06.03.2020 bis 09.03.2020: Hollandaise

  1. Foto des Tages
  2. Tagesgeplätscher
  3. Kieselfunk

Foto des Tages

Schutzmann

Schutzmann

Backfischdieb (rechts)

Backfischdieb (rechts)

Tagesgeplätscher

06.03.2020
Die Nacht

Unruhig aber hinreichend geschlafen. Mir träumte, ich würde mir Freunden im elterlichen Garten LARP (Live-Rollenspiel) spielen. Doch es war nicht nur ein Spiel, denn einige Wunder waren Wirklichkeit: Ein kleiner Gnom, vielleicht vierzig Zentimeter groß, trippelte fröhlich herum. Er war mit Kastanienblättern bekleidet und sogar auf dem Kopf trug er welche. Er war ganz rund und seine Beinchen und Ärmchen ganz dünn. Unter seiner Knollennase lachte ein lustiger Mund.

Als ein Kobold über den Gartenzaun zu Steigen drohte, beschwor unsere Elfin einen Bogen und freute sich sehr darüber, das ein Helios-Bogen in ihren Händen erschien.

Der Kobold hatte keine Chance.

Dann probierte die Elfin den Bogen ganz in Ruhe aus. Die Pfeile zischten nur so über uns hinweg. Ich schaute den Ritter an, der neben mir stand und meinte:

,,Wenn man bedenkt, dass echte Kriegsbögen noch viel stärker und echte Pfeile noch viel spitzer waren ...''

Der Ritter nickte.

Dann kamen fremde Leute zu Besuch und wollten den Garten besichtigen. Sie verstanden das Spiel nicht und den fröhlichen Gnom hielten sie für ein Kleinkind.

Der Morgen

Geduscht und ein Mehrkornbrötchen mit Ei gefrühstückt.

Reisevorbereitungen:
Ich bin ja Packlisten-Fan und schreibe dort wirklich alles auf, was ich mitnehmen möchte und muss. Zum einen vergesse ich dadurch nichts Wichtiges (,,Ach!''), zum anderen gibt mir die Liste ein Gefühl der Sicherheit, denn vor einer Reise bin ich meist sehr, sehr aufgeregt. Also habe ich auf meinem Bett sämtliche Dinge aufgereiht, die mit sollen und sie dann in der Liste abgehakt. Die Reisetasche ist schön voll geworden, aber alles passte noch. Meinen normalen Stadtrucksacke habe ich als Tagesrucksack mitgenommen. Auch für das Chromebook war Platz!

Die Fahrt nach Köln

Eigentlich geht es ja nach Hoofddorp in den Niederlanden und ich könnte bequem in Duisburg in den Zug nach Amsterdam steigen. Jedoch treffe ich mich mit Freund M. heute in Köln und wir starten gemeinsam und ich möchte den Tag in Köln dazu nutzen, ein paar Orte aufzusuchen, die mir etwas bedeuten, auch auf die Gefahr hin, dass mich das sehr melancholisch macht.

Der EC ist nur gering ausgelastet und ich bekomme auch ohne Reservierung einen Platz und tippel fröhtlich auf dem Chromebook herum (ich schreibe gerade diese Zeilen, weswegen ich auch in den Präsenz gerutscht bin. Was soll's!?).

Sogar einen Kaffe gönne ich mir. Die Fahrt dauert nicht lange und vor Ort werde ich mir ein Tagesticket für den ÖPNV holen, die Reisetasche einschließen und Richtung Köln-Mülheim düsen.

In Köln

Am Kölner Hauptbahnhof habe ich meine Reisetasche in so ein modernes Schließfach gelegt, wo man sein Gepäck in eine Klappe legt und dieses dann auf geheimnisvolle Weise mittels automatischer Maschinendinge verstaut wird. Man bekommt eine Papp-Karte und geht seiner Wege.

