KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2022-07-23 Samstag - Am Abend ein Rant

Sehr schlechte Nacht voller Schmerzen. Ich kratze meine letzten Schmerzmittel zusammen, um sie auszuhalten. Auch die eine Kühlkompresse legte ich auf den gebrochenen Fuß. Vor allen Dingen Letzteres half.

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Mir träumte, ich säße mit meinen Eltern in Düsseldorf auf dem Burgplatz. Mein Handy klingelte und am anderen Ende der Leitung (schreibt man das noch so?) war der Wirt der ,,alten Post'' und fragte mich, ob ich nicht mal wieder in der Gegend wäre. Mein letzter Besuch sei doch so schön gewesen. Ich grübelte nach, welche ,,Post'' der Wirt meinen könne -- gab es da nicht mal so eine niedliche, kleine Eckkneipe in Duisburg-Ruhrort, wo ich mal einkehrte und mich so nett mit dem dortigen Wirt unterhalten hatte?

,,Nein!'' meinte da der Mann am Telefon ,,Die 'Alte Post' ist in Düsseldorf! Direkt neben dem 'Cinema 8'!''

Da kam mir nach und nach die Erinnerung wieder an einen Abend, wo ich mit Freunden spontan in dieses Brauhaus gegangen war. Da hörte ich plötzlich die Stimme nicht nur im Telefon, sondern auch hinter mir. Ich drehte mich um und da saß der Wirt der ,,Alten Post'' auf einem Waschbeton-Poller.

Es gab ein großes Hallo -- allerdings fühlte ich mich schon ein wenig seltsam, meinen Eltern einen Kneipenwirt vorzustellen, den ich kaum kannte.

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Aufgestanden um sieben Uhr. Die Schmerzen im Fuß sind erträglich. Auf dem Rollhocker hockend koche ich Kaffee, dann setze ich mich an den Küchentisch. ,,Dank'' der Schmerzen fällt es mir nun immer leichter, an Krücken zu Laufen, ohne den rechten Fuß zu belasten.

Schulter-, Rücken- und sogar die Po-Muskulatur sind irgendwie verspannt. Ich versuche, sie durch vorsichtiges Dehnen zu beruhigen.

Während ich blogge, lasse ich zur Untermalung auf dem iPad einen Musik-Podcast laufen. Durch die relativ großen Lautsprecher des iPad klingt das ganz ordentlich.

Der Frühstückskaffee schmeckt sehr gut. Auf feste Nahrung habe ich noch keinen Appetit.

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Heute habe ich auf meinem Windows-PC den Zwischenablage-Manager (Windows + V) entdeckt! Das ist aber mal praktisch!

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Das Bein hochgelagert.

Ausgelesene Bücher, wie tote Fliegen.

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Dinge fallen mir aus der Hand, poltern übereinander. Wie ein Kleinkind brülle ich vor Zorn.

Wie soll in einer derart zerfallenden Hülle je ein gesunder Geist wohnen?

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Ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Besser, ich nehme die Situation so an wie sie ist als dass ich später an ihr verzweifele. Das Hochlagen des Fußes hilft. Ich erledige ein paar Papierkrandinge und schaffen sogar, im Sitzen auf dem Rollhocker ein Essen aus Resten zu kochen.

Danach höre ich ein Krimi hörbuch von Kai Magnus Sting -- eine der wenigen Krimis, du mich unterhalten.

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Ich höre im Radio einen Kommentar zum nicht funktionierenden Ringtausch mit schweren Waffen: Die östlichen Verbündeten leeren zugunsten der Ukraine ihre Depots und die Deutschen halten ihre Versprechungen, moderneren Ersatz zu liefern, nicht ein.

Der deutsche Wappenspruch lautet leider seit Jahrzehnten "Wasch mir den Pelz, aber mach' mich nicht nass!"

Immer schön nur an sich denken und auf Kosten anderer überall durchwieseln!

Ich habe für unsere korrupte politische Klasse nur Verachtung übrig -- und für die konsumgeile deutsche Öffentlichkeit ebenso: Glauben die alle wirklich, dass in einem der reichsten Länder der Welt die armen Menschen im Winter erfrieren müssen? Das wird -- mit Ausnahme der FDP - doch niemand zulassen!

Also sollte die deutsche Öffentlichkeit mal ihre Gas-Angst abwischen und ein bisschen tapferer sein! Den Griechen haben ,,wir'' nach der Finanzkrise doch auch zugemutet, zu frieren oder schlichtweg zu ersticken.

Aber da ging es ja auch um ,,unser'' Geld, nicht wahr (in Wirklichkeit ging es um das Geld der deutschen Großbanken)?

Heute sah ich das Foto eines ukrainischen Vaters, der fassungslos die Hand seines toten Sohnes hält.

Was sollen ,,wir'' diesen Vater sagen? Warum hilft Deutschland er Ukraine nicht wirklich?

„Aber Malle ist doch nur einmal im Jahr!"??

Vielleicht hatte Rainald Grebe doch Recht, als er sang:

„Ich stehe hier im Wellness-Hotel und habe das Gefühl: sechzig Jahre Frieden sind zu viel !"

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Ich habe mich wieder beruhigt. Ich liege da, höre beruhigende Musik und lese. Mir wird klar, wie wichtig es gerade jetzt für mich ist, geistig klar zu sein: Falls mein Fuß operiert wird, werde ich noch länger noch weniger laufen können.

Diese Zeit wird noch schlimmer werden als die jetzige und da brauche ich so viel innere Kraft wie ich bekommen kann.

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Buch ausgelesen.