KieselBlog

Flusskiesels Notizen

Baal

Baal

Mir träumte, ich wäre an der Hochschule in der Stadt nahe der Küste.

Der alte Magier führte mich in das Gebäude aus Glas. Dort zeigte er mir die Schale mit der Asche des Propheten. Sie stand auf einen kleinen Tisch neben einem kleinen Schwimmbecken. Die Wände waren aus Glas, die Decke des Raumes waren ebenfalls aus Glas.

Wir standen draußen vor den Scheiben und schauten hinein.

Da traten die Schweden in ihren langen schwarzen Mänteln und mit ihren schwarzen Melonen auf dem Kopf hinzug und betraten den Raum.

Sie versammelten sich und die Schale mit der Asche und berieten. In mir stieg das panische Gefühl hoch, dass die Schweden gleich etwas sehr, sehr Dummes tun würden -- und tatsächlich: Einer von ihnen nahm die Schale vom Tisch und schüttete ihren Inhalt in das Schwimmbecken.

Ein Riss ging durch meine Seele und das Wasser im Becken begann zu Brodeln. Ich rannte weg und ein junger Mann im weißen Hemd folgte mir spontan.

Wir strebten dem Ausgang zu und mehr und mehr Menschen schlossen sich uns an. Nahe der großen Tür saßen junge Studentinnen und tranken Kaffee. "Raus hier! Schnell raus!" schrie ich. "Warum?" fragte mich eine der Frauen. „Weil etwas Schreckliches geschehen wird!" war die einzige Antwort, die mir einfiel.

Der junge Mann und ich rannte, rammten, rannten.

Es ging quer durch den Duisburger Landschaftspark Richtung Meer. Auf den Halden versammelten sich Menschen und sie blickten ängstlich und erwartungsfroh zugleich in Richtung der schwarzen Rauchwolke, die nun aus der Hochschule in den Himmel stieg. Der junge Mann war ebenfalls neugierig, doch ich trieb ihn panisch so lange weiter, bis wir in der Nähe der großen Mauer waren, welche den Strand vom Festland trennte. Hier standen hohe Säulen mit einem Laufgitter oben auf den Enden im Sand. Wir hielten an und stiegen eine Metalltreppe seitlich der Säulen hinauf. Oben standen schon viele Menschen und einer von ihnen versuchte sogar, uns Eintrittskarten zu verkaufen. Wir ignorierten ihn und stellten uns in die Reihe der Schaulustigen.

Der Anblick war schrecklich: An der Stelle, an der vorher die Hochschule gestanden hatte, war ein schwarzes, qualmendes Loch und Mensch liefen schreiend vor der Gestalt weg, die sich aus der Tiefe erhob: Baal, der Verschlinger!

Baal war mindestens 30 Meter hoch und sein androgynes Gesicht wäre fast schön, wären da nicht die Widderhörner, welche aus Schläfen lugten sowie die zwei dunklen, ausgefransten Höhlen, wo eigentlich Augen hätten sein sollen.

Baal bückte sich und hob mit der rechten Faust ein Bündel zappelnder Leiber hoch und stopfte es sich in das Maul.

Das Schlimmste jedoch war, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, er würde mich dabei aus seinen toten Augenhöhlen über die nun brennende Stadt ansehen.

Diesen Druck hielt ich nicht aus und ich rannte die Treppe hinunter. Der junge Mann im weißen Hemd wollte mir nicht folgen und lieber weiter der Vernichtung der Stadt zusehen und so ließ ich ihn zurück.

Unten angekommen, entdeckte ich eine Lücke in der Mauer zum Strand und ging hindurch. Kurz entschlossen lief ich nach links in Richtung Westen. Wenn ich mich an der Küstenlinie orientierte würde ich mich, so hoffte ich zumindest, in einer möglichst gerade Linie von Baal entfernen können. Es war ein Wunder, dass ich eine solche Puste hatte, so schnell kam ich zur nächsten Stadt. Hier verirrte ich mich kurz in den menschenleeren Straßen und stolperte in einen Park am Rande der Stadtmauer. Hier traf ich eine junge Joggerin, die ebenfalls auf der Flucht war.

Gemeinsam fanden wir den Weg zur Küste wieder und rannten gemeinsam in den Sonnenuntergang.