KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2022-08-28 Sonntag - Autoland Balkonien

Guter Nachtschlaf.

Mir träumte, ich hätte meine schriftliche Abiturprüfung in Englisch. Wir Schülerinnen und Schüler versammelten uns in einem hellen Raum. Als Herr Dr. S. die handgeschriebenen Aufgabenzettel verteilte (jeder bekam zwei ganz individuelle Aufgaben zur Auswahl), musste ich dringend aufs Klo und meldete mich. Ich durfte noch schnell los und verließ den Klassenraum. Als ich über den vollen Pausenhof lief, sah ich noch andere Prüflinge und befürchtete, man könne uns zusammen sehen, denn wie jeder weiß, darf immer nur ein Prüfling alleine zur Toilette, sonst ist die gesamte Prüfung ungültig!

Doch als ich wieder im Klassenraum ankam, war dieser leer. Auf meinem Tisch lag ein Zettel von Dr. S.

Auf diesem stand: ,,Alle anderen mussten auch aufs Klo! Prüfung wird etwas nach hinten geschoben! Der Terminator sitzt in Raum 12. Bitte besuchen Sie ihn! Gruß, S.''

Ich ging sofort in die kleine Kammer mit der Nummer 12 direkt nebenan. Dort saß Dr. S. vor einem Stapel Papier. Er zeigte mir ein Stück herausgerissenes Zeitungspapier. Ich laß vor: ,,Lieber Markus, ich sende Dir diese Nachricht über die Schulpost. Mir geht es nicht gut: Diana, meine Geliebte, ist schwanger, will aber nicht aufhören, Drogen zu nehmen. Auf bald! Dein, M.''

Dr. S. saß mich lange und eindringlich an. Dann mahnte er mich eindringlich, meinen Freund M. nicht alleine zu lassen, mich um ihn zu kümmern. Ich konnte nur nicken. Gerne hätte ich so etwas gesagt wie: ,,Sicher! Aber erst möchte ich meine Prüfung überstehen!'', konnte aber nur schamvoll nicken.

Nur nicken.

Zurück im Klassenraum verteilte Dr. S. die Aufgabenzettel weiter. Ich hatte zur Auswahl:

,,What are the excuses of the Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG)?'' und ,,Torsten Sträter wants to put a love letter into the jacket of the girl you love and he asks you, where this jacket hangs. What do you do?''

Ich entschied mich für die Liebesaufgabe, denn wenn ich mein Herz berühren kann, fließen die Worte von ganz alleine. Dr. S. kam noch mal an meinen Tisch und machte den Vorschlag, bei M.'s Motorrad (er fuhr eine schwere Maschine) einen ,,Stockholmer'' zu machen. Verwirrte zuckte ich mit den Schultern. Was ist ein ,,Stockholmer''?

Man erklärte mir, dass man mit einem Stockholmer ein Motorrad überall hin verfolgen konnte. Auf diese Weise könnte ich meine Pflicht, auf M. in dieser schweren Zeit besser aufpassen.

Ich nickte noch einmal und widmete mich meiner Klausur.

* * *

Aufgestanden gegen 10 Uhr. Fühle mich frisch und fröhlich. Die Sonne scheint und es ist nicht heiß! Ich kann wieder etwas besser auftreten und die Cicalfate-Salbe hat auch gegen die leicht ekligen Hautirritationen geholfen.

Die Stimmung ist ganz gut, würde ich sagen!

* * *

Ich lese einen Artikel über die katastrophale Hitzewelle in China und die gute Laune verfliegt. Vielleicht sollte ich sonntags besser überhaupt keine Nachrichten mehr konsumieren!

* * *

Ein lesenswerter Artikel von Stefan Anpalagan: Die Bundeswehr wurde nicht kaputtgespart. Nur habe ich nicht verstanden, wer denn so etwas behauptet:

Manch einer weiß auch, wer an alledem schuld ist: Die Linken. Die Pazifisten. Die Studenten. All die langhaarigen Öko-Arschlöcher, die unsere Bundeswehr auf dem Gewissen haben.

Jeder weiß doch, welche Parteien in den letzten Jahrzehnten die Regierung gestellt haben!

Außerdem: Den Eindruck zu erwecken, dass die Materialmängel der Bundeswehr z.T. auch darauf zurückzuführen sei, dass Nazis Munition und Ausrüstung gestohlen hätten. Fahren die jetzt mit Panzern durch die Gegend?

Sicher ist ein großer Teil des Mangels hausgemacht (wobei man da scharf zwischen der Bundeswehr, dem Bundesverteidigungsministerium und dem Beschaffungsamt der Bundeswehr unterscheiden sollte!), aber das Einstreichen der ,,Friedensdividende'' war meiner Meinung nach ein ,,Kaputtsparen'', wenn man es überspitzt ausdrücken will: Will man eine Armee haben, die ein Land wie die Bundesrepublik effektiv verteidigen kann, dann kostet das nun mal eben eine unglaubliche Menge Geld.

Ein paar Beispiele: Schweres Gerät wie Panzer stehen unter einer sehr großen physischen Belastung, die im zivilen Alltagsleben kaum vorkommt. Unsere Autos sind nämlich in der Regel wunderbar wartungsarm.

Damit ein Panzer im Feld nicht plötzlich ausfällt werden im Idealfall bestimmte Teile nach einer gewissen Zeit / Fahrleistung auf Verdacht ausgetauscht. Das kostet richtig Geld (nicht nur das Ersatzteil, sondern auch die Arbeitskraft und die Vorhaltung der entsprechenden Infrastruktur), ist aber letztendlich billiger als wenn ein Panzer im Feld abgeschleppt werden muss oder -- befindet er sich im Gefecht -- aufgegeben und als Totalverlust abgeschrieben werden muss (wir gehen jetzt mal davon aus, dass die Besatzung in rechtzeitig verlassen kann).

Das Beispiel wird noch deutlicher, wenn man fliegendes Material anschaut: Geht bei einem Eurofighter im Flug ein wichtiges Teil kaputt, kann es zum Absturz kommen.

Diese ganze Infrastruktur hat man ,,outgesourced'' oder einfach so platt gemacht. Ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, wo die Bahnbetriebswerke eingedampft worden sind.

Das selbe Muster, allüberall.

Trotzdem ein sehr guter Artikel! :-)

* * *

Endlich kann ich wieder ein wenig mehr für den Haushalt tun, muss mich aber immer wieder bremsen, denn für den Fuß und den Rücken wird es schnell zu viel.

Am Nachmittag kommt mir der Gedanke, dass ich auch mal etwas tun kann, was nicht oben auf der Todo-Liste steht, sondern etwas, was ich tun möchte. Nach einer Pause grabe ich meine toten Balkonkästen um. Wegen meines Fußes habe ich die nämlich in der Hitzezeit nicht gegossen und da lebt nun nichts Sichtbares mehr. Ich streue lange abgelaufene Basilikumsamen in die Erde und gieße tüchtig. Vielleicht wächst davon ja etwas, damit ein wenig grün auf meinen Balkon kommt. Sommerblumensamen habe ich auch bestellt -- in dem Bewusstsein, dass es auch für die ein wenig spät ist.

* * *

Fritz Tietz (ja, der Typ von ,,Kowalski''!) hat ein tolles Feature zum ,,Autoland Deutschland'' gemacht:
Zu viele, zu schnell

Große Hörempfehlung!

* * *

Den frühen Abend verbringe ich im Schlafanzug auf dem Balkon. Endlich kann man es aushalten!

Zeitig zu Bett.