KieselBlog

Flusskiesels Notizen

2021 KW 11

Montag

Die Nacht war schlafreich und ich bin erst mit dem Wecker um sieben Uhr aufgestanden. Daher hatte ich keine Zeit, meine nächtlichen Träume aufzuschreiben und so habe ich sie schlichtweg vergessen.

Diverse Termine in der Klinik. Schwierigkeiten, mich auf mich selber einzulassen. Ich sollte wieder mit dem Meditieren beginnen.

Abends einen netten Spaziergang gemacht und immerhin unter 15.000 Schritten geblieben — ich darf es ja nicht übertreiben mit dem Laufen.

Dienstag

Der Meditationsversuch war ziemlich erfolgreich, weil ich dabei auch einige Ideen aus den bisherigen Therapien einbringen konnte. Wenn sich ,,meine'' Meditation bewährt, kann ich sie hier ja mal vorstellen.

* * *

Laubvögel

* * *

Trauerweide: Wo Kühe weinen

* * *

BILD-Chefredakteur Julian Reichelt wurde beurlaubt. Ich denke an dieses Video.

* * *

Spaziergang im Regen, Spaziergang im Hagel. Habe ich mich sehr gespürt und das war gut.

* * *

,,Entzündet die Ursachen von Zahnfleischbekämpfungen"

* * *

Hein Eigenmeim

* * *

Am Abend wieder meine ,,Patrouille''. Ich hatte viel Freude an der Bewegung und mir ist beim Gehen aufgefallen, wie sehr ich mich doch selber oft in ,,unsichtbare Wände'' einsperre. Ich meine damit, dass ich mir selber ohne wirklichen Grund (außer meinem Bedürfnis nach Strukturen) Regeln auferlege, die mich dann einschränken.

Kann man machen. Muss man aber nicht!

Mittwoch

Ein Freund von mir ist corona-positiv und seine Familie ebenfalls. Laut seiner SMS haben seine Lieben aber nur leichte Symptome und er eher gar keine (er ist sich nicht sicher, ob die beim nicht durch normalen Heuschnupfen verursacht werden).

Donnerstag

Wir haben erfahren, dass eine Mitpatientin es hier nicht packt und in die Psychiatrie gebracht werden wird. Das macht uns alle sehr traurig. Ich muss nebenbei an einen Bekannten denken, der wohl noch immer meint, ich würde hier eine ,,Kur'' machen und der mir ,,gute Erholung'' wünscht. Mein Lachen bei diesem Gedanken ist eher bitter.

Freitag

Ursula Andress wird heuer 85 Jahre alt. Sie möchte anlässlich ihres Wiegenfestes noch einmal in einem weißen Bikini der Venus gleich dem Meeresschaum entsteigen und alle Menschen finden das gut. Sie nicken heftig mit den Köpfen, das Lächeln auf ihren Gesichtern jedoch ist eingefroren.

* * *

Beim Lied ,,Restart Mann'' von Kapelle Petra fällt mir ein, dass ich doch wohl so einiges hierlassen werde in Bad Honnef.

Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für Dinge, die ich von einem bestimmten Menschen gelernt habe, obwohl dieser Mensch nichts davon weiß und auch niemals davon erfahren wird.

* * *

Abends hundekaputt ein bisschen beim Homekneiping zugehört und gelacht. Leider gab es Netzprobleme und ich konnte nicht immer alle gleichzeitig sehen.

Samstag

Obwohl ich früh im Bett war, reichte der Schlaf nicht ganz aus. Trotzdem mit einem Mitpatienten nach Königswinter spazierwandert und wieder Kaffee aus dem Kaufmannsladen geholt. Gute Gespräche, guter Kaffee, gute Gewohnheit!

Nach dem Mittagessen am Rhein gesessen und fast die Zeit vergessen (Merke: Witze aus Reimgründen sind nicht immer die Besten!). Zum Sitzen auf einer Parkbank war es ein wenig zu kalt und das Sonnenlicht für das leider spiegelige Display des Acer-Chromebooks ein wenig zu hell. Trotzdem eine gute Zeit.

Abends Homekneiping mit zitterndem Netz.

Sonntag

Erst kurz vor dem Frühstück aufgestanden. Körper und Geist brauchen Erholung. Ich bin sogar in Jogginghose und mit Schluffischlappen in den Speisesaal gegangen! Nach dem Frühstück noch eine halbe Stunde im Bett herumgegammelt. Nettes Gespräch in der Teeküche. Das Zimmer aufgeräumt und ein paar Computerdinge erledigt.

Mittags entpuppte sich das als vegetarischen ,,Burger'' beworbene Gericht als langweiliger Bratling mit Beilagen. Dank fetter Sauce Hollondaise, einem recht pfiffigen Gemüsemix (keine Ironie!) und dem sonntäglichen Eisdessert war die Mahlzeit dann doch noch ein Erfolg.

Am Nachmittag brachte ein Elternbesuch Abwechslung. Wir spazierten durch Bad Honnef und ließen uns von kaltem Wind beblasen. Eine seltsame Vorstellung: Es ist verboten, sich bei einem Eiscafé draußen auf eine Bank zu setzen und einen Kaffee zu trinken, aber in mehrfacher Klassenstärke in einer Blechröhre ,,auf Malle'' zu fliegen ist kein Problem!

Abends gingen mir beim Essen die Wörter aus und ich zog mich zeitig in meine Gemächer zurück. Ein friedlicher Abend mit klassischer Musik und vielen Buchstaben folgte.

* * *

Es fühlt sich gut an, wenn man geduscht und beschlafanzugt und mit Kuschelsocken an den Füßen in seinem Zimmerlein sitzt und weiß, dass man heute nicht mehr rausgehen muss.

* * *

Ich benutze ja neben dem mördermäßig großen und hypermegamodernen (hier stand übrigens erst ,,hypermegamordenden'') Smartphone ja noch ein kleines Nokia-Tastenhandy. Es dient mir als Uhr, Wecker und Kommunikationsanker, wenn seine große Schwester einen Maulkorb namens ,,Flugmodus'' trägt. Auch schreibe ich darauf gerne SMS, weil das so meditativ lange dauert. Mit einem Freund, der anstatt Messengerdiensten nur eben solche Kurznachrichten nutzt, schrob ich ein paar Nachrichten hin und her. Da er wie ich textlich zur Langform neigt, trudeln die einzelnen SMS, aus denen sein kleiner elektronischer Brief besteht, hier in 20-Sekunden-Abständen ein und ich warte geduldig darauf, seine Zeilen lesen zu können.

Ist das nicht putzig?

* * *

Als mir oben bereits erwähnter Freund schrieb, dass ihm aufgrund einer Corona-Infektion das Bier nicht mehr schmecken würde, bekam ich Panik und steckte mir unerlaubterweise ein Hustenbonbon in den Mund. Meine Erleichterung kannte keine Grenzen, als sich Wildkirscharmona an meine Schleimhäute schmiegte! Wenn ich jetzt Bier trinken könnte, dann würde ich es auch schmecken!

* * *

Wie viel km/h schafft so ein Schnelltest eigentlich?