KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2021 KW 13

Montag

Die Woche fängt mit Muskelkater an und das ist eigentlich ganz gut so. Die gestrige Wanderung war ja auch recht ordentlich mit bergauf und allem.

Heute beginnt der Countdown: Noch zehn Tage bis zur Heimreise! Morgen sind es nur noch neun Tage! Das Gesetz der Zahlen ist doch etwas wundervolles, nicht wahr?

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Spruchkalenderspruch ausgedacht:

Wenn der Staub sich legt,
werden die Mutigen weise.

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Noch einen Spruchkalenderspruch ausgedacht:

Wenn Du Deine Spruchkalendersprüche erklären musst, sollst Du Dir ein klügeres Publikum suchen!

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Seitdem ich hier in der Klinik bin, habe ich meinen Bart nicht mehr gestutzt (bis auf ein paar Fransen am Schnäuzer). So langsam gerät er mir aber außer Kontrolle. Falls es nach meiner Entlassung aus der Klinik noch einen gibt, werde ich mir bei einem Barbier wohl einen Termin geben lassen.

Markus mit Zauselbart

Dienstag

Diesen komischen Sand, den man morgens manchmal in den Augenwinkeln hat, nennt man in meiner sauerländischen Heimat Kies. Wenn man Streit mit jemandem hat, dann nennt man das Knatsch. Wenn es sich aber nicht um einen klassischen Streit, sondern mehr um eine Meinungsverschiedenheit handelt, so nennt man dies Meinungsverschiedenheit.

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Momentan empfinde ich Freude über mein mobiles Acer-Chromebook in Verbindung mit dem kleinen LTE-Router. Sicher würde ich auf der eher billigen und flachen Tastatur des Acers keine längeren Texte schreiben wollen, aber als mobiles, billiges ,,Überall-Gerät'' ist es bis auf das spiegelnde Display sehr gut geeignet. Der LTE-Router ist im Energiesparmodus, d.h. die WLAN-Reichweite ist gering und das Gerät geht nach 15 Minuten Inaktivität offline (Standby). Aus dem Standby weckt man das Gerät mit einem Druck auf einer der zwei Hardware-Tasten wieder auf. Die Details (Reichweite, Timeout) kann man aber nach Wunsch selber einrichten. Da ich mobil beim Schreiben das Chromebook auch gerne mal zwischendurch offline nehme, aber keine Lust habe, den Router aus dem Rucksack zu fummeln, wenn ich wieder online gehen will, so habe ich einen netten, kleinen Workaround: Ich hänge einfach in der Zwischenzeit das Smartphone in das WLAN und das verhindert dann den Standby-Modus. Wenn ich dann weiterziehe, schalte ich am Smartphone das WLAN aus (wodurch der Router eben nach 15 Minuten in den Standby-Modus geht) oder ich fahre den Router via Smartphone-App direkt runter.

Ist Technik nicht etwas Wunderbares?

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Auf dem Abendspaziergang kamen mir zwei kernige, junge Burschen entgegen. Einer von ihnen grüßte freundlich. Als beide an mir vorbei waren, rief er mir hinter mir her: ,,HABEN SEI WAS?''. Ich drehte mich irritiert um und fragte zurück: ,,Wie bitte?'' Der Bursche wiederholte seine Frage und machte mit der rechten Hand eine Raucher-Handbewegung.

Entweder, ich habe inzwischen (vielleicht durch den Bart?) eine hohe Kiffer-Credibility oder der Typ ist einfach nur sehr, sehr dumm.

Mittwoch

Seit Oktober 2020 habe ich nun 30 kg abgenommen, alleine davon 14,5 kg in Bad Tinnef:

Gewichtskurve am 30.03.2021

Die 14,5 kg sind ungefähr ein ganzer voller Kasten Bier (20 x 0,5 l), den ich seitdem weniger mit mir herumtrage.

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Ein Plan ist ein Versuch, die Zukunft zu kontrollieren.

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In der Zeit bis zum letzten Bilanzgespräch sitze ich am Ohbach auf der Bank in der Nähe des Spielplatzes und genieße die relative Ruhe (weiter unten an der Designhochschule wird gebaggert). Die Sonne scheint (ich sitze im Schatten) und die Bäume blühen. Leider blüht auch mein Heuschnupfen, aber es hält sich noch in Grenzen. Ob ich mir eine Ladung Cetirizin besorge?

Donnerstag

Das Cetirizin wirkt gut, macht mich aber auch ganz schön müde.

Die Abendrunde war länger als gedacht und ich kraxelte auf der Insel Grafenwerth über die große Steine, um am Rheinstrand ein Foto zu machen. Auf dem Rückweg ging es wieder nur mit Kletterei und das strengte meine eh schon strapazierten Muskeln ganz schön an. Ich landete auch noch innerhalb der Absperrung einer großen Baustelle und wollte nicht wieder über den für mich teilweise gefährlichen Weg zum Wasser zurück. Zum Glück war die Baustelle für den Tag nicht mehr in Betrieb, ich fand jedoch keinen Ausgang. Fast hätte ich ein Seil durchgeschnitten, mit dem zwei Bauzaunteile miteinander verbunden waren (ich hatte mein Taschenmesser dabei), jedoch wollte ich keine Sachbeschädigung begehen. Später fand ich doch noch einen doch noch einen Durchschlupf.

