20.03.2020: Vegetarischer Waldspaziergang

  1. Foto des Tages
  2. Tagesgeplätscher
  3. Gedankensalat
  4. Gelesen, geguckt und gehört
  5. Kieselfunk

Foto des Tages

Jung und alt

Jung und alt

Tagesgeplätscher

Die Nacht

Gut eingeschlafen, dann unruhiger Schlaf ab 2 Uhr nachts. Irgendwann das Lied ,,You're the Voice'' im Ohr gehabt (ein Lied, welches ich ja eigentlich sehr mag) und tiefe Trauer verspürt. Dann wieder Eingeschlafen.

Mir träumte, ich würde zusehen, wie ein vierjähriger, blonder Junge lernt, mit Hilfe eines Raspberry Pi in ganz Amerika Kameras zu kontrollieren. Irgendwann wurde es dem Jungen zu langweilig und erst stand auf, ging zu einem der Monitor und stieg hinein. Ich folgte ihm. Wir gingen eine weite Wendeltreppe hoch und oben war so ein Turm-Restaurant mit großen Fenstern. In der Mitte des Hauptraumes ein Lounge-Tisch. Dort stellte sich das Kind hin und schaute die intelligent guckenden Menschen an, die um den Tisch saßen. Mir wurde erklärt, dass man eigentlich den US-Präsidenten interviewen wolle, er aber noch im Nebenzimmer säße, um seinen Burger mit Pommes aufzuessen. Erst jetzt fielen mir die vielen Security-Männer in schwarzen Anzügen auf. Ich sah mir nun auch die anderen Leute im Restaurant genauer an: Da waren zwei schlanke, schwarze Frauen, schön wie Models, die sich gegenüber saßen und bei den Händen hielten. Ein Schwarzer in einem Anzug mit Orden an der Brust stand an einem der Fenster und schien die Gegend zu bewundern. Neben mir stand ein junger Mann mit einem sehr dünnen Schnauzbart und aus seinen Nasenlöchern lief Blut.

Ich fasste mir selber an die Nase und auch aus meiner Nase lief etwas Blut. Der junge Mann schauten uns kurz verwirrt an, dann gingen wir beide wie auf ein Kommmando zum Ausgang. Immer mehr blutige Nasen waren zu sehen und auf der Treppe lagen die Sicherheitsleute blutig auf den Stufen. ,,Das kommt sicher vom Luftdruck!'' sagte der blutige Schnauzbart, doch ich zeigte auf einen abgetrennten Arm auf dem Boden und erwiderte: ,,Ich glaube nicht, dass so etwas vom Luftdruck kommt!''

Unten angekommen bat sich uns ein Bild des Grauens: Überall zerstückelte Leichen und um die Katastrophe komplett zu machen, stand vor dem Ausgang der Schwarze Ritter!

Ich blieb wie vom Donner gerührt stehen, während hinter der Schnauzbart das Weite suchte.

Wie konnte das sein? Ich hatte den Schwarzen Ritter doch besiegt?

Ich erinnerte mich an den Kampf, der in einer ganz ähnlichen Situation stattgefunden hatte. Ich erinnerte mich, wie schnell und stark und zäh er war und wie ihn nur mit Mühe hatte bezwingen können. Damals hatte ich noch Schwert und Schild mit magischen Kräfte und eine Rüstung getragen und nun stand ich im Schlafanzug vor meinem mächtigsten Gegner.

Geistesgegenwärtig stürzte ich mich auf ihn, rammte ihn mit meinem ganzen Körpergewicht und wir beiden fielen zu Boden -- er auf den Rücken und ich auf ihn drauf. Sein Schwert ließ er los und es landete klappernd auf den Fliesen des Foyers. Sein Helm verlor er ebenfalls und ich sah in zwei wunderschöne dunkelbraune Augen.

Das war nicht der Schwarze Ritter! ,,Osfa!'' rief ich atemlos. Osfa von den unbesiegbaren amüsanten Drei! Die große, schöne, witzige Osfa! Sie hatte sich das Gesicht schwarz und grau geschminkt.

Sie lachte mich fröhlich an.

,,Osfa!'' wiederholte ich mich ,,Was machst Du hier? Wie kommst Du in diese fremde Welt?''

Stirnrunzelnd fragte sie mich: ,,Was für eine fremde Welt?''

Was war hier passiert? War sie vielleicht aus Versehen in diesen Teil des Multiversums gekommen und war einfach in die falsche Situation hereingeplatzt? Hatten die Sicherheitsbeamten sie als Bedrohung gesehen und hatte sie sich einfach nur verteidigt?

Anstatt mir weiter Fragen zu stellen, küsste ich sie auf den Mund.

Ich weiß nicht, warum ich das tat (zugegeben: Ich weiß ziemlich genau, warum ich das tat!), denn Osfa und ich hatten uns zwar immer gut verstanden, mehr war da aber nicht gewesen.

Verwirrt richtete ich mich auf, stammelte Entschuldigungen. Doch die junge Frau lachte einfach weiter, nahm mich bei der Hand und zog mich nach draußen.