Kalk

Vom Hauptbahnhof bin ich dann mit der S-Bahn zur Haltestelle Trimbornstraße gefahren und schon war ich in Köln-Kalk. Ich kann sagen, dass sich in den zwanzig Jahren viel verändert hat, bzw. ich habe absolut nichts wiedererkannt. Den Weg zur alten Wohnung habe ich dennoch gefunden. Das Haus steht noch und es sieht noch genau so abgeranzt aus wie früher. Auch scheint die Gegend um die Wohnung auch weiterhin von vielen Italienern (bzw. von aus Italien stammenden Menschen) bewohnt zu werden, denn es gab zahlreiche italienische Bistros und auf der Straße hörte man auch viel italienisch. Der Anblick des alten Hauses hat mich schon ein wenig melancholisch gemacht, dass der kleine Kiosk im Erdgeschoß, wo man immer so praktisch über den Innenhof rein konnte, um Bier und Eis zu kaufen, nicht mehr da ist, hat die Sache nicht besser gemacht. Allerdings hilt sich der Wehmut dann doch in engen Grenzen, denn alles wirkte so fremd auf mich, dass ich kaum mit meinen Erinnerungen eine Verbindung aufbauen konnte.

Köln-Niehl

Um den Kopf wieder frei zu kriegen lief ich zu Fuß bis nach Köln-Mülheim. Auf dem Wege dorthin (ich glaube, in Buchholz) habe ich einen Döner zu Mittag gegessen. Von Mülheim aus ging es mit der Bahn zum Hauptbahnhof. Allerdings war noch reichlich Zeit bis zum Treffen mit M., also stieg ich kurzerhand in die Linie 16 und fuhr nach Köln-Niehl. Dort hat nämlich damals die Prinzenmutter gewohnt und ich bin nach dem Ende des Studiums dort ein paar Monate untergeschlüpft. Niehl ist sehr hübsch und irgendwie ein bisschen dörflich. Der nette griechische Imbiss in der Nähe der (End-)haltestelle existiert nicht mehr, aber ich habe das Haus wiedergefunden und gegenüber gibt es noch die nette kleine Kneipe (,,Schützenhof''). Über die Dorfstraße ging ich dann wieder zurück zur Haltestelle.

Die Reise

Getroffen haben M. und ich uns im Gaffel am Dom, das praktischerweise direkt gegenüber dem Hauptbahnhof liegt. Nach ein paar Kölsch ging es los, dem Automaten meine Reisetasche wieder entlocken und Reiseproviant (Kölsch!) kaufen. Ein Bettler sprach mich auf Kleingeld an und als ich ihm welches geben wollte, winkte er ab und sagte: ,,Kein Kupfergeld!'' -- na, dann eben nicht ...

Die Reise nach Hoofddorp hatte folgende Etappen: Mit dem IC nach Duisburg, dort Umstieg in den Regionalzug nach Arnheim. Dort wieder in einen (niederländischen) Intercity bis nach Amsterdam. In Amsterdam dann Umstieg in einen Sprinter nach Hoofddorp. Alles klappte wie am Schnürchen und die niederländischen Züge waren für deutsche Verhältnisse geradezu unanständig pünktlich. Im IC nach Amsterdam haben wir gesehen, dass es dort in der ersten Klasse sogar eine Sitzecke mit einer Art Sofa gibt. Sehr schön!

Unser Plan, in Hoofddorp ein Taxi zum Hotel zu nehmen, scheiterte an einem Taxi. Da war nämlich keines am Bahnhof. Wenigstens sind wir aus dem Bahnhof herausgekommen, denn in den Niederlanden muss man sein Ticket an einen Automaten halten und erst dann öffnet sich eine Schranke. Die Schranke hat aber netterweise den QR-Code auf meinem Handy akzeptiert. Mich würde echt interessieren, wie das ganze mit den Online-Tickets und den QR-Codes so funktioniert!

Der Fußweg zum Hotel war anstrengend, denn ich musste meine Reisetasche am langen Arm tragen und solche Sperenzchen goutiert mein Rücken nicht. Irgendwie ging es dann. Im Hotel wurde uns beim Einchecken die frohe Botschaft verkündet, dass wir ein Upgrade auf die Business-Klasse bekämen. Wir nahmen es ganz bescheiden an. Das Zimmer ist groß und so eingerichtet, als würden normalerweise Riesen dort logieren. Nun, die Niederländer sind ja auch immer recht groß gewachsen ...

Den Abend haben wir dann an der netten Hotelbar ausklingen lassen (Amstel aus Halbliterkrügen).

