und das war angenehm. Gut aus dem Bett gekommen und erst einmal geduscht. Dummerweise habe ich mich vom Wetterbericht einlullen lassen und bin ohne Jäckchen nach draußen. Hui, war das frisch! Immerhin hatte ich mein Halstuch dabei. Wider Erwarten den Zug um 6:22 Uhr bekommen.

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«Die Leute kommen nicht besser aus den Gefängnissen raus, sondern eher schlechter und geschwächt»

(Zitat) Solche Ideen gibt es schon lange, und in den Niederlanden oder in Norwegen werden sie teilweise bereits angewandt – mit Erfolg. Eine Mehrheit der Bevölkerung reagiert aufgeschlossen. Das sieht man bei Befragungen in ganz Europa. Bei Vermögens­delikten sagt die weitaus überwiegende Mehrheit, dass es um Schadens­wiedergut­machung gehen soll, um den Täter-Opfer-Ausgleich. Gemein­nützige Arbeit wird für viele Delikte als sinnvoller erachtet als eine Gefängnis­strafe. Wenn es um Drogen- oder Bagatell­kriminalität geht, sagen fast alle, es mache keinen Sinn, diese Leute ins Gefängnis zu stecken. Die Bevölkerung ist weiter, als es unsere Justiz­systeme sind. Natürlich gibt es andere Stimmen, doch sie sind in der Minderheit. (/Zitat)

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Fachwerk reimt sich auf Machwerk!

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Wissenschaftler sind sich endlich einig: Es ist nicht so schädlich, sich an den Mund-Nasen-Schutz zu fassen als ihn sich vor dem Aufsetzen durch die Kimme zu ziehen!

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Corona-Demo in Berlin: Was sind die Forderungen?

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Frühstück in der Kantine und mich mit einem Kollegen und dem Kantinenpächter verquatscht. Es war sehr nett.

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Heute mittag gibt es gleich drei Gerichte in der Kantine, die ich gerne essen würde. Wie schön sich Luxusprobleme doch manchmal anfühlen können!

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What happens when you send a tweet in 2020

Hihi!

(Via Kiki)

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Leute beschweren sich über die Hitze, obwohl es noch morgendlich-kühl ist. Vorausschauendes Jammern!

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Irgendwann bin ich ja mit meinem Chromebook dummerweise in den Entwicklermodus gewechselt und werde jetzt bald mal zurückwechseln. Leider geht das nur mit einem Powerwash, der das Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzt. Tut vielleicht mal ganz gut.

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Abmahnanwälte

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Der Mittagessenkonflikt löste sich ganz plötzlich auf: Eine Kollegin kam in mein Büro und fragte, ob ich eine Pizza mitbestellen möge. Bei Pizza kann ich nicht widerstehen. :-)

Am Nachmittag mein Textlein zu den Auswirkungen der letzten Änderung des Urheberrechtsgesetzes auf unsere Bibliothek zu Ende geschrieben und nun haben wir wenigstens Klarheit.

Zeitig Feierabend gemacht und erst einmal zwei Einkaufstouren gemacht. Danach völlig platt auf dem Balkon gesessen. Abends längeres Telefonat mit Th. und viel zu spät zu Bett.

Dienstag, 04.08.2020

Eher schlecht geschlafen, da mir das Abendessen (das Suvla Feta war dann doch zu schwer), aber das war kein Vergleich zu den schlechten Nächten letztens. Träume nicht erinnerlich.

Erst spät aufgestanden (halb acht) und nach der Dusche schnell los zur Arbeit. Allgemein vermatschtes Gefühl.

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Der Unterschied zwischen Politikern der Linkspartei und Politikern der CDU.

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Kaffee hilft!

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Als ich gestern die Geschichten ,,Zucker'' und ,,Der Schneck'' rausgesucht habe, wurde ich ein wenig wehmütig, weil ich früher so gerne Kurzgeschichten (oder besser: Grotesken) geschrieben habe und mir diese kurze Form doch sehr lag. Irgendwann ist mir das (auch im Zuge der Depression) verloren gegangen. Nun hoffe ich auf ein wenig Inspiration (ohne geht das bei mir nicht) und hätte große Lust, mal wieder so etwas zu schreiben.

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Meine extrem schwere Kindheit

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Eine besondere Beziehung: Die Freundschaft nach dem Schuss

Mit dem Terror der RAF hatte man mit meinem Geburtsjahrgang ja nicht so viel zu tun. Ich erinnere mich natürlich noch gut an die Fahndungsplakate in Postämtern und an Bahnhöfen. Auch sah man im linken Kontext noch ab und an einen vergilbten ,,Zusammenlegung jetzt!''-Sticker irgendwo kleben. Die verlinkte Geschichte rührt über einen RAF-Terroristen und einen niederländischen Polizisten, die seinerzeit aufeinander geschossen haben, aber danach Freunde wurden, rührt mein Herz.

