Es ging schon seit Wochen so. Nachts glitten Schatten über mein Gesicht und ich wachte auf. Ich lag dann immer ganz still da und schaute nach draußen.
Die Schatten schauten nach drinnen.
Stundenlang.
Deswegen war es nicht schlimm, dass mich B. um 2 Uhr nachts anrief.
“Scheiße! Scheiße! Wo bin ich?” flüsterte er in den Hörer. Die Panik in seiner Stimme war deutlich.
Schnell stand ich auf und ging in die Küche.
“Was ist denn los?” fragte ich “Was hast Du wieder angestellt?”
“Ich weiß nicht, wo ich bin!” B. krächzte fast bei dem Versuch, möglichst laut leise zu flüstern:
“Ich bin hier in einer fremden Wohnung und da ist noch jemand!”
Ich seufzte.
“Bist Du wieder besoffen?”
“Ja. Nein. Weiß nicht. Was soll ich denn jetzt machen? Wie bin ich hier hergekommmen? Ich verstecke mich hier im Bad!”
“Woher soll ich das wissen? Warst Du in einer Kneipe? Hat Dich vielleicht jemand mitgenommen?” versuchte ich, aus ihm herauszukriegen.
“Ich war zu Hause. Da saß ich vor dem Computer … dieses neue Spiel … gerade gesaugt … und plötzlich bin ich hier!! Wer ist das? Wer sucht nach mir? Scheißescheißescheiße!!”
B. schaffte es auch immer, sich in Schwierigkeiten zu bringen!
Wut kochte in mir hoch. Wut über B., über meine Schlaflosigkeit, über die Schatten, die über mein Gesicht strichen.
“Wahrscheinlich ist es der Scheißescheiße-Ficki-Ficki-Pakistani-Mann!! Und wenn er Dich kriegt, dann bist Du fällig!” stieß ich hervor und legte auf.
Ich schüttelte den Kopf.
War ich überhaupt wach?
Dann zuckte ich mit den Schultern und kochte Kaffee.
Ich würde eh nicht mehr Schlafen können, also setzte ich mich an den Rechner.