In der Klinik stellte ich fest, dass ich irgendwo meinen Schrittzähler verloren hatte. Das ist schade, aber ich habe davon noch ein zweites Gerät und für die restliche Zeit hier in Bad Honnef will ich Google Fit als Schrittzähler nutzen.

Freitag

Am frühen, stillen Karfreitag den Ohbach entlang zur Fuchshardtkapelle gestapft. Es waren zwar durchaus ein paar Leute unterwegs, aber im Großen und Ganzen ein verzauberter Morgen. Ich hatte befürchtet, dass an diesem Feiertag an der Kapelle im Wald viel los sein könnte und bin deswegen direkt nach dem Frühstück losgelaufen. Meine Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet, denn ich hatte die Kapelle für mich ganz alleine und konnte mich von diesem wundervollen Ort würdig verabschieden. Während ich dort in stillem Gebet saß, hörte ich von draußen lautes Ramentern, Gerede und Gequake (man wundert sich, wie gut man von drinnen Leute draußen belauschen kann!). Dann öffnete jemand hinter mir die Pforte der Kapelle und ich hörte ein Kind sagen: ,,Da ist jemand drin!!'' Die Pforte ging wieder zu. Von mir aus hätten die Leute ruhig reinkommen können, aber so war es natürlich auch in Ordnung.

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Google Fit als Schrittzähler funktioniert ganz gut. Es scheint auch keine sonderlich großen Differenzen zu dem verlorenen Omron-Schrittzähler zu geben. Die App zählt auch sogenannte Kardiopunkte mit stärkerer Aktivität. Für den Anfang hat mir Google 150 Kardiopunkte pro Woche vorgeschlagen. Am Ende des Tages kam die Meldung: ,,Sie haben ihr Wochenziel erreicht!'' :-)

Allerdings habe ich an diesem Tag mit mehr als 30.000 Schritten eindeutig übertrieben, denn am Abend schmerzten Gelenke und Rücken doch sehr.

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Abends habe ich mir Stefan Danziger Lost in DDR angeschaut.

Samstag

Da der Freitag so schrittreich gewesen war, habe ich die eigentlich geplante Wanderung nach Unkel verschoben und einen Schluffi-Tag eingelegt zwecks Erholung von Muskel und Knorpel. Ein wenig ärgerlich war es ja schon, dass die Sonne so schön zwischen den Wolken hervorblinzelte, aber ich hätte mich selber auf der Wanderung nur gequält und das ist auch nicht Sinn der Sache.

Da eine Mitpatientin Geburtstag hatte, habe ich ihr ein Sträußchen Blumen gekauft. Erst hatte ich die Befürchtung, dass man nur mit einem negativen Corona-Schnelltest in den Laden kommen würde, aber hier in Bad Honnef sind die Zahlen wohl gerade nicht so hoch. Einen Schnelltest würde ich auch im neuen Schnelltestzentrum nicht bekommen, da ich ja kein Bürger der Stadt bin.

Es hat aber alles gut geklappt und ich habe ein schönes, angemessenes Sträußchen kaufen können.

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Die Zeitformen hier im Blog ändern sich ständig: Mal berichte ich in der Vergangenheitsform, mal in der Gegenwart. Das hängt natürlich vom Zeitpunkt des Aufschreibens ab. Ich freue mich, dass ich diesen Wechsel inzwischen sehr souverän ignorieren kann.

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Wenn auf Station das Licht am Türschild des Badezimmers leuchtet, kann man einfach mal reingehen und die Frau, die in der Wanne sitzt und einen anschreit, fragen, warum denn das Licht am Türschild des Badezimmers leuchtet.

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Gedanken sind Worte,
projiziert auf die Rückwand meines Verstandes

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Auf meinem Schreibtischlein steht eine Tube ,,Sofort einziehende Handcreme'' -- falls jemand also einen Nachmieter sucht: Bitte melden!

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Man merkt, dass man langsam alt wird daran, dass die Nasenhaare grau werden.

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Am Abend gab es einen leckeren Burger (wir feierten den Geburtstag einer Mitpatientin), der mir schwer im Magen lag.

Sonntag

Gut und früh aus dem Bett gekommen, denn an den Wochenenden ist der Patientenwaschkeller (mitnichten der Ort, wo wir gewaschen werden, sondern wo wir waschen dürfen!) für alle Stationen frei und da ich wohl der einzige Patient hier mit einem Wecker bin habe ich um sechs Uhr (Ende der Nachtruhe) alle Maschinen frei.

Den Tag mit Spaziergängen und Lesen verbracht.