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Die Wikipedia schaltet wieder ein Bettel-Banner. Ich erwähne das hier nur wegen der schönen Alliteration.

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Den Nachmittag habe ich mich mit den Untiefen des Urheberrechts befasst. Die letzte Änderung des Gesetzes ist von 2018 und ziemlich seltsam: Einige Dinge wurden vereinfacht, man hat den Verwertungsgesellschaften aber auch ein paar Hintertürchen eingebaut, damit sie bei Institutionen wie Bibliotheken und Museen abkassieren können.

Abendbrot mit lecker Kniften. Auf Youtube ein paar Science-Fiction-Kurzfilme geguckt. Besonders gut gefallen hat mir ,,Heretic''. Besonders die ,,Eule'' finde ich faszinierend.

Gegen halb zehn ins Bett.

Montag, 03.08.2020

Nachklapp Wochenende: Ich habe ein sehr, sehr schönes Wochenende in Hameln verbracht. Die Stadt ist sehr schön (Altstadt! Fachwerk!) und mein Gastgeber und seine Familie sind sehr gastfreundlich. Am Samstag wurde ich durch die Stadt geführt und später haben wir K3 noch zwei Leute getroffen, die ich bisher nur vom Homekneiping via Videokonferenz kannte. Ein toller Abend!

Sonntag ging es gegen Mittag nach Duisburg zurück. Die Rückfahrt habe ich dösend verbracht.

Daheim das wöchentliche Telefongespräch mit Freund O. Wir haben über ernste Themen gesprochen und uns gegenseitig darin bestärkt, dass jeder für sich auf dem richtigen Weg ist (das klingt jetzt natürlich sehr sibyllinisch, aber detaillierter geht es leider nicht).

Abends dann Pizza und Youtube und es ging zeitig ins Bett. Ich war doch ein klein wenig müde. :-)

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Die Nacht von Sonntag auf Montag war ungewöhnlich schlafreich. Die Träume waren sogar für meine Verhältnisse unsinnig und teilweise sogar regelrecht albern: Mir träumte, ich säße mit einem Freund (ich habe vergessen, wer es war) an einem Schreibtisch in einem Park und wir bekamen einen großen Aufkleber darauf. Ich glaube, wir waren ein Zwergstaat. Dann ging Frau Dingsbums aus der Fachabteilung herum und wir stellten unser Projekt vor. Zur Belohnung für unsere Arbeit sollten uns die zwei sehr attraktiven Assistentinnen von Frau Dingsbums in der Sauna einen Aufguss bereiten und ich fürchte, wir waren von der Aussicht, mit den beiden Schwitzen zu gehen, irgendwie so gefesselt, dass wir uns äußerst seltsam benommen haben (von hier aus ein ,,Sorry!'' in Richtung der Assistentinnen).

Später sahen wir einen Zombiefilm und die Leute in dem Film hatten so sehr Angst vor den Zombies, dass ich mich nach einer Waffe umsah, aber nur einen Tortenheber fand.

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Obwohl ich früh wach und frisch war, bin ich bis sieben Uhr liegen geblieben und zwar einfach deswegen, weil es so schön war. Gemütlich aufgestanden, mich fertig gemacht und den Rucksack gepackt. Die Sonne schien und die Welt schaute freundlich.

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Beim Lesen dieses Blogeintrags von Christian fiel mir die Formulierung ,,Wir sind ja nicht aus Zucker!'' auf und erinnerte mich an diese kleine Geschichte, die ich vor vielen Jahren mal schrieb:

Es war den ganzen heiß gewesen und die Sonne hatte unbarmherzig auf die kleine Stadt hinunter gebrannt.

Nun hatten sich dunkle Wolken vor die Sonne geschoben und die Luft war feucht und elektrisch aufgeladen. Die Milch in den Kühlschränken wurde sauer und der Kellner stellte hastig die Tisch ins Innere des kleinen Straßencafés. Ein starker Wind kam auf. Er brachte die Tischtücher zum Flattern, doch er brachte keine Kühlung.

Ein Mann betrat den Platz, doch der Kellner hatte viel zu viel mit den Tischen und den Tischdecken und den Aschenbechern und den Servietten zu tun als dass er sich darüber wunderte, warum der Mann trotz der Hitze einen langen Wintermantel trug. Auch die Kinder beachteten ihn nicht, denn die Mütter hatten laut und besorgt nach ihnen gerufen.

"Aus Zucker! Wir sind doch nicht aus Zucker!" lachten die Kinder ihre Mütter aus, liefen aber trotzdem schnell an dem Fremden vorbei nach Haus.
Der Wind nahm zu und die Menschen schlossen Türen und Fenster und die Läden davor. Der Mann jedoch ging langsam bis zur Mitte des Marktplatzes. Da hörte der Wind auf zu Pusten und es wurde für einen Moment ganz still. „Plack!“ machte ein dicker Regentropfen auf dem staubigen Straßenpflaster.

„Plack!“
Noch einer.
„Plack!“
Noch einer.

