KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2022-06-21 Dienstag - Spuk in der Zahnruine

Nacht voller Schrecken. Die Alpträume werden immer schlimmer: Waren die Träume erst harmlos und handelten davon, dass ich gemeinsam mit meinem (Ex-)Schwiegervater ein Zimmer in einem Studentenwohnheim bewohnte und von einer Silvesterfeier auf einem öffentlichen Platz, so geriet ich verschachtelte Träume, in denen meine Wahrnehmung so sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass ich Angst bekam, eine Psychose oder ähnliches zu bekommen (das war, wohlgemerkt, innerhalb eines Traumes).

Morgens wollte ich aufstehen, aber mir wurde derart schwindelig, dass ich mich wieder hinlegen musste.

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Ich muss mich zwingen, nicht in den Erlediger-Modus zu verfallen, denn dann würde ich mich garantiert überanstrengend.

Getting old is not for pussies!

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Zu Mittag die zweite gefüllte Paprika und zu Nachtisch ein Stück Schokolade. Plötzlich beiße ich auf etwas Festes: Ein Stück Zahn ist abgebrochen.

Mir bleibt auch nichts erspart!

Also versuche ich jetzt, einen Zahnarzttermin zu bekommen.

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Nun sitze ich hier beim Zahnarzt und langsam steigt die Angst in mir hoch. Die Angst davor, hilflos mit offenen Mund dazulegen, während eine Lohe des Schmerzes meinen Kiefer durchfährt.

Erinnerungen kommen hoch. Erinnerungen an Sprüche wie ,,Ein Indianer kennt keinen Schmerz!'' (schön für ihn! Ich bin aber offensichtlich keiner!) oder „Beiß die Zähne zusammen!" (beim Zahnarzt? Ist das Euer Ernst?).

Eine Spritze gegen die Schmerzen bekam ich als Kind nie. Warum eigentlich nicht?

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Im Wartezimmer hängt ein Cartoon von Ralf Ruthe und ein Druck von diesem berühmten japanischen Tsunami-Gemälde. Passt zur Stimmung!

Die Zeit will nicht vergehen.

Gerne würde ich jetzt so 2 Stunden vorspulen.

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Glück im Unglück: Der zerbrochene Zahn (Lustspiel von Kleist) war nur eine tote Ruine aus den Wurzelbehandlungsskriegen. Hier leben keine Nerven mehr, nur Gespenster heulen in der Nacht.

Deswegen konnte die sehr freundliche Ärztin alles vorläufig zuspachteln und ich habe schon einen Termin für meine Thronbesteigung. Sie meinte nämlich, ich bekäme eine Krone!

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Der Thronfolger und ich schauten am Abend ,,The Big Short'' und ich kann diesen Film uneingeschränkt empfehlen: Die Finanzkrise einfach und sogar unterhaltsam erklärt.

Er macht allerdings trotz aller Späße keine gute Laune.