07.03.2020
Die Nacht

Ganz gut geschlafen für eine erste Nacht im fremden Bett. Mir träumte irgendwas von der Arbeit, aber das habe ich leider wieder vergessen. Aufgestanden um halb neun, in der für Riesen gemachten Dusche geduscht und erst einmal diesen Blogeintrag auf Stand gebracht. Da M. wohl noch ein bisschen Zeit braucht, bin ich dann auf eigene Faust ins Dörfchen gegangen um etwas zum Frühstücken zu besorgen. Abenteuer!

Das Frühstück

Ha! Klassischer Kulturfehler! Gestern Abend sahen wir noch eine Bäckerei und meinten: ,,Da können wir ja morgen frühstücken!''

Als ich gerade vor der Bäckerei stand, wurde mir klar, dass Bäckereien, in denen man auch Kaffee trinken und belegte Brötchen essen kann, eher eine deutsche Spezialität sind. Hier kann man in einer Bäckerei Brot und Kuchen kaufen und sonst nichts. Ich ging dann in ein Bagels and Beans und aß dort einen Sesam-Bagel mit Frischkäse und Konfitüre. Dazu gab es einen sehr leckeren Kaffee und ein Glas frisch gepressten Orangensaft.

Schienenersatzverkehr

Nachdem M. wieder unter den Lebenden weilte, sind wir zum Bahnhof gelaufen und in den Schienenersatzverkehr nach Leiden gestiegen.

Der Unterschied zwischen dem deutschen und dem niederländischen Schienenersatzverkehr ist folgender:

Niederländischer Schienenersatzverkehr: An der Abfahrts-Busspur stehen mindestens drei freundliche Mitarbeiter, welche die Fahrgäste mehrsprachig einweisen. Es waren laufend (!) große Reisebusse zum Zielbahnhof ab.

Deutscher Schienenersatzverkehr: Am Bahnhof hängen ausgedruckte Zettel mit Pfeilen. Pro Zug oder S-Bahn fährt exakt ein alter Linienbus. Dass in einen Linienbus nur ein Bruchteil der Fahrgäste eines Zuges hineinpassen, ist egal. Der Bus fährt ein- oder zweimal in der Stunde.

Statt 15 Minuten haben wir etwas mehr als eine halbe Stunde gebraucht, die Fahrt war in den bequemen Sitzen recht kurzweilig.

Leiden

In Leiden haben wir dann auf A. und C. gewartet, welche, aus Dublin kommend, ungefähr zu der Zeit in Amsterdam landeten, als wir in den Bus stiegen.

Freundliche Begrüßung und Abmarsch in die Innenstadt.

Leiden ist berühmt für seine Universität und für seinen Wochenmarkt. Letzteren konnten wir begutachten und er war wirklich beeindruckend: Durch fast die gesamte Altstadt mit ihren Grachten sind Verkaufsstände aufgereiht. Es duftet nach Käse, Fisch und frischen Waffeln.

(Spätes) Mittagessen in einem Lunchcafé. Wir saßen zur Straße hin. Pfannkuchen mit Käse und Speck für mich. Dazu ein großes Heineken.

Weiter Besichtigung der (erstaunlich winzigen) Burg. Dann Rückmarsch zum Bahnhof durch die Altstadt, immer schön die Grachten entlang.

Die Rückfahrt mit dem SEV verlief wieder schnell und vollkommen problemlos.

Einkauf

Da sich A. und C. noch mit niederländischen Spezialitäten (meist Süßkram) eindecken mussten, sind wir in einen Albert Heijn gegangen. Mein Lieblingsbier gab es da für 1,80 Euro die Flasche, da habe ich die letzten drei gekauft. Irgendwann stand ich vor dem Regal mit Milch und diesen Joghurt-Drinks und plötzlich wurde mir klar, dass ich einen schier unglaublichen Durst hatte. Ich hatte ja auch kaum was getrunken an dem Tag: Etwas Wasser am Morgen, dann Orangensaft, Kaffee und Bier. Für den Flüssigkeitshaushalt ist das nicht sonderlich gut! Deswegen bin ich sofort zur Kasse und habe auf einer Bank im Foyer des Supermarktes meine Klean Kanteen mit Wasser leer getrunken und auf die anderen gewartet. Später im Hotel habe ich dann gleich noch mehr Wasser nachgelegt.