Die Regentropfen malten ein Leopardenmuster auf den Marktplatz. Der Fremde öffnete seinen Mantel und ließ ihn von den Schultern gleiten.
Unter dem Mantel war er vollkommen nackt.

„Plackplackplackplack!“

Immer mehr dicke Tropfen fielen aus den dunklen Wolken am Himmel und auch viele von ihnen trafen den nackten Mann mitten auf dem Marktplatz der kleinen Stadt.

Jeder der Regentropfen hinterließ ein tiefes Loch in der Haut des Mannes.
Er lächelte selig und breitete die Arme aus.
Der Regen wurde stärker und stärker. Inzwischen goss es in Strömen und je mehr Wasser ihn traf, desto mehr löste er sich auf. Sein linker Arm war schon ganz dünn und durchlöchert und fiel ab, der rechte Arm folgte seinem Bruder schon nach wenigen Augenblicken. Der Mann wurde kleiner und kleiner und immer mehr von ihm floss mit dem Regen davon über den Platz,
in den Gully,
durch die Kanalisation,
in den Fluss,
bis ins Meer.

Kurz bevor sein Kopf verschwand, formten die Lippen des Mannes noch ein tonloses Wort:
„Zucker.“

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Was ist Suchtverlagerung?

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Heute habe ich einen sehr lustigen Nachnamen gelesen und musste fast lachen. Weil ich es aber armselig finde, über anderer Menschen Namen zu lachen, schreibe ich ihn hier natürlich nicht hin.

Lustig war es trotzdem.

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Mittagspause am Rheinufer im Schatten des Landtags. Dort habe ich eine Postkarte an A. geschrieben. Das Leben ist schön.

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Am frühen Abend mit dem Thronfolger bei Angelos Café gegessen. Es war mal wieder sehr lecker. Daheim dann großer Ärger: Ich kann mich in meine Installation des Podcast Generators nicht mehr einloggen. Selbst ein Reset des Passwortes hat nicht geholfen. Wahrscheinlich werde ich den Podcast wohl einstampfen müssen. :-(

Freitag, 31.07.2020

Nach ein paar Einschlafproblemen (zu lange aufputschende Musik gehört) ging es dann doch ganz gut mit der Nacht. Mir träumte, ich wäre auf einer Hochzeit eingeladen und mein alter Freund J. wäre auch dort. Zur Feier hin bin ich aber mit jemand anderem. Dort wurden alle erst einmal einander vorgestellt, auch die beiden noch recht jungen Burschen, die ich irgendwie noch aus meiner Schulzeit kannte und welche die ganze Zeit dicke Jacken trugen.

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Aufgestanden gegen halb sieben. Nach der Dusche auf der Arbeit eingeloggt. Stimmung gut. Der Rucksack steht gepackt im Schlafzimmer und gegen halb zwölf werde ich hier die Schotten dicht machen, meine Wasserflaschen füllen und gen Hameln aufbrechen, um Lars zu besuchen. Die Vorfreude rast knisternd die Nerven rauf und runter.

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Ein bisher unterschätzter Vorteil des Homeoffice: Man kann während der Arbeit laut und schief singen!

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Obwohl der Zug nach Paderborn (dort fand der Umstieg nach Hameln statt) eigentlich Verspätung haben sollte, war er pünktlich — Sachen gibts!

Mein Tipp für Bahnreisende an heißen Tagen: Auch wenn es widersprüchlich klingt, sollte man sich ein Jäckchen oder ähnliches mitnehmen. Einige Züge (z.B. die neuen RRX-Züge im VRR) sind sehr gut klimatisiert und nachdem man seine Hitze abgestrahlt hat, kann es ganz schön kalt werden im durchgeschwitzten T-Shirt.

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Die Zugfahrt zum Romanschreiben genutzt. Endlich mal wieder!

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Zugteilung in Hamm. Der Traum eines jeden Comedians. Zugteilung! Hahaha!

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Zugfahrt gingganz gut voran. Schreiben auch. Bis Hamm ein Minikapitelchen geschafft (naja, die immerhin Hälfte). Die Mund-Nase-Maske nervte nicht so sehr wie befürchtet.

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Lars hat mich am Bahnhof in Hameln abgeholt und wir haben einen gemütlichen Abend auf seiner Terasse gesessen und hatten ordentlich Gelegenheit, die Wespenvergrämung mittels Sprühflasche zu testen.

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Bei Frau Brüllen das Wort ,,Wickelfisch'' gelesen und es erst einmal googlen müssen. Das ist eine wasserdichte Tasche, damit man beim Schwimmen seine Wertsachen trocken mit ins Wasser nehmen kann. Coole Idee! Außerdem ist das Wort wunderschön.

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Caasn hat eine freundliche Verwandtschaft

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Noch Spaß mit Homöopathie

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So eine gewisse Zeit auf einer Leuchtturminsel würde ich auch gerne mal verbringen!

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Schöner Kurzfilm

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Arbeiten im Startup