KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2022-06-22 Mittwoch - NOVA

Relativ gute Nacht. Mir träumte, ich solle den Keller aufräumen und ich war neugierig auf den dort gelagerten weiblichen Androiden -- vielleicht könnte man damit ja nützliche oder lustige Dinge anstellen!

Ich war dann aber doch überrascht, dass der Android nicht etwa wie Mathilde Dosenfänger aus „Dr. Snuggles" aussah, sondern fast wie ein echter Mensch: Eine groß gewachsene, attraktive Frau im Sommerkleid schaute mich an. Nach einem Neustart wollte ich dem Androiden einen Namen geben, aber sie meinte bestimmt, sie könne das selber tun, wenn die Zeit dafür reif wäre. Außerdem wolle sie nicht arbeiten sondern lieber ins Kino gehen und zum Tanz.

Wir lernten uns besser kennen und ich war sogar ein wenig in sie verliebt.

Ich rührte ihr Herz und sie begann sich an ihre Vergangenheit zu erinnern. Ihr Name lautete früher NOVA und sie führte einst im zweiten Weltkrieg eine Gruppe tapferer Soldaten in den Kampf gegen die Nazis.

Die Mannschaft des deutschen U-Boots U-4711 hatte die Seiten gewechselt. Viele meiner Kameraden waren in Wirklichkeit versteckte Juden und die Sonderkommandos der SS waren uns stets auf den Fersen.

Einmal trank unser Kaleu mit einem Offizier eines anderen Schiffes Bier, um von uns abzulenken. Dann kamen sie: Schwarze Uniformen, harte Sprache und der Gestank nach alten Urin.

Wir flohen sternförmig in alle Richtungen, doch nach und nach kriegten sie uns alle - bis auf mich. Ich kletterte durch ein Haus, in dem ein Einbrecher ein altes Ehepaar ermordet hatte. Der Ehemann hatte noch versucht, sich noch mit einem Buttermener zu verteidigen, doch gegen den Revolver seines Mörders war er ohne Chance. Ich fand die Tatwaffe im Badezimmer und auch das Loch in der Deckenverkleidung, durch welches der Einbrecher in die Wohnung gekommen war. Diese nutzte ich zur Flucht.

Im Tunnel unter der Erde zeigte mir ein Kind den geheimen Weg zum kleinen, norwegischen Hafen. Sollte ich hier endlich vor den Nazis sicher sein? So wundervoll friedlich lag der Hafen da, bunte Lampions leuchteten in der Nacht.

Doch die SS fand mich und hier. Schnell schoß ich meinen Revolver leer, doch in jenem Moment, als mich die Schergen des Bösen gefangennehmen wollten, tauchten englische Soldaten auf und retteten mich. Der eindeutig adelige Offizier der Briten mochte mich nicht leiden, sicher wegen meiner deutschen Herkunft. Doch er konnte seine Abneigung gegen mich nicht wirklich gut ausleben, denn plötzlich ertönten Schüsse: Zombie-Nazis griffen an!!! Sie töteten erbarmungslos alle britischen Soldaten.

In höchster Not kam dann NOVA zu meiner Rettung herbei. Sie und ihr Team von coolen Kämpfern machten mit den Zombies kurzen Prozess und bald saß ich schon einem netten norwegischen Restaurant und aß köstlichen Fisch.

* * *

Mittagspause in „Hub 3", dem kleinen Begegnungs-Café der Caritas in Düsseldorf.

Bis auf mich sind hier alle Stammkunden.

Kaffee und belegte Brötchen, Eis und Eintöpfe. Eine angenehme Atmosphäre.

Es wird wieder sehr sehr warm in Düsseldorf. Am Nachmittag lasse ich den Sonnenschutz vor meinem Bürofenster herunter. Die Frau von der Reinigungsfirma ramentert durch die sonst ausgestorbene Bibliothek.

Wieder spüre ich dieses bekannte Ziehen, wenn ich auf der Arbeit alleine bin.

Draußen scheint die Sonne, alles ist gut.

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Kurz vor Feierabend reißt dann der Gürtel. So ein billiger Scheiß! Meine Versuche, ihn zu flicken, scheitern alle kläglich.Also nehme ich eine Kordel doppelt und benutze sie als Not-Gürtel. Daheim ist noch ein (billiger) Gürtel vorrätig und ich kann auch noch auf Hosenträger zurückgreifen.

Ein Gürtel aus Büffelleder ist bereits bestellt.

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Die Kordel hält nicht sonderlich gut. Ich muss mir die Hose festhalten wie ein gekidnappter afghanischer LKW-Fahrer. Würdelos eumel ich durch die Straßen, Kinder verspotten mich und bewerfen mich mit Pferdeäpfeln. Doch eines Tages werde ich zurückkehren, gegürtet mit dem goldenen Riemen der Gerechtigkeit!

Sanft nehmen mich die sanften Hände von Sawadi auf.

Alles ist hier sanft: Die Stimmen, die Blicke, selbst die Nummer 28 (scharf, "original") sind freundlich zu mir.

Das erste große Bier wirkt wie ein Jungbrunnen - allerdings nicht für mich sondern für die ältliche Geschäftsfrau am Tisch gegenüber.

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Einer der Gründe, warum ich ungern Fernreisen unternehme, ist der missliche Zustand, dass ich in einigen Ländern der Südhalbkugel als Gottheit verehrt werde.

Das ist mir -- ehrlich gesagt -- zu anstrengend.