11.11.2019: Sie würden es gerne ,,Braveheart'' nennen

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Sie würden es gerne ,,Braveheart'' nennen


Für einen Montag bin ich erstaunlich gut aus dem Bett gekommen. Allerdings bin ich auch vorher für einen Sonntag erstaunlich gut ins Bett hinein gekommen: Nach einem Abendspaziergang sank ich kleopatragleich in ein Bad aus warmer Eselsmilch (vegan) und las ein wenig. Ich habe nämlich gestern das Motto ausgerufen: ,,Lesen! Jeden Tag Lesen!'', nachdem mir aufging, dass es momentan weder mit dem Lesen, noch mit dem Schreiben so richtig weitergeht. Für mich gilt auch: ,,Wer Schreiben will, muss Lesen!''


Ich komme gegen sechs Uhr morgens am Duisburger Hauptbahnhof an. Der morgendliche Kaffee drückt die Blase, daher laufe ich den Bahnsteig weiter bis zum Haupttunnel und gehe aufs Bahnhofsklo. Dort steht am Waschbecken ein Mann und wäscht sich. Er sitzt verhältnismäßig gepflegt aus, doch trotzdem wäscht er sich morgens auf dem Bahnhofsklo. Er scheint den Mann, der hier die Morgenschicht macht, gut zu kennen. Ich möchte mir die Hände waschen, aber es gibt nur ein Waschbecken hier. Eine peinliche Situation entsteht, aber der Mann nickt und freundlich und tritt zur Seite. Seine Seife und seinen Kamm verstaut er in einem Koffer. In der großen Einkaufstasche daneben liegen Zeitungen und leere Plastikflaschen. Ich beeilige mich und fühle mich wie ein Spanner, der bei fremden Menschen ins Badezimmer eingedrungen ist.

Ich erinnere mich an eine Frau, die ich mal in einem Park in Düsseldorf gesehen habe. Sie wusch sich die Haare mit Wasser aus Flaschen. Es war ein Versuch, trotz allem ein wenig Würde zu bewahren. Der Park umringt eines der besten Kunstmuseen der Landeshauptstadt und ist fußläufig nur wenige Minuten von der Königsallee entfernt.

Es gibt mehr Obdachlose, als wir sehen wollen.


Es gab mal eine Zeit, in der eine große und reiche deutsche Stadt sich sehr über einen Software(quasi)monopolisten geärgert und den Schritt zu einem quelloffenen System gewagt hat. Die Mächte der Finsternis des Marktes regelten dies aber schnell wieder zurück. Nun erzählt der damalige Bürgermeister seine Sicht der Geschichte und berichtet, wie er Steve Ballmer und sogar Bill Gates persönlich getroffen hat. (Via Fefe)


Seltsam, dass bei dieser ganzen Herumforscherei in Sachen Lesen und Gehirne und digitalen Medien nicht auch mal ,,klassische'' E-Book-Reader mit untersucht werden. Mir scheint es, als würde immer auf den großen Endkampf ,,Gedrucktes Buch vs Bildschirm'' hinauslaufen. Dass es aber auch E-Ink-Displays mit einer sehr augenfreundlichen Auflösung gibt und dass man damit gerade ,,klassische'' (Nur-Text-)Bücher liest, wird nie erwähnt.

Oder nutzt diese Dinger niemand mehr?


Ich erinnere mich noch gut an eine ganz bestimmte Physikstunde. Ich weiß allerdings nicht mehr, wann genau sie stattgefunden hat -- sicher ist, dass es nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl gewesen sein musste. Atomkraft war Thema der Stunde und es gab Informationsbroschüren aus dem Kernforschungszentrum in Jülich mit dem Konterfei des Umwelt- und Energieministers darin. Ich kann mich nicht mehr an seinen Namen erinnern, nur an seinen Vollbart und dass ich damals dachte, er würde besser auf einen Fischkutter passen als in so eine Broschüre.

Der Physiklehrer hatte mit großen, roten Lettern ,,CDU'' auf der Stirn geschrieben stehen und pries Sicherheit und Verträglichkeit der Atomtechnologie, konnte jedoch damit die Wolken der Skepsis im Klassenraum nicht vertreiben. Ich hatte kurz vorher im Fernsehen einen Bericht darüber gesehen, wie sich Wissenschaftler ernsthaft Gedanken darüber machten, wie man Endlager für Atommüll denn so markieren könne, dass auch zukünftige Generationen verstehen würden, dass diese Orte ein schlechter Platz zum Siedeln oder gar zum Graben seien: Schilder aus Metall verrotten und selbst wenn man Zeichen in Beton gießen würde, könnten die Menschen der Zukunft diese möglicherweise nicht mehr entschlüsseln, weil sich Sprachen und Codes ändern. Die Ideen der Wissenschaftler waren zwar teilweise albern (,,Wir züchten Tiere, die sich bei Radioaktivität verfärben!''), bei mir jedoch war die gigantische Dimension des Problems angekommen! Man musste das hochgiftige Zeug für nahezu unbegrenzte Zeit bewachen!

Nun wagte ich es, in dieser Werbeverkaufsveranstaltung der Atomindustrie, die Frage des Endlagers zu stellen.

Ich hätte besser in ein Wespennest getreten.

Der Lehrer fühlte sich vom Thema ,,Endlager'' persönlich angegriffen und das ließ er mich auch spüren: ,,Werden die Menschen denn dümmer??'' fauchte er mich an, gefolgt von einem ,,Das kommt einfach in einen Salzstock und dann ist Ruhe!''

Damals war ich noch zu jung, um adäquat zu reagieren, z.B. um ihn auf den Untergang von Zivilisationen hinzuweisen und wie viel Wissen so verloren gehen kann. Die guten Erfahrungen mit dem Endlager Asse II]( https://www.deutschlandfunk.de/marodes-atommuelllager-die-wachsende-gefahr-von-asse-ii.724.de.html?dram:article_id=440331) hatte man damals noch nicht gemacht.

Diese für mich denkwürdige Physikstunde kam mir wieder in den Sinn, als ich diesen Artikel über das Verklappen von Atommüll im Meer las.