Der Abend

Abendessen in einer kleinen Burgermanufaktur. Allerdings hat von uns keiner einen Burger gegessen. Leckeres Bier vom Fass. Später dann im ,,De Polderboom'' gewesen, einer Kneipe gegenüber dem Hotel. Große Freude: Hier gibt es mein Lieblingsbier (siehe oben) vom Fass!

Später dann noch mit A. an der Hotelbar versackt.

08.03.2020
Haarlem

Morgens nicht aus dem Bett gekommen (Hotelbar war schuld), mich immerhin von C. verabschiedet, der wieder abreisen musste. Der Rest der Truppe machte einen Ausflug per Bus nach Haarlem, um dort Basketballwitze zu reißen. Wir waren doch sehr überrascht, dass man in niederländischen Bussen nicht mit Bargeld bezahlen kann -- das geht alles nur noch per Karte. Haben wir aber hingekriegt.

Haarlem ist eine sehr schöne, quirlige Stadt. Mittags flämische Pommes (die besten holländischen Pommes sind die aus Belgien) und später ein Bier in einer kleinen Eckkneipe. Der Nachmittag brachte einen Abstecher ans Meer nach Zandvoort. Die Sache mit dem Busfahren beherrschten wir inzwischen ziemlich gut. Obwohl Regen angesagt war, hatten wir Glück und es blieb trocken. Allerdings blies ein eiskalter Wind und wir flüchteten uns in eine Strandbar. Später Kibbeling und C. bei einem der zahlreichen Fischstände auf der Strandpromenade. Eine Möwe hat A. einen Teil seines Backfisches geklaut.

Die Busfahrt zurück hat auch gut geklappt.

Der Abend

Nach kurzem Ausruhen im Hotel wieder in ,,De Polderboom''. Viel geredet. Übrigens schmeckt das ,,Hertog Jan Enkel'' hervorragend!

09.03.2020
Rückreise

Aufstehen, Frühstück bei Lidl organisiert, ausgecheckt. Noch ein Kaffee bei ,,Bagels and Beans'' und dann mit dem Bus zum Bahnhof Hoofddorp. Der Busfahrer wollte uns keine Fahrkarte verkaufen für eine Haltestelle und wir durften einfach so mitfahren. Nette Geste!

Als deutsche Bahnhfahrer sind wir eine Stunde eher losgefahren und hatten deswegen in Amsterdam ungefähr eineinhalb Stunden Aufenthalt. Da das günstigste Schließfach am Bahnhof in Amsterdam 7,50 Euro kostet, sind wir mit Sack und Pack ein bisschen herumgelaufen. Dieses Stadtviertel voller Käseläden und Cannabis-Dildos ist irgendwie nichts für mich. Da A. eine andere Verbindung als M. und ich gebucht hatte, trennten wir uns nun. M. und ich fuhren mit einem IC nach Arnheim und von dort aus mit dem RE nach Duisburg. Dort trafen wir A. wieder und verabschiedeten nun M., der weiter zu seinem Wohnort musste. A. und ich tranken noch bei ,,Bella'' am Ostausgang des Duisburger Hauptbahnhofes ein Bierchen. Am späten Nachmittag brachte ich A. dann zu seinem Gleis und nahm mir wegen der schweren Reisetasche ein Taxi nach Hause. Endlich daheim!

Der Abend

Abendessen im Finkenkrug. Erst wollte ich mir einen Burger bestellen, dann fiel mir der vegetarische Burger ins Auge und dann habe ich mich doch für den vegetarischen Wrap mit viel Salat entschieden. Die etwas einseitige Ernährung der letzten Tage ließ in mir das Bedürfnis nach grünem Essen wachsen.

Später dann noch Podcasts in der Küche.

Kieselfunk

43 Köln-Kalk-Cast

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Ich bin in Köln-Kalk.

44 Hoofddorpcast

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Holland. Frühstückskulturschock (mild). Die Sonne scheint.

45 Das kleine Herz

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Unter der Regendusche im Hotel sind mir ein paar Verse eingefallen.