Wir liefen durch eine Landschaft aus grünen Hügeln und mit vielen kleinen Seen dazwischen. Sie sprang in einen dieser Seen und verwandelte sich dort in einen Otter. Sie wusch sich die Schminke vom Gesicht und tollte fröhlich im Wasser herum. Ich war unsicher, was ich tun sollte und verwandelte mich in einen Wolf, der am Ufer stehen blieb und ihr zusah.

Plötzlich kam ein Bär auf mich zu. Er war gerade ausgewachsen, noch grün hinter den Ohren. Er schrie mich an: ,,Was tust Du hier? Wer bist Du? Du stinkst nach Dämon! Nach Dämon!''

Bären und Wölfe hassen sich.

Bevor ich reagieren konnte, war Osfa schon an meiner Seite. Sie hatte sich in eine alte, kampferpropte Kriegerbärin verwandet. ,,Lass ihn in Ruhe!'' rief sie ihm zu ,,Er gehört zu mir!''

Der junge Bär entschuldigte sich kleinlaut und zog mit eingekniffenem Schwanz von dannen.

Ich schaute die Bärin neben mir verliebt an. Schaute in ihre schönen, dunkelbraunen Augen.

Der Morgen

Aufgestanden um halb sechs. Geduscht. Kaffee gemacht. Ins Homeoffice eingeloggt. Noch läuft alles flüssig. Wird ein arbeitsreicher Tag heute.

Befindlichkeit

Mischung aus Optimismus und Katastrophenstimmung. Die Fotos von den LKWs des italienischen Militärs, welche die Toten aus Bergamo abtransportieren, gehen mir nicht aus dem Kopf. Auf der anderen Seite schicken Freunde ermunternde Nachrichten und größtenteil ziemlich lustige Memes und Videos herum. Als ich gestern mit meinen Eltern telefoniert habe, hat mir meine Mutter erzählt, die beiden hätten einen Bericht aus einer Art Zwischenlager für Klopapier gesehen. Der Chef der Einrichtung zeigte die bis oben gefüllten Lagerhallen und erzählte dann, er habe bei sich auch schon verwundert den Drang verspürt, sich einen privaten Vorrat anzulegen. Wir haben uns ausgeschüttet vor Lachen.

Ab Montag muss ich hier meine kleine Höhle verlassen und nach Düsseldorf fahren, um dort meine Präsenzschicht zu schieben. Das macht mir langsam Sorgen -- aber wer weiß, was über das Wochenende alles geschieht.

Beim Frühstück höre ich die Nachrichten vom Deutschlankfunk. Es gibt jetzt auch Ausgangssperren in Freiburg. Plötzlich überkommt mich siedendheiß die Erkenntnis: Das ist ja alles echt! Das passiert wirklich! Das ist kein Gedankenspiel, keine Angstfantasie! und ich schaue aus dem Fenster und meine kleine Straße steht voller Autos und alle Autos stehen und keines fährt und niemand läuft herum und ich dann muss ich Weinen. Ich lerne ja zur Zeit, meine eigenen Gefühle zu akzeptieren und lasse die Tränen laufen. Einzig macht mir jetzt Sorgen, dass jemand von der Arbeit anrufen könnte und ich ins Headset heule. Das wäre mir schon peinlich (komisch: Darüber hier zu Schreiben ist mir nicht peinlich).

Kurz darauf geht es schon besser. Tapfer bleiben! Durchhalten)!

Es ist ganz leise draußen. Nur die Vöglein zwitschern.

Homeoffice

Der Tag war arbeitsreich und anstrengend. Wir wollen jetzt vermehrt unsere digitalen Angebote bewerben und dafür müssen Listen erstellt werden dafür habe ich mein Konvertierungsskript auf die Schnelle angepasst.

Der Wald und der Abend

Pünktlich um 16 Uhr Feierabend und einen Spaziergang in den Wald gemacht. Aus dem kleinen Spaziergang wurde dann einer von gut zwei Stunden.

Abends dann vegetarische Bolognese gekocht. Das hat dann bis in die Nacht gedauert. Stimmung wurde schlechter und schlechter. Bis drei Uhr morgens wach geblieben, Podcasts gehört, immer wieder geweint.

Gedankensalat

Um die Folgen der Krise in unserem Land zu mildern, hat die Bundesregierung beschlossen, 40 Millarden Rollen Klopapier an die Bevölkerung zu verteilen. Die Kirchen und werben für das Klopapierfasten. Die Fastenzeit wird hierfür extra verlängert. Das Motto: ,,Sieben Wochen ohne!''

Gelesen, geguckt und gehört

Der Kiezschreiber mal wieder:

(Zitat) Vier Wege, mit dem Virus umzugehen: Panik, Verdrängung, Humor und Kontrollzwang (Toilettenpapier!). (/Zitat)

Kieselfunk

48 Die Natur ist meine Kneipe!

Link zur Episode

Ein herrlicher Waldspaziergang!