26.11.2019: Maritime Gefühle

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Maritime Gefühle


Obwohl wundermüde, konnte ich nicht einschlafen. Irgendwann sank ich für kurze Zeit in den Schlaf und träumte schlimme und schwere Träume. Immer wieder musste ich aufstehen und mich wieder hinlegen.


Mir träumte, es war Alumnitreffen von der alten Schule und alles sehr turbulent: Eigentlich wollten mein alter Freund T. und ich einen Podcast vom feierlichen Einmarsch der Kameraden in das Haus im Wald aufnehmen, doch dann gab es einen Zwischenfall bei der Hasenjagd und wir gerieten ins Kreuzfeuer zweier verfeindeter Waidmannsclans.

Doch wir konnten das Waldhaus kriechend sicher erreichen. Obwohl alles für die Feier bereit war, mussten sie alle plötzlich noch einmal schnell weg und jemanden abzuholen oder um etwas zu besorgen. Nur X. und ich blieben zurück und warteten im Büro auf die Rückkehr der Kameraden. Wir sprachen nicht, niemand traute sich, etwas zu sagen. Ich hockte in einem Ledersessel und suchte in meinem Laptop nach Texten, denn ich sollte am Abend noch etwas vorlesen. X. saß am Schreibtisch und malte.

Sie sah wunderschön aus, wie sie da saß und mit Buntstiften auf dem Papier Kreise zog. Mein Herz war weh und ich war voller Scham für meine Gefühle, voller Scham wegen allem.

Irgendwann konnte ich Stille nicht ertragen und ich fragte sie: ,,Was zeichnest Du da?''

Wider Erwarten lächelte sie und zeigte mir ihr aktuelles Bild. Ich stand auf und ging zu ihr hinüber und setzte mich neben sie. Ihr Lächeln blieb und ich war voller Freude. Sie hatte einen Sumoringer gezeichnet und malte ihn nun aus. Der Sportler war sehr gut gelungen und das sagte ich Ihr auch. Dann sage ich zu Ihr:
,,Ich möchte mich bei Dir entschuldigen. Dafür, dass ich damals weggelaufen bin. Ich habe mich geschämt und ich war voller Angst.'' ,,Ist schon gut. Jetzt bist Du ja nicht weggelaufen.'' ,,Lass uns doch ein wenig unterhalten. Wir kennen uns doch eigentlich überhaupt nicht.''
,,Möchtest Du das wirklich? Zu mir gibt es nicht viel zu erzählen. Ich bin wie ein Buch, dass von Schicksal umgeblättert wird. Ich weiß nicht, wo ich heute schlafe und mit wem ich heute schlafe. Ich weiß nicht, was als nächstes geschieht.''
,,So wie ein Blatt im Wind?''
,,Nein!''
X. sah mir nun direkt in die Augen. Dann geschah das Unglaubliche und sie küsste mich auf den Mund. Es war wie im Himmel. Dann überschattete sich ihr Blick und sie stand auf. Sie ging zu einer Sitzbank auf der anderen Seite des Raumes und setzte sich dort hin.

Sie sah unendlich traurig aus.

Es gibt ihn nicht, den Himmel auf Erden!


Mir träumte, ich würde bei einer Unternehmensberatung arbeiten: Viel zu tun, viel Action, viel Verdienen, viel Erleben! Auch wenn ich noch nicht lange in der Firma war, hatte ich ein großartiges Gefühl für die Zukunft!

Doch auf einer Incentive-Wanderung mit der ganzen Firma kam mir ein schrecklicher Verdacht. Mir wurde klar, warum die meisten anderen Mitarbeiter der Firma gerade die Nächte so gut durcharbeiten konnten und warum sie so gut wie nie etwas aßen:

Waren unsere Kollegen Vampire?

Der junge M. teilte meinen Verdacht und wir versuchten, die Wanderung für einen Beweis zu nutzen. Konnten die Kollegen durch das Sonnenlicht laufen? Konnten sie den lauten Klang des Vater-Unser ertragen? Wie reagierten Sie auf meine Knoblauchfahne?

Irgendwann schien es den anderen zu bunt und sie klärten uns auf: Ja, sie waren allesamt Vampire und wir würden auch zu welchen werden! Die ganzen Geschichten über Kreuze, Knoblauch und Holzpflöcke seien doch nur Ammenmärchen -- gegen Vampire half nur ein Schuss in den Kopf!

Irgendwann später lief ich fort, als ich sah, wie M. mit einer halbautomatischen Pistole im Anschlag die Firma betrat. Ich rannte und rannte und irgendwann konnte ich nicht mehr und blieb stehen und um mich herum waren die Vampire in ihren schönen Anzügen und Kostümen. Glücklicherweise hatte ich auch mich bewaffnet und zog meinen 45er Colt -- vielleicht wirklich ein Museumsstück, aber gut in Schuss und mit einer ziemlichen Feuerkraft.

Die Vampire bildeten einen Kreis um mich die ätherische Viezechefin sagte: ,,Hab keine Angst! Wir tun Dir nichts!''

Ich glaubte ihnen kein Wort und tatsächlich kam die junge Kollegin aus dem Vertrieb auf mich zu und zeigte ihre Zähne. ,,Es tut mir leid!'' sagte sie ,,Ich habe solch einen Hunger!''

Ich schoß und verfehlte sie.

Ich schoß noch einmal und noch einmal und noch einmal.

Die vierte Kugel traf und zerfetzte ihren Schädel.

Noch zwei Kugeln in der Trommel! Ich klappte die Trommel auf und begann, nachzuladen -- immer mit einem Blick auf die mich umzingelnden Feinde. Welche Patrone war noch neu und welche schon benutzt? Wie viele Patronen hatte ich in der Hand. Meine Hände zitterten vor Panik.

Die Vizechefin trat vor mich und nahm mir die Waffe aus der Hand. Sie drehte sie um und der Lauf zeigte nun auf meine Brust. Dann ließ sie die Trommel einschnappen, nahm mit der einen Hand (sie war warm) die meinige und legte dort mit der anderen Hand den Revoler zurück.

Sie lächelte mich an und wunderschön war sie anzusehen.

Nach einem Augenblinzeln waren sie alle verschwunden.


Die Träume von letzter Nacht wehen noch nach in meinem Kopf. Ich kann gerade den Traum vom Ehemaligentreffen aber inzwischen ganz gut einordnen: Da hat mein Unterbewusstsein ein paar Dinge auf eine Art und Weise vermischt, die mir viel zu sagen hat. Die im Traum eine so wichtige Rollen spielende X. (eigentlich meine große Jugendliebe) scheint mir in Wirklichkeit aus mehreren Personen zu bestehen. Vor allen Dingen die Sätze ,,Ich bin wie ein Buch, dass von Schicksal umgeblättert wird. Ich weiß nicht, wo ich heute schlafe und mit wem ich heute schlafe.'' weisen auf eine andere Person hin.


In der Telepolis wird das Schreckgespenst der Negativzinsen an die Wand gemalt und ich fürchte mich.


Weitsicht mit Gleitsicht

Weltenbühne